DVV-Frauen: Mühevoller Sieg gegen Frankreich
Mit mehr Mühe als wahrscheinlicher gedacht, haben die deutschen Frauen die EM-Vorrundenpartie gegen Frankreich gewonnen. Am Ende siegte das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti mit 3:1 (25-19, 25-17, 19-25, 28-26) und hat damit einen wichtigen Schritt Richtung EM-Zwischenrunde gemacht. Da die Türkei im zweiten Spiel der Gruppe B heute glatt mit 0:3 (20-25, 16-25, 14-25) gegen Italien verlor, kommt es morgen zum Duell – voraussichtlich - um den 2. Platz der Vorrundengruppe zwischen den DVV-Frauen und den Türkinnen.
Startformation Deutschland: Kathleen Weiss, Maren Brinker, Christiane Fürst, Corina Ssuschke, Margareta Kozuch, Heike Beier und Libera Lenka Dürr
Startformation Frankreich: Christina Bauer, Armelle Faesch, Severine Lienard, Severine Szewczyk, Jelena Lozancic, Anna Rybaczewski und Libera Estelle Querard
Das deutsche Team muss in diesem Spiel notgedrungen seine Kader ändern. Bundestrainer Giovanni Guidetti stehen in dieser Partie Sabrina Roß und Kerstin Tzscherlich nicht zur Verfügung, Beide sind angeschlagen. Für die Dresdnerin steht Lenka Dürr als Libero in der deutschen ersten Sechs. Den besseren Start in dieses wichtige Match hat das DVV-Team. Mit 3 Punkten hintereinander setzen sich die deutschen Frauen leicht ab. Der Vorsprung hat bis kurz nach der ersten Technischen Auszeit (TA) Bestand. Danach gelingt den Französinnen mit einigen guten Aktionen im Block der Ausgleich. Doch bis zur zweiten TA haben die DVV-Frauen den Abstand wieder hergestellt. Anschließend kommt Frankreich, begünstigt durch zwei deutsche Fehler, wieder auf einen Punkt heran. Guidetti nimmt eine Auszeit und bringt zudem im Zuspiel Möllers für Weiß. Dem deutschen Team gelingt eine 3-Punkte-Serie, die wieder mehr Konstanz ins deutsche Spiel bringt. Zudem macht sich Guidettis Wechsel bezahlt. Die ‚Blockerhöhung’ durch Möllers bringt mehrere Punke für das deutsche Team. Mit einer insgesamt guten Blockarbeit sichert sich das DVV-Team am Ende doch klar, mit 25-17, den ersten Durchgang.
Auch in den zweiten Durchgang startet das deutsche Team besser. Etwas bessere Blockarbeit und zwei starke Mittelblockerinnen sorgen für einen deutschen 3-Punkte-Vorsprung zur ersten TA. Auch danach bleiben die DVV-Frauen sehr engagiert. Kein Ball wird verlorenen gegeben und dieser Einsatz wird mit einigen Punkten im Anschluss belohnt. So wächst der deutsche Vorsprung auf 5 Punkte an und Frankreichs Coach Fabrice Vital nimmt eine Auszeit. Die Ansprache des französischen Trainers zeigt Wirkung, bis zur zweiten TA hat Frankreich auf 3 Punkte verkürzen können. Nach der Pause legt das deutsche Team, auf Grundlage starker Aufschläge von Weiß, eine 6-Punkte-Serie hin. Diese Tempoerhöhung reicht aus, um den Satz klar ‚einzufahren’. Mit 25-17 sichert sich die DVV-Auswahl auch den zweiten Durchgang und ist damit auf einem guten Weg zum wichtigen Matchgewinn.
Anfang des dritten Satzes kommen die Französinnen ganz stark auf. Durch starke Aufschläge von Lozancic gerät die deutsche Annahme mächtig unter Druck. Am Netz lässt Bauer in dieser Phase keinen deutschen Angriff mehr passieren und schon führt Frankreich zur ersten TA mit 6 Punkten. Das Publikum, was fast ausschließlich die Französinnen anfeuert, wird jetzt immer lauter. Weil das deutsche Spiel aber auch nach der TA nicht stabiler wird wechselt Guidetti Matthes für Beier ein. Wenig später kommt auch Thomsen kurzzeitig für Brinker. Den Rückstand kann das deutsche Team aber nicht verkürzen. Zur zweiten TA liegt Frankreich mit 7 Punkten vorn, gerade weil die Französinnen im Block in diesem Satz ganz stark agieren. Nach der Pause gelingen dem deutschen Team das erste Mal in diesem Durchgang mehrere Punkte in Folge und sofort kommt auf französischer Seite das Timeout. Das deutsche Team hat den Rückstand auf drei Punkte verkürzt und bringt sich anschließend mit zwei Aufschlagfehlern wieder selbst um den Lohn der kleinen Aufholjagd. Mit 25-19 geht der Satz an Frankreich, weil die Französinnen in diesem Durchgang sehr gut im Block agierten und mit Christian Bauer, mit 8 Punkten, die überragende Spielerin in ihren Reihen hatten.

