„Ich habe das Gefühl, dass alles passieren kann” – Samstag erster Aufschlag

Foto DOSB/DVV Foto DOSB/DVV Endlich Olympia! Mit einem Jahr Verzögerung starten am Freitag die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Erstmals in den Sand geht es für die deutschen Teams am Samstag, zuvor wartet noch die Eröffnungsfeier mit Laura Ludwig als erste Fahnenträgerin aus ihrer Sportart überhaupt. Das ZDF überträgt ab 13:00 Uhr live im Free-TV.

„Wir können die Großen ärgern“

Am Samstag (08:00 Uhr) eröffnen Margareta Kozuch/Laura Ludwig das Beach-Volleyball Turnier gegen die Schweizerinnen Betschart/Hüberli (SUI) aus deutscher Sicht. Den ersten Olympia-Erfolg konnte Ludwig bereits heute feiern: Von den Fans und Team Deutschland wurde sie zusammen mit Wasserspringer Patrick Hausding zur Fahnenträgerin gewählt. Erstmals wird ein Duo bei der Eröffnungsfeier die deutsche Olympiamannschaft anführen.

Auf dem Spielfeld zählen Kozuch/Ludwig aktuell nicht zu den Favoriten. Der Sieg beim World Tour Final in Rom 2019 ist das letzte internationale Finale, das sie gespielt haben. Die Saison 2021 auf der World Tour ist ein Mix aus vier Top-10 Platzierungen, denen zwei 17. Plätze (1. K.o.-Runde) gegenüberstehen. Ein Viertelfinale konnten sie auf den sechs Turnieren in diesem Jahr nicht erreichen.

„Ich habe das Gefühl, dass dort alles passieren kann. Wir werden dort wohl als Underdog angreifen. Wir können die Großen ärgern, wir können aber auch ins Klo greifen“, zeigte Ludwig bereits im Volleyball Magazin die Spannweite auf. Kozuch, zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen, stellte gleichzeitig klar, dass Medaillenplatzierungen zuletzt nicht im Fokus standen: „Das Ergebnis war nicht so immens wichtig. Wir wollten an ein paar Dingen arbeiten, die wir in Tokio gefestigt haben wollen.”

Gegner Tschechien noch unklar

Schaut man auf die direkten Vergleiche in ihrer Gruppe, gibt es wohl keinen besseren Zeitpunkt für einen Auftaktsieg. Dreimal trafen Kozuch/Ludwig bisher auf Betschart/Hüberli, ein Sieg ist dabei nicht gelungen. Zwei Duelle in diesem Jahr gingen ohne Satzverlust an die Schweizerinnen. Positiv ist dagegen die Bilanz gegen die Lokalmatadorinnen Ishii/Murakami. In zwei Spielen gewannen sie zweimal.

Unklar ist aktuell noch, was mit ihren tschechischen Gegnerinnen Hermannova/Slukova passiert. Nachdem Coach Simon Nausch positiv auf das Coronavirus getestet wurde, zeigte der Test von Slukova am Donnerstag (22. Juli) ebenfalls ein positives Ergebnis. Aufgrund der Quarantäne von aktuell 10 Tagen dürfte sie keine Chance mehr auf eine Teilnahme haben. Wie es weitergeht, steht am Freitag fest. Bis10:30 Uhr Ortszeit kann die tschechische Delegation nachnominieren.

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Die Zeit ist reif

Für Karla Borger/Julia Sude beginnt das Abenteuer im Sand von Tokio ebenfalls am Samstag. 10:00 Uhr kommt es gegen die Europameisterinnen Heidrich/Vergé-Dépré zu einem weiteren Aufeinandertreffen Deutschland vs. Schweiz. Die Bilanz ist ebenfalls ausbaufähig.

Aktuell warten sie noch auf den ersten Sieg: Die Europameisterinnen konnten sich allen vier Duellen durchsetzen. Spannung ist dennoch vorprogrammiert: Drei der vier Duelle gingen in den Tiebreak.

Generell hätten sie kaum ein schwierigeres Los erwischen können. In Spiel zwei warten gleich die Weltmeisterinnen Pavan/Melissa. Auch gegen die Kanadierinnen ist die Bilanz negativ (1:4), allerdings konnte das deutsche Nationalteam im letzten Aufeinandertreffen im April 2021 die Negativserie brechen und einen beeindruckenden Sieg holen.

Im letzten Gruppenspiel wartet die große Unbekannte: Die Niederländerinnen Stam/Schoon, 22 und 19 Jahre jung und aktuell auf Weltranglistenplatz 41, haben sich ihre Olympia-Nominierung über den Continental Cup erkämpft. Ein direktes Duell zwischen beiden Teams gab es bisher noch nie.

