DVJ(w): U18 Auswahl qualifiziert sich für die Europameisterschaft
Mit einem 3:1-Erfolg gegen Gastgeber Tschechien konnte die deutsche Mannschaft Platz eins erobern und sich sich für die EM-Endrunde in Serbien & Montenegro vom 29. März bis 7.April qualifizieren. In den vier Gruppenspielen ging die deutsche Auswahl von Trainer Jens Tietböhl nicht einmal als Verlierer vom Platz und musste nur drei Satzverluste hinnehmen.
Deutschland – Tschechien 3:1 (25:20, 20:25, 25:21, 25:19)
Deutsche Auswahl überrascht den Tabellenführer
Das Spiel gegen Tschechien sollte die große Bewährungsprobe in der EM-Qualifikation werden. Die Gastgeber waren vor dem Spiel souveräner Tabellenführer und marschierten bis dahin ohne Satzverlust durch ihre Spiele. Vor der Partie war klar, dass der Gewinner als Gruppenerster für die EM-Endrunde in Serbien & Montenegro qualifiziert sein würde. Und von Anfang an ließ die deutsche Mannschaft keinen Zweifel daran, dass sie dieses Team sein wollte. Die Tschechinnen zeigten sich von Beginn an überrascht von der Spielweise der deutschen Mannschaft. Es schien, dass sie nicht mit dem furiosen Start ihrer Gegnerinnen gerechnet hatten und lagen schnell mit 7:1 zurück. Die Mannschaft von Trainer Tietböhl knüpfte nahtlos an die Leistung in den letzten drei Sätzen gegen Ungarn an und kam mit schönen Angriffen und einer aggressiven Defensive zum Erfolg. Erst beim Stand von 12:7 und zwei weiteren Punkten der tschechischen Mannschaft zum 12:9, schien der erst Durchgang an Spannung zu gewinnen. Anscheinend hatte der deutsche Trainer aber etwas gegen eine spannende Partie und nahm mit einer Auszeit etwas Luft aus der Aufholjagd der Gegnerinnen. Die Ansprache schien zunächst die erhoffte Wirkung erzielt zu haben, geriet jedoch beim ersten Gleichstand des Spiels (15:15) in Vergessenheit. Die tschechische Auswahl war plötzlich im Spiel angekommen und zeigte die gewohnt Klasse. Jetzt sollte sich zeigen, ob die deutschen Spielerinnen in der Lage sind auch in einem echten Spitzenspiel mit Druck umzugehen. Die Spannung war nun förmlich greifbar, denn keine Mannschaft wollte einen unnötigen Fehler machen und den ersten Satz verlieren. In der Schlussphase des ersten Durchgangs nutzte die deutsche Auswahl den Vorteil, dass sie die gesamte Spieldauer in Führung lag und nie einem Rückstand hinterherrennen mussten. Mit diesem Selbstbewusstsein und vier Punkten in Folge, beim Stand von 21:20, entschieden sie den ersten Satz für sich und gingen mit 1:0 in Führung.
Tschechien findet zurück in das Spiel
Zu Beginn des zweiten Satzes war es für neutrale Zuschauer nun die erhoffte Partie auf Augenhöhe. Beide Teams neutralisierten sich gegenseitig und ließen dem Gegner keinen Vorsprung, wobei die deutsche Mannschaft fast durchgehend mit einem Punkt in Front lag (2:1, 5:4, 7:6). Den ausgewogenen Spielfluss beendeten jedoch die Tschechinnen abrupt mit fünf Punkten in Folge und einer 11:7-Führung. Die deutschen Spielerinnen versuchten alles, um den Abstand zu verringern. Dies gelang ihnen auch, denn sie konnten bis auf einen Punkt zu den Tschechinnen aufschließen (14:13). Plötzlich schöpfte die deutsche Auswahl wieder Hoffnung, dass sie das Spiel noch drehen und mit dem Gewinn des zweiten Satzes eine kleine Vorentscheidung herbeiführen könnte. Doch diesmal nutzte die tschechische Mannschaft ihren psychischen Vorteil und zeigte, warum sie bis zu diesem Spiel noch ohne Satzverlust war. Der Punkt zum 20:13 für Tschechien bedeutete die Vorentscheidung im zweiten Satz und den Ausgleich im Topspiel der deutschen Gruppe (25:20).
