Beach-WM: „Es war nur eine Frage der Zeit“ - Bronzegewinner Kay Matysik im Interview
Einen Tag nach den „Silbermädels“ Karla Borger/Britta Büthe kommen die „Bronze-Jungs“ Jonathan Erdmann/Kay Matysik im Interview zu Wort. Anders als Borger/Büthe starten Erdmann/Matysik beim Grand Slam in Gstaad/SUI (11.-14. Juli), aber Kay Matysik sagt schon einmal: „Egal, was diese Woche kommt. Nächste Woche wird in Berlin gefeiert.“ Wie das DVV-Nationalteam die WM und ihren ersten gemeinsamen Treppchenplatz erlebt haben und was sie noch in Zukunft vorhaben, sagt Kay Matysik im Interview.
Vor der WM war euer bestes Ergebnis auf der World Tour ein vierter Platz – in Stare Jablonki 2011! Warum kitzelt dieser kleine polnische Ort stets eure Bestleistung heraus?
Matysik: „Die Bedingungen sind optimal für uns. Kurze Wege zwischen Hotel und Courts, alles sehr ruhig und entspannt am See und ohne große Städte. Beinahe mehr Erholung und Urlaub als Arbeit und Sport. Dazu noch der vergleichsweise harte Sand, der uns entgegen kommt.“
Ihr habt schon relativ früh betont, dass ihr eine Medaille holen wollt. Und das, obwohl ihr noch nie auf dem Treppchen gestanden habt. Zweck-Optimismus?
Matysik: „So in etwa ;) Allerdings nicht ohne Grund, denn wir sind in den letzten Jahren derart oft im Viertelfinale gescheitert, haben auf dem Weg dorthin aber immer wieder Medaillenkandidaten geschlagen. D.h. es war nur eine Frage der Zeit, bis wir das Timing optimieren und eben den Sprung ins Halbfinale schaffen.“

Foto FIVB: Spielte eine starke WM: Kay Matysik.
Wie hoch schätzt ihr das Erreichte ein?
Matysik: „Momentan ist das noch schwer. Wir waren vor allem glücklich, Alison/Emanuel im kleinen Finale geschlagen zu haben und Bronze verdient zu gewinnen. Denn 2011 waren wir im kleinen Finale in Polen genau gegen die beiden unterlegen. Und wir sind stolz, für unsere Sportart etwas getan zu haben. Für alle, die dafür arbeiten, dass wir dort spielen können: Verband, die nationale Tour, unsere Sponsoren und unser gesamtes Umfeld.“
Am Ende wäre evtl. sogar mehr drin gewesen. Wie groß ist bzw. war der Frust nach dem verlorenen Halbfinale?
Matysik: „Der Frust war über die eigene Leistung derart hoch, dass wir wohl die 600 Kilometer nach Hause hätten laufen können und wir wären immer noch sauer. Allerdings war es besser, so deutlich statt knapp zu verlieren und zu wissen, es lag an uns. Daran kann man etwas ändern und so war es dann auch im kleinen Finale.

Foto FIVB: Hatte im kleinen Finale die "Netzhoheit": Jonathan Erdmann (rechts) hier im Duell mit Alison.
Nach der 0:2-Niederlage gegen die Niederländer Brouwer/Meeuwsen habt ihr nach dem Spiel erklärt, dass dies mit Abstand die schlechteste Turnierleistung war. Warum ist euch ausgerechnet da, die Leichtigkeit der letzten Runden abhanden gekommen?
Matysik: „So würden wir das nicht ganz sehen. Die beiden haben sehr gut gespielt, und wir haben eben unsere gewohnten Akzente nicht gesetzt. Block/Abwehr war einfach zu schlecht, um die Beiden zu stoppen. Klar ist man dann nicht mehr locker. Aber vor dem Halbfinale und auch in den ersten Bällen waren wir sehr, sehr fokussiert und guter Dinge.“
Hat euch der Sieg über Alison/Emanuel die Woche zuvor in Rom geholfen? Warum liegen euch die Legende Emanuel und sein Partner so?
Matysik: „Der Sieg hat geholfen, aber es war nicht der Einzige. Wir haben immer knappe Spiele gegen beide. Beim World Cup Final haben wir im Halbfinale Ende Mai noch knapp verloren. Beide Spieler sind sehr unterschiedlich, das gibt uns die Chance herauszufinden, welcher uns am jeweiligen Tag mehr liegt. Nicht immer können wir Emanuels Shorts abwehren oder Alison im Block stoppen - aber eines von beiden funktioniert meistens ;)“

Foto FIVB: Als der letzte Ball versenkt war, bejubelten Erdmann/Matysik die WM-Bronzemedaille stürmisch.
Gegen Alison/Emanuel habt ihr eine beeindruckende Leistung abgerufen und verdient gewonnen. Wie groß war die Erleichterung nach der tollen Vorstellung zum Schluss?
Matysik: „Unbeschreiblich, wir wollten diese Medaille so sehr. Der Druck war nicht groß, obwohl das evtl. in einem kleinen Finale bei einer WM zu vermuten ist. Die Erleichterung war daher vor allem geprägt von Stolz.“
Überhaupt habt ihr nur im ganzen Turnier lediglich zwei Sätze verloren. Ist eure Leistung ein Fingerzeig für die Zukunft?
Matysik: „Das wird man sehen. Dafür trainieren wir ja, um immer wieder ganz nach vorne zu kommen. Wir haben schon oft unsere Leistung abgerufen, aber die anderen können ja auch spielen. Es muss einfach passen, unsere Leistung an erster Stelle und dann sind wir auch zuversichtlich für die Zukunft.“
Welchen Anteil an dem Erfolg hat euer neuer Trainer Daniel Wood?
Matysik: „Welch hohen Anteil seine Arbeit hat, kann man einerseits individuell an uns sehen - das hoffen wir jedenfalls. Im speziellen Fall der WM hat er insbesondere nach dem Halbfinale eine großartige Leistung vollbracht. Er hat uns unseren verständlichen Frust genommen und innerhalb kurzer Zeit dafür gesorgt, dass wir nicht enttäuscht, sondern neu motiviert in das kleine Finale gegangen sind. Das funktioniert nur, wenn man seinem Trainer das volle Vertrauen schenkt und er umgekehrt eben auch uns alles zutraut. Daher sind wir auch der Meinung, dass Daniel diese Medaille erst ermöglicht hat.“
Die Weltmeisterschaft war der Höhepunkt, die Saison ist aber noch lang. Was können die Fans dieses Jahr noch von euch erwarten?
Matysik: „Viele, viele Spiele international und national. Die EM, DM und der Grand Slam in Berlin sind weitere, fest eingeplante Höhepunkte für uns.“

Foto FIVB: Das erste Mal auf dem "Treppchen": Jonathan Erdmann und Kay Matysik mit den Silbermedaillengewinnern (v.l.) Ricardo Santos & Alvaro Filho (BRA) und den Weltmeistern Robert Meeuwsen & Alexander Brouwer (NED).
Unmittelbar nach dem Turnier seid ihr per Auto zurück gefahren. Wer ist gefahren, wer hat getrunken?
Matysik: „Getrunken haben wir beide… aber nur Wasser! Bestimmte Turniere bereisen wir einfach gern mit unseren Fahrzeugen von Volkswagen, denn Autofahren macht uns einfach Spaß. Wir sind unabhängiger was An- und Abreise betrifft und konnten sechs Stunden lang die Musik so laut aufdrehen, wie wir wollten ;)“