Männer-WM: DVV-Team feiern ersten Sieg – 3:0 gegen Kuba
Die DVV-Männer haben bei der WM in Polen den ersehnten ersten Sieg gefeiert: Gegen Vize-Weltmeister Kuba gewann die Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen mit 3:0 (25-16, 25-21, 25-19), rehabilitierte sich somit für die 0:3-Auftaktniederlage gegen Titelverteidiger Brasilien und bleibt damit im Rennen um eine gute Ausgangsposition für die zweite Runde. Punktbeste Spieler auf deutscher Seite waren Georg Grozer (21) und Denis Kaliberda (13) sowie Scull Jimenez (14) bei den Kubanern. Am 5. September (16.30 Uhr, live bei www.sportdeutschland.tv) wartet mit Tunesien der vermeintlich schwächste Gruppengegner auf das deutsche Team, dann soll der zweite Sieg eingefahren werden. Heute folgen noch die weiteren Gruppenpartien Finnland – Korea (16.30 Uhr) und Tunesien - Brasilien (20.15 Uhr).
Die Bedeutung des Spiels war lediglich am Anfang zu spüren, als gleich vier Aufschläge der deutschen Spieler im Netz oder Aus landeten. Danach agierte das Team wie aus einem Guss, Zuspieler Lukas Kampa verteilte variabel die Bälle, seine Angreifer dankten es ihm mit hohen Quoten, allen voran Grozer, der von den Kubanern im ersten und zweiten Satz nicht zu halten war (78% bzw. 71% Erfolg). Grundlage des souveränen Spiels war die sehr stabile Annahme, das Trio Ferdinand Tille, Sebastian Schwarz und Denis Kaliberda – gegen Brasilien noch mit Problemen - agierte durchgehend auf einem sehr hohen Niveau. Und auch die gefürchtete 10 Minuten-Pause tat dem souveränen Auftreten keinen Abbruch. Das deutsche Team blieb hoch konzentriert und den Kubanern vor allem im Aufschlag-Annahmebereich überlegen. Ein völlig verdienter Sieg und eine konstante, starke Leistung der deutschen Mannschaft, die damit im Turnier angekommen ist.
Markus Steuerwald (Paris/FRA) und Michael Andrei (Antwerpen/BEL) standen nicht im Kader, Heynen muss eine Stunde vor Spielbeginn zwölf Spieler nominieren, zwei Akteure des 14-er Kaders müssen sich die Partie von der Tribüne aus ansehen.

Foto FIVB: Ein Schlüssel zum Sieg! Die Annahme, hier Denis Kaliberda, agierte auf hohem Niveau.
Startformation Deutschland: Lukas Kampa, Georg Grozer, Max Günthör, Marcus Böhme, Denis Kaliberda, Sebastian Schwarz, Ferdinand Tille
Startformation Kuba: Leandro Macias, Rolando Cepeda, Santiago Uriarte, Scull Jimenez, Isbel Mesa, David Fiel, Keibel Guttierez
Ausführlicher Spielbericht
Der Fanclub hat schon beim Einschlagen mächtig Stimmung gemacht und jeden Angriff mit einem „Heiiiiiiiiiiii“ bejubelt. Auch zu Beginn ist die Atmosphäre prächtig, weil das deutsche Team, mit identischer Aufstellung wie gegen Brasilien, konzentriert wirkt. Nur bei den Aufschlägen ist das Visier noch nicht eingestellt, Günthör, Grozer und Böhme verziehen. Nach zwei guten Kampa-Aufschlägen und guter Block-Abwehr heißt es 7-4. Die Aufschläge sind weiterhin sehr fehlerhaft, gut, dass die Annahme steht und das Angriffsspiel souverän läuft. Als Grozer nach starker Tille-Abwehr punktet, liegt die DVV-Auswahl mit drei Punkten vorne (12-9). Hoch konzentriert geht es weiter, ein Kaliberda-Block sowie ein Angriffsfehler der Kubaner führen zum 16-11, Böhme erhöht per Block auf 19-13. Es läuft, die Körpersprache ist positiv, das Team zeigt bislang eine starke Vorstellung. Nach drei starken Aufschlägen von Grozer ist die Entscheidung gefallen (23-16), Grozer selber besorgt per Aufschlag und Angriff die zwei nächsten Zähler.

Foto FIVB: Machte im zweiten Satz auch einen Punkt via Video Challenge: Vital Heynen.
Kubas Nummer 20, der 19-jährige Uriarte, bleibt weiterhin das Aufschlagziel der deutschen Mannschaft. Zwei Grozer-Hammer von der Grundlinie – da ist egal, wer annimmt – bringen die DVV-Männer früh in Führung (5-2). Kampa per Zuspielerfinte und Kaliberda mit einem schönen Schlag über die Schulter halten die Führung (9-5). Die deutschen Spieler feuern sich mit positiven Aktionen an, jeder Punkt wird abgefeiert. Nach zwei Unstimmigkeiten im Angriffsspiel sind die Kubaner zur Stelle und verkürzen (11-10). Heynens Auszeit kommt richtig, anschließend punkten Böhme (Aufsteiger) und Grozer (Aufschlag) knallhart (13-10). Böhme schraubt danach seine 2,11 Meter in die Höhe und „pflückt“ sich den schnellen Rückraumball über die Mitte – ein wichtiger Punkt (15-11). Dann gelingt Bundestrainer Heynen ein wichtiger Punkt: er nimmt eine Video Challenge (etwas gegen den Willen seiner Spieler?!), diese gibt ihm Recht. Statt 20-18 heißt es 21-17. Die Kubaner verkürzen nochmals auf 23-21, dann drischt Grozer brutal zum 24-21 ins Feld. Günthör verwandelt per Block gleich den ersten Satzball.

