Männer-WM: DVV-Männer verlieren 0:3 gegen Frankreich – Sieg gegen Iran ist Pflicht
Die DVV-Männer haben das erste Spiel in der dritten Runde der WM in Polen verloren und stehen gegen den Iran nun unter Siegzwang: In Kattowitz unterlag die deutsche Mannschaft den sehr stark aufspielenden Franzosen 0:3 (15-25, 24-26, 22-25) und muss die zweite Drittrunden-Partie gegen den Iran (17.9. um 20.15 Uhr, live bei www.sportdeutschland.tv) gewinnen, um sich die Chance auf das WM-Halbfinale und die WM-Medaille zu erhalten. Für die Franzosen war es im zehnten WM-Spiel der achte Sieg, die DVV-Männer kassierten ihre dritte Niederlage. Punktbeste Spieler waren Georg Grozer und Denis Kaliberda (je 14) für die deutsche Mannschaft sowie Earvin Ngapeth (20) für Frankreich.
Der Respekt vor den Franzosen war vor der Partie groß, „die Franzosen spielen bisher sehr, sehr stark. Sie haben einen breiten Kader und sind sehr abwehrstark“, urteilte Sebastian Schwarz. Und der deutsche Außenangreifer sollte (leider) Recht behalten: Was die Franzosen um den Friedrichshafener Jenia Grebennikov in der Abwehr leisteten, war schlichtweg überragend. Die deutschen Angreifer verzweifelten im ersten Satz regelrecht an der „Gummiwand“, zudem servierte der Gegner auch sehr stark. Die Angriffsquote von 33% (GER) zu 55% (FRA) sprach eine deutliche Sprache. Mehr Risiko im Aufschlag hieß die klare Devise für die Folge, in der das deutsche Team auf Augenhöhe mit Frankreich spielte. Lediglich Außenangreifer Earvin Ngapeth bekam das deutsche Team überhaupt nicht in den Griff, der Italien-Profi sorgte für zahlreiche und wichtige Punkte. Nach der klaren Dreisatz-Niederlage ist nun ein Sieg gegen den Iran Pflicht, zugleich müssen die Franzosen, denen ein Satz zum Einzug in das Halbfinale reicht, Schützenhilfe leisten.
Christian Fromm (Perugia/ITA) und Michael Andrei (Antwerpen/BEL) standen nicht im Kader, Heynen muss eine Stunde vor Spielbeginn zwölf Spieler nominieren, zwei Akteure des 14-er Kaders müssen sich die Partie von der Tribüne aus ansehen.

Foto FIVB: Die deutsche Annahme um Libero Ferdinand Tille stand mächtig unter Druck.
Startformation Deutschland: Lukas Kampa, Georg Grozer, Tim Broshog, Marcus Böhme, Denis Kaliberda, Dirk Westphal, Ferdinand Tille
Startformation Frankreich: Benjamin Toniutti, Antonin Rouzier, Earvin Ngapeth, Kevin Tillie, Kevin Le Roux, Nicolas Le Goff, Jenia Grebennikov
Ausführlicher Spielbericht
Zwar hämmert Grozer den ersten Ball in den Block, doch danach punktet das deutsche Team dreimal, die Block-Abwehr ist gleich zu Beginn hellwach (31-. Dann zeigt jedoch Ngapeth, dass er zu den weltbesten Aufschlägern zählt, beim 3-5 nimmt Heynen eine frühe erste Auszeit. Die Franzosen agieren in der Abwehr absolut Weltklasse, kein deutscher Angriff fällt ohne Berührung zu Boden (4-8). Sebastian Schwarz kommt für Westphal, Kaliberda sorgt mit zwei erfolgreichen Angriffen für das 7-10. Kurze Zeit später rückt Markus Steuerwald auf die Libero-Position, Tille hat wohl Probleme mit seinem bandagierten Oberschenkel (9-12). Böhme blockt zum wiederholten Mal Le Roux, aber die Franzosen sind bis dato aggressiver in Aufschlag und Angriff (12-16). Le Roux erhöht mit druckvollen Sprungaufschlägen weiter (12-19), der erste Satz scheint gelaufen. Und ist es in der Tat: Während die Franzosen weiter überragend in Block-Abwehr agieren, verzweifeln die deutschen Angreifer ein wenig (15-24). Ein ins Aus gelegter Lob von Kapitän Jochen Schöps beendet den ersten Durchgang.

