Vor Rekordkulisse: VfB Suhl ist Zoi DVV-Pokalsieger 2026
Foto: Justus Stegemann
Es ist ein Sieg für die Geschichtsbücher: Der VfB Suhl LOTTO Thüringen ist Zoi DVV-Pokalsieger 2026. Das Team von Cheftrainer László Hollósy setzte sich in einem dramatischen Spiel gegen Allianz MTV Stuttgart vor 12.508 Zuschauern in der ausverkauften SAP Arena in Mannheim mit 3:2 (25:17, 25:18, 15:25, 23:25, 15:13) durch. Für die Thüringer Wölfinnen, die zuletzt 2008 den Titel errungen hatten, ist es der zweite Pokalerfolg der Vereinsgeschichte. Entsprechend emotional brachen nach dem letzten Punkt durch Roosa Laakkonen alle Dämme.
In einem hochspannenden und kampfbetonten Finale machte der VfB Suhl LOTTO Thüringen von Beginn an deutlich, dass Zuschreibungen wie „Favorit“ und „Außenseiter“ in der SAP Arena keine Relevanz hatten. Die Thüringerinnen dominierten in den ersten zwei Sätzen den Allianz MTV Stuttgart regelrecht, bis dieser sich in Satz drei ebenso eindrucksvoll zurückmeldete. Die lautstarken Fans beider Teams erlebten einen vierten Satz auf Augenhöhe mit dem besseren Ende für Stuttgart. Der Tie-Break musste die Entscheidung bringen. Am Ende des offenen Schlagabtauschs krönte sich der VfB Suhl LOTTO Thüringen zum Zoi DVV-Pokalsieger 2026 und ließ sich anschließend in der Fankurve gebührend feiern. Mit dem Triumph geht für Suhl eine lange Titeldurststrecke zu Ende. Gleichzeitig endet eine erfolgreiche Ära in Mannheim für den Frauen-Volleyball in Deutschland, denn ab 2027 findet das Zoi DVV-Pokalfinale nicht mehr in Mannheim statt.
Mittelblockerin Laura Berger war nach dem Pokal-Coup überwältigt: „Es ist einfach unbeschreiblich. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir diesen Pokal jetzt hier gewonnen haben, in dieser unbeschreiblichen Halle. Mit 12.000 Zuschauern, das ist schon das Größte. Es ist einfach unfassbar.“
So groß der Jubel auf Seiten der Suhlerinnen war, so groß war die Enttäuschung beim Allianz MTV Stuttgart, besonders bei Zuspielerin Pia Kästner: „Die Enttäuschung ist schon sehr groß. Es ist schwierig, jetzt hier Worte zu finden. Wir sind sehr schlecht gestartet, kommen dann saugut zurück und haben das Momentum auf unserer Seite – und dann reicht’s halt nicht.“
Im Anschluss an das Frauen-Finale durfte VBL-Geschäftsführer Daniel Sattler den Sold-Out-Award von SAP-Geschäftsführer Jens Reitmann entgegennehmen – erstmals in der elfjährigen Pokalgeschichte in Mannheim. Unmittelbar danach wurde das Zoi DVV-Pokalfinale durch den Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht offiziell an die Stadt Köln, vertreten durch den Dezernenten für Bildung, Jugend und Sport, Robert Voigtsberger, und die LANXESS arena übergeben, die ab 2027 neuer Austragungsort für das größte Volleyball-Event Deutschlands wird. Anschließend fiel in der Arena der offizielle Startschuss für den Ticketverkauf für die Premiere am 27. Februar 2027 in Köln.
Weitere Stimmen zum Spiel:
László Hollósy, Trainer VfB Suhl LOTTO Thüringen über den Kampfgeist seines Teams: „Wir sind das Wolfsrudel und wir geben niemals auf. Wir haben mehrfach gezeigt, dass wir richtig kämpfen können und unmögliche Punkte gemacht. Ich habe einfach keine Worte für diesen Sieg.“
Konstantin Bitter, Trainer Allianz MTV Stuttgart über das Comeback seines Teams: „Am Anfang habe ich schon viele Sorgenfalten gehabt, weil wir sehr angespannt waren und keine Lockerheit aufs Feld bekommen haben. Mit dem Rücken zur Wand haben wir dann nochmal alles reingeworfen und uns mit diesem Mut verdient, nochmal zurückzukommen. So zu starten und dann so zurückzukommen, verdient alle Hochachtung, auch wenn wir es nicht geschafft haben am Ende.“
Spielbericht
Direkt zu Beginn des letzten Zoi DVV-Pokalfinales in Mannheim setzte der VfB Suhl LOTTO Thüringen das erste Ausrufezeichen. Diagonalangreiferin Monica Brancuska zeigte sich zu Beginn in ausgezeichneter Form und zwang Stuttgarts Trainer Konstantin Bitter zu seiner ersten Auszeit (4:0), doch sein Team agierte weiterhin nervös (8:1). Angepeitscht von den lautstarken eigenen Fans spielte Suhl das Match von vorne und baute den Vorsprung dank vieler spektakulärer Abwehraktionen auf 13:5 aus. Stuttgarts Angriffe blieben immer wieder im wachsamen Thüringer Block hängen. Nach einer erfolgreichen Challenge konnte Stuttgarts Mittelblockerin Lucia Varela mit einem spektakulären Schnellangriff auf 17:9 stellen. Doch Suhl blieb weiter dominant, Zuspielerin Lara Nagels setzte ihre Angreiferinnen immer wieder geschickt in Szene; auf der Gegenseite waren die Angriffe nicht zwingend genug. Auch die Suhler Kapitänin Roosa Laakkonen war für die Schwäbinnen nicht zu halten. Aber der Allianz MTV Stuttgart fand seinen Kampfgeist und wehrte sich gegen den drohenden Satzverlust. Der Suhler Chefcoach László Hollósy reagierte beim Stand von 24:17 mit einer Auszeit, um den gegnerischen Rhythmus zu unterbrechen – und das mit Erfolg. Den vierten Satzball verwandelte Sanaa Dotson zum 25:17.
