Giani: „Absolute Priorität hat die WM-Qualifikation“

Foto Conny Kurth: Andrea Giani und der Volleyball. Eine Erfolgsgeschichte, die nun in Deutschland fortgesetzt werden soll. Foto Conny Kurth: Andrea Giani und der Volleyball. Eine Erfolgsgeschichte, die nun in Deutschland fortgesetzt werden soll. Die italienische Spieler-Legende Andrea Giani ist der neue Männer-Bundestrainer. Der 46-Jährige nahm unmittelbar nach seiner Vertragsunterschrift seine Arbeit auf und befindet sich derzeit auf „Deutschland-Tour“. Natürlich stand er auch für ein erstes Interview zur Verfügung. In diesem spricht Giani darüber, wie er zum Volleyball kam, von wem er gelernt hat und warum er Bundestrainer geworden ist.

"In den letzten zwei Jahren meiner Spielerkarriere reifte der Entschluss, Trainer zu werden."

Andrea Giani

Wann und warum hast du dich für Volleyball entschieden? Dein Vater war Ruderer und nahm an Olympischen Spielen teil!
Giani: „Ich war 10 Jahre alt, als ich das erste Mal in Kontakt mit Volleyball kam. Zwei Jahre später sprach mich mein Lehrer an, es doch mal mit Volleyball zu probieren. Nach dem ersten Training war es um mich geschehen, es war wie ein Blitzeinschlag. Zuvor habe ich gerudert, das war hart. In meinem letzten Jahr habe ich acht Monate alleine trainiert, z.B. 10 Kilometer Laufen und 6 Kilometer Rudern. Volleyball war das genaue Gegenteil - mit Freunden, einem Ball und Spaß.“

Du warst ein universeller Spieler, wie es sie heute nicht mehr gibt, hast im Mittelblock, auf der Diagonalen und als Annahmespieler gespielt. Ein Vorteil, um als Trainer zu wirken?
Giani: „Vielleicht! Es ist sicherlich ein Vorteil, die Positionen gespielt zu haben, aber letztlich müssen es die Spieler auf dem Feld richten und sich in Sekundenbruchteilen entscheiden. Da kann ich als Trainer nichts mehr machen, aber ich kann mich natürlich gut in sie hineinversetzen und das Wort, die Kommunikation ist das Mittel, um etwas zu verändern. Diese Tipps sind im Training aber noch wichtiger als im Spiel!“

Wann fiel die Entscheidung, Trainer zu werden?
Giani: „Als ich noch ein Spieler war, hatte ich immer gute Beziehungen zu den Trainern und war wissbegierig. Ich wollte immer wissen, warum wird was wie gemacht! In den letzten zwei Jahren meiner Spielerkarriere reifte der Entschluss, Trainer zu werden. Und dann bekam ich in meinem letzten Spielerjahr, das war 2007, gleich das Angebot von Modena, in der nächsten Saison dort Trainer zu werden.“

Was für ein Trainertyp bist du?
Giani: „In meinen Anfangsjahren als Spieler war ich sehr aggressiv, redete viel mit den Gegnern. Mit mehr Erfahrung wurde ich ruhiger, ich wusste, was ich wollte. Als Trainer bin ich beim Spiel eher ruhiger, ich mag es nicht, jeden Ballwechsel zu kommentieren und rumzuschreien. Das ist im Training anders, da rede ich mehr, fordere viel und bin auch aggressiver.“

Foto Conny Kurth: Aktuell befindet sich Giani im Austausch mit den deutschen Spielern, hier mit Jochen Schöps.
Foto Conny Kurth: Aktuell befindet sich Giani im Austausch mit den deutschen Spielern, hier mit Jochen Schöps.

