London 2012: Julius Brink: "Zum Glück waren die Brasilianer so blöd"
Sie hetzen von Termin zu Termin, von Interview zu Interview. Julius Brink/Jonas Reckermann sind gefragt wie nie, der Gewinn der zehnten deutschen Goldmedaille in London, der "schönsten", wie viele meinen (okay, wir sind etwas parteiisch, schließen uns aber an), macht das Gold-Duo zu begehrten Gesprächspartnern. In Interviews bei N24 und der ARD äußerten sich Brink/Reckermann zum Spiel, zur Feier und zur Zukunft, anbei einige Aussagen:
Zum Finale
Brink: "Wir hatten schon immer knappe Spiele gegen sie gehabt, aber in den letzten zwei Jahren nicht gewinnen können. Den ersten Satz haben wir aber öfter gewonnen, aufgrund unserer Spielanlage mit variablen Aufschlägen. Wir wussten im Vorfeld, dass wir jedes Team der Welt schlagen können, auch sie. Von daher wussten wir, dass wir auch gegen sie eine Chance haben. Aber es war klar, dass wir die Dominanz des ersten Satzes nicht halten können."
Reckermann: "Beim 10-17 im zweiten Satz haben wir uns gesagt, der Satz ist weg. Wir wollten wieder reinkommen, das hat zum Glück Ende des Satzes geklappt. Deswegen sind wir mit einem guten Gefühl in den dritten Satz gegangen."
Brink: Es war natürlich ein wenig dramatisch. Am Ende zwei Bälle reinfallen zu lassen, da ist mir das Herz in dei Hose gerutscht, aber heute war der Volleyballgott mit uns. Als ich gezweifelt habe, hat Jonas gesagt: Komm, kühler Kopf, abhaken. Das war sehr stark von ihm und hat mir sehr geholfen. Zum Glück waren die Brasilianer so blöd und haben auf Jonas aufgeschlagen. Der hat das Ding gemacht, und als Emanuel dann den Ball ins Aus geschlagen hat, brachen alle Dämme. Im TV war es sicherlich noch dramatischer, auf dem Feld geht es."
Reckermann: "Man hat keine Zeit nervös zu werden. Wir haben uns voll auf den nächsten Punkt fokussiert, auch wenn das abgedroschen klingt."
Zur Realisierung des Olympiasiegs
Reckermann: "Ich glaube nicht, dass es Klick macht und plötzlich ist es da. Wir kriegen mit, was in Deutschland und bei Freunden los ist. So langsam gewöhne ich mich daran."
Der schönste Moment
Reckermann: "Mitten im Interview mit dem ORF kam die "Bande" an, und das war ein wunderschöner Moment, als man mit den Leuten gefeiert hat, die mit uns die Jahre gearbeitet haben."
Brink: "Schön war natürlich auch die Medaillenübergabe, da hat man gemerkt, wie schwer die Medaille ist. Es war eine tolle Stimmung, viele Athleten haben uns besucht und mitgefiebert. Dieses Deutschland- und Teamgefühl, was wir so ja nicht aus unserer Sportart kennen, war schon unheimlich stark."
Zum Turnier
Brink: "Wir hatten in diesem langgezogenen Turnier-Rhythmus - anders als sonst - den Moment, nach dem Brasilienspiel und dem Einzug in das Halbfinale. Dort haben wir realisiert, die Medaille zu holen und uns zu krönen. Wir hatten uns nie festgelegt, Gold, Silber oder Bronze zu holen. Wenn du das Halbfinale gewinnst, dann hast du sie. Ich hatte vor dem Holland-Spiel schon das Gefühl, dass alles für uns spielt, dass wir auf der Welle sind. Ein toller Film mit Happyend und der Dramaturgie.
Zur Feier
Reckermann: "Wir wollten, aber wir konnten nicht so lange feiern wie wir wollten, es gab die Sperrstunde, sodass wir dann nach Hause gegangen sind."
Halle oder Beach
Reckermann: "Es spricht nichts dagegen, in der Halle zu spielen. Die Grundausbildung findet nach wie vor in der Halle statt, das ist im Beach-Volleyball noch nicht so Vereins mäßig organisiert. Zudem ist der Sommer relativ kurz in Deutschland. Irgendwann muss jeder die Entscheidung pro Halle oder Beach treffen. Ich habe bis 20 in der Halle gespielt, dann bin ich in den Sand geswitcht."
Zur Zukunft
Reckermann: Wir machen 2013 auf jeden Fall weiter, das haben wir bereits vorher gesagt. Im Winter werden wir uns dann sicherlich über mittel- und langfristige Ziele unterhalten, das ist jetzt einen Tag nach dem Finale zu früh."
Brink: "2016 wird es eine unglaubliche Atmosphäre werden, egal ob sie in Ipanema oder Copacabana spielen. Das wird auch eine unglaubliche Veranstaltung werden. Ob das so gut wird wie hier, muss man sehen."