U20-EM (m): Nach Niederlage gegen Bulgarien müssen zwei Siege her
Mit der dritten Niederlage am Sonntagabend in Randers gegen Bulgarien (0:3 - 19:25, 23:25, 19:25) stehen die DVV-Junioren bei der U20-EM mit dem Rücken zur Wand. Voraussichtlich führen jetzt nur noch zwei Erfolge in den restlichen Vorrunden-Partien am Dienstag gegen Griechenland und tags darauf gegen Gastgeber Dänemark (jeweils 20 Uhr) zur angestrebten Finalrunde um die Ränge 5 bis 8 ins polnische Gdynia. Dort werden am kommenden Wochende auch die Plätze 1 bis 4 ausgespielt.
Die Ansetzung hatte es so gewollt, dass die Schützlinge von Nachwuchs-Bundestrainer Ulf Quell in der Sechsergruppe - die andere geht in Gdynia über die Bühne - in den ersten drei Auftritten bis zum montäglichen Ruhetag mit den stärksten Gegnern konfrontiert wurden.
Nach den Verlustpartien gegen die Türkei und Spanien wollten die Akteure um Kapitän Ole Schwerin an die gute Vorstellung gegen den Gruppen-Primus Spanien anknüpfen. Was letztlich von den Bulgaren verhindert wurde. Nicht ganz unerwartet, denn der technisch und spielerisch sehr reife und kompakte Nachwuchs des Olympiavierten vom Balkan hatte zuvor Dänemark 3:0 keine Chance gelassen. Und den in diesem Duell besonders motivierten Nachbarn Griechenland 3:2 niedergerungen.
Dementsprechend selbstbewusst und souverän starteten die bulgarischen Junioren - 1:6 hieß es aus deutscher Sicht. Weitere Spielstände verdeutlichten, wer das Sagen auf dem Feld hatte: 4:8, 6:11. Die kleine Fanschar von Eltern und Angehörigen aus Schwerin und Berlin sah ihre Anfeuerungsbemühungen belohnt, als sich das DVV-Aufgebot auf 15:16 herangekämpft hatte. Der Bundestrainer hatte jene Besetzung ins Spiel geschickt, die sich gegen Spanien respektabel präsentierte. Mit Zimmermann (Zuspiel), Marks (Diagonal), Harms, Schott (Annahme/Außen), Hecht, Nagel (Block) und Hoffmann als Libero. Doch in für sie kritischen Momenten vermochten die Bulgaren einen Gang höher zu schalten. Statt nun vorsichtiger und risikoärmer zu agieren - wie zumeist in solchen Phasen die Deutschen -, legten sie fast immer zu. Je nach Situation mit technisch-taktischer Finesse oder aller Entschluss- und Schlagkraft.
Eine Beobachtung, die im Wesentlichen für alle drei Sätze gilt. Auch im zweiten Abschnitt arbeiteten sich die Deutschen nach anfänglichem Rückstand heran: So wurde aus 4:8 ein 10:11 und gar ein Ausgleich zum 14:14. Oder aus einem 17:20 ein 21:22. Doch wenn die Aufschläge zu harmlos gerieten, hatte der bulgarische Zuspieler Georgi Seganow keine Mühe, einen kaum zu parierenden Schnellangriff zu inszenieren. Überhaupt die Nummer 8 auf der Gegenseite: Neun Punkte markierte der Spielmacher, vermutlich der Beste auf seiner Position in Randers. Durch sieben Asse, einen Block und einen verdeckten Angriffsableger. Nur Hauptangreifer Iwanow übertraf ihn teamintern mit 14 Totalpunkten!
Mannschafts-Kapitän und Außenangreifer Stanislaw Welitschkow (18) vom bulgarischen Meister Marek Union-Ivkoni Dupnitsa (demnächst in der Champions League) erklärte die Gründe für die abgezockte Spielweise seiner Formation: "Alle zwölf spielen schon bei den Männern in der ersten Liga. Wir waren im Vorjahr Vierter der Jugend-EM und wollen hier den Sprung ins Halbfinale schaffen." Dazu genügt in den beiden letzten Gruppenspielen gegen die Türkei und Spanien vermutlich ein Sieg.
Bewährungsproben im Erstligabereich erwarten die DVV-Talente erst in den kommenden Monaten. Wenn sie als Vorbereitung auf die Junioren-WM 2013 als VC Olympia Berlin mit einer Sondererlaubnis in der ersten Bundesliga Erfahrungen und Spielpraxis sammeln dürfen. Dass die Bulgaren mit diesen Jahrgängen weiter sind, zeichnete sich bereits bei der erwähnten vorjährigen Jugend-EM ab, bei der sie klar vor der DVV-Auswahl (11.) rangierten.
Die generellen Defizite auf der Diagonalangriffs-Position - begründet durch das gesundheitlich bedingte Fehlen von Tim Dobbert, des in Randers ausgefallenen Daniel Malescha - konnte diesmal Nicolas Marks nicht wie noch gegen Spanien kompensieren.
Libero Jonas Hoffmann aus Friedrichshafen war nach Abpfiff wie allen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Wir waren alle sehr motiviert, heute den ersten Sieg zu landen. Doch dann unterliefen uns gleich zu Anfang viele leichte und dumme Fehler. So sind wir die ganze Zeit hinterhergelaufen. Haben nach dem Fehlstart nie richtig den Faden gefunden. Waren vielfach zu ängstlich und haben uns nicht richtig das zugetraut, was wir können."
Eine Tatsache, die auch Ulf Quell monierte: "Wenn man verliert und sagen kann, wir haben gut gespielt, aber der Gegner war besser - das kann man akzeptieren. Doch heute traf das nicht zu. Die Mannschaft hat wieder den Beginn verschlafen. Vor allem durch Probleme in der Annahme und zu wenig Druck bei den Aufgaben. So ist es nicht gelungen, die Leistung abzurufen, die in der Mannschaft steckt. Wenn wir das Dienstag und Mittwoch schaffen, ist der Transfer in die kleine Finalrunde 5 bis 8 in Polen noch möglich."
(epo.)
Der 12-er Kader: Noah Baxpöhler (Volleyball-Internat Frankfurt), Yannick Harms, Jonas Hoffmann (Volley YoungStars Friedrichshafen), Nicolas Marks, Friederich Nagel, Ruben Schott, Ole Schwerin, Florian Hecht (VC Olympia Berlin), Philipp Trenkler, Jan Zimmermann (TSV Georgii Allianz Stuttgart), Jannik Pörner (Schweriner SC), Daniel Malescha (VC Olympia Kempfenhausen)
Bundestrainer: Ulf Quell
Co-Trainer: Michael Merten
Physiotherapeutin: Roland Weitschieß
Spielbeobachter: Jan Kahlenbach
Journalist: Ernst Podeswa
Spielplan DVV-Junioren (deutsche Zeiten)
24.8. um 17.30 Uhr: GER-TUR 0:3
25.8. um 15.00 Uhr: GER-ESP 1:3
26.8. um 20.00 Uhr: GER-BUL 0:3
28.8. um 20.00 Uhr: GER-GRE
29.8. um 20.00 Uhr: GER-DEN