Rio de Janeiro 2016: Rio will die Welt umarmen
"Spiele der Leidenschaft und der Gefühle" - Wichtigste Bauarbeiten sollen bis 2015 abgeschlossen sein
London (dapd). Am Haupteingang der "Casa Brasil" in Londons feinem Somerset House war Rio 2016 in den letzten Tagen schon unübersehbar - und rückte immer näher. Eine große Countdown-Uhr hatten die Olympia-Macher dort installiert, an der alle Gäste des fröhlichen, für 11,8 Millionen Pfund umgerüsteten Partyzentrums vorbei flanierten. 1.454 Tage waren es an diesem Sonntag noch, am Tag der Olympischen Schlussfeier. An dem Tag, an dem die Sportwelt sagte: Bye, bye London 2012. Und Willkommen in Rio 2016.
Was aber werden es für Spiele unterm Zuckerhut, in vier Jahren, vom 5. bis 21. August? Spiele im Dauerzustand ausgelassener Karnevals-Atmosphäre, sprichwörtliche Samba-Spiele? "Die Welt presst Brasilien gern in Klischees, als Land, in dem immer gern Party gemacht wird", sagt der Vorsitzende des Organisationskomitees Rio 2016, Leonardo Gryner, "wir feiern auch wirklich gern. Aber wir wollen auch andere Seiten unserer Nation zeigen, etwa den multikulturellen Charakter der Menschen."
Das emotionale Leitmotiv der Spiele gibt schon das offizielle Logo vor, das drei ineinander verschlungene Figuren zeigt: "Die Welt umarmen" will Rio und ganz Brasilien beim großen Sportfest- "und zwar voller Leidenschaft, voller Gefühl, voller Schwung", wie Daniela Thomas sagt, Künstlerische Direktorin des OK-Komitees 2016.
Von Copacabana bis Maracana
Vier Wettkampfzentren wird es in der vibrierenden Zwölf-Millionen-Metropole geben, darunter auch zwei mit wohlklingendem Namen. Da wäre die Copacabana, wo unter anderem Kanuten, Ruderer, Triathleten, Segler und natürlich die Beachvolleyballer um Medaillen kämpfen werden. Und da wäre der Maracana-Distrikt mit seinem schon für die WM 2014 renovierten Fußball-Tempel und dem Sambadromo, in dem die Marathonläufer über die Ziellinie gehen und in dem auch die Bogenschützen ihre Präzision messen. "Spektakuläre olympische Momente" erwartet OK-Präsident Carlos Nuzman dort.
Proteste gibt es in Brasilien nach wie vor gegen die Bühne für die Kernsportart Leichtathletik, das Joao-Havelange-Stadion, nicht weit vom Maracana-Palast entfernt. Der ehemalige FIFA-Boss Havelange, inzwischen 96 Jahre alt, war in der Korruptionsaffäre des Fußball-Weltverbands überführt worden, Schmiergelder angenommen zu haben. Topfunktionär Gryner sagte in London, das OK sei "stolz auf Havelanges Verdienste um den Sport im Land". Außerdem habe die Justiz "längst gehandelt und Strafen ausgesprochen".
Gryner wehrte sich, typisch für die Organisatoren der jeweils kommenden Spiele, auch gegen alle Skeptiker, die Zweifel an der pünktlichen Inbetriebnahme der Sportstätten geäußert hatten: "Den Zeitplan halten wir strikt ein", gab er zu Protokoll, "2015 stehen alle Arenen und Wettkampfzentren für Testläufe zur Verfügung." Bis dahin sollen auch das Olympische Dorf und das Pressezentrum fertig sein, die Bauarbeiten begannen in diesem Jahr. Golf, das neben Rugby ins olympische Programm aufrückt, wird ganz in der Nähe des Dorfes gespielt, in der "Reserve Marapendi".
"Wir haben viel gelernt"
Ein Heer von fast 200 Beobachtern hatten die Rio-Macher nach London abgesandt, um Stärken und Schwächen der Vorgängerstadt zu inspizieren. "Wir haben viel gelernt", sagte Gryner, "und wir gehen nun selbstbewusst an unsere Aufgabe". Um die Transportprobleme in Rio in den Griff zu bekommen, sollen bis Dezember 2015 drei neue Metro-Linien betriebsbereit sein - sie sollen in den 16 Olympia-Tagen das Gros der Zuschauermillionen aufnehmen.
Auch die meisten Armutssiedlungen, die von Kriminalität gepeinigten Favelas, sollen rechtzeitig zum Besuch der Olympischen Familie verschwunden sein. Viele der Ghettos wurden bereits unter massivem Polizeieinsatz abgerissen, auch mit Blick auf die Fußball-WM in zwei Jahren. "Die Welt wird ein modernes Brasilien erleben, ein Land, das zu den wirtschaftskräftigsten der Erde zählt", sagt OK-Boss Gryner, "Olympia wird noch einmal ein Sprung nach vorne für uns sein."
(Jörg Allmeroth)