World League: DVV-Männer verlieren zum Abschluss
Die DVV-Männer haben in der World League 2012 ihre erste Niederlage kassiert: Gegen hoch motivierte und stark spielende Bulgaren verlor die deutsche Mannschaft ihr letztes Spiel beim Heimturnier in Frankfurt vor 3.800 Zuschauern 1:3 (22-25, 21-25, 25-19, 23-25). Punktbeste Spieler waren Georg Grozer (22, GER) und Tsvetan Sokolov (24, BUL). Damit weisen nach dem ersten von vier Vorrundenturnieren die Teams aus Deutschland,
Argentinien und Bulgarien jeweils sechs Zähler auf. Nach der Olympia-Qualifikation in Berlin (8. bis 10. Juni) folgen die drei weiteren Vorrunden-Turniere in Buenos Aires/ARG (15.-17. Juni), Guimaraes/POR (22.-24. Juni) und Sofia/BUL (29. Juni-1. Juli). Die vier Vorrundensieger sowie der beste Gruppenzweite nehmen neben Ausrichter Bulgarien an der Finalrunde in Sofia/BUL (4. bis 8. Juli) teil.
Startformation GER: Lukas Kampa, Georg Grozer, Marcus Böhme, Max Günthör, Björn Andrae, Robert Kromm, Markus Steuerwald
Startformation BUL: Georgi Bratoev, Svetoslav Gotsev, Matey Kaziyski, Teodor Todorov, Todor, Aleksiev, Tsvetsan Sokolov, Teodor Salparov
Heynen baute seine Formation im dritten Spiel zum dritten Mal um – die Außenangreifer Kromm und Andrae rückten ins Team. Anfängliche Abstimmungsprobleme in der Annahme waren die Folge (1-4), zudem wirkten die Bulgaren – vielleicht wegen der Halbfinal-Niederlage bei der Olympia-Qualifikation in Sofia - extrem motiviert. Die Punkte wurden von den zahlreichen bulgarischen Fans lautstark bejubelt. Nach Fünf-Punkte-Rückstand drehten die deutschen Männer auf, Grozer punktete im Angriff und Block – Grundlage waren die scharfen Flatteraufschläge von Kampa (10-10). Die Führung wollte jedoch nicht gelingen, weil es dann wieder die Bulgaren waren, die mit druckvollen Aufschlägen (Sokolov) ihre Punkte aus der Block-Abwehr vorbereiteten (13-18). Abermals glichen die DVV-Männer durch Flatteraufschläge aus, die Punktchance zur Führung setzte Grozer in den Block (21-22). Dann machte Super-Star Kaziyski mit zwei Assen alles klar.

Foto Conny Kurth: Ein Bild mit Seltenheitswert: Bulgariens Kaziyksi scheitert am deutschen Block.
Kazyski machte im zweiten Satz da weiter, wo er aufgehört hatte: Seine brachialen Aufschläge veranlassten den Bundestrainer zu einer ganz frühen Auszeit (0-4). Die Bulgaren agierten weiterhin auf höchstem Niveau im Aufschlag und Angriff, und auch die Annahme und Abwehr präsentierte sich deutlich besser als in den Vortagen. Selbst, wenn Angriffe und Aufschläge von Grozer und Böhme über das Netz zischten, parierten die Gäste gekonnt (6-11). Auch durch mehrere deutsche Wechsel gelang es zunächst nicht, den „Rausch“, in den sich die Bulgaren gespielt hatten, zu stoppen (9-16). Als Schöps mit zwei Punktchancen am bulgarischen Block scheiterte, schien der Gastgeber auch im zweiten Satz geschlagen (13-18). Doch das deutsche Team kämpfte sich bis auf zwei Zähler heran, um an Ende erneut den Kürzeren zu ziehen.
Im dritten Satz erwischte endlich die deutsche Mannschaft den besseren Start: Popp mit viel Raffinesse und Grozer mit Ur-Gewalt machten die Punkte (7-3). Der Gastgeber blieb am „Drücker“ und entschärfte nun auch viele Bälle mit der Block-Abwehr (12-6). Spätestens als Kaliberda aus dem Rückraum auf 18-10 erhöhte, war die Vorentscheidung gefallen: Gäste-Trainer Stoychev nahm seine Top-Scorer Kaziyski und Sokolov, und sein Team verkürzte gar noch etwas, doch den 1:2-Anschluss konnten sie nicht verhindern. Schöps versenkte den zweiten Satzball.

Foto Conny Kurth: Am Ende freuten sich die Bulgaren über den Sieg.
Bulgarien startete wieder mit der Startformation, die deutsche Mannschaft startete aber spektakulär: Zwei „Monsterblocks“ von Popp und Günthör sowie zweimal Popp per Angriff brachten das 7-3. Der routinierte Annahmespieler machte seine Punkte nicht mit Gewalt, sondern mit viel Übersicht. Die vier Punkte Vorsprung blieben (15-11), Günthör sorgte mit einem „Slam-Dunk“ dafür (18-14). Dann war plötzlich der Ausgleich und der Rückstand da, die deutsche Annahme hatte Probleme gegen die Flatteraufschläge von Gotsev (22-23). Die Bulgaren erarbeiteten sich den ersten Matchball, und ausgerechnet in dieser Szene gibt es eine Ungenauigkeit zwischen Kampa und Böhme, der den Ball nicht über das Netz bekommt.