Foto FIVB: Einer für alle, alle für einen! Gegen Kuba trat das deutsche Team geschlossen auf.
Wie verkraftet das deutsche Team die 10 Minuten-Pause? Kann Kuba nochmals kontern? Das sind die Fragen, die sich der Fanclub und alle weiteren stellen. Die Kubaner bauen auf zwei Positionen um (Annahme und Diagonal), die DVV-Männer bleiben natürlich unverändert (5-5). Ein Angriffsfehler der Kubaner sowie ein Punkt durch den Doppelblock Günthör/Grozer lassen die Teams mit 8-5 in die erste technische Auszeit gehen. Die Kubaner scheinen gegen diese kompakte deutsche Mannschaft kein Mittel zu finden, Grozer erhöht per feinem Lob auf 10-6. Zumal die Annahme weiter auf höchstem Niveau agiert, Zuspieler Kampa hat zumeist alle Optionen, die Aufschläge kommen (14-9). Die Kubaner wollen mit Risiko-Aufschlägen zurück ins Spiel kommen, doch das gelingt nicht, weil sie ganz viele Fehler produzieren. Als Grozer im Einerblock zupackt, scheint die Vorentscheidung gefallen zu sein (20-15). Gerade eingewechselt (für Schwarz), ist auch Christian Fromm im Block erfolgreich – alle freuen sich mit „Frommi“, der zuletzt eine etwas schwierige Zeit hatte. Dann ist es soweit, Kaliberda blockt den kubanischen Angreifer, Deutschland hat Matchbälle en masse (24-18). Den ersten wehrt Kuba noch ab, den zweiten versenkt Kaliberda knallhart die Linie herunter.
Statistik
GER: Aufschlag: 6 Ass & 12 Fehler / Angriff: 61% / Block: 11
BRA: Aufschlag: 2 Asse & 11 Fehler / Angriff: 46% / Block: 4
Spielfilm
1. Satz: 3-3, 7-4, 9-7, 12-9, 16-11, 18-13 (Broshog für Günthör), 19-16, 22-16, 24-16
2. Satz: 5-2, 8-4, 10-8, 13-10, 16-12 (Westphal für Böhme), 19-15 (Böhme zurück, Fromm für Schwarz), 21-17, 22-18 (Schwarz zurück), 23-21,
3. Satz: 4-2, 5-5, 8-5, 11-6, 13-9, 16-12 (Westphal für Böhme), 19-15, 20-15 (Böhme zurück, Fromm für Schwarz), 23-18 (Schwarz zurück)
Stimmen zum Spiel
Vital Heynen: „Wir haben einen phantastischen ersten Satz gespielt, der uns ein sehr gutes Gefühl gegeben hat. Das war für mich der Schlüssel zum Erfolg. Der Respekt vor Kuba war nach dem Finnland-Spiel groß, jetzt nach den drei Sätzen steht alles wieder auf Null, die WM fängt jetzt an für uns. Ich bin froh, dass unsere Leistung nicht mehr nach unten geht, wir haben die Trendwende geschafft.“
Jochen Schöps: „Wir sind sehr zufrieden. Wir haben uns anders präsentiert als gegen Brasilien. Wir haben immer geführt und haben immer den Druck hoch gehalten. Das hat heute den Ausschlag gegeben.“
Marcus Böhme: „Ich würde nicht sagen, dass wir wie ausgewechselt gespielt haben. Wir haben uns gut auf Kuba vorbereitet und unser Spiel gemacht und die taktischen Anweisungen befolgt. Der Sieg schmeckt gut und süß.“
Georg Grozer: „Wir haben auch am Anfang gegen Brasilien an den Sieg geglaubt, dann gingen aber irgendwann die Köpfe runter. Gegen Kuba lief es genau andersrum, wir haben auch nach Fehlern zusammen gestanden. Die Konstanz war das wichtigste, weil wir physisch und in allen Elementen gut drauf sind. Wenn wir das abrufen, können wir so spielen. Wir haben einen super Tag erwischt.“
Rodolfo Sanchez (Trainer CUB): „Die Niederlage gegen Finnland war noch in unseren Gedanken und hat uns gelähmt. Deutschland hat deutlich erfahrenere Spieler und hat deutlich besser gespielt.“
Rolando Cepeda (Kapitän CUB): „Wir hatten von Beginn an Druck vom deutschen Team, wir haben es nicht geschafft, uns davon zu befreien.“
Der deutsche 14-er Kader für die WM
Zuspieler: Lukas Kampa (Radom/POL), Sebastian Kühner (BR Volleys)
Diagonalspieler: Georg Grozer (Belgorod/RUS), Jochen Schöps (Rzeszow/POL)
Außenangreifer: Christian Fromm (Perugia/ITA), Denis Kaliberda (Wegiel/POL), Sebastian Schwarz (z.Zt. ohne Verein), Dirk Westphal (Radom/POL)
Mittelblocker: Max Günthör (VfB Friedrichshafen), Tim Broshog (Maaseik/BEL), Michael Andrei (Antwerpen/BEL), Marcus Böhme (Fenerbahce Istanbul/TUR)
Libero: Markus Steuerwald (Paris/FRA), Ferdinand Tille (Belchatow/POL)