London 2012: Jochen Schöps: „Wir fahren da hin, um sie zu knacken“

London 2012: Jochen Schöps: „Wir fahren da hin, um sie zu knacken“ Jochen Schöps punktete nicht nur gegen Indien, sondern war vor allem gegen Tschechien enorm wichtig.

Er war einer der Garanten für den Sieg bei der Olympia-Qualifikation in Berlin. Jochen Schöps (Rzeszow/POL) spielt nicht so spektakulär wie Georg Grozer, machte aber vor allem im Spiel gegen die Tschechen nach seiner Einwechselung ganz wichtige Punkte. Wie es in ihm zwei Tage nach dem Triumph von Berlin geht, verrät er im „Interview der Woche“.

Zwei Tage danach. Wie ist die Gefühlslage?
Schöps: „Es hat sich alles so langsam gesetzt und man realisiert es. Nach den euphorischen Glücksgefühlen kommt nun die Realisierung herbei. Es kommen die Eindrücke von Peking 2008 hoch, die Eröffnungsfeier und die ersten Spiele. Man freut sich drauf.“

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Foto Conny Kurth: Im Match gegen Tschechien punktete Schöps (links) auch im Block, aber vor allem im Aufschlag machte er wichtige Punkte.

Fast alle deutschen Spieler wurden nach dem Matchball gegen Tschechien von ihren Gefühlen übermannt, auch Sie. Beschreiben Sie mal, was geht da in einem vor?
Schöps: „Warum die Tränen kommen, weiß ich nicht. Es ist eine innere Reaktion. Man rennt aufs Spielfeld, schmeißt sich einem in die Arme und freut sich. Man hat nur noch den „Tunnelblick“ will in die Menge und das ganze genießen.“

War das noch emotionaler als Düsseldorf 2008? Wie fällt generell der Vergleich mit dem Turnier vor vier Jahren aus?
Schöps: „Vom Ablauf war es sehr ähnlich: Erst den leichten Gegner, dann den „dicken“ Gegner Kuba und das entscheidende Spiel wieder am Sonntag. Deswegen ist eine Parallele zu sehen. Die Gefühle am Ende sind vergleichbar, vielleicht jetzt noch etwas größer, weil man es bestätigt hat. Damals war es eine Überraschung, ein „Wunder“, jetzt haben wir gezeigt, wir sind nicht so schlecht. Zudem ist es richtig heftig, in der Auswechselzone zu stehen. Wenn man da in die Gesichter gesehen hat, da war alles dabei: Von fast die Hoffnung verlieren, bis jetzt haben wir´s.“

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Foto Conny Kurth: Die Freude über das begehrte Ticket war bei allen deutschen Spielern riesengroß.

Sie sind in den Spielen gegen Kuba und Tschechien jeweils von der Bank gekommen und haben mit ihrer Routine und Cleverness ganz wichtige Punkte beigesteuert. Wie schwer ist diese Rolle für Sie?
Schöps: „Ich denke, man muss einfach nur wissen, welche Rolle man in dem Team gerade hat und diese dementsprechend umsetzen. Wenn Georg so drauf ist, macht er phänomenal viele Punkte und ist sehr wichtig. Ich denke, Lukas (Kampa, Anm. d. Red.) und ich haben das gut gemacht, als wir eingewechselt wurden. Wir haben Punkte gemacht und für gute Laune gesorgt. Sicherlich war auch Glück dabei bei den Aufschlägen gegen die Tschechen, aber es hat einfach Spaß gemacht, bei der Atmosphäre aufs Feld zu kommen.“

Vor knapp neun Monaten waren die DVV-Männer nach Platz 15 bei der EM am Boden, nun ist das Team in London. Wie kann das denn?
Schöps: „Das ist eine Verkettung aus damals unglücklichen Umständen. Verletzungen, schlechte Kommunikation mit dem Trainerteam usw. Uns hat sehr die Arbeit mit Wolfgang Klöckner (Psychologe, Anm. d. Red.) geholfen, er hat uns klar gemacht, was jeder im Team für die Mannschaft machen kann. Das hat die Stimmung im Team wesentlich verbessert. Wir haben technisch nicht so viel verändert, wir hatten schon mit Stewart Bernard andere Aspekte wie vor allem die Abwehr, jetzt mit Vital ein ganz anderes Taktiksystem bei Aufschlag, Block- und Abwehr. Und sicherlich damals Pech und jetzt Glück.“

Welchen Anteil am Erfolg hat Bundestrainer Vital Heynen?
Schöps: „Ich denke, der Trainer ist einer der wichtigsten Punkte im Team. Er ist ein Volleyball Verrückter, der uns speziell durch seinen Riesenaufwand bei der Videoanalyse der Spiele taktisch einen großen Gefallen getan. Es ist nicht normal, dass er sich von einzelnen Spielern fünf, sechs Spiele anschaut – das hat uns sehr geholfen. Was mir wichtig ist: die Stimmung im Training war positiv und lustig, aber trotzdem immer unter Anspannung. Dadurch haben wir uns als Team gefunden.“

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Foto Conny Kurth: "So sehen die Sieger aus."

Die Vorrunde für London ist bekannt: Es geht gegen Brasilien, Russland, USA, Serbien und Tunesien. Wie ist die erste Reaktion?
Schöps: „Da kann man ein paar schöne Spiele erleben. Wenn man gegen die Hochkaräter antreten darf und das bei Olympia – da kann man sich drauf freuen. Nicht nur wir Spieler, sondern auch die Zuschauer. Dass sind Teams, die schon auf längere Zeit ganz oben mitspielen. Wir wollen sie nicht nur ärgern, sondern wir fahren da hin, um sie zu knacken. Auch wenn es schwer ist. Aber auf Dauer ist nur ärgern auch blöd.“

Heute Abend geht es nach Argentinien zur World League. Was ist da nach so einem emotionalen Höhepunkt möglich?
Schöps: „Das wird man sehen. Jetzt werden abwechselnd Spieler geschont, in den nächsten Wochen werden es andere sein. Zeit zum Training wird in Argentinien nicht viel sein, vielleicht haben wir zwei Einheiten. Aber ich bin eigentlich ganz guter Dinge, weil die restlichen Spieler gezeigt haben, dass sie auf hohem Niveau mitspielen können. Und das wird hinsichtlich Olympia auch wichtig sein, dass jeder Spielpraxis bekommt und jeder mit jedem mal zusammen spielt. Dafür ist die World League ideal.“

Ist die World League nun „egal“ oder ist es immer noch ein großes Ziel, erstmals die Finalrunde zu erreichen?
Schöps: „Das ist immer noch das Ziel. Und so weit weg ist das Ziel nicht. Die Bulgaren sind jetzt qualifiziert und werden jetzt auch anders spielen. Ich glaube, wir haben immer noch gute Chancen. Wir schauen von Spiel zu Spiel und Wochenende zu Wochenende.“