Foto FIVB: Nachdenklich! Bundestrainer Vital Heynen.
Mit Westphal und Steuerwald startet das deutsche Team in den zweiten Satz und punktet zunächst gut aus der Annahme. Bis zum 5-5 geht das gut, dann holen die Franzosen wieder einmal Bälle in der Abwehr und schlagen mit Geschick und Glück den deutschen Block an (5-8). Dieses Mal bleibt das deutsche Team dran, Kaliberda punktet zweifach im Angriff, dann verzieht Rouzier das erste Mal (10-10). Nur Ngapeth bekommen die deutschen Blockspieler nicht in den Griff, zum wiederholten Mal versenkt er seinen Angriff. Als es dem eingewechselten Max Günthör gelingt, die französische Annahme per Aufschlag unter Druck zu setzen, hat gleich auch die deutsche Block-Abwehr Erfolg. Ein Dreierblock gegen Ngapeth bringt die Führung (15-14). Die Partie ist nun umkämpft, Grozer und Kaliberda punkten für das deutsche Team (20-20), dann wehren die Franzosen bärenstark gegen Grozer ab und punkten gegen den Dreierblock (Ngapeth, 21-23). Kaliberdas Annahme über das Netz bedeutet Satzbälle Frankreich, Kaliberda wehrt den ersten ab. Den zweiten versenkt Westphal, beim dritten verzieht Rouzier (24-24). Dann ist es aber doch passiert: Grozer setzt seinen Angriff an die Antenne.

Foto FIVB: Bester Mann auf dem Feld: Earvin Ngapeth.
Das deutsche Team kommt unverändert aus der Zehnminuten-Pause. Das Ziel ist klar: aus dem 0:2 muss ein Fünfsatzspiel werden, es wäre das erste bei dieser WM für das DVV-Team. Doch der Start misslingt: ein französischer Block gegen Westphal, ein Ass von Ngapeth sowie ein Lob von Kaliberda an die Antenne führen zum 1-4. Als der bis dahin starke Kaliberda zwei weitere Male verzieht, ist der Rückstand früh ziemlich hoch (3-8). Zwei deutsche Blockpunkte und ein Grozer-Hammer lassen das deutsche Team zurück in den Satz kommen (7-9). Dann ist der Ausgleich da: Kampa blockt Ngapeth, Le Roux verzieht (10-10). Die Führung gelingt aber nicht, weil „Teufelskerl“ Ngapeth im Angriff und Aufschlag wieder punktet (11-14). Bei der zweiten technischen Auszeit haben die drei Punkte Rückstand weiter Bestand, die deutschen Aufschläge sind zu fehlerhaft oder bedeuten kein Problem für die Franzosen (13-16). Und die Franzosen ziehen nochmals an, dem deutschen Team wird mit der phantastischen Abwehr der Zahn gezogen (17-22). Zwei Blockpunkte und ein Kalilberda-Angriff an den Block lassen das deutsche Team nochmals Hoffnung schöpfen (21-22). Die Franzosen holen sich Matchbälle und verwandeln gleich den ersten, weil Steuerwald ein Zuspiel abgepfiffen wird.
