Sitzvolleyball Weltmeisterschaft: Deutsche Teams starten mit klaren Zielen in China
Die deutsche Männer-Nationalmannschaft blickt auf zwei erfolgreiche Jahre zurück. Nach Platz vier bei den Paralympics 2024 in Paris musste das Team einen großen personellen Umbruch verarbeiten. Gleich mehrere langjährige Leistungsträger beendeten ihre Karriere, dafür rückten junge Spieler nach. „Wir haben das Team verjüngt und das hat sehr gut funktioniert“, sagt Bundestrainer Christoph Herzog. Bereits bei der EM 2025 zahlte sich dieser Schritt aus: Mit der neu formierten Mannschaft gewann Deutschland die Silbermedaille. „Wir sind zu einer Einheit zusammengewachsen“, so Herzog.
Die Vorbereitung auf die WM verlief entsprechend intensiv. Seit Jahresbeginn wurde das Trainingspensum erhöht, hinzu kamen Lehrgänge und Turniere in Japan, den USA sowie zuletzt in den Niederlanden. „Wir kommen mit Selbstvertrauen zur WM, weil die Grundstimmung in der Mannschaft gerade grandios ist“, meint Herzog. Sein Team profitiere von einer großen Breite im Kader. „Wir haben nicht mehr nur eine feste erste Sechs und wir können die Rollen im Spiel individueller verteilen als früher. Die Mischung aus Jung und Alt funktioniert hervorragend.“
In der Vorrunde treffen die deutschen Männer auf Gastgeber China, Thailand und Kanada. „Unser Ziel ist es, die Gruppe zu gewinnen“, sagt Herzog. Damit würde Deutschland einem schwierigen Achtelfinalgegner aus dem Weg gehen. Im Viertelfinale würde dann vermutlich Brasilien oder Kasachstan warten. „Wir wollen unter die besten Vier. Das muss unser Anspruch sein“, so Herzog. Als Topfavoriten auf den Titel sieht er Bosnien-Herzegowina, den Iran und Brasilien.
Kurz vor dem Turnierstart verlief allerdings nicht alles nach Plan. Die ursprünglich für Dienstag geplante Anreise verzögerte sich um einen Tag, weil der Flug von Peking nach Hangzhou gestrichen wurde. Sportlich ließen sich die Männer davon nicht aus der Ruhe bringen: Nach knappen Niederlagen in den Testspielen gegen Bosnien und den Iran folgte ein souveräner 3:0-Erfolg gegen den Irak. „Wir haben uns gut eingespielt. Das Turnier kann beginnen“, sagt Herzog.
Frauen: Schwere Vorrunde, aber großes Vertrauen in die Mannschaft
Für die Frauen ist die Ausgangslage etwas komplizierter. Cheftrainer Norman Thomas muss auf drei Stammspielerinnen verzichten, die verletzungs- beziehungsweise schwangerschaftsbedingt fehlen. Gleichzeitig kehrten zwei Spielerinnen nach längerer Pause in den Kader zurück. Dennoch blickt er optimistisch auf das Turnier: „Die Stimmung ist super. Wir gehen realistisch an die Aufgabe heran, aber wir wollen unser Bestes geben und uns so teuer wie möglich verkaufen.“
Nach der knapp verpassten Qualifikation für die Paralympics 2024 und einem enttäuschenden fünften Platz bei der EM 2025 arbeitete die Mannschaft konzentriert an ihrer Weiterentwicklung. Gute Leistungen bei der Golden Nations League und internationalen Turnieren haben dem Team neues Selbstvertrauen gegeben. „Wir sind enger zusammengewachsen. Es spielt jetzt keine Rolle mehr, wer fehlt. Die Spielerinnen, die hier sind, müssen ihre Leistung bringen“, so Thomas.
Die Aufgabe könnte allerdings schwieriger kaum sein: Deutschland trifft in der Vorrunde auf die Ukraine, die Niederlande und Topfavorit USA. „Das ist die stärkste Gruppe des Turniers“, sagt Thomas. Ziel sei dennoch ein Platz unter den besten Acht der Welt. „Das ist möglich, aber dafür müssen wirklich alle an ihre Leistungsgrenze gehen. Wir können uns keine Ausfälle leisten.“
Die Stärke des deutschen Teams sieht er vor allem in ihrer Ausgeglichenheit: „Wir haben keine Spielerin, die alles allein entscheidet. Jede kennt ihre Aufgabe und muss ihren Teil beitragen.“ Für ihn gehören die USA, Brasilien und Gastgeber China zu den Anwärterinnen auf den Titel.
Zum WM-Auftakt treffen die deutschen Frauen am Freitag um 4 Uhr deutscher Zeit auf die Ukraine. Die Männer folgen um 9.30 Uhr deutscher Zeit mit ihrem ersten Gruppenspiel gegen Kanada.
Weitere Informationen, den Spielplan und Ergebnisse gibt es auf der Veranstaltungs-Webseite.
Der Kader der Männer für die WM in Hangzhou:
Bahaulddin Al-Dayyeni (31 / Berlin / SCC Berlin), Stefan Hähnlein (36 / Köln / TSV Bayer 04 Leverkusen), Karl Kruber (16 / Hürth / TSV Bayer 04 Leverkusen), Tim Linke (23 / Berlin / SCC Berlin), Torben Schiewe (41 / Nienhagen / TV Güls), Lukas Schiwy (31 / Pulheim / TSV Bayer 04 Leverkusen), Florian Singer (28 / Fördergersdorf / Dresdener SC 1898), Mathis Tigler (30 / Bochum / TSV Bayer 04 Leverkusen), Tatang Francis Tonleu (49 / Andernach / BSG Emmelshausen), Martin Vogel (54 / Esslingen / TG Nürtingen), Sebastian Vollmer (40 / Magdeburg / HSV Medizin Magdeburg), Tom Jons Wannemacher (22 / Grimma / LBRS e.V.), Heiko Wiesenthal (51 / Koblenz / TV Güls)
Spielplan der Herren (deutsche Zeit):
10.07.2026: 09:30 Deutschland vs. Kanada
11.07.2026: 12:30 China vs. Deutschland
12.07.2026: 13:00 Deutschland vs. Thailand
Der Kader der Frauen für die WM in Hangzhou:
Astrid Höfte (47 / Leverkusen / TSV Bayer 04 Leverkusen), Julia Mahr (36 / Esslingen / SV 1845 Esslingen), Marlies Dreblow (64 / Potsdam / SC Potsdam), Thyrza Kiewik (29 / Darmstadt / Anpfiff Hoffenheim e.V.), Tanja Leistner (35 / Bad Dürrenberg / LBRS e.V.), Michelle Schiffler (43 / Radebeul / LBRS e.V.), Sonja Scholten (38 / Köln / TSV Bayer 04 Leverkusen), Lena Talabudzinow (25 / Leipzig / LBRS e.V.), Maria Tietze (37 / Moers / TSV Bayer 04 Leverkusen), Sonja Wilkens (51 / Bremen / BTS Neustadt e.V.)
Spielplan der Frauen (deutsche Zeit):
10.07.2026: 04:00 Deutschland vs. Ukraine
11.07.2026: 05:30 USA vs. Deutschland
12.07.2026: 09:00 Deutschland vs. Niederlande
Text: Monja Nagel / DBS