U19-EM (w): Han Abbing: „Die Mädchen dürfen stolz auf Platz fünf sein“

U19-EM (w): Han Abbing: „Die Mädchen dürfen stolz auf Platz fünf sein“ Bundestrainer Han Abbing ist zufrieden mit seiner Mannschaft, macht sich aber grundsätzliche Gedanken über die Nachwuchs-Förderung im Volleyball."

Das Ziel war eine Medaille und wurde mit Platz fünf bei der EM-Endrunde in Ankara/TUR knapp verpasst. Dennoch zeigt sich Juniorinnen-Bundestrainer Han Abbing mit dem Turnier zufrieden, „weil sie den fünften Platz verdient und nicht geschenkt bekommen haben.“ Woran es lag, dass es nichts mit der erhofften Medaille wurde und wie wichtig er den Kontakt zur Frauen-Nationalmannschaft hält, verrät Abbing im „Interview der Woche“.

Ein guter fünfter Platz bei der U19-EM in Ankara. Wie fällt das Fazit aus?
Abbing: „Die Mannschaft hat diesen fünften Platz richtig verdient, dafür haben die Spielerinnen gekämpft. Sie dürfen stolz sein auf diesen Platz. Wir dürfen aber auch nicht ganz zufrieden sein, wir haben von sieben Spielen fünf Partien gewonnen, da hätte man auch eine Medaille holen können. Ich hätte die Mannschaft gegen Russland anders vorbereiten müssen, damit die nicht das gewonnene Spiel vor 18 Monaten noch in den Köpfen hatten.“ “

War die Niederlage zum Start ein Dämpfer für die folgenden Partien?
Abbing: „Nicht ein Dämpfer, aber es war ein Schlüsselspiel. Der Wendepunkt zum Guten war das Spiel gegen Bulgarien. Da hatten wir das Messer auf der Brust. Und wenn wir diese Leidenschaft und Emotionalität gegen die Russen gezeigt hätten, hätten wir sie vielleicht schlagen können. Am Anfang hat uns diese Wettkampfhärte gefehlt. Unsere Stammspielerinnen sind in der 2. Bundesliga herausragende Spielerinnen, aber ob das unsere Wettkampfhärte direkt fördert, weiß ich nicht. Deswegen waren die drei China-Spiele in der Vorbereitung sehr gut, von solchen Spielen hätten wir mehrere gebraucht, aber wir mussten uns vorher qualifizieren. Und in dieser Qualifikation wurden wir nicht genug gefordert. Spiele wie gegen China und Italien in der Vorbereitung hatten wir leider zu wenig.“

In der ersten Partie gegen Russland war auffällig: Hohe Führungen wurden noch verspielt…
Abbing: „Da hat uns die Wettkampfhärte gefehlt. Wir hatten zu Beginn Probleme im Angriff und es fehlte uns auch ein wenig Geduld. Die Spielerinnen haben sich zu sehr mit den Fehlern beschäftigt als mit der kommenden Aufgabe, mit dem nächsten Punkt. Das hat uns vor allem im Spiel gegen Russland Probleme bereitet. Zudem müssen wir eine Mentalität fördern, die vorsieht, dass wir den Punkt machen wollen und nicht hoffen, dass der Gegner den Fehler macht.“

Wo fehlt es noch? Wo sind Teams wie RUS, ITA oder SRB und TUR den DVV-Mädchen voraus?
Abbing: „Diese Teams sind reifer, das hat auch mit der Gesellschaft zu tun. Wenn du vor eigenem Publikum spielst und 10.000 Zuschauer da sind, wenn andere Spielerinnen jetzt schon das Bild haben, Profi werden zu wollen – da fangen meine Spielerinnen erst mit an. Der Stellenwert des Volleyballs in der Türkei und in Serbien ist viel höher als bei uns, da müssen wir aufholen. Es ist wichtig, dass meine Spielerinnen mal mit Margareta Kozuch und Christiane Fürst zusammen gekommen sind und mit denen sprechen konnten. Das haben wir in Kienbaum gemacht, auch zusammen trainiert. Das war sehr wichtig. Auch dass Giovanni Guidetti die Spielerinnen gesehen hat und sich mit mir über sie ausgetauscht hat, woran wir speziell arbeiten sollen. Unser Ziel muss sein, das nicht nur vier Tage, sondern vier Monate zu machen. In Holland sagen sie, ohne Cruyff hätte es nie einen van Basten gegeben – da ist was Wahres dran.“

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Foto CEV: Han Abbing inmitten seiner Spielerinnen bei der EM.

D.h. 2013 bei der Juniorinnen-WM wird ein neuer Anlauf auf eine Medaille unternommen?
Abbing: „Ja. Die Mädels sind sehr dicht dran. Sie haben schon einiges verkraften müssen: Jennifer Geerties konnte jetzt nicht mitfahren, Susanne Besa, die letztes Jahr bei der WM eine wichtige Punktesammlerin war, auch nicht. Und trotzdem konnte die Mannschaft in der Spitze mithalten.“

Wie wichtig ist in dieser Hinsicht die Spielzeit in der 1. Bundesliga?
Abbing: „Es wird sehr wichtig sein, dass sie sich da behaupten. Sie müssen dort viel Erfahrung sammeln. Eine Juniorinnen-WM ist gutes Erstliga-Niveau mit einer höheren Fehlerquote Ich habe gute Mädels in Berlin, aber ein paar zu wenig. Wenn die Mädels in ihren Vereinen alle spielen, wäre das kein Problem. Einsatzzeiten sind für uns sehr wichtig, weil die WM-Qualifikation bereits vom 7. bis 12. Mai stattfindet. Das heißt, dass wir mit wenig bzw. kaum einer Vorbereitung da hinfahren müssen. Ich vertraue darauf, dass sie sich in der 1. Liga behaupten und durchsetzen.“

Und wie sieht es mit der fernen Zukunft aus, Stichwort Frauen-Nationalmannschaft?
Abbing: „Das Potenzial ist da. Giovanni hat gesagt, dass es Spielerinnen gibt, die Perspektive haben. Das ist natürlich noch wichtiger als eine Medaille bei der EM.“