Frauen-EM: DVV-Frauen gewinnen Thriller gegen Niederlande - 3:2-Sieg nach Satzrückstand
Die DVV-Frauen stehen sicher in der Zwischenrunde der EM und können weiterhin vom direkten Einzug in das Viertelfinale träumen: Mit dem 3:2 (27-25, 20-25, 22-25, 25-23, 15-9) über die Niederlande landeten die Spielerinnen von Bundestrainer Giovanni Guidetti vor 6.500 Zuschauern, unter ihnen Olympiasieger Julius Brink, in HalleWestfalen den zweiten Sieg im zweiten Spiel und haben damit zumindest Platz zwei in der Gruppe sicher. Punktbeste Spielerinnen waren Christiane Fürst (23) und Margareta Kozuch für die deutsche Mannschaft sowie Anne Buijs (22), Judith Pietersen und Robin de Kruijf (je 12) für die Niederländerinnen. In der Tabelle weist die deutsche Mannschaft fünf Punkte auf, die Niederländerinnen zwei. Gewinnt die DVV-Auswahl auch ihr finales Gruppenspiel gegen die Türkei (8. September um 18.00 Uhr, live bei SPORT1), zieht sie direkt in das Viertelfinale ein, in dem der Gegner der Sieger des Ko-Rundenspiels zwischen dem Zweitplatzierten der Gruppe C und dem Drittplatzierten der Gruppe A ist.
Dramatik, tolle Ballwechsel, wechselnde Führungen en masse und am Ende – aus Sicht der meisten Zuschauer - der richtige Sieger! Die Begegnung der Nachbarn und Dauer-Rivalen hielt, was sie im Vorfeld versprach. Dabei setzten die Teams auf ganz unterschiedliche Akzente: Die Niederländerinnen bestachen durch ein beeindruckendes Block- und Angriffsspiel, was durch ihre Physis begründet ist. Dagegen war das deutsche Team technisch versierter und im Aufschlag- und Annahmebereich überlegen.
Der Gastgeber zeigte eine tolle Moral und Kampfkraft, denn der Start in die Sätze verlief jeweils miserabel (1-6, 0-3, 1-5). Angeführt von der starken Margareta Kozuch steigerte sich das Team – auch weil die Zuschauer wie eine Wand hinter ihrem Team standen – und drehten den ersten Satz. In der Folge dominierten die Niederländerinnen mit ihrer enormen Athletik, auch schwächere Annahmen wurden mit dem Angriff wettgemacht. Doch auch der Satzrückstand ließ das deutsche Team kalt, die überragende Christiane Fürst und die gegen Ende immer aggressiver und erfolgreicher werdende Maren Brinker ebneten den Weg zum Sieg. Und dann natürlich Denise Hanke: Die Zuspielerin servierte im fünften Satz beim Stand von 11-9 drei Asse!
Ausführlicher Spielbericht
Startformation Deutschland: Kathleen Weiß, Corina Ssuschke-Voigt, Christiane Fürst, Maren Brinker, Heike Beier, Margareta Kozuch und Libero Lenka Dürr
Startformation Niederlande: Femke Stoltenborg, Robin De Kruijf, Maret Grothues, Quinta Steenbergen, Manon Flier, Anne Buijs und Libero Kirstin Knip
Die deutschen Frauen beginnen das Nachbarschaftsduell gegen die Niederlande mit der gleichen ersten Sechs wie gestern gegen Spanien. Besser in die Partie starten aber die Holländerinnen, die vor allem mit einem sehr guten Blockspiel gleich eine kleine Serie starten können. Bundestrainer Giovanni Guidetti muss so beim Stand von 1-6 die erste Auszeit nehmen und seinem Team noch mal neue Anweisungen mitgeben. Von da an läuft es besser im Spiel des DVV-Teams, bereits nach der ersten Technischen Auszeit (TA) haben die deutschen Frauen den Ausgleich geschafft. Mit nun einem schnelleren und effektiveren Angriffsspiel bleibt die DVV-Auswahl in dieser Phase besser und geht mit einer 2-Punkte-Führung in die zweite TA. Im holländischen Team folgen nun Wechseln auf drei Positionen. Der Ergebnisverlauf wiederholt sich jetzt im Minutentakt. Das deutsche Team zieht davon und wenig später gleichen die Holländerinnen aus. Es wird eine sehr spannende Schlussphase, in der sich auch das niederländische Team einen Satzball herausspielen, diesen aber nicht nutzen kann. Besser macht dies die DVV-Auswahl im Anschluss und holt sich diesen umkämpften ersten Durchgang mit 27-25.
