"Snow-Volleyball hat sehr großes Potenzial"

Foto Conny Kurth: Paul Becker fühlt sich im Schnee wohl Foto Conny Kurth: Paul Becker fühlt sich im Schnee wohl Paul Becker & Jonas Schröder haben sich am vergangenen Wochenende in die Geschichtsbücher der noch jungen Sportart Snow-Volleyball eingetragen und bei der ersten Europameisterschaft in Wagrain (Österreich) Silber gewonnen. Im Interview spricht Paul Becker über die letzten Wochen im Schnee, die EM und das Potenzial der Sportart.

"Es war ein unglaublicher Abschluss unserer Snow-Volleyball Saison."

Mit ein bisschen Abstand von der EM: Wie blickt ihr auf die letzten Tage in Wagrain zurück?

Die letzten Tage in Wagrain waren sehr intensiv, schön, anstrengend und natürlich auch erfolgreich. Insgesamt war es eine sehr gelungene Zeit und ein unglaublicher Abschluss unserer Snow-Volleyball Saison.

Ihr zählt zu den Pionieren im Snow-Volleyball. Was bedeutet euch die Silbermedaille bei der ersten Europameisterschaft?

Die Silbermedaille ist natürlich ein riesiger Erfolg für uns, wir hatten keinesfalls damit gerechnet, dass wir es am Ende bis ins Finale schaffen würden. Uns war durchaus bewusst, dass wir bei der EM mit vielen Teams auf Augenhöhe sein würden, es war aber schon etwas Besonderes, weil wir uns in so vielen, äußerst knappen Spielsituationen in der K.O.-Phase am Ende durchsetzen konnten. Da hat es sicher geholfen, dass wir aufgrund der letzten Beach-Volleyball Saison bereits als Team hervorragend eingespielt waren.

Foto CEV: Paul & Jonas mit ihrer Silbermedaille. Foto CEV: Paul & Jonas mit ihrer Silbermedaille.

"Wir hätten wir in allen Bereichen einfach ein bisschen besser agieren müssen."

Im Finale wart ihr sehr nah dran und die ersten beiden Sätze hätten durchaus auch anders ausgehen können. Warum sollte es am Ende aber noch nicht reichen, um die Top-Favoriten aus Russland zu schlagen?

Wir waren beide in einigen Aktionen einfach etwas zu ungenau. Gerade im Zuspiel haben wir nicht unsere gewohnte Qualität abrufen können. Hinzu kam, dass wir weder im Block noch im Aufschlag wirklich Akzente setzen konnten und in jedem Satz entscheidende Punktchancen aus der eigenen Abwehr liegen gelassen haben. Um dieses russische Team zu schlagen, hätten wir in allen Bereichen einfach ein bisschen besser agieren müssen. Leider haben wir das im Finale nicht geschafft. 

Generell fällt auf, dass vor allem Russland und Litauen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern ganz vorne dabei sind. Woher kommt diese erste Erfolgs-Tendenz?

Beide Nationen scheinen schon deutlich mehr Ressourcen für den noch jungen Sport bereitzustellen und sich seit längerer Zeit intensiv mit den speziellen sportlichen Herausforderungen im Schnee zu beschäftigen. Insbesondere bei den russischen Teams hat man gemerkt, dass sie einfach schon mehr Erfahrung auf dem rutschigen Untergrund haben.

Welchen speziellen Herausforderungen muss man sich im Schnee stellen, die einem im Sand nicht begegnen?

Die zwei größten Herausforderungen sind wohl die Kälte, vor allem an den Händen, und der rutschige Boden, an den man sich insbesondere beim Abwehrverhalten erst einmal gewöhnen muss. Im Detail gibt es dann aber noch eine ganze Reihe weiterer, besonderer Herausforderungen.

Foto CEV: Aus Schnee gebaute Tribünen lieferten ein einmaliges Feeling bei der EM. Foto CEV: Aus Schnee gebaute Tribünen lieferten ein einmaliges Feeling bei der EM.

Welche wären das genau?

Die Herausforderungen sind vielfältig. Man muss deutlich genauer sein und man kann den Ball durch die Bedingungen nicht so hoch spielen wie im Sand. Außerdem sind die Sätze deutlich kürzer (max bis 11, Anm. d. Red.) und die Abwehrspieler können sich schlechter bewegen. Nebel und Schnee können die Sicht auf vor allem oben auf dem Berg stark einschränken.

Sowohl die Deutschen Meisterschaften in Winterberg als auch die Europameisterschaften in Wagrain waren ein großer Erfolg. Ihr habt an beiden Events teilgenommen und die ersten Entwicklungsstufen hautnah miterlebt. Wie hoch schätzt ihr das Potenzial von Snow-Volleyball ein?

Die Sportart hat sicherlich sehr großes Potenzial, das hat die EM eindeutig gezeigt. Vor allem im Finale konnte man einen Eindruck gewinnen, was atmosphärisch alles möglich ist.

In den digitalen Medien kennt man euch unter dem Namen „Beachvolleyballteam Becker/Schröder“. Haben sich eure Prioritäten nach den Erfolgen der letzten Wochen verschoben oder bleibt ihr im Sand weiterhin zu Hause?

Wir spielen natürlich seit vielen Jahren als professionelle Beach-Volleyballer im Sand, daher fühlen wir uns hier sehr zu Hause. Mittlerweile fühlen wir uns aber auch auf Schnee sehr wohl und haben die anfängliche Unsicherheit nun wirklich vollständig abgelegt.

Foto CEV: Snow-Volleyball bietet Spiele im Umfeld von einmaligen Kulissen. Foto CEV: Snow-Volleyball bietet Spiele im Umfeld von einmaligen Kulissen.

Vor der ersten Deutschen Meisterschaft in Winterberg wart ihr im Beach-Volleyball sehr erfolgreich, habt euch unter den Top-10 auf der nationalen Tour etabliert und wollt auch dieses Jahr auf der Techniker Beach Tour angreifen. Sind denn die vielen Spiele im Schnee dafür förderlich oder eher ein Umweg bezüglich der Vorbereitung auf Tour 2018?

Sie sind auf jeden Fall förderlich, vor allem da sie aufgrund der kurzen Sätze mental sehr anspruchsvoll sind. Sie sind somit eine super Vorbereitung auf die kommenden engen Spielsituationen, die man im Wintertraining oft nur schwer simulieren kann.

Als erstes großes Ziel werden von den internationalen Verbänden immer wieder die Winterspiele 2026 genannt, bei den Snow-Volleyball zum ersten Mal als fester Bestandteil dazugehören soll. Ihr hättet dann ein Alter erreicht, in dem ihr durchaus noch aktiv sein könnt. Habt ihr derartige Gedanken schon einmal durchgespielt?

Nein, solche Gedanken haben wir noch nicht durchgespielt. Das wäre wohl auch noch ein wenig zu früh.

Bevor ihr Ende des Jahres vielleicht wieder im Schnee steht. Wie geht es jetzt für euch weiter?

Wir werden jetzt zum Beachline Festival nach Riccione ins Trainingslager fahren und sicherlich vor dem Start der Techniker Beach Tour noch ein paar Turniere zur Vorbereitung spielen. Grundsätzlich wird unser Trainingsfokus nun natürlich wieder vollständig auf sandigem Untergrund liegen.

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