DVV-Männer: 3:2-Sieg gegen Italien
Die deutsche Männer-Nationalmannschaft hat ihr erstes von zwei Vorbereitungsspielen in Deutschland gegen Vize-Europameister Italien mit 3:2 gewonnen (25-18, 21-25, 26-24, 20-25, 15-13). Vor 1.900 Zuschauern in der Wiedigsburghalle in Nordhausen zeigte das Team von Bundestrainer Vital Heynen eine überzeugende Leistung und verließ das Feld am Ende völlig verdient als Sieger. Erfolgreichste Punktesammler waren Denis Kaliberda (18) und Christian Fromm (14) auf deutscher Seite, bei Italien überzeugten Ivan Zaytsev und Cristia Savani mit jeweils 19 Punkten. Überzeugend war auch die Vorstellung des deutschen Teams im Block, mit dem sie insgesamt 13 Punkte realisierten. Damit zeigt die Formkurve des deutschen Teams kurz vor dem Beginn der Europameisterschaft in Polen und Dänemark (20.-29. September) weiter nach oben. Zum Abschluss der Vorbereitung triff die deutsche Auswahl am morgigen Dienstag in Dessau noch einmal auf Italien (19. Uhr), bevor es sich der deutsche Tross am Mittwoch auf den Weg nach Gdynia/POL macht und dort in der EM-Gruppenhase auf Russland (20.9. um 17.00 Uhr), Bulgarien (21.9. um 15.00 Uhr) und die Tschechische Republik (22.9. um 15.00 Uhr – alle live bei SPORT1) trifft.
Neben dem sportlichen Aspekt hatte das Spiel aber auch am Rande einiges zu bieten. So wurde Frank Garthoff geehrt, der über 20 Jahre als Schiedsrichter aktiv war und in Nordhausen – seiner Heimatstadt – sein letztes Länderspiel pfiff. Große Ehre wurde aber auch Markus Steuerwald zuteil, der beim Memorial Wagner Turnier in Plock/POL vor einer Woche sein 100. Länderspiel bestritt und damit in den „Club“ der 100-er aufgestiegen ist. Doch damit nicht genug: Der erst 18-jährige Moritz Reichert – von Bundestrainer Vital Heynen für das Spiel in Nordhausen nominiert – betrat im vierten Satz das Feld und gab damit sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft.

Foto Conny Kurth: Der überragende Einsatz der deutschen Mannschaft wurde mit dem Sieg belohnt.
Startformation Deutschland: Christian Fromm, Simon Tischer, Denis Kaliberda, Marucs Böhme, Georg Grozer, Felix Fischer, Ferdinand Tille.
Startformation Italien: Simone Parodi, Ivan Zaytsev, Cristian Savani, Dragan Travica, Matteo Piano, Emanuele Birarelli, Salvatore Rossini
„Das Ziel ist, es besser zu machen als in Polen, wo wir gegen Russland und Polen 0:3 verloren haben. Wir wollen gegen Italien im ersten Spiel mindestens einen Satz holen, dann zwei in Dessau und dann drei bei der EM zum Auftakt gegen Russland“, formulierte Bundestrainer Vital Heynen das Ziel vor dem ersten Spiel in Nordhausen. Seine Mannschaft sollte ihn nicht enttäuschen und schon in der ersten Partie beweisen, dass sie vor der EM immer besser in Tritt kommt. Vor ausverkauften Zuschauerrängen begegneten sich beide Teams im ersten Satz auf Augenhöhe und lieferten sich einen offenen Schlagabtausch. Aus einer guten Annahme heraus gelang es den Mannschaften immer wieder den gegnerischen Block zu überwinden und die Lücken in der Abwehr zu nutzen. In der Folge entwickelte sich eine Partie, bei der sich kein Team entscheidend absetzten konnte (7-8, 12-11). Mitte des ersten Satzes leitete Christian Fromm mit starken Aufschlägen schließlich die Wendung ein und machte aus einem 13-14-Rückstand eine 16-13 Führung (zwei Asse). Diese gab die deutsche Mannschaft nicht mehr aus der Hand und spielte ihren Stiefel in souveräner Manier herunter. Vor allem Christian Fromm (57 %) und Denis Kaliberda (55 %) wussten zu überzeugen, brachten jeweils mehr als die Hälfte ihrer Angriffe beim Gegner unter und sorgten damit für den ersten Satzgewinn für das deutsche Team (25-18).