Statistik
GER: Aufschlag: 0 Asse & 12 Fehler / Angriff: 44% / Block: 10
IRI: Aufschlag: 4 Asse & 8 Fehler / Angriff: 51% / Block: 5
Spielfilm
1. Satz: 3-1, 3-5, 4-8, 4-9 (Schwarz für Westphal), 7-10, 9-12 (Steuerwald für Tille), 11-13, 12-16, 12-18 (Westphal zurück), 15-20, 15-23, 15-24 (Schöps für Kaliberda)
2. Satz: 3-3, 5-7, 8-9, 9-10 (Günthör für Broshog), 12-12, 14-14, 17-17, 19-19 (Kühner für Böhme), 21-23, 22-24 (Böhme zurück), 24-24, 24-25,
3. Satz: 1-4, 2-7, 7-9, 9-10, 11-14 (Kühner für Böhme), 13-16, 15-17 (Böhme zurück), 17-19, 17-21, 19-22, 22-24
Stimmen zum Spiel
Vital Heynen: „Frankreich hat in den ersten zwei Aufschlägen drei Aufschlagfehler gemacht, da waren sie deutlich stabiler und druckvoller als wir. Wir haben beispielsweise bei den ersten 15 Punkten im dritten Satz sechs Fehler gemacht, das ist ein Beispiel für den Unterschied. Frankreich hat heute verdient gewonnen.“
Sebastian Schwarz: „Frankreich hat besser gespielt. Es war allgemein nicht das gute Niveau, wir wussten, dass sie gut abwehren. Zwei Sätzen waren wir dran, morgen werden wir es weiter probieren. Bis auf den ersten Satz war es eng, aber wir haben zu viele Fehler gemacht. Wir müssen gewinnen, daran hat sich nichts geändert.“
Laurent Tillie (Trainer FRA) : „Es war ei perfektes Spiel von meiner Seite. Wir wussten, dass wir gut aufschlagen müssen, um gute Block-Abwehr spielen zu können. Und wir wollten keine Asse kassieren, Deutschland hat kein Ass geschlagen, deswegen bin ich sehr zufrieden.“
Benjamin Toniutti (Kapitän FRA) : „Wir sind sehr glücklich, 3:0 gewonnen zu haben. Damit haben wir Deutschland und den Iran unter Druck gesetzt. Der Aufschlag und unsere Abwehr waren der Schlüssel zum Sieg.“
Dritte Runde (16.-18. September)
Pool G in Kattowitz und H in Lodz: FRA (E1), IRI (E3), GER (F3) in Kattowitz & BRA (F1), RUS (F2), POL (E2) in Lodz – alle Spiele um 20.15 Uhr live bei www.sportdeutschland.tv
16.9.: BRA - POL 2:1 (22 – 25, 25 – 22, 25 – 14,) & FRA - GER 3:0 (25 – 15, 26 – 24, 25 – 22)
17.9.: RUS – BRA & IRI - GER
18.9.: RUS – POL & FRA - IRI
Aktuelle Tabelle Gruppe G
1. FRA – 3 Punkte – 3:0-Sätze – 1 Spiel
2. IRI – 0 Punkte – 0:0-Sätze – 0 Spiele
3. GER – 0 Punkte – 0:3-Sätze – 1 Spiel
Aktuelle Tabelle Gruppe H
1. BRA – 3 Punkte – 3:1-Sätze – 1 Spiel
2. POL – 0 Punkte – 1:3-Sätze – 1 Spiel
3. RUS – 0 Punkte – 0:0-Sätze – 0 Spiele
Der deutsche 14-er Kader für die WM
Zuspieler: Lukas Kampa (Radom/POL), Sebastian Kühner (BR Volleys)
Diagonalspieler: Georg Grozer (Belgorod/RUS), Jochen Schöps (Rzeszow/POL)
Außenangreifer: Christian Fromm (Perugia/ITA), Denis Kaliberda (Wegiel/POL), Sebastian Schwarz (Danzig/POL), Dirk Westphal (Radom/POL)
Mittelblocker: Max Günthör (VfB Friedrichshafen), Tim Broshog (Maaseik/BEL), Michael Andrei (Antwerpen/BEL), Marcus Böhme (Fenerbahce Istanbul/TUR)
Libero: Markus Steuerwald (Paris/FRA), Ferdinand Tille (Belchatow/POL)