Wer hat dich geprägt?
Giani: „Das waren viele Personen. Als Trainer waren sicherlich die Trainer Alexander Skiba (POL), Bebeto de Freitas (BRA), Gian Paolo Montali (ITA) und Julio Velasco (ARG) wichtig für mich. Als Spieler fand ich die Zuspieler Alain Fabiani (FRA), Dusty Dvork (USA) und Renan dal Zotto (BRA) als Spieler. Das Selbstbewusstsein fand ich bei Marco Bracci, Luca Cantagalli und Andrea Gravina (ITA) immer beeindruckend. Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden! Man lernt und verbessert sich, aber man muss eine eigene Idee entwickeln.“

Warum Deutschland und nicht mehr Slowenien? Du hattest große Erfolge mit Slowenien und bist u.a. Vize-Europameister geworden!
Giani: „Die Arbeit und die Ergebnisse mit Slowenien waren großartig. Aber ich möchte mich auch weiterentwickeln, und ich glaube, dass das Potenzial mit der deutschen Mannschaft größer ist. Der Anspruch an mich wird in Deutschland auch höher sein, das stimuliert mich und ermöglicht mir, den nächsten Schritt zu machen. Aber natürlich müssen auch die Ergebnisse stimmen.“

Was weißt du über die deutschen Spieler und die deutschen Teams?
Giani: „Ich kenne natürlich die Spieler der Nationalmannschaft und die Vereine Friedrichshafen und Berlin. Jetzt möchte ich die anderen Spieler und Vereine kennenlernen sowie die Trainer, die für die Ausbildung dieser jungen Spieler zuständig sind.“

Wann beginnt die Vorbereitung?
Giani: „Ich plane, am 2. Mai in Kienbaum mit allen Spielern zu starten, die dann mit ihren Meisterschaften fertig sind. Mein Ziel ist es, eine Gruppe von 16 bis 18 erfahrenen und jungen Spielern zu entwickeln.“

Wie sieht dein Programm nun aus? Im Mai beginnt die Saison, was machst du bis dahin?
Giani: „Jetzt steht der Part im Vordergrund, alles kennenzulernen. Verband, Vereine, Spieler, Staff. Wenn wir im Mai starten, haben wir nur drei Wochen, um die sehr wichtige WM-Qualifikation zu spielen.“

"Ich erwarte, dass die Spieler immer bereit sind, 100 Prozent zu geben.“

Andrea Giani

Kannst du schon etwas zu deinem Betreuerstab sagen?
Giani: „Mein Staff wird aus einem oder zwei Co-Trainern, Athletik-Trainer, Statistiker, Teammanager, Arzt und Physiotherapeut bestehen. Da gibt es Ideen, aber es steht noch nicht alles fest.“

Wie lauten die Ziele 2017?
Giani: „Dieses Jahr ist sehr wichtig für uns. Deutschland war Dritter der WM 2014, nun ist die Qualifikation für die WM 2018 sehr wichtig. Dies wird nicht leicht, und die Spieler müssen verstehen, wie wichtig die Qualifikation ist. Die World League Gruppe drei wollen wir gewinnen, die EM-Endrunde ist noch weit weg. Die absolute Priorität liegt auf der WM-Qualifikation, diese muss bestmöglich vorbereitet sein.“

Wie geht es im Volleyball nach einem Trainerwechsel vor sich? Tauscht sich der Nachfolger mit seinem Vorgänger aus?
Giani: „Ich denke, das ist normal im Sport und gehört zum Job dazu. Es ist wichtig zu erfahren, wie die Gruppe funktioniert. Ich habe mit Vital Heynen schon vor drei Wochen gesprochen, bin im Kontakt mit ihm und werde ihn Ende der Woche erneut in Friedrichshafen sprechen.“

Vorgänger Vital Heynen hat viel Wert auf Block-Abwehr gelegt. Wo liegt dein Schwerpunkt?
Giani: „Bei mir ist es auch so. Mein Team spielt auf Breakpunkte, d.h. mit den Elementen Aufschlag sowie Block-Abwehr und der folgende Angriff daraus. Ich glaube, der Unterschied zu Vital wird sein, wie ich versuche, das zu erreichen. Ich lege viel Wert auf Technik und Techniktraining. Außerdem ist mir Disziplin, wie zum Beispiel in der Sicherung, bei Dankebällen und im Zuspiel von Nicht-Zuspielern, sehr wichtig. Ich erwarte, dass die Spieler immer bereit sind, 100 Prozent zu geben.“

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