European League: Finaleinzug perfekt gemacht – 3:0 Gegen GRE
Die DVV-Frauen greifen auch 2014 nach dem Titel in der European League: Der Titelverteidiger sicherte sich vor 1.822 Zuschauern in der Anhalt-Arena in Dessau durch ein klares 3:0 (25-22, 25-12, 25-11) gegen Griechenland den Sieg in der Vorrundengruppe B und trifft im Finale auf die Türkei. Das Hinspiel findet am 16. Juli in Bursa/TUR statt, am 19. Juli (13.00 Uhr, live bei SPORT1 im Free-TV) fällt in Rüsselsheim die Entscheidung über den Sieger. Im vergangenen Jahr hatten die DVV-Frauen bei ihrer erstmaligen Teilnahme an der European League prompt den Titel gewonnen. Punktbeste Spielerinnen in Dessau waren Lena Stigrot (15) und Jennifer Pettke (10) auf deutscher sowie Evangelia Chantava (9) auf griechischer Seite.
Tabellenführer gegen Tabellenletzter, Weltranglisten-9. gegen Weltranglisten-46, Deutschland gegen Griechenland. Die Rollen waren vor dem abschließenden Vorrundenspieltag klar verteilt, auch wenn es im Hinspiel eine Punkteteilung gab (1:3 und 3:0 für Deutschland) und die deutsche Mannschaft auf die zuletzt so starke Diagonalspielerin Louisa Lippmann verzichten musste. Die 19-Jährige hatte im Freitag-Training beim Blocken einen Ball auf den Finger bekommen. Aber die Griechinnen erwiesen sich als durchaus unangenehmer Gegner, der vor allem im Aufschlagbereich Risiko ging und Druck ausübte. Und so hatte der Gastgeber im ersten Satz seine Probleme, konnte sich am Ende aber auf das bessere Blockspiel und die starke Mitte mit Berit Kauffeldt und Jennifer Pettke verlassen. Nach dem ersten Satz war der Widerstand der Griechinnen gebrochen, die in der Annahme Probleme große offenbarten und auch am Netz chancenlos waren. Die Zahlen verdeutlichen das am Beispiel Aufschlag, in dem die deutsche Mannschaft im zweiten Satz alleine sechs Asse servierte und am Ende die sehr hohe Zahl von 11 (GRE 3) direkten Aufschlagpunkten aufwies.
Dabei hätten die DVV-Frauen fast ohne ihren Chef auskommen müssen. Der war morgens Musik hörend zu einer Joggingrunde gestartet und merkte nach langer Zeit, dass er sich verlaufen hatte. Also hielt Guidetti die erste Autofahrerin an und fragte nach dem Weg. Sie setzte ihn an der Hauptstraße ab und bekam als Dank drei Tickets für die Partie. „Ohne diese Frau wäre ich vielleicht nicht beim Spiel gewesen“, scherzte Guidetti.

Foto Conny Kurth: Lena Stigrot griff auf der Diagonalposition an und wurde dabei von Bundestrainer Giovanni Guidetti genauestens beobachtet.
Ausführlicher Spielbericht
Startformation Deutschland: Mareen Apitz, Carina Aulenbrock, Berit Kauffeldt, Jennifer Pettke, Lena Stigrot, Jana-Franziska Poll, Lisa Thomsen
Startformation Griechenland: Athina Papafotiou, Eleni Kiosi, Georgia Lamprousi, Evanglia Chantava, Maria Lamprinidou, Maria-Eleni Artakianou
1. Satz
Guidetti setzte Annahmespielerin Stigrot auf die Diagonalposition und Diagonalspielerin Aulenbrock auf die Annahmeposition. Dass diese Umstellung nicht ohne Folgen blieb, zeigten die ersten Bälle, in denen es Abstimmungsprobleme und einige Fehler auf deutscher Seite gab (6-8). Zwar gelang nach einem Stigrot-Block der schnelle Ausgleich, aber die druckvollen Aufschläge der Griechinnen sorgten wieder für den Zwei-Punkte-Rückstand (10-12). Das deutsche Team kämpfte und steigerte sich in der Block-Abwehr. Nach guter Zusammenarbeit dieser beiden Elemente war es Stigrot, die per Angriff die erste deutsche Führung holte (14-13). Nach zwei weiteren Punkten betrug der Vorsprung bei der zweiten technischen Auszeit drei Zähler (16-13). Doch die Griechinnen kapitulierten nicht, machten Druck mit dem Aufschlag und wurden mit dem Ausgleich belohnt (17-17). Guidetti war unzufrieden, gestikulierte an der Seitenlinie und wechselte Jennifer Geerties (für Poll) und Lisa Izquierdo (für Aulenbrock) ein. Die Maßnahmen wirkten, zwei Aufschlagpunkte führten zum 21-18. Geerties holte per Schmetterschlag den ersten Satzball, den Kauffeldt mit einem direkten Aufschlagpunkt sofort verwandelte.
2. Satz
Guidetti begann den Satz, wie er aufgehört hatte, nur Apitz übernahm wieder die Regie im Zuspiel. Zwei Asse und ein weiterer „Wirkungstreffer“ von Pettke ließen das DVV-Team gut aus den Startlöchern kommen (5-2). Ein „Knaller“ von Geerties sowie zwei Blockpunkte des deutschen Teams machten aus einem guten Start einen hervorragenden Start (8-2). Die Griechinnen hatten nun zunehmend Probleme mit den deutschen Aufschlägen: entweder die Annahme patzte direkt oder die über das Netz springenden Bälle wurden knallhart von Izquierdo & Co verwertet (16-7). Das deutsche Team war nicht mehr aufzuhalten, auch die eingewechselte Leonie Schwertmann fügte sich mit einem hart geschlagenen Zwei-Meter-Schuss glänzend ein (23-11). Den ersten Satzball wehrten die Griechinnen noch ab, den zweiten „schenkten“ sie dem deutschen Team per Fehlaufschlag.

