Männer-WM: Der "Boegbeeld" und der komplette Spieler – Grozer & Schöps sind Freunde und Konkurrenten

Männer-WM: Der "Boegbeeld" und der komplette Spieler – Grozer & Schöps sind Freunde und Konkurrenten Ein schlagstarkes, befreundetes Duo für Deutschland: Georg Grozer und Jochen Schöps (rechts) nach der erfolgreichen WM-Qualifikation.

Sie prägen den modernen Volleyball wie kaum andere Spieler und sind oftmals die spektakulärsten Akteure auf dem Feld: die Diagonalangreifer. Die DVV-Männer haben das Glück, auf zwei der Weltbesten zurückgreifen zu können und setzen bei ihrem hoch gesteckten Ziel, eine WM-Medaille, auf das Duo Georg Grozer (Belgorod/RUS) und Jochen Schöps (Rzeszow/POL). Nicht umsonst ging der Titel „Volleyballer des Jahres“ seit 2007 an Schöps (2007-2009) und Grozer (2010-2013).

Zwar kann Schöps auch in der Annahme agieren, doch zumeist leistet sich das Team den Luxus, dass einer der beiden Stars draußen ist. Trotz dieser bestehenden Konkurrenz ist das Verhältnis der beiden Punktgaranten gut, ja sogar freundschaftlich: „Ich denke, man muss zwischen Nationalmannschaft und Klubleben unterscheiden. Hier in der Nationalmannschaft ist es ein Ziel, dass uns zusammen schweißt. Im Training treibt uns die Konkurrenz an, was das Niveau hebt und im Spiel können wir uns unterstützen mit Tipps und Sachen, die man von außen oft differenzierter sieht. Im Klub, wo man sein Geld verdient, steht oft mehr im Mittelpunkt, es in die Startsechs zu schaffen und eine Freundschaft kommt dann oft gar nicht auf. Ich bin sehr glücklich, in der Nationalmannschaft Georg als meinen Konkurrenten und Freund zu haben“ sagt Schöps.

Der 30-jährige Kapitän des Teams hat nach tausenden Angriffen vielleicht nicht mehr die Schlagkraft, wie sie ihn 2008 bei der Olympia-Qualifikation in Düsseldorf oder bei der EM 2009 in der Türkei auszeichnete. Damals war Grozer übrigens noch nicht im Kader (2008) bzw. die klare Nummer zwei (2009) hinter Schöps. Doch Schöps macht diesen Härteverlust mit Raffinesse, Übersicht und Variabilität wett. Oftmals „spielt“ er mit dem Block und bringt seine Gegenüber zur Verzweiflung. Grozer lobt ihn in den höchsten Tönen: „Jochen ist der friedlichste, ehrlichste Mensch, den ich in meiner Volleyball-Karriere getroffen habe! Er ist einer der beste Diagonalspieler der Welt und technisch super. Mit ihm in der Nationalmannschaft zusammen zu spielen, macht Spaß. Man kann technisch von ihm immer etwas lernen!“ Auch für Bundestrainer Vital Heynen ist sein Kapitän eminent wichtig, für ihn ist er gar der kompletteste Spieler Deutschlands: „Er ist der Kapitän und wichtigste Spieler, wenn alles mitzählt. Er ist ein sehr guter Spieler, nicht nur auf diagonal, sondern auch in der Annahme, er ist in jedem Spielbereich top. Er ist für die Mannschaft wegen seiner Erfahrung und seines Einschätzungsvermögens ganz wichtig und für die Betreuer jemand, der uns ganz viel hilft. So ist er absolut der kompletteste Spieler meiner Mannschaft!“


Foto Conny Kurth: Nicht so spektakulär, aber effektiv: Jochen Schöps „spielt“ oft mit dem Block!