Der zweite Satz beginnt wie der erste Durchgang, mit starken Aktionen des holländischen Blocks. Aber die DVV-Frauen reagieren sofort und erhöhen noch mal das Tempo in den Angriffsaktionen. Diese Qualität zahlt sich aus und die deutsche Auswahl zieht bis zur ersten TA mit 3 Punkten davon. Aber wie schon im Match gestern gegen die Türkei zeigen die Holländerinnen großen Kampfgeist. Nach der zweiten TA können die ‚Oranjes’ den Ausgleich herstellen und wenig später mit 2 Punkten in Führung gehen. Gegen das nun wieder sehr gut positionierte Blockspiel der Holländerinnen finden die deutschen Frauen in dieser entscheidenden Phase kein Mittel mehr. 25-20 geht der Satz somit an die Niederlande.
Erneut haben die DVV-Frauen Probleme in den neuen Satz zu kommen. Schnell führen die Holländerinnen mit 4 Punkten Vorsprung. Bundestrainer Guidetti reagiert und wechselt im Zuspiel und auf Diagonal. Mit nun mehr Konstanz, viel Einsatz und einem guten Aufschlag reduziert ‚Team Deutschland’ den Rückstand schrittweise, kann zwischenzeitlich auch ausgleichen. Zum Führungswechsel bis zur zweiten TA reicht es aber nicht, da im deutschen Spiel auch immer wieder leichte Fehler auftauchen und die Holländerinnen weiterhin auf einem guten Niveau agieren. Aufgrund dieses kleinen, aber entscheidenden Unterschieds können sich die Holländerinnen vier Satzbälle herausspielen. Auch wenn die deutschen Frauen davon noch Zwei abwehren können, sichert sich ‚Team Oranje’ auch Satz Drei: 25-22.
Der vierte Durchgang bliebt von Beginn an eng und umkämpft mit zahlreichen Führungswechseln. Jedes Team hat in bestimmten Bereichen Vorteile. Das deutsche Team ist besser im Aufschlag und Angriff, die Niederlande in der Feldabwehr und im Block. Nach der zweiten TA schafft das deutsche Team dann ein Break und nimmt diesen knappen Vorsprung mit in die Satzschlussphase. Dort gelingt noch ein Break und damit haben die DVV-Frauen 3 Satzbälle. Die Holländerinnen können noch mal auf 24-23 verkürzen, um dann den entscheidenden Aufschlag ins Aus zu setzen. 25-23 und Satzausgleich für die DVV-Auswahl. Das Match wird somit im Tiebreak entschieden.
Wie schon das gesamte Match, ist der entscheidende Satz zu Beginn hart umkämpft. Dem deutschen Team gelingt es zu Anfang ein Break, Holland gleicht wenig später aus. Der Spielverlauf ähnelt nun stark an die Schlussphase des ersten Satzes, wo das deutsche Team sich immer die Führung erspielen kann und die Holländerinnen im Anschluss ausgleichen. In der Schlussphase kommt dann aber die Zeit von Denise Hanke. Dreimal hintereinander packt die Zuspielerin einen Hammer-Aufschlag aus, den nicht einen holländische Spielerin berühren kann. 5 Matchbälle hat das deutsche Team damit und verwandelt gleich den Ersten (15-9). Die knapp 7000 Zuschauer in der Halle toben und feiern diesen ‚Krimi-Sieg’ der deutschen Frauen so laut, dass einem die Ohren schmerzen können. Aus den Lautsprechern erklingt das Lied mit der Textpassage „An Tagen wie dieser wünscht man sich Unendlichkeit“ – aus Sicht des deutschen Team passt das Lied am heutigen Tag perfekt.
