Überraschende Entscheidung: Julius Thole beendet seine Beach-Volleyball Karriere

Foto Justus Stegemann: Julius Thole hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Foto Justus Stegemann: Julius Thole hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Vize-Weltmeister Julius Thole (ETV Hamburg) hat sich aus beruflichen Gründen für ein vorzeitiges Ende seiner Beach-Volleyball Karriere entschieden. Das gab der 24-jährige am Montag auf einer Online-Pressekonferenz bekannt. Thole, der seit 2018 mit Clemens Wickler zusammenspielt und mit der Silbermedaille bei der Heim-WM 2019 den größten Erfolg feierte, möchte sich ab sofort voll auf sein Jurastudium konzentrieren.

„Ich möchte einen neuen Schwerpunkt in meinem Leben setzen. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen und ich habe in den letzten Wochen lange darüber nachgedacht. Der Hauptgrund ist, dass ich den Sport in den nächsten drei Jahren nicht mehr mit voller Hingabe ausüben kann. Dies war immer die wichtigste Voraussetzung für uns, das Team und den Erfolg. Zwei übergeordnete Gründe gab es dabei. Ich möchte mein Jurastudium intensivieren. Schon während der Karriere habe ich studiert, was mir für die Umstände sicherlich ganz gut gelungen ist. Ich bin jetzt aber in einer Phase, kurz vor dem Staatsexamen, angekommen, in der ich gemerkt habe, dass ich das Studium vertiefen möchte und dass das mit dem Einsatz für den Sport nicht mehr vereinbar wäre. Ich freute mich jetzt auf ein Leben, das ich freier gestalten kann, mehr als Lernen und Vorlesungen besuchen. Vielleicht eine neue Sprache lernen, ein Auslandssemester machen oder in andere Fachrichtungen reinschauen. Es ist insgesamt sehr vielfältig, daher freue ich mich darauf es anzuschauen und tiefer reinzugehen. Ich muss nicht erklären, wie schwer mir die Entscheidung gefallen ist. Beach-Volleyball war mein Leben, ich bin sehr dankbar für die Erlebnisse und Begegnungen, habe sehr viele tolle Menschen kennengelernt. Erfolge wie der fünfte Platz bei Olympia und der Vize-Weltmeistertitel hätte ich mir nicht erträumen können“, begründete Thole die Entscheidung und bedankte sich bei allen Wegbegleitern, insbesondere bei Wickler, für die erfolgreichen Jahre im Sand.

Niclas Hildebrand: „Julius ist eine herausragende Persönlichkeit“

„Für uns war die Nachricht im ersten Moment ein Schock, weil wir den erfolgreichen Weg, den wir 2018 mit Julius und Clemens begonnen haben, mindestens bis Paris 2024 fortsetzen wollten. Sie sind als Team unglaublich schnell in die Weltspitze gedrungen, haben bei großen Turnieren Medaillen gewonnen und erst dieses Jahr bei Olympia gezeigt, welch hohes Niveau sie mit wenig Vorbereitung und nach Verletzungspausen in kurzer Zeit erreichen können. Julius war in seiner Entwicklung noch lange nicht am Ende und hätte sich unserer Meinung nach zu einem der besten Blockspieler weltweit entwickeln können“, sagt DVV Beach-Volleyball Sportdirektor Niclas Hildebrand und ergänzt:

„Seine Entscheidung trifft den deutschen Männer Beach-Volleyball schwer, auf der anderen Seite muss man Julius großen Respekt zollen. In der Weltspitze sind Höchstleistungen nur möglich, wenn man diesem Ziel alles unterordnet, kleinste Zweifel können hier schon den Unterschied ausmachen. Wir möchten uns bei Julius für seine kurze, aber sehr erfolgreiche Zeit im Sand bedanken und wünschen ihm für sein Studium und die berufliche Zukunft alles Gute. Er ist eine herausragende Persönlichkeit, mit der wir sehr gerne die kommenden Jahre weitergearbeitet hätten.“

Rasant nach oben

Der in Hamburg geborene Thole gehört mit seinen gerade einmal 24 Jahren zu den erfolgreichsten Beach-Volleyballern in Deutschland. In Clemens Wickler fand er 2018 einen kongenialen Partner, mit dem er vom DVV-Stützpunkt in seiner Heimatstadt aus die Beach-Volleyball Welt im Sturm erobern sollte. Gleich im ersten Jahr wurde das Duo Deutscher Meister und flog beim World Tour Final in Hamburg auf einen überraschenden vierten Platz.

