Männer-WM: Die „Spätstarter“ im deutschen Team – Tim Broshog und Michael Andrei erleben ihre erste WM

Männer-WM: Die „Spätstarter“ im deutschen Team – Tim Broshog und Michael Andrei erleben ihre erste WM Erleben ihre erste WM: Tim Broshog (links) und Michael Andrei.

Bis nach dem letzten WM-Vorbereitungsspiel gegen die USA mussten die Spieler warten, dann nominierte Bundestrainer Vital Heynen den 14-er WM-Kader: Für die Mittelblocker Michael Andrei (Antwerpen/BEL) und Tim Broshog (Maaseik/BEL) wird es - wie für fünf weitere deutsche Spieler - die erste WM sein. Das dürfte beiden wie ein kleiner Traum vorkommen, denn sie debütierten erst 2013 (Broshog) bzw. in diesem Jahr (Andrei) in der Auswahl.

Deshalb kann man schon von „Spätstartern“ sprechen, denn mit 26 Jahren (Broshog) bzw. 29 Jahren (Andrei) sind beide nicht mehr als jung im Volleyball-Sinn zu bezeichnen. Sowohl „Tower“ Broshog als auch „Mount Mike“ Andrei empfahlen sich über starke Leistungen im Verein für die Auswahl und konnten auch dort auf Anhieb überzeugen. Der deutsche Mittelblock ist mit Broshog, Andrei, Max Günthör (VfB Friedrichshafen) und Marcus Böhme (Fenerbahce Istanbul/TUR) somit stark und international besetzt. Alle vier Vereine spielen in der Saison 2014/15 in der Champions League mit.

Doch zunächst gilt das Augenmerk der WM in Polen, auf die sich Broshog ziemlich freut und das sehr anschaulich beschreibt: „Die Vorfreude ist natürlich groß, es ist schwer das anschaulich da zu stellen. Ich würde sagen, man kann es momentan schon wie die Tage vor Weihnachten beschreiben. Man freut sich drauf, man wünscht sich was (Medaille), ob man das dann auch bekommt, stellt sich dann erst raus, wenn Bescherung ist. Nur mit dem Unterschied, dass man selber was dazu beisteuern muss/kann, um auch das gewünschte zu bekommen.“ Für Andrei ist es ähnlich, für ihn verläuft der gesamte Sommer wie im Film oder wie er sagt: „Meine ganze bisherige Zeit in der Nationalmannschaft ist wie ein Traum, den ich hoffentlich noch ganze lange träumen darf.“


Foto Conny Kurth: Lebt von seiner enormen Physis und hat natürlich am Netz seine Stärken: Tim Broshog.

Broshog erlebte diesen bereits im vergangenen Jahr, als er in der Stammformation beim EM-Auftaktspiel gegen den späteren Europameister Russland stand, und dieser 3:0 von der Platte geputzt wurde. Ähnliches schwebt der deutschen Mannschaft in ihrem WM-Eröffnungsspiel am 1. September gegen Top-Favorit und Titelverteidiger Brasilien vor, auch Broshog erinnert dabei gerne an den Gala-Auftritt bei der EM: „Ich denke, es ist schon realistisch, wir haben auch bei der letzten EM gezeigt, dass wir die Russen schlagen können, und das ist auch mit allen anderen Mannschaften machbar, wenn wir alle fit sind und auch das Maximum aus uns herausholen.“

Auf den Punkt topfit sein, dass ist die Kunst im Sport, darum geht es. Gerade auf dem höchsten Level, bei dem Nuancen den Ausschlag geben, bei dem ein Punkt über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Andrei und Broshog sind dabei als typische Spieler der Gattung Mittelblocker eher unauffällig, die Glanzpunkte setzen die Außenangreifer, die vielmehr Bälle bekommen. Anbieten, dem Gegner „drohen“, beim Pass des eigenen Zuspielers zu 100% da sein und natürlich der Block: das Leben als Mittelblocker ist kein „Zuckerschlecken“ und so manch einer fühlt sich als Fußball-Torwart oder -Linksaußen, Broshog: „N`Tick haben wir alle! Das stellen wir regelmäßig fest, dass die Mittelblocker ´ne ganz eigene Gattung sind. Das bestätigt, glaube ich, auch jeder andere aus dem Team.“

Auf das gesamte Team kommt es bei der WM in Polen an, dies betonen alle Spieler, ob es nun Super-Star Georg Grozer oder das „Küken“ Christian Fromm ist. Auch für Andrei ist das ein entscheidender Faktor, und er beschreibt etwas näher die DVV-Männer 2014: „Der Zusammenhalt ist schon sehr wichtig im Sport. Wir haben viele Übungsformen, wo wir als Team zusammen Situationen meistern müssen. Das schweißt zusammen. Wir sind eine homogene Truppe mit sehr vielen verschiedenen Charakteren und viel Hunger auf Erfolg. Ich denke, das ist eine gute Mischung!“ Andrei selbst ist von seiner Art auf dem Feld eher wie Kollege Günthör – beide pushen sich mit positiven Aktionen, schreien ihre Freude raus und reißen ihre Kollegen mit. Broshog ist trotz seiner beeindruckenden Statur von 2,05 Meter und 114 Kilogramm eher ein ruhiger Vertreter auf dem Feld und ähnelt in diesem Fall Böhme.


Foto Conny Kurth: Setzt auf eine „gesunde“ Höhe und seine Emotionen: Michael Andrei.

Dies scheint eine gute Mischung zu sein und ist für das lange Turnier mit bis zu 13 Spielen in 20 Tagen eminent wichtig. Natürlich will jeder der vier Spieler auf dem Feld stehen, aber die körperliche und mentale Belastung ist enorm hoch. Zudem wird sich einer des Quartetts bei den Spielen wohl immer auf der Tribüne wiederfinden, denn bei den WM-Spielen dürfen nur zwölf der 14 Spieler eingesetzt werden. Da kann es zu Frust kommen, und es ist wichtig, dass jeder Spieler und das Team dies auffängt. Broshog nennt sein Rezept für das Turnier: „Man muss auch mal abschalten können und darf nicht rund um die Uhr unter Strom stehen. Wie weit uns das gelingt, ist dann natürlich eine andere Sache, weil es wieder viele neue Eindrücke geben wird, weil es ja das erste große Turnier ist.“

Damit das Team bis in die Haarspitzen cool bleibt, könnte es sich auch das Ritual von Andrei zueigen machen, denn der hat eine spezielle Spielvorbereitung und liegt damit voll im Trend, Stichwort ALS Ice Bucket Challenge: „Ein paar Stunden vor dem Spiel dusche ich kalt!“

Michael Andrei im Portrait
Tim Broshog im Portrait
Alle Infos zur WM