Spielfilm
1. Satz: 1-4, 4-8, 10-10, 13-16, 13-17 (Kaliberda für Kromm), 17-19, 21-21, 21-24, 22-24 (Steuerwald für Günthör),
2. Satz: 0-4, 3-7, 5-11 (Popp für Andrae), 9-15 (Steuerwald/Schöps für Grozer/Kampa), 13-18, 14-20 (Grozer zurück), 14-21 (Kampa zurück), 18-21, 21-24
3. Satz: 4-2, 8-4, 11-6, 15-9, 18-10, 20-14 (Steuerwald/Schöps für Grozer/Kampa), 23-17 (Dünnes für Popp), 23-18 (Popp zurück)
4. Satz: 4-1, 8-4, 12-8, 15-11, 16-12 (Schöps/Steuerwald für Kampa/Grozer), 16-14 (Kampa/Grozer zurück), 20-16, 22-19, 22-22, 23-23 (Kromm für Popp), 23-24 (Popp zurück)
Stimmen
Björn Andrae: „In den ersten zwei Sätzen hat Bulgarien sehr gut gespielt, wir haben nicht das Niveau gezeigt, was wir wollten. Nach den Wechseln lief es besser, dennoch hat es am Ende knapp nicht gereicht.“
Vital Heynen: „Es hat mich überrascht, dass die Bulgaren im vierten Satz nochmals zurück gekommen sind, weil wir eigentlich die Kontrolle hatten. Ich hasse es zu verlieren, aber insgesamt bin ich mit dem Turnier zufrieden. Wir haben gegen Argentinien großartig gespielt, heute war nur das Ende des vierten Satzes enttäuschend. Das Turnier hat meine Zuversicht für die Olympia-Qualifikation gesteigert.“
Vladimir Nikolov (Kapitän BUL): „Ich bin sehr glücklich über den Sieg, den wir den bulgarischen Fans widmen. Der Sieg ist für die Fans noch wichtiger als für uns. Wir haben gegen eine sehr gut organisierte deutsche Mannschaft gespielt. Unser Aufschlag war sehr effektiv, druckvoll und mit wenigen Fehlern.“
Radostin Stoychev (Trainer BUL): „Ich bin sehr zufrieden mit dem Sieg über einen Gegner, den ich zu den Top 5 in der Welt zähle. Der Sieg in der Olympia-Qualifikation in Sofia wäre mir aber lieber gewesen. Ich hoffe, dieser Sieg lässt unsere Moral und unser Selbstbewusstsein für die finale Olympia-Qualifikation wieder wachsen.“
Markus Steuerwald: „In den ersten beiden Sätzen spielte Bulgarien sehr, sehr gut, danach sind wir besser geworden und haben Ruhe bewahrt, so dass wir rankommen konnten. Im vierten Satz waren wir eigentlich am Drücker, aber ein paar Fehler waren einfach zu viel. Wir nehmen das Positive mit, nämlich dass wir Ruhe bewahrt haben und uns nach eineinhalb Sätzen zurückkämpfen konnten.“
Jochen Schöps: „Wir hatten große Annahmeschwierigkeiten, eigentlich das ganze Spiel über, weil die Bulgaren sehr stark aufgeschlagen haben. Unser größtes Problem war daher, dass wir unser Angriffsspiel nicht aufziehen konnten. Die Angriffe über hohe Pässe wurden dann sehr gut geblockt, und so hat es einfach zu lange gedauert, bis wir die Bulgaren unter Druck setzen konnten.“
Die aktuellen Tabellen in der World League*
Gruppe A
1. SRB – 6 Punkte – 8:6-Sätze – 2:1-Siege
2. CUB – 5 Punkte – 7:5-Sätze – 2:1-Siege
3. RUS – 5 Punkte – 8:7-Sätze – 2:1-Siege
4. JPN – 2 Punkte – 4:9-Sätze – 0:3-Siege
Gruppe B
1. POL – 6 Punkte – 8:6-Sätze – 2:1-Siege
2. CAN – 5 Punkte – 7:5-Sätze – 2:1-Siege
3. BRA – 5 Punkte – 7:7-Sätze – 1:2-Siege
4. FIN – 2 Punkte – 4:8-Sätze – 1:2-Siege
Gruppe C
1. ITA – 8 Punkte – 9:3-Sätze – 3:0-Siege
2. FRA – 5 Punkte – 7:6-Sätze – 2:1-Siege
3. KOR – 3 Punkte – 6:9-Sätze – 0:3-Siege
4. USA – 2 Punkte – 4:8-Sätze – 1:2-Siege
Gruppe D
1. GER – 6 Punkte – 7:3-Sätze – 2:1-Siege
2. ARG – 6 Punkte – 6:3-Sätze – 2:1-Siege
3. BUL – 6 Punkte – 6:4-Sätze – 2:1-Siege
4. POR – 0 Punkte – 0:9-Sätze – 0:3-Siege
* für einen 3:0- und 3:1-Sieg erhält der Sieger 3 Punkte, bei einem 3:2 erhält der Sieger 2 Punkte, der Verlierer 1 Punkt.