Der ein Jahr jüngere Grozer ist ein anderer Typ. Keiner, der mit dem Block spielen will, sondern einer, der mit seiner Physis und Wucht den Gegner zerstören will. Wohl kaum ein Spieler in der Welt schlägt so hart wie der „Hammerschorsch“, sein Rekord-Aufschlag wurde seinerzeit in der polnischen Liga mit 128 Km/h gemessen. Doch Grozer nur auf seine Aufschläge und Angriffe zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Der 2,00 Meter Mann ist auch ein hervorragender Blockspieler und hat sich zu einem echten Leader auf und neben dem Feld entwickelt. Kein Wunder: schließlich spielt er in Belgorod an der Seite von etlichen russischen Olympiasiegern und Super-Stars, mit denen er in den zwei letzten Spielzeiten alles gewann (Klub-WM, Champions League, Meisterschaft und Pokal). Und dennoch gibt er sich damit nicht zufrieden, oder wie Schöps ihn charakterisiert: „Ihn zeichnet sein unbändiger Wille aus, etwas gewinnen zu wollen. Er ist nie satt vom Gewinnen. Er will immer mehr, weiter und besser. Außerdem seine Emotionalität und Direktheit. Seine Präsenz (Aura) und Physis.“

Für Heynen ist Grozer ein ganz „Großer“ des Welt-Volleyballs: „Er ist ein CEV-Botschafter und heiß, nun auch in der Nationalmannschaft etwas zu gewinnen. Für die, die es noch nicht wissen: er trainiert und lebt für den Volleyball, er ist ein Musterprofi! Er ist physisch so gut, wie er noch nicht gewesen ist, er ist unsere „boegbeeld“. Das ist ein niederländisches Wort, versuch mal, es zu übersetzen...“ Das haben wir natürlich gemacht: es bedeutet „Galionsfigur“ und beschreibt den Wert Grozers für die DVV-Männer und den deutschen Volleyballsport zutreffend.

Was sowohl Grozer als auch Schöps, auch der hat bis auf den Titel des Klub-Weltmeisters alle Vereinstitel gewonnen, in ihrer beeindruckenden Vita fehlt, ist eine Medaille mit der Nationalmannschaft. Und welches Turnier würde sich mehr eignen als die WM in Polen? Schließlich spielte sich Grozer damals in Rzeszow in die Herzen der Volleyball-Fans, Schöps trat dort in seine Fußstapfen und wurde auch prompt Meister. „Ich freue mich schon unglaublich auf Polen! Es macht immer Spaß dort zu spielen, die polnischen Fans sind einfach super! Sie lieben Volleyball und machen super Stimmung“, sagt Grozer und Schöps ergänzt: „Ich empfinde eine riesige Vorfreude. Das polnische Volleyballpublikum wird die Spiele allesamt feiern. Die Stimmung in den Hallen wird, da die Fans nicht nur Fans der polnischen Mannschaft sind, sondern auch die des Volleyballs an sich, sehr, sehr gut sein. Ich denke, dass die großen Hallen gut gefüllt sind, vielleicht sogar ganz voll. Auch die Medienpräsenz wird enorm sein. Ich hoffe auf eine große Anzahl im Fernsehen übertragener Spiele, wenn auch nur im polnischen TV.“


Foto Conny Kurth: Das größte Loch ist das über dem Block! Georg Grozer verfährt oft nach diesem Motto.

Doch natürlich können weder Grozer noch Schöps alleine den Traum von der ersten deutschen WM-Medaille alleine erfüllen. Sie sind Schlüsselspieler, aber bei einem so langen Turnier wie der WM kommt es auf mehr an: „Es kommt immer auf die Mannschaft an, wie wir mit allem umgehen. Wie wir mit guten und schlechten Tagen als Mannschaft umgehen. Und natürlich, wie wir körperlich und mental mit der hohen Belastung bei so einem langen Turnier klarkommen.“

Kommt das Team mit allem klar, spielen Grozer & Schöps in Top-Form und haben sie das nötige Quäntchen Glück, ja dann kann es mit dem ersehnten Edelmetall klappen. Trotz so namhafter Nationen wie Russland (Grozer: „mein Top-Favorit“), Brasilien, Polen, USA, Italien oder Bulgarien. Es wäre für die Freunde und Konkurrenten eine die ihrer bisherigen Karriere: „Eine Medaille würde mir alles bedeuten! Bisher haben wir mit der Nationalmannschaft keine Medaillen und das wollen wir ändern. Gerade in Polen eine Medaille zu bekommen, wäre bei der super Stimmung und Atmosphäre ein überragendes Gefühl“ sagt Schöps. Grozer schließt sich an: „Dann könnte ich sagen, ich habe in meiner Karriere alles erreicht, was ich wollte und wofür ich jeden Tag trainiert habe!“ Dann haut rein, Jungs!

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