Mentoring-Programm stärkt weiblichen Beach-Volleyball-Nachwuchs im DVV

Mentoring-Programm stärkt weiblichen Beach-Volleyball-Nachwuchs im DVV Erfolgreiches Mentoring: Isabel Schneider (links) gewann mit Clara Dreßen 2024 das Premium Turnier in Coesfeld. (Foto: Kevin Mattig) Der deutsche Beach-Volleyball-Nachwuchs gehört wieder zur europäischen Spitze. Ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung ist das Mentoring-Programm im weiblichen Nachwuchsbereich, bei dem ehemalige Top-Athletinnen junge Talente begleiten. Im Doppelinterview sprechen Isabel Schneider und Karla Borger über ihre Rolle als Mentorinnen und die Bedeutung des Austauschs mit der nächsten Generation.

Mit strukturellen Veränderungen, einer stärkeren Leistungsorientierung und neuen Förderansätzen hat der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) in den vergangenen Jahren wichtige Impulse in der Nachwuchsarbeit gesetzt. Mit Erfolg: Im aktuellen CEV-Nachwuchsranking der U18 liegt Deutschland sowohl im männlichen als auch im weiblichen Bereich an der Spitze. Zudem gewann der deutsche Nachwuchs in den vergangenen drei Jahren fünf Medaillen bei U18-Europa- und Weltmeisterschaften.

„Wir haben im Nachwuchsbereich in den vergangenen Jahren viele Veränderungen angestoßen. Leistung, Eigenverantwortung und Persönlichkeitsentwicklung stehen stärker im Mittelpunkt. Uns war wichtig, Talente nicht nur sportlich zu fördern, sondern sie auch mental und menschlich auf ihrem Weg zu begleiten“, erklärt DVV-Chef-Bundestrainer Beach-Volleyball Paul Becker. „Dass wir inzwischen wieder zur europäischen Spitze gehören, zeigt, dass dieser Weg funktioniert. Darauf können wir stolz sein.“

Ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung ist das 2024 gestartete Mentoring-Programm im weiblichen Nachwuchsbereich. Ehemalige Spitzenathletinnen wie Isabel Schneider, Kira Walkenhorst, Chantal Laboureur oder nun auch Karla Borger geben ihre Erfahrungen an die nächste Generation weiter. Dabei geht es nicht nur um Technik oder Taktik, sondern vor allem auch um mentale Stärke, Orientierung und persönliche Entwicklung.

„Die jungen Spielerinnen bekommen die Möglichkeit, sich mit Athletinnen auszutauschen, die selbst viele Jahre auf höchstem Niveau gespielt haben“, so Becker. „Dieser Wissenstransfer ist unglaublich wertvoll.“

Während Isabel Schneider bereits seit dem Start des Programms aktiv ist und Nachwuchsspielerin Sandra Otte begleitet, bringt sich Karla Borger seit diesem Jahr verstärkt in die Nachwuchsarbeit ein und spielt mit Zoe Neboh. Im gemeinsamen Gespräch berichten beide über ihre Motivation, ihre Erfahrungen – und warum Mentoring weit über den Sport hinausgeht.

Doppelinterview mit Isabel Schneider und Karla Borger

Warum engagiert ihr euch im Mentoring-Programm des DVV?

Isabel Schneider: „Kira und ich fanden die Idee von Anfang an spannend, unser Wissen und unsere Erfahrungen weiterzugeben. Wir haben damals gemeinsam mit den Nachwuchsspielerinnen trainiert, Turniere gespielt und sie eng begleitet. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich die Erfolge der jungen Spielerinnen fast noch mehr gefreut haben als meine eigenen. Zu sehen, wie sie über sich hinauswachsen, war unglaublich schön.“

Karla Borger war in diesem Jahr mit dem deutschen Beach-Nachwuchs im Trainingslager auf Mallorca. (Foto: privat)
Karla Borger war in diesem Jahr mit dem deutschen Beach-Nachwuchs im Trainingslager auf Mallorca. (Foto: privat)

Karla Borger: „Mir war es schon immer ein Anliegen, jungen Spielerinnen zur Seite zu stehen. Mit Svenja habe ich damals die Beachliga erlebt – und es macht mich happy, zu sehen, was aus ihr geworden ist. Auch mit Marie habe ich eine gemeinsame Saison verbracht. Junge Spielerinnen mitzunehmen, zu unterstützen und mein Wissen weiterzugeben – das gibt mir viel. Dass ich dabei meinen Teil dazu beitragen konnte, erfüllt mich mit Stolz. Ich war früher selbst oft die Jüngste im Team und habe unglaublich viel von erfahrenen Spielerinnen gelernt – jetzt gebe ich das gerne zurück."

Wie läuft die Zusammenarbeit konkret ab?

Isabel Schneider: „Mit Sandra Otte arbeite ich aktuell vor allem im regelmäßigen Austausch zusammen – meistens über Teams oder WhatsApp. Wir sprechen über alles, was gerade ansteht: sportliche Herausforderungen, mentale Themen oder die Saisonplanung. Gleichzeitig versuchen wir auch, uns immer wieder live bei Turnieren oder im Training zu sehen. Das ergänzt sich total gut.“

Karla Borger: „Ich bin regelmäßig im Training dabei und tausche mich eng mit Paul Becker aus. Außerdem spiele ich in diesem Sommer einige Turniere mit Nachwuchsspielerin Zoe Neboh. Dabei geht es natürlich um sportliche Themen, aber auch darum, jungen Athletinnen zu zeigen, was Leistungssport bedeutet, und welche Einstellung dazugehört.“

Was könnt ihr den jungen Spielerinnen mitgeben?

Karla Borger: „Die Nachwuchsspielerinnen sind heute unglaublich professionell unterwegs. Sie haben tolle Bedingungen, starke Trainerteams und arbeiten sehr fokussiert. Was ich ihnen mitgeben kann, sind vor allem meine Erfahrungen aus vielen Jahren Leistungssport – auf sportlicher, aber auch auf menschlicher Ebene. Oft sind es kleine Dinge oder Gespräche, die helfen. Gleichzeitig erfolgt der Austausch aber in beide Richtungen. Ich möchte nicht nur Ratgeberin sein, sondern vor allem im Dialog bleiben und auch selbst neue Perspektiven mitnehmen.“

Isabel Schneider: „Es geht nicht nur darum, Tipps zu geben. Wichtig ist vor allem Vertrauen. Dass die Athletinnen jemanden haben, an den sie sich wenden können. Sandra bringt zum Beispiel extrem viel Eigeninitiative mit – dadurch entsteht ein echter Austausch. Das macht die Zusammenarbeit besonders wertvoll.“

Was nehmt ihr selbst aus dieser Rolle mit?

Isabel Schneider: „Ganz viel. Es macht unglaublich Spaß, die Entwicklung der Spielerinnen mitzuerleben. Gleichzeitig lerne ich selbst dabei enorm viel – gerade auch, wenn man bei Turnieren oder im Training wieder näher dran ist.“

Karla Borger: „Ich werde automatisch wieder ein Stück weit in meine eigenen Anfänge zurückversetzt. Im Trainingslager oder bei Wettkämpfen spüre ich sofort wieder diesen Ehrgeiz, diese Leidenschaft und die besondere Energie für den Sport. Gleichzeitig ist es spannend zu sehen, wie die junge Generation an Dinge herangeht, daraus entsteht ein lebendiges Miteinander, das mir unglaublich viel Freude bereitet und neue Blickwinkel eröffnet.“