Foto CEV: Christian Bauer (Mitte) spielte ab dem dritten Satz ein sehr starkes Match und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Partie nochmals sehr spannend wurde
Wieder kann sich Frankreich in der Anfangsphase mit einigen Punkten absetzen. Durch zwei gute Angriffe von Brinker kommt das deutsche Team zwar etwas heran, aber zur ersten TA führen die Französinnen wieder mit 2 Punkten. Nach 2 Fehlern auf deutscher Seite zieht Frankreich mit 4 Punkten davon und Guidetti ist gezwungen eine Auszeit zu nehmen. Mit einem sicheren Aufschlag und jetzt wieder einem besser positionierten Block schafft das DVV-Team eine Serie. Zur zweiten TA haben die deutschen Frauen den Rückstand auf ‚nur’ noch 1 Punkt verkürzt. Doch nach der Pause leisten sich die deutschen Spielerinnen 3 Fehler in Folge und Frankreich zieht wieder davon. Guidetti nimmt eine Auszeit und anschließend kann Kozuch das deutsche Team auf zwei Punkte heranbringen. Jetzt folgt das Timeout auf französischer Seite. Guidetti wechselt Möllers für Weiß und Thomsen für Brinker. Kurz später erfolgen die Rückwechsel. Doch die Französinnen marschieren weiter Richtung Satzgewinn. Die Zuschauer in Halle feuern nun das französische Team ohrenbetäubend an. Mit 19-23 liegt das deutsche Team hinten, als es in dieser extremen Drucksituation seine mentale Stärke demonstriert. Erst wehren die DVV-Frauen drei Satzbälle, dann erarbeiten sie sich selber Matchbälle. Am Ende passt Ssuschke bei einer ungenauen Aktion der Französinnen am Netz auf und drückt den Ball zum 28-26 auf den Boden. Somit gelingt den deutschen Frauen dieser wichtige Sieg, unter schwierigen Bedingungen, mit dem die Tür zur EM-Zwischenrunde nun weit offen steht.
Fazit
„Wenn wir unser Potential abrufen werden wir das Spiel gewinnen“, hatte Bundestrainer Giovanni Guidetti vor der Partie gegen Frankreich gesagt. Die ersten beiden Sätze konnte das DVV-Team auch seine Stärken ausspielen und hatte die Partie damit im Griff. Als die Französinnen dann ab dem dritten Satz – kurz vor der drohenden Niederlage – ‚alles oder nichts’ spielten und sich ihr Risiko auszahlte, war die Sicherheit im deutschen Spiel verloren gegangen. Dazu wachten die rund 4000 Zuschauer in der Jahrhunderthalle auf und unterstützten die Französinnen lautstark. In dieser immer größer werdenden Drucksituation zeigten die deutschen Frauen dann ‚mentale’ Stärke. Im vierten Satz drei Satzbälle abzuwehren und am Ende den Durchgang, und damit das Match, für sich zu entscheiden, spricht für die Moral und Nervenstärke des deutschen Teams. Denn gerade in der entscheidenden Phase zeigten die DVV-Frauen auch spielerisch wieder ihre Qualitäten. Auch wenn es am Ende mühsam war, so hat dieser Sieg nicht nur die Chancen auf das Erreichen der Zwischenrunde deutlich gesteigert, sondern den deutschen Spielerinnen auch bewiesen, das sie bei dieser EM auch gegen den größten Druck bestehen können.
Nicht nur der wichtige Sieg war am Abend im Teamhotel Grund zur Freude. Auch die Ehrung von ‚Maggi’ Kozuch für ihr heutiges 150. Länderspiel trug zur guten Stimmung im DVV-Team bei. Sollte morgen gegen die Türkei noch ein weiterer Sieg herausspringen, dürfte die deutsche Delegation am Montag wohl bestens gelaunt nach Kattowitz zur EM-Zwischenrunde fahren.