Die deutsche Auswahl schafft die Qualifikation
Alles auf Null, lautete das Motto des dritten Satzes, den die deutsche Mannschaft zu Beginn völlig verpennte. Die Tschechinnen lagen schnell mit 4:0 in Front und hatten sich zu einem frühen Zeitpunkt ein Übergewicht erspielt. Trainer Tietböhl reagierte früh mit einer Auszeit und wechselte für Lene Scheuschner und Steffi-Martha Kuhn, Josephine Dörr und Alica Kandler ein. Von diesem Augenblick an konnte der Vorpsrung kontinuierlich verringert werden und die deutsche Mannschaft kämpfte sich wieder einmal in ein Spiel zurück. Eine Eigenschaft, die das deutsche Team während des Turniers schon mehrmals ausgezeichnet hatte. Beim Stand von 8:7 für Tschechien gelangen ihnen sechs Punkte in Folge und die 13:8-Führung. Der Vorteil hatte sich mittlerweile klar aufseiten der deutschen Spielerinnen verschoben, die diesen Vorteil aber nicht ausnutzen konnten. Genau zum richtigen Zeitpunkt drehte die tschechische Auswahl wieder auf und drehte das Spiel zu ihren Gunsten (16:15). Ermöglicht wurde ihnen dies durch die fehlende Durchschlagskraft in der deutschen Offensive und leichte Fehler in der Defensive. Der Satz befand sich langsam in der entscheidenden Phase und eine Prognose, wer diesen gewinnen würde, schien ausgeschlossen. Doch wie schon in den Spielen davor, glänzte die deutsche Auswahl mit dem richtigen Gespür und gutem Timing. Denn gerade als der Satz erneut zu kippen drohte, konnten sie sich eine Führung erspielen (23:20) und schließlich auch den Satz gewinnen (25:21). Mit der 2:1-Führung im Rücken und dem EM-Ticket vor Augen, bot sich auch im vierten Durchgang ein bekanntes Bild. Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem sich keine Mannschaft zu Beginn einen Vorteil erspielen und entscheidend absetzen konnte. Beim Stand von 6:6 ging die deutsche Mannschaft zum insgesamt dritten Mal in Führung und sollte diese auch bis zum Ende innehaben. Erstmals schafften sie es ihren Vorsprung auszubauen und die Führung zu verteidigen. Offenbar überrascht von den schnellen Punkten der deutschen Mannschaft, musste die tschechische Auswahl dem Pensum der letzten Tage Tribut zollen und konnte nicht mehr mithalten. Beim Stand von 21:14 betrug der Vorsprung erstmals sieben Punkte und deutete den Gewinn Sieg der deutsche Mannschaft an. Die ließ sich nicht mehr aus der Ruhe bringen und spielte das Match souverän mit sechs Punkten Vorsprung zu Ende (25:19). „Wir sind sehr glücklich, dass wir uns direkt qualifizieren konnten. Ausschlaggebende Faktoren waren der Team Spirit, gute kämpferische Qualitäten und eine sehr gute Blockarbeit“, lautete das Fazit eines sichtlich erleichterten deutschen Trainers, der im Vorfeld sicher nicht mit diesem Durchmarsch gerechnet hatte. „Bis zur Europameisterschaft benötigen unsere Außenangreifer deutlich mehr Durchschlagskraft, Härte und Variabilität“, ging er nach dem ersten Moment der Glückseligkeit gleich zur Tagesordnung über, um deutlich zu machen, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt, um ein erfolgreiches Turnier im März und April spielen zu können.
Der Kader für die EM-Qualifikation in Brünn/CZE
Michelle Petter, Steffi-Martha Kuhn (VC Olympia Dresden), Irina Kemmsies (GW Paderborn), Lene Scheuchner (Schweriner SC), Luisa Sydlik, Nele Iwohn, Annegret Hölzig (Rotation Prenzlauer Berg), Josephine Dörr (SC Potsdam), Alica Kandler (Union Lüdinghausen), Maja Hammerschmidt (SV Lohhof), Wiebke Silge (Ostbevern), Nadia Jäckle (TV Villingen)
Abschlusstabelle der deutschen Gruppe
1. GER – 11Pkt – 4Sp – 12:3 Sätze
2. CZE – 9Pkt – 4Sp – 10:3 Sätze
3. HUN – 6Pkt – 4Sp – 8:8 Sätze
4. POR – 4Pkt – 4Sp – 5:10 Sätze
5. LTU – 0Pkt – 4Sp – 1:12 Sätze
Die deutschen Partien im Überblick
Deutschland - Litauen 3:0 (25:6, 25:14, 25:14)
Deutschland - Portugal 3:0 (25:21, 25:17, 25:20)
Deutschland - Ungarn 3:2 (20:25, 24:26, 25:17, 25:14, 15:5)
Deutschland – Tschechien 3:1 (25:20, 20:25, 25:21, 25:19)