Ein ähnliches Bild präsentierte sich den Zuschauern im zweiten Satz. In der Anfangsphase zeigten sich beide Teams sicher im Sideout und lagen bis zur ersten technischen Auszeit lediglich zwei Punkte (6-8) auseinander. Im weiteren Verlauf nahmen die Italiener das Heft des Handelns aber in die Hand und lagen zwischenzeitlich mit vier Punkten in Front (12-16). In sicherer Manier entschieden sie den zweiten Satz für sich und stellten damit den Ausgleich wieder her. Im dritten Satz legte die deutsche Mannschaft den besseren Start auf das Feld (4-2) und erwischte das italienische Team mit einem Dreierblock auf dem falschen Fuß im Angriff. Doch wie schon im ersten Durchgang waren es zwei Asse, die das Spiel drehten, diesmal allerdings nicht auf deutscher Seite. Der Italiener Ivan Zaytsev, der mit seinen Aufschlägen für ein Raunen im Publikum sorgte, ließ dem deutschen Team in der Annahme keine Chance und wendete das Blatt zum 4-5 aus deutscher Sicht. Von diesem Zeitpunkt lief die deutsche Auswahl einem Rückstand hinterher (8-9), steckte aber zu keinem Zeitpunkt auf. Vielmehr überzeugte sie auch kämpferisch am heutigen Abend und ließ sich von dem Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Ein Block zum 18-19 stellte schließlich den verdienten Anschluss wieder her, der Ausgleich erfolgte nur kurze Zeit später und wurde durch einen italienischer Fehler in der Annahme zum 21-21 hergestellt. In einer spannenden Endphase brachten beide Teams ihr Sideout durch (23-23), bevor ein Angriff der Italiener im Aus landete und damit für den ersten Satzball für Deutschland sorgte. Allerdings segelte der Aufschlag von Collin ins Aus und ließ die italienische Auswahl wieder hoffen. Doch ein weiterer Punkt, und ein Ass von Georg Grozer entschieden auch den dritten Durchgang für das deutsche Team.

Foto Conny Kurth: Die deutsche Mannschaft hatte nach der Partie allen Grund zum Jubeln.
Die Geschichte des vierten Satzes ist schnell erzählt. Erneut lieferten sich beide Mannschaften ein Duell auf Augenhöhe. Beide Teams waren sicher in der Annahme und überzeugten mit gutem Blockspiel. Bis zum Ende des zweiten Durchgangs deutete sich erneut eine spannende Endphase an, (17-19, 20-21), doch das italienische Team erhöhte noch einmal den Druck im Angriff und setzte sich so entscheidend ab (20-23). Der Satzgewinn war von diesem Zeitpunkt an nur noch reine Formsache und ließ nicht lange auf sich warten (20-25).
Im Tiebreak kam die Auswahl von Bundestrainer Vital Heynen gut aus den Startlöchern. Die Italiener offenbarten Schwächen in der Annahme und bescherten dem deutschen Team eine 2-0-Führung. Die Vorentscheidung war dies aber auf keinen Fall, denn dem italienischen Team gelangen gleich fünf Punkte in Folge und machten den guten Start vergessen (2-5). Probleme in der Annahme und ein löchriger Block drehten das Spiel zu Gunsten der italienischen Mannschaft. Doch wie schon in den vergangenen Durchgängen legte das deutsche Team vor allem im kämpferischen Bereich eine ganz starke Leistung auf das Feld und kämpfte sich erneut heran (8-9). Der Augleich war nun zum Greifen nah, denn das Momentum schien langsam aber sicher auf die deutsche Seite zu kippen. Im weiteren Verlauf stellten zwei Blocks die 12-10-Führung für Deutschland her. Die Italiener waren nun sichtlich verunsichert und verursachten mit einem weiteren Annahmefehler die ersten zwei Matchbälle (14-12), von denen einer noch abgewehrt werden konnte. Beim zweiten Versuch machte es das deutsche Team besser und sorgte für kollektiven Jubel bei Bundestrainer Vital Heynen, seinen Spielern und den 1.900 Fans in der Wiedigsburghalle in Nordhausen.
Stimmen zum Spiel
Trainer Vital Heynen: „Wir haben endlich angefangen zu spielen. Es war wichtig, dass fast alle Spieler zum Einsatz gekommen sind und dadurch Spielpraxis sammeln konnten. Natürlich können wir auch noch einige Dinger verbessern, aber das war heute sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.“
Jochen Schöps: „Alle haben konstant eine gute Leistung abgeliefert. Die Mannschaft hat immer versucht den Druck hochzuhalten, und das ist ihr auch gut gelungen. Ich hoffe, dass ich im Hinblick auf die EM noch fit werde. Es wird von Tag zu Tag immer besser. Ich habe noch Schmerzen bei der Schlagbewegung, was für einen Diagonalangreifer natürlich nicht optimal ist. Wir werden die nächsten Tage abwarten und schauen wie es sich entwickelt.“
Lukas Kampa: „Wir haben unser Ziel erreicht und waren über die gesamte Spielzeit gefährlich. Wenn alle ihre Leistung abrufen, können wir für jede Mannschaft gefährlich werden. Es war ein weiterer Schritt nach vorn, unser Spiel klappt immer besser.“
Der deutsche 16-er Kader
Zuspiel: Lukas Kampa (Modena/ITA), Simon Tischer (Lyon/FRA)
Mittelblock: Marcus Böhme (Generali Haching), Tim Broshog (Moerser SC), Philipp Collin (Tours/FRA), Felix Fischer (BR Volleys)
Außenangriff: Denis Kaliberda (Piacenca/ITA), Björn Höhne (TV Ingersoll Bühl), Sebastian Schwarz (Generali Haching), Christian Fromm (Citta di Castello/ITA), Moritz Reichert (Volleyball-Internat Frankfurt)
Diagonalangriff: Jochen Schöps (Rzeszow/POL), Georg Grozer (Belgorod/RUS), Simon Hirsch (Generali Haching)
Libero: Markus Steuerwald (Paris/FRA), Ferdinand Tille (Generali Haching)