„Die Leistung in einem Turnier abrufen“

„Bei Olympia gibt es keine „leichte“ Gruppe, es ist ein anderes Turnier und ein anderer Modus wie auf der World Tour. Wer am besten mit der Situation vor Ort klarkommt, der wird am Ende ein gutes Turnier spielen. Wenn wir die Gruppe schaffen, wissen wir, dass wir jeden schlagen können“, geben sie sich selbstbewusst, wollen aber dennoch keine festen Ziele ausrufen:

„Wir haben kein Ziel an konkreten Medaillenrängen fest gemacht. Wir möchten unseren besten Beach-Volleyball auf den Court bringen, dass wir theoretisch alle schlagen können, haben wir schon oft genug auf der Tour bewiesen. Jetzt heißt es, die Leistungen der Vergangenheit in einem Turnier abzurufen.“

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Medaillenhoffnung ohne Vorbereitung

Für die Vize-Weltmeister Julius Thole/Clemens Wickler beginnen ihre ersten Olympischen Spiele am Sonntag (13 Uhr) gegen die italienischen Silbermedaillengewinner von Rio 2016: Nicolai/Lupo. Von Glücksgefühlen war in den vergangenen Monaten aber nicht viel zu merken. Verletzungen verhinderten eine gute Vorbereitung. Eine Blinddarm-OP bei Wickler und eine Bänderverletzung bei Thole stoppten sie immer wieder. Dadurch konnten sie in diesem Jahr bisher nur an zwei Turnieren auf der World Tour teilnehmen und erreichten jeweils das Achtelfinale.

„Nach den letzten Turnieren bin ich sehr positiv gestimmt. Leider war es bisher eine Katastrophensaison. Wir haben zu Beginn ein Turnier in Doha gespielt, danach kam meine Blinddarm-OP, dann der Bänderriss bei Julius. Unter den Umständen waren die letzten zwei Turniere sehr ordentlich, weil wir gesehen haben, dass wir mit den besten mithalten können. Die Konstanz hat noch gefehlt. Körperlich geht es mir sehr gut“, blickt Wickler positiv voraus.

Thole zeigt sich ebenfalls zuversichtlich: „Unsere medizinische Abteilung hat grandiose Arbeit gemacht. Nach drei Wochen stand ich wieder im Sand, nach vier Wochen konnte ich die ersten harten Sprünge machen. Auch bei der Belastung auf den letzten Turnieren hat der Fuß auch mit hoher Belastung seht gut gehalten. Die letzten Events verliefen sehr positiv, wir sind voll wettbewerbsfähig.“

Zwei Hammergegner, ein Underdog

In ihrer Gruppe mit Nicolai/Lupo, den Polen Kantor/Losiak und dem japanischen Underdog Gottsu/Shiratori scheint viel möglich, wobei die Bilanzen im Duell mit Italien und Polen aktuell noch gegen das DVV-Duo sprechen.

Thole/Wickler und Nicolai/Lupo lieferten sich bisher drei Duelle (1:2), immer gingen die Spiele in den Tiebreak. Zuletzt mit einem schmerzlichen Ausgang bei der Europameisterschaft 2020, als das italienische Duo den Traum von einer Medaille bereits in der ersten K.o.-Runde beendete.

Gegen Kantor/Losiak fehlt ein Sieg gar ganz in der Statistik (0:4). Kurios: Auf internationaler Ebene begegneten sich beide Teams schon länger nicht mehr. Alle drei Duelle spielten sie 2018, gleich zwei davon beim World Tour Final in Hamburg. Zum letzten Kräftemessen kam es 2020 auf der deutschen "Road to Timmendorfer Strand".  Noch ohne Spiel sind sie gegen ihre japanischen Gruppengegner.

Den Humor im Gepäck

Trotz der schwierigen Vorbereitung hat das Team den eigenen Humor nicht verloren: "Clemens versucht seit drei Wochen einen TV zu organisieren. Seine größte Angst ist es, dass er seine Playstation nicht anschließen kann“, berichtete Thole auf der Abschluss-PK des Teams und verriet sein Schlafgeheimnis: "Ich werde mir Ohrenstöpsel mitnehmen, damit Clemens mit seinen Kumpels FIFA zocken kann."

Eine Lockerheit, die sich hoffentlich auch in den kommenden Wochen zeigt. Aus der einstigen Mitfavoritenrolle etwas herausgefallen, greifen sie in Tokio ohne Druck aus der erweiterten Spitze an. Wie schon in Hamburg 2019.

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