London 2012: Trost für Volleyballer von höchster Stelle

London 2012: Trost für Volleyballer von höchster Stelle "Präsidententreffen" mit unterschiedlicher Gemütslage: Während Bulgariens Staatspräsident Rossen Plevneliev glücklich ist, schaut DVV-Präsident Werner von Moltke etwas traurig.

Präsident von Moltke nach Platz fünf: "Das hat niemand von uns erwartet" - Grozer trauert verpasster Chance nach

London (dapd). Am Tag nach dem bitteren Olympia-Aus kam der Trost für Deutschlands Volleyballer vom Präsidenten höchstpersönlich. "Hut ab vor den Athleten. Sie gehen als Fünfter erhobenen Hauptes und mit dem besten Ergebnis seit 40 Jahren raus. Das hat niemand von uns erwartet", sagte Werner von Moltke der Nachrichtenagentur dapd.

Großes Thema bei seiner Visite im olympischen Dorf war aber trotzdem, dass seine Schmetterkünstler ausgerechnet im wichtigsten Spiel der letzten Dekaden die schwächste Leistung eines ansonsten grandiosen Jahres abgeliefert haben. Beim 0:3 (20:25, 16:25, 14:25) gegen keinesfalls überragende Bulgaren stieß das Team an seine Grenzen - vor allem mental.

"So eine Chance kriegst du vielleicht einmal im Leben"

"So eine Chance kriegst du vielleicht einmal im Leben", sagte Max Günthör: "Das ist natürlich im Kopf." Sehr nervös sei er gewesen, gab auch der sonst so coole Star-Angreifer Georg Grozer zu. "Es war das erste Mal, dass wir was Großes erreichen konnten. Und dann haben wir diese große Chance verpasst. Da gibt es keine Ausreden", erzählte er mit trauriger Miene: "Man kann verlieren, aber so verlieren kann man nicht. Da geht man mit einem schlechten Geschmack aus dem Turnier."

Bundestrainer Vital Heynen hatte als Erster seine Fassung wiedergefunden. Er erinnerte daran, dass schon die Olympia-Qualifikation in Berlin eine Überraschung gewesen sei. Dort habe man bei der Abwehr von Matchbällen genauso Glück gehabt wie beim 3:2 nach 0:2-Rückstand in der olympischen Vorrunde gegen Europameister Serbien.

"Wir waren Fünfter in der Weltliga-Endrunde, jetzt sind wir Fünfter bei Olympia. Solche tollen Ergebnisse hat es im deutschen Volleyball Jahrzehnte nicht gegeben", sagte der Belgier: "Aber weiter sind wir einfach noch nicht, wir sind noch nicht Weltspitze."

Es sei in diesem Jahr stetig aufwärts gegangen, aber auf ein Olympia-Viertelfinale seien die Spieler nicht vorbereitet gewesen. Dennoch war es der größte Erfolg seit den Sommerspielen von München 1972, als die DDR Silber gewonnen hat. "Die Spieler hatten plötzlich das Halbfinale und eine Medaille vor Augen. Und dann haben sie gedacht: Was nun?"

"Müssen die Grenzen verschieben"

Heynen sieht die bittere Niederlage aber auch als Chance, aus der man für einen zukünftigen Angriff auf eine Medaille bei einem Großereignis wie der EM 2013 oder der WM 2014 lernen könne. "Wir sind in einem Prozess. Momentan sind wir als Fünfter an unserer Grenze angelangt. Jetzt müssen wir die Grenzen verschieben und etwas besser als andere Teams da oben machen", sagte Heynen.

Der Erfolgstrainer, der zumindest bis 2014 bleiben will, hat viele gute Ideen. Sein Team ist noch sehr jung, und Star Georg Grozer hat sich von den in London geäußerten Rücktrittsgedanken aus dem Nationalteam verabschiedet. Er will es in Rio 2016 wieder versuchen: "Es bleibt mein Traum, irgendwann eine Olympia-Medaille zu gewinnen."

(Lars Becker)