Der Grundstein für die erfolgreichsten Jahre im Männer-Beach-Volleyball seit Julius Brink/Jonas Reckermann war gelegt. Nur ein Jahr später begeisterten Thole/Wickler bei der Heim-WM in Hamburg die Menschen und stürmten bis ins Finale, wo sie erst von den Russen Viacheslav Krasilnikov/Oleg Stoyanovskiy gestoppt wurden.

Trotz allem blieben die Bilder des ausverkauften Stadions am Rothenbaum, mit teils Schlangen von mehreren hundert Metern davor, die feiernden Fans und mehr als eine Million Zuschauern allein im Finale vor dem TV in Erinnerung. Nur zwei Monate nach dem WM-Märchen schlossen sie die Saison mit Silber beim World Tour Final in Rom ab und gehörten plötzlich zum Kreis der Medaillenfavoriten bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Aufgrund der Coronapandemie musste Olympia auf 2021 verschoben werden. Trotzdem bestätigte das Team die Form und gewann 2020 die zweite gemeinsame Deutsche Meisterschaft. Im sich anschließenden Olympia-Jahr waren sowohl Thole als auch Wickler von Verletzungen geplagt, zeigten in Tokio mit einem starken fünften Platz aber noch einmal, dass sie sich auch in kurzer Zeit zurück in die Weltspitze spielen können. Der TGV in Richtung Paris für Thole/Wickler schien schon bereit zu stehen, bis sich Thole entschied nicht einzusteigen.

Clemens Wickler startet mit Nils Ehlers

Tholes Partner Wickler denkt dagegen nicht ans Aufhören: „Sicherlich war die Nachricht im ersten Moment ein Schock, Julius hat es mir aber einleuchtend erklärt. Es war immer klar, dass wir es nur machen, solange wir mit über 100 Prozent dabei sind. Man muss sich dem Leistungssport komplett verschreiben, daher ist es eine faire Entscheidung gegenüber dem Trainerteam und mir. Wenn Julius nur 80 Prozent einbringt und sich durchschleppt, bringt es niemandem etwas. Ich kann es vollkommen nachvollziehen.“

Einen neuen Anlauf nimmt er mit Nils Ehlers: „Wir sind beide sehr gute Einzelspieler und werden versuchen uns zu finden. Ich bin aber sehr optimistisch, dass es klappen wird und wir gute Jahre zusammen haben werden. Unser Ziel ist natürlich, dass wir in Paris dabei sind und dort bestmöglich abschneiden."

Niclas Hildebrand sagt dazu: „Zukünftig setzen wir mit Nils Ehlers auf einen bereits auf der World Tour erfahrenen Blocker, der sein Leistungsmaximum allerdings noch nicht ausgeschöpft hat. Gespannt bin ich darauf, wer sich von den jüngeren Blockern durchsetzen wird und, ob es nicht doch noch einen talentierten Quereinstieg aus der Halle im Block geben wird.“

Größte Erfolge Julius Thole

2014 

  • U18-Europameister (mit S.Winter)

2014+2015

  • Deutscher U19-Meister (mit S.Winter)

2018

  • Bronze 4-Sterne-WT-Turnier Espinho
  • 4. Platz World Tour Final
  • Deutscher Meister

2019

  • Silber 4-Sterne-WT-Turnier Den Haag
  • Vize-Weltmeister
  • Bronze 4-Sterne-WT-Turnier Moskau
  • Silber World Tour Final 

2020

  • Deutscher Meister

2021

  • 5. Platz Olympia Tokio
  • King of the Court Gewinner Hamburg
  • Bronze DM 
  • comdirect
  • Hummelsport
  • Mikasa