Die Außenangreiferin brachte ihr Team auch im zweiten Durchgang per Ass mit 3:0 in Front. Und wie im ersten Satz musste Konstantin Bitter beim Stand von 4:0 zur Auszeit greifen. Sowohl Pauline Martin als auch Antonia Stautz setzten mit zwei kraftvollen Angriffen Ausrufezeichen auf Stuttgarter Seite. Suhl spielte jedoch weiterhin unbeeindruckt, und die variabel angreifende Mackenzie Foley hielt den Vier-Punkte-Abstand aufrecht (9:5). Zuspielerin Lara Nagels baute mit einem Blockpunkt auf 12:7 aus. Es folgte eine sehr lange Rally mit starker Abwehr auf beiden Seiten, die Pauline Martin mit einem krachenden Block für den Allianz MTV beendete. Der ersehnte Weckruf? Nein, abermals benutzte Mackenzie Foley geschickt den gegnerischen Block – Stuttgart reagierte bei 14:8 mit dem zweiten Time-out. Nach einer erfolgreichen Challenge verkürzte Stuttgart auf 17:12, konnte die Unsicherheiten im Angriffsspiel jedoch nicht abstellen. Trotz eines Netzfehlers von Sanaa Dotson ging Suhl mit 23:15 komfortabel in den Schlussspurt. Dort zeigte sich ein ähnliches Bild wie in Durchgang eins: Nach drei abgewehrten Satzbällen griff László Hollósy zur Auszeit, und in der Folge sicherte sich sein Team auch den zweiten Satz (25:18).
In Satz drei erwischte Stuttgart einen besseren Start und ging mit 3:2 in Führung. Sanaa Dotson stellte mit einem cleveren Tip-Ball den Gleichstand her (4:4). Vor allem im Block schafften es die Schwäbinnen jetzt immer wieder, den Suhler Angriff zu bremsen, allen voran Lucia Varela, die nach einem Overpass Suhls und einem Ass auf 11:7 stellte. Bei 7:12 reagierte László Hollósy bereits mit seiner zweiten Auszeit, doch sein Team leistete sich auch in der Folge viele Angriffsfehler, und Stuttgart erspielte sich daraufhin viel Selbstvertrauen und ging mit 17:8 deutlich in Führung. Suhl hingegen wirkte inzwischen verunsichert und verlor den Zugriff auf das Spiel. Die Stuttgarter Außenangreiferin Anna Koulberg markierte mit einem Blockpunkt das 18:11 für Stuttgart. Nach einer erfolgreichen Challenge und einem Angriff über Kopf brachte Brancuska ihr Team wieder auf sechs Punkte heran (13:19), doch Varela, die diesem Satz klar ihren Stempel aufdrückte, brachte Stuttgart mit 22:14 auf die Zielgerade. Ein Block von Anna Koulberg führte den deutlichen Satzgewinn herbei (25:15) und machte das Spiel wieder völlig offen.
Satz vier begann als Schlagabtausch mit offenem Visier: Brancuska punktete auf der einen, Varela krachend auf der anderen Seite. Doch im weiteren Verlauf zeigte Suhl die zwingenderen Aktionen, und der Allianz MTV reagierte bei 3:7 mit seiner ersten Auszeit. Brancuska legte den Ball clever hinter den Block, punktete über die Pipe und stellte per hartem Angriff über den Kopf auf 10:4. Stuttgart kämpfte, und Mikala Mogensen verwandelte mit einem klugen Schlag auf den Suhler Block zum 13:10, ehe ihre Teamkollegin Pauline Martin das 14:12 besorgte. Ein Block von Anna Koulberg gegen Dotson führte zum Ausgleich, und bei 17:16 griff Suhls Trainer zum Time-out. Doch Stuttgart nutzte das Momentum und baute mit den begeisterten Fans im Rücken die Führung aus (21:17). Suhl aber gab den Satz nicht verloren, und Mackenzie Foley verkürzte auf 22:20. In der Crunchtime hatte Stuttgart in einem langen Ballwechsel die besseren Nerven, und die überragende Mogensen führte ihr Team in den entscheidenden fünften Satz.
Beide Teams machten im Tie-Break dort weiter, wo sie in Durchgang vier aufgehört hatten – umkämpfte Ballwechsel prägten den Beginn (2:2). Mit einer leidenschaftlichen Leistung egalisierte Stuttgart eine Suhler Führung. Beim Seitenwechsel lag der VfB Suhl LOTTO Thüringen hauchdünn vorne (8:7), doch Zuspielerin Pia Kästner sorgte mit einem Angriff auf Stuttgarter Seite für den Ausgleich. Auch zu Beginn der Crunchtime des Satzes konnte sich kein Team klar absetzen (11:11), erst ein Netzfehler Suhls führte zu einem Zwei-Punkte-Vorsprung, aber Mackenzie Foley und Sanaa Dotson egalisierten, sodass Konstantin Bitter bei 13:13 zur Auszeit griff. Mit einem Block erspielte sich Suhl den Matchball zum Titel, den Suhls Kapitänin Roosa Laakkonen mit einem weiteren Block verwandelte (15:13). Topscorerin des Matches wurde Monica Brancuska mit 33 Punkten.
