London 2012: Die „Heynen-Philosophie“ - Der Bundestrainer über seine Ansichten
Vital Heynen ist ein ungewöhnlicher Trainer. Wer das Aufwärmen der DVV-Männer beobachtet, wird dies schnell feststellen. Da wird schon mal auf Stühlen stehend gebaggert oder der Ball per Fuß in Mülltonnen gespielt. Bei der World League-Finalrunde in Sofia/BUL lief der Belgier die ca. 3,5 Kilometer lange Strecke vom Hotel zur Halle mehrfach zu Fuß – Stressabbau und Bewegungsdrang in einem und in dieser Form kaum vorstellbar bei anderen Weltklasse-Trainern. Aber auch im Volleyballspiel an sich hat der Bundestrainer sehr interessante Ansichten. Im Folgenden gibt der 43-jährige Einblicke in seine „Heynen-Philosophie“.
Vital Heynen: "Das Wort Philosophie ist schon falsch, dann denkt man gleich an große Worte. Und ich glaube an zwei wichtige Sachen: alles, was wir machen, muss einfach und logisch sein.
Die Heynen-Arbeit
Regel 1: mach es einfach und logisch
Regel 2: Das Individuum ist wichtiger als die Mannschaft. Wenn ich versuche, jeden Spieler besser zu machen, wird die Mannschaft automatisch besser.
Regel 3: seid positiv
Mit diesen drei Regeln erkläre ich alles, was ich mache.
Folgende Schlagwörter wurden Vital Heynen genannt, die Antworten lieferte Heynen.
"Volleyball-Catenaccio": Regel 3: Wir wollen nicht mit allen Mitteln versuchen, den Punkt zu machen. Jeder Spieler muss daran glauben, dass er nicht allein den Punkt machen soll, aber die Mannschaft ihm mit Block und Verteidigung hilft. Im Fußball ist der Catenaccio wenig attraktiv, im Volleyball sehr attraktiv, weil er für lange Ballwechsel sorgt.
"Variantenreiches Aufwärmen": Die Spieler sollen von der ersten Minute des Trainings versuchen, etwas zu lernen. Ich verpflichte den Spieler (für ihn unbewusst), jeden Tag etwas Neues zu lernen, Regel 2.
"Müde spielen": Wenn du nicht stärker als der Gegner bist, musst du warten und hoffen, dass der Gegner irgendwo und irgendwann schwächer wird. Ist das nicht einfach und logisch? Regel 1.
"Stammformation": Das Individuum muss besser werden, dann wird der Spieler auch öfter spielen, Regel 2. Ich habe keine Stamm-Sechs, sondern eine Stamm-Zwölf.
"Spaß haben": Es ist wissenschaftlich belegt (Regel 1), dass, wenn Leute positiv gestimmt/eingestellt sind, sie auch schneller lernen (positiv sein, hängt für mir zusammen mit etwas gerne tun, Spaß haben an dem, was man tut), Regel 3.
„Ändere nie eine erfolgreiche Aufstellung": Regel 1: Wenn man wartet, bis man verliert, um das Team zu ändern, hat man immer schon einmal verloren. Ich will nie verlieren, so versuche ich, die Niederlage zu vermeiden. Einfach und logisch.
"Tagesform besteht nicht": Ist es nicht logisch, wenn man guten Volleyball am Montag und Dienstag spielt, dass man dies auch am Mittwoch machen kann?! Tagesform besteht, aber es macht nur einen ganz kleinen Unterschied aus, wie jemand spielt, Regel 1.
"Aufschlagspiel": Regel 3. Um einen Punkt zu machen, kann mach auch Blocken, Verteidigen oder hoffen, dass der Gegner einen Fehler macht. Der Aufschlag muss nicht immer ein Punkt sein.
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