Stimmen
Maren Brinker: „Diese geniale Atmosphäre hat uns den Sieg gebracht. Wir haben es nach dem dritten Satz geschafft, uns nicht einzugraben und haben emotional zurückgefunden. Natürlich müssen wir uns steigern, aber dieser Sieg pusht uns weiter.“
Denise Hanke: „Bei meiner Aufschlagserie habe ich gedacht: Kopf aus und raus mit dem Ball. Die Stimmung war gigantisch. So ein tolles Erlebnis hatte ich auf internationaler Ebene noch nicht. Das war cool. Wir haben von vornherein gewusst, dass das ein sehr emotionales Spiel wird und haben enormen Kampfgeist gezeigt. Das war die beste Vorbereitung auf das Türkei-Spiel.“
Corina Ssuschke-Voigt: „Das war ein genialer Sieg. Locker wird man bei so einer Europameisterschaft nicht. Aber man muss immer an sich glauben.“
Maragreta Kozuch: „Im fünften Satz war die Devise: Alles oder Nichts. Da muss man Risiko gehen und mit Entschlossenheit ohne Angst spielen. Das ist uns gelungen, weil uns auch das Publikum getragen hat. Es war ein Spiel mit vielen Auf und Ab‘s und ich bin froh, dass wir das noch gedreht haben.“
Christiane Fürst: „Wir haben durch Kampf zurück ins Spiel gefunden und am Ende auch eigene Lösungswege gefunden. Wir müssen uns in jedem Fall weiter steigern, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen.“
Giovanni Guidetti: „Für meine Mannschaft gibt es kein leichtes Spiel. Wir haben nicht diese Kraft der anderen Mannschaften, wir müssen uns alles hart erarbeiten und immer ans Limit gehen. So eine wie Denise Hanke wünscht sich jeder Coach: Es steht 11:9 im letzten Satz und sie macht praktisch vier Asse. Da kannst du für jedes 1000 Euro zahlen. Wir müssen uns in den nächsten Spielen vor allem im Sideout steigern.“
Julius Brink (Beach-Volleyball Olympiasieger): „Das war ein superspannendes Spiel, eine rundum gelungene Veranstaltung – mir hat es Spaß gemacht, mal wieder beim Hallenvolleyball zu sein. Die deutschen Mädels sind eine kampfstarke und geschlossene Mannschaft. Nach einem 1:2 noch so einen Sieg gegen Holland zu feiern, pusht natürlich. Sie werden die Gegner nicht rechts und links liegenlassen, aber sie können in diesem Turnier über sich hinauswachsen.“
Spielfilm aus deutscher Sicht
1. Satz: 1-4, 7-8, 13-13, 16-14, 18-16 (Hanke für Weiß), 19-18 (Weiß für Hanke), 21-19, 24-23, 24-25, 26-25, 27-25
2. Satz: 3-3, 8-5, 13-11, 16-14, 18-19 (Hippe für Beier), 18-20 (Thomsen für Brinker), 20-24, 20-25
3. Satz: 1-4 (Hanke für Weiß), 1-5 (Hippe für Kozuch), 5-8, 13-13, 14-16, 14-19 (Kozuch für Hippe), 20-24, 22-25
4. Satz: 3-3, 8-7, 12-14 (Thomsen für Brinker), 15-15 (Hippe für Hanke, Weiß für Kozuch), 16-15, 17-17 (Brinker für Thomsen), 21-19 (Kozuch und Hanke für Weiß und Hippe), 24-21, 25-23
5. Satz: 3-3, 5-4 (Hanke für Weiß), 8-6, 8-8, 10-9, 14-9, 15-9
Der deutsche Kader beim der EM:
Kathleen Weiß (Bergamo/ITA), Denise Hanke (Eczacibasi Istanbul/TUR), Christiane Fürst (Vakifbank Istanbul/TUR), Corina Ssuschke-Voigt (Lokomotiv Baku/AZE), Anja Brandt, Jana-Franziska Poll (beide Schweriner SC), Maren Brinker (Wroclaw/POL), Heike Beier (Bielsko Biala/POL), Jennifer Geerties (Rote Raben Vilsbiburg), Margareta Kozuch (zur Zeit ohne Verein), Saskia Hippe (Prostejov/CZE), Lenka Dürr (Igtisadchi Baku/AZE), Lisa Thomsen (zur Zeit ohne Verein), Lisa Izquierdo (Dresdner SC)
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