Foto Conny Kurth: Nur im ersten Satz war der Annahmeriegel um Libero Lisa Thomsen (links) und Jana-Franziska Poll unter Druck.
3. Satz
Schwertmann blieb auf dem Feld und war somit das erste Mal in ihrer jungen Karriere in der Startaufstellung der Frauen-Nationalmannschaft. Und die Schnellangreiferin fügte sich mit Angriff und Ass gut ein (4-3). Allerdings hatten sich die Griechinnen wieder gefangen und agierten stabiler im Angriffsaufbau (8-6). Richtig gefährlich werden konnten sie den deutschen Spielerinnen jedoch nicht, die einfach besser waren. Als Libero Thomsen per Abwehrball ein direkter Punktgewinn gelang, jubelten Mitspielerinnen und Zuschauer lautstark (12-8). Das deutsche Team setzte sich weiter ab, im Aufschlag-Annahmebereich und im Block gab es die größten Unterschiede, Schwertmann packte zum 16-10 zu. Guidetti wechselte doppelt und brachte Lena Möllers & Aulenbrock (für Stigrot & Apitz). Das fruchtete sofort, mit einer beeindruckenden 9:1-Serie und zahlreichen Punkten durch Aulenbrock wurde den Griechinnen nur noch ein einziger Punkt gestattet. Ein Jubelkreis beendete das Spiel, Deutschland steht wie im vergangenen Jahr im Finale der European League.
Statistik
GER: Aufschlag: 11 Asse & 5 Fehler / Angriff: 45% / Block: 9
POL: Aufschlag: 3 Asse & 8 Fehler / Angriff: 26% / Block: 3
Spielfilm
1. Satz: 3-3, 5-7, 8-10, 12-12, 16-13, 17-17 (Geerties für Poll), 19-18 (Izquierdo für Aulenbrock), 21-18, 23-20, 24-22 (Möllers für Apitz)
2. Satz: 4-2, 7-2, 9-5, 13-7, 16-7, 21-10, 22-11 (Schwertmann für Kauffeldt)
3. Satz: 3-3, 7-5, 12-8, 16-10, 17-11 (Aulenbrock/Möllers für Apitz/Stigrot), 22-11,
Stimmen zum Spiel
Giovanni Guidetti: „Das Finale war nicht unser Ziel, das Ziel war, jungen Spielerinnen Spielpraxis auf internationalem Niveau zu geben und sie näher an die Top-Spielerinnen heranzuführen. Das hat prima geklappt, und dass wir jetzt im Finale stehen, ist natürlich super. Und wenn man im Finale steht, will man auch gewinnen.“
Lena Möllers: „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses deutliche 3:0 geschafft haben. Das war die klare Vorgabe. Am Anfang waren wir etwas nervös, aber nach dem ersten Satz wurde es deutlich konstanter und besser. Dass wir in das Finale einziehen, war mit dieser jungen Mannschaft möglich, aber nicht unbedingt zu erwarten.“
Leonie Schwertmann: “Man ist hyperaufgeregt, obwohl man ja nur Volleyball spielen soll. Aber mit dem Nationaltrikot am Körper ist es gerade am Anfang Aufregung pur! Aber das Team zieht einen toll mit, kurz nach Beginn habe ich die Nervosität abgelegt. Es war einfach schön!“

Foto Conny Kurth: Auch im Block, hier Berit Kauffeldt (links) und Jana-Franziska Poll war das deutsche Team überlegen.
Ergebnisse vom 11.-13. Juli
GER – GRE 3:0 (25-22, 25-12, 25-11)
POL – ESP 3:0 (25-14, 25-19, 26-24)
Aktuelle Tabellen (11.7.14)
Gruppe B
1. GER – 23 Punkte – 8:3-Siege - 27:11-Sätze – 11 Spiele
2. POL – 17 Punkte – 6:5-Siege - 19:20-Sätze – 11 Spiele
3. ESP – 16 Punkte – 5:6-Siege - 19:22-Sätze – 11 Spiele
4. GRE – 10 Punkte – 3:8-Siege - 14:27-Sätze – 11 Spiele
Gruppe A
1. TUR – 21 Punkte – 7:3-Siege - 23:11-Sätze – 10 Spiele
2. SLO – 14 Punkte – 6:4-Siege - 20:21-Sätze – 10 Spiele
3. BUL – 14 Punkte – 4:6-Siege - 18:21-Sätze – 10 Spiele
4. AZE – 11 Punkte – 3:7-Siege - 15:23-Sätze – 10 Spiele