London 2012: Am Netz steht die deutsche Mauer

London 2012: Am Netz steht die deutsche Mauer Wollen sich noch einmal im olympischen Sand wälzen: Jonas Reckermann (liegend) und Julius Brink.

Brink/Reckermann - zwei ganz unterschiedliche Typen bilden ein perfektes Duo - Großes Team als Basis für den historischen Erfolg

London (dapd). Jonas Reckermann baut die deutsche Mauer auf. Am Zwei-Meter-Mann ist am Netz schwer vorbeizukommen. Julius Brink ist der Flieger. Der mit Hechtsprüngen in den Sand selbst unmöglichste Bälle abwehrt. Zusammen haben sie mit dem Einzug ins Olympia-Finale von London den größten deutschen Beachvolleyball-Erfolg der Geschichte geschafft. Doch der Erfolg hat viel mehr Väter als die beiden. Und es war ein langer Weg dahin - voller Rückschläge.

"Wir hatten ja zuvor beide unsere mehr oder minder guten Erfahrungen mit Olympia. Das hat uns hier in London immens geholfen", sagt Reckermann. Er war 2004 mit Markus Dieckmann Neunter in Athen geworden. Brink erlebte 2008 in Peking mit dem Vorrunden-Aus gemeinsam mit Christoph Dieckmann ein Desaster. Danach fanden Brink und Reckermann zueinander. Und starteten eine sensationelle Erfolgsserie.

"Ziemlich gutes Gefühl füreinander"

Gleich im ersten gemeinsamen Jahr wurden sie als erstes europäisches Team Weltmeister 2009. 2011 WM-Dritter und Europameister, in diesem Jahr wieder kontinentaler Champion. Und jetzt der Olympia-Erfolg, "der größte sportliche Moment meines Lebens" wie Jonas Reckermann sagt. Da haben sich zwei gefunden, die zusammengehören. "Wir haben ein ziemlich gutes Gefühl füreinander auf dem Feld", erzählt Brink.

Auch wenn sie, wie ihr Cheftrainer Jürgen Wagner sagt, "charakterlich total unterschiedlich sind: Jonas ist eher ruhiger, sehr strategisch. Julius eher emotionaler", sagt Wagner im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd: "Aber beide haben zusammen eine gemeinsame Ebene gefunden. Und eine große mentale Stärke." Daran hat auch ihr Psychologe Lothar Linz einen großen Anteil.

Er ist laut Wagner ein wichtiger Baustein im großen Team rund um die Olympia-Helden. Zudem gehört im Coachingbereich auch Reckermanns Ex-Spielpartner Markus Dieckmann, der noch immer ein guter Beacher ist. Hans Voigt verantwortet vor allem den Athletikbereich. Der in diesem Jahr vielleicht wichtigste Mann ist jedoch Physio Jochen Dirksmeyer, der Reckermann nach seiner hartnäckigen Schulterverletzung wieder gesund pflegte und den zeitweise gefährdeten Olympiastart überhaupt erst möglich machte.

Alle sind in London dabei, und alle werden größtenteils von den beiden Beachboys selbst bezahlt. "Das Team spielt eine große Rolle. Auch wenn die Spieler natürlich den mit Abstand größten Anteil haben", sagt Wagner dapd. Zum Erfolgsteam gehören bei Olympia übrigens auch die Partner der beiden. Julius Brink ist verlobt. Jonas Reckermann verheiratet. Voraussichtlich im November wird er Vater - was für ihn persönlich sicher mindestens die gleiche Bedeutung wie der Olympia-Erfolg hat.

"2013 weiter ein Team"

Trotz der neuen familiären Verpflichtungen und des olympischen Erfolgs wollen die beiden weiter zusammenspielen. Wagner: "Sie haben sich schon im Frühjahr abgesprochen, dass sie 2013 weiter ein Team sein werden." Brink wird also weiter fliegen, und am Netz baut Reckermann auch in Zukunft die deutsche Mauer auf.

(Lars Becker)