„Spielfilm“
1. Satz: 3-0 (Beier überlistet den Block), 6-3 (Kozuch die Linie lang), 8-5 (Ssuschke mit 2 Punkte in Folge), 10-7 (Kozuch schlägt den Block an), 14-13 (Brinker mit Diagonalangriff), 16-13 (Fehlerhafte Annahme auf französischer Seite), 19-16 (Beier durch den Zweierblock), 22-18 (Block von Möllers), 25-17 (ein Annahmefehler auf französischer Seite führt zum deutschen Satzgewinn)
2. Satz: 3-1 (Fürst packt zweimal hintereinander im Block zu), 5-3 (Brinker durch den Block), 8-5 (Block von Weiß), 10-6 (Fürst verwandelt einen Aufsteiger), 16-13 (Kozuch per Hinterfeldangriff erfolgreich), 19-14 (Ass von Weiß), 23-16 (Kozuch schlägt den Block an), 25-17 (Brinker drischt den Ball zum Satzgewinn ins Feld)
3. Satz: 1-5 (Bauer mit zwei Punkten in Folge), 2-8 (Wieder Bauer mit dem Blockpunkt), 5-13 (Kozuch wird abgeblockt), 9-16 (Bauer erneut mit dem Punkt), 13-17 (Ass von Kozuch), 15-20 (Die Netzkante verhilft zum französischen Punkt), 18-21 (Fürst per Aufsteiger mit dem Punkt), 19-25 (Bauer holt den Satz für Frankreich)
4. Satz: 2-4 (Kozuch schlägt den Block an), 4-6 (Brinker mit 2 Punkten in Folge), 6-8 (Bauer mit dem Punkt), 7-10 (Beier durch den Block), 11-13 (Ass von Beier), 15-16 (Brinker ins Aus), 18-20 (Kozuch mit einem gewaltigen Schlag), 21-23 (Fürst passt im Block auf), 24-24 (Brinker wehrt den dritten Satzball ab), 25-25 (Kozuch am Block vorbei ins Feld), 26-25 (Ssuschke packt im Block zu), 27-26 (Wieder Kozuch mit dem Punkt), 28-26 (Ssuschke passt am Netz auf)

Foto CEV: Geschafft! Nach 119 Minuten Spielzeit konnten die deutschen Frauen über den wichtigen Sieg gegen Frankreich jubeln
Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Giovanni Guidetti: „Das war heute eine schwierige Aufgabe, die wir am Ende aber gut gelöst haben. Der Sieg heute war natürlich sehr wichtig im Hinblick auf die Zwischenrunde. Die ersten zwei Sätze haben wir konstant gespielt, aber dann ist Frankreich ganz stark aufgekommen. Sie hatten nichts mehr zu verlieren und wollten dazu noch zeigen was sie können. Und ab dem dritten Satz haben sie stark das Risiko erhöht und das hat sich für die Französinnen ausgezahlt. Wir hatten dann deutliche Probleme, haben aber dann unsere mentale Stärke beweisen und zum Glück das Match noch für uns entscheiden können. Mein Team hat heute bewiesen, unter welchem enormen Druck es bestehen kann.“
Fabrice Vital, Head-Coach Frankreich: "Wir wollten viel besser spielen als gestern und das ist uns auch gelungen. Wir hatten unsere Chancen den vierten Satz zu gewinnen und dann hätten wir auch eine gute Chance auf den Sieg gehabt. Aber das deutsche Team hat in der entscheidenden Situation seine Klasse bewiesen.“
Christiane Fürst, Team-Kapitän: „Wir sind nicht so gut ins Spiel reingekommen und hatte in den ersten beiden Sätzen das Glück, dass Frankreich nicht sehr effektiv agiert hat. Die Partie wurde dann immer schwerer für uns und ich bin sehr glücklich, dass wir das Match am Ende noch für uns entscheiden konnten.“
Lenka Dürr: „Das war heute ein sehr anstrengendes Match, gerade im mentalen Bereich. Wir haben sehr gut angefangen, aber ab dem dritten Satz hatten sich die Französinnen sehr gut auf uns eingestellt. Das wir dann in dieser schwierigen Phase dagegen gehalten und am Ende das Match gewonnen haben, spricht sehr für uns.“
Kathleen Weiß: „.Ab dem dritten Satz hat Frankreich alles oder nichts gespielt und damit viel erreicht. Für uns war es dann sehr schwer wieder unseren Rhythmus zu finden, aber am Ende haben wir das Spiel über unsere mentale Stärke gewonnen. Das können wir auf jeden Fall sehr positiv aus dieser Partie mitnehmen.“
Lisa Thomsen: „Meiner Meinung nach hatten wir die Französinnen auch in den ersten beiden Sätzen, auch wenn wir die souverän gewonnen haben, nicht total im Griff. Als sie dann noch stärker aufkamen war es echt schwer für uns, auch weil die Halle total gegen uns war. Aber dieses Spiel hat uns auch gut getan, weil wir heute gemerkt haben, dass wir unter großem Druck und auch wenn wir nicht gut spielen, das Match am Ende für uns entscheiden können.“
Statistik
GER: Aufschlag (5 Fehler und 7 Asse), Block (14 Punkte), Angriffsquote (41 %)
FRA: Aufschlag (7 Fehler und 3 Asse), Block (11 Punkte), Angriffsquote (37 %)
Das deutsche Team gegen Frankreich: Lisa Thomsen (Schweriner SC), Anne Matthes (Forli/ITA), Maren Brinker (USC Münster), Corina Ssuschke (Prostejov/CZE), Margareta Kozuch (Novara/ITA), Heike Beier (Piacenza/ITA), Kathleen Weiß (z.Zt. ohne Verein), Christiane Fürst (Bergamo/ITA), Lenka Dürr, Sarah Petrausch, Lena Möllers (Rote Raben Vilsbiburg), Kathy Radzuweit (VT Aurubis Hamburg)