DVV-Nachwuchs: Stewart Bernard: „Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“

DVV-Nachwuchs: Stewart Bernard: „Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“ Im November feierte Stewart Bernard als Interims-Bundestrainer der Männer den Sieg bei der Vor-Olympia-Qualifikation.

Neun Jahre lang leitete Stewart Bernard die Geschicke des männlichen Nachwuchses und des Volleyball-Internats Frankfurt. Zudem war er u.a. als Co-Trainer der DVV-Männer im Einsatz (2008 bei den Olympischen Spielen war die Krönung) oder sprang im November 2011 als Interims-Bundestrainer für die DVV-Männer ein. Nun verlässt der Niederländer den DVV und wird Nationaltrainer der tschechischen Männer. Wie es dazu kam, wie er seine Zeit beim DVV und am Internat empfand und was er seinem Nachfolger wünscht, ist im „Interview der Woche“ zu lesen.

Am 19. März wurden Sie auf einer Pressekonferenz in Prag als neuer Männer-Bundestrainer Tschechiens vorgestellt. Wie kam es dazu?
Bernard: „Die Tschechen haben mir am 14. April telefonisch bestätigt, mich als Nationaltrainer haben zu wollen. Der erste Kontakt war ca. eine Woche vorher. Natürlich musste ich mir erst das Ganze überlegen, weil da einiges mehr dran hängt. Aber der sportliche Grund war nachher ausschlaggebend, es ist eine neue Herausforderung für mich.“

War die Nichtberücksichtigung bei der Nachfolge von Raúl Lozano auch ein Grund?
Bernard: „Nicht unbedingt die Nichtberücksichtigung, sondern eher die Art und Weise. Ich habe mich nicht für die Stelle beworben, sondern war vom Verband dadurch ins Rennen gebracht worden, dass ich das Team in Frankreich betreut habe. Und die Mannschaft hatte sich auch dafür ausgesprochen, so weiterzumachen wie in Frankreich.“

Was sind die Ziele mit den tschechischen Männern?
Bernard: „Ende September steht die Qualifikation für die EM 2013 an, das ist das erste Ziel. Sollten wir noch eine Chance in der Olympia-Qualifikation haben, werden wir das natürlich auch vorbereiten. Zudem spielen wir die European League, wo wir jungen Spielern Praxis auf internationalem Niveau geben wollen.“

Wie schätzen Sie das Potenzial ihrer neuen Mannschaft ein?
Bernard: „Es sind zum Teil sehr erfahrene Spieler, die schon sehr viel erlebt haben. Und dieses Team kann immer noch in der europäischen Spitze mithalten, das ist meine Aufgabe und mein Ziel.“

Sie gelten als harter, aber fairer Trainer im Nachwuchsbereich. Müssen Sie sich bei einer Männer-Nationalmannschaft in der Art des Trainierens und Coachens umstellen?
Bernard: „Ich bin ein Mensch und Trainer wie ich bin und wichtig ist, dass der Respekt vor jedem Sportler da ist. Ich werde mich nicht verbiegen.“

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Foto Jürgen Sabarz: Stewart Bernard einmal nachdenklich neben Trainer-Kollege Matthias Müntz bei der Junioren-Nationalmannschaft.

Zurück zu ihrem noch aktuellen Arbeitgeber: Fällt ihnen der Abschied vom DVV und vom Volleyball-Internat Frankfurt schwer? Immerhin waren Sie neun Jahre dort.
Bernard: „Ja, es tut mir schon leid für das Volleyball-Internat und meine Arbeit beim DVV. Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Im Internat sind in den vergangenen Jahren große Entwicklungen in der Organisation und im Umfeld entstanden, es herrschen jetzt Top-Bedingungen, die internationalen Standards entsprechen.“

Sie hatten immer wieder Angebote, z.B. aus der Bundesliga oder anderen Ländern. Warum sind Sie geblieben?
Bernard: „Weil ich jemand bin, der gerne langfristig etwas aufbauen möchte.“

Wie würden Sie die neun Jahre ihrer Arbeit beurteilen?
Bernard: „Mit Höhen und Tiefen. Aber generell macht die Arbeit mit Jugendlichen sehr viel Spaß, wenn man sieht, dass sie oben ankommen und sich in allen Bereichen weiter entwickeln.“

Was waren Höhepunkte, was Niederschläge?
Bernard: „Höhepunkt war natürlich die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008, ein Tiefpunkt war die Nicht-Qualifikation der Jugend-Nationalmannschaft (Jahrgang 1991/92) für die EM. Am Ende haben wir mit diesem Jahrgang aber danach noch die Qualifikation für die WM-Endrunde geschafft.“

Gibt es etwas, was Sie im Nachhinein anders gemacht hätten?
Bernard: „Hinter allem, was ich gemacht habe, stehe ich hinter und würde es wieder machen.“

Der DVV muss nun beide Trainerstellen im männlichen Nachwuchs neu besetzen. Ist das mehr Chance oder Risiko für den Verband?
Bernard: „Das ist eine neue Chance, neue Leute zu finden und anzustellen. Man kann die Internatsstelle mit dem Bundestrainer wieder koppeln, es sind neue Wege denkbar, neue Methoden und Ziele.“

Können Sie den Posten empfehlen?
Bernard: „Ja, natürlich. Für jeden Trainer ist es eine gute Erfahrung, das zu machen. Man kann langfristig arbeiten und sieht die Erfolge sehr schnell.“

Was muss der/die Nachfolger/in mitbringen, was für Qualitäten haben?
Bernard: „Neben Trainingstätigkeiten auf jeden Fall auch organisatorische Fähigkeiten. Und natürlich viel Energie, um jugendliche Leute zu begeistern und zu begleiten.“

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Foto VIF: Neun Jahre lang stand Stewart Bernard im Zentrum des Volleyball-Internats Frankfurt. Er war bei den Spielern hoch angesehen.

Die Saison beim VIF geht bis zum 28. April. Wie wird die Saison beendet, wenn Sie schon vorher gehen?
Bernard: „Co-Trainer Olaf Minter wird das weiter betreuen. Evt. wird HVV-Landestrainer Ennio Giordani ihn unterstützen.“

Sie haben Höhen und Tiefen am Internat miterlebt und haben es sehr geprägt. Was wird Ihnen in Erinnerung bleiben?
Bernard: „Der Tod von Klaus Philippsen (Vorsitzender des VIF, Anm. d. Red.) hat mich sehr getroffen, weil wir zu diesem Zeitpunkt geplant haben, das Internat langfristig weiter zu entwickeln. Höhepunkte sind immer, wenn Spieler oben ankommen: in der Bundesliga oder natürlich auch in der Nationalmannschaft wie zuletzt Lukas Kampa.“

Das Internat gibt es mittlerweile seit knapp 30 Jahren, steckt jedoch immer wieder in der Kritik. Welche Bedeutung hat das Internat in ihren Augen?
Bernard: „Es gibt immer Kritik. Kritik zu äußern, ist einfach. Aber wenn man sieht, wie viele Spieler vom Internat „produziert“ werden für die Bundesliga oder Nationalmannschaft ist das die beste Antwort auf jede Kritik.“