London 2012: Bundestrainer Vital Heynen: Das Gebäude wankt

London 2012: Bundestrainer Vital Heynen: Das Gebäude wankt Bundestrainer Vital Heynen und seine Spieler stehen gegen Serbien unter Druck.

Deutschlands Volleyballer präsentieren sich bei Olympia bisher desolat / Letzte Hoffnung Serbien

London (dapd). Zwei herbe Niederlagen, kein Selbstvertrauen, aber dafür jede Menge Fehler: Die deutschen Volleyballer sind mit der schlechtesten deutschen Bilanz der Geschichte in die Olympischen Spiele gestartet. Nicht einmal ein Satzgewinn gelang dem Team von Bundestrainer Vital Heynen, das am Donnerstag gegen Serbien unbedingt gewinnen muss, um nicht vorzeitig alle Chancen auf das Viertelfinale zu verspielen.

"Wir müssen die negative Energie aus den Köpfen bekommen", forderte Kapitän Björn Andrae und hielt ein flammendes Plädoyer für sein Team: "Wir können noch alles reißen. Wir müssen gegen Serbien 100 Prozent abrufen." Der nächste Gegner ist allerdings kein geringerer als der Europameister, was nach den blamablen Auftritten gegen Russland und die USA nicht gerade für die deutsche Mannschaft spricht.

Mit Problemen gerechnet

Trainer Heynen sah gegen die USA zumindest einen kleinen Schritt nach vorn. Die gravierenden Probleme, die sein Team derzeit plagen, hat der Belgier allerdings auch kommen sehen. "Ich habe nur gehofft, dass sie erst im September oder noch später auftreten", sagte Heynen. Für ihn ist es ein normaler Entwicklungszyklus einer Mannschaft, für die zahlreich in den Earl's Court gepilgerten deutschen Fans war das allerdings schwer zu akzeptieren.

Zu furios hatten die deutschen Männer seit dem Amtsantritt Heynens Ende Februar gespielt. Gegner wie die USA wurden besiegt und selbst die nicht mehr für möglich gehaltene Olympia-Qualifikation in letzter Sekunde gemeistert. Genau darin sieht Heynen auch das Problem. 29 Spiele habe sein Team in den letzten Monaten absolviert: "Wir haben ja kaum Zeit zum trainieren gehabt. Da wankt das Gebäude eben."

Grozer fehlt die Kontrolle

Der wortgewandte Heynen zieht gern Vergleiche mit Häusern heran, wenn er sein Konzept vom Aufbau einer Mannschaft erklärt. Momentan ist das Fundament nicht stark genug, will heißen, dass der Mannschaft das Selbstvertrauen fehlt. Zum Verdruss des Trainers macht sich das ausgerechnet bei seinem Star-Angreifer Georg Grozer bemerkbar. Lediglich acht seiner 26 Angriffe führten gegen die USA zu Punkten. Eine indiskutable Quote für einen der weltbesten Diagonal-Angreifer.

Grozer selbst hat für die Schwäche keine Erklärung. "Ich fühle mich körperlich sehr gut, habe Kraft. Aber irgendwie fehlt mir die Kontrolle", klagte der 28-Jährige. Für Heynen ist es schlicht mangelndes Selbstvertrauen.

Irgendwie muss es ihm gelingen, Grozer wieder aufzubauen. Bereits vor vier Jahren war die Partie gegen Serbien das Schlüsselspiel. Damals verlor die deutsche Mannschaft 1:3 und verpasste das Viertelfinale. Dieser Makel soll am Donnerstag beseitigt werden. Es wäre das erste Mal nach 40 Jahren Wartezeit.

(Thomas Bachmann)