Bundesliga (F): Schwerins Spielführerin Julia Retzlaff auf Finalkurs: „Wenn es drauf ankommt, sind wir topfit"

Bundesliga (F): Schwerins Spielführerin Julia Retzlaff auf Finalkurs: „Wenn es drauf ankommt, sind wir topfit"

Überraschend klar und überraschend spannend: Die Halbfinal-Hinspiele im Kampf um den Einzug ins Play-off-Finale entwickelten sich komplett verschieden. Der USC Münster verlangte dem Dresdner SC alles ab, hatte den Favoriten bereits am Rande einer Niederlage und unterlag dennoch nach 134 Minuten mit 2:3 (23:25, 25:22, 18:25, 25:19, 18:20). Der Schweriner SC hingegen erledigte seine Semifinal-Aufgabe gegen die Roten Raben Vilsbiburg höchst souverän. In der Neuauflage des DVV-Pokalfinales schlug das Team von Trainer Teun Buijs die Gäste aus Niederbayern mit 3:0 (25:11, 26:24, 25:21). Vor dem Rückspiel am Samstagabend haben wir mit SSC-Spielführerin Julia Retzlaff über den überraschend klaren Sieg und die Bedeutung des Viertelfinalkrimis gegen Suhl gesprochen sowie ihr heimliches Saisonziel, das viel mit der Zahl sieben zu tun hat.

Julia, 3:0 gegen die Roten Raben in nur 77 Minuten Spielzeit - sind Sie nach den stets engen Duellen im Saisonverlauf selbst ein wenig überrascht, dass diese Halbfinal-Partie so eindeutig verlief?
Julia Retzlaff: Gerade der erste Satz war sehr überraschend. Als wir den 25:11 für uns entschieden hatten, waren wir schon erstaunt. Aber wir haben in den beiden Viertelfinalspielen gegen Suhl gelernt, wie schnell alles vorbei sein kann. Da haben wir den Start jeweils verpennt und das ist uns gegen Vilsbiburg echt besser gelungen. Wir haben von Anfang an voll drauf los gespielt und Vilsbiburg damit vielleicht überrannt. Dadurch sind die Roten Raben nicht so richtig ins Spiel gekommen.

Glauben Sie, dass die beiden hochdramatischen Partien gegen Suhl im Viertelfinale der Knackpunkt auf dem Weg zum Meistertitel sein können?
Julia Retzlaff: Auf jeden Fall. Wir haben gezeigt, dass wir mit Druck sehr gut umgehen können. Aus der Erfahrung dieser Spiele hat die ganze Mannschaft gelernt, wir wissen jetzt, wie man in diese Spiele reingehen muss, ohne rauszufliegen. Trotz dessen, dass es jetzt K.o.-Spiele sind, sind wir relativ entspannt. Wir haben die Sicherheit, bereits den Pokal gewonnen zu haben. Egal wie es jetzt ausgeht, wir haben eine gute Saison gespielt. Der Verein und die Zuschauer sind mit uns zufrieden. Vielleicht gibt uns das diese nötige Lockerheit, die man in solchen Spielen braucht.

Die Formkurve von Vilsbiburg scheint dagegen eher nach unten zu verlaufen. Glauben Sie, dass da im Rückspiel noch was anbrennt für Schwerin?
Julia Retzlaff: Wenn man sich den Saisonverlauf der Roten Raben anschaut, fällt auf, dass sie gerade den Beginn und die Mitte der Spielzeit dominiert haben. Aber in den vergangenen sechs Wochen hatten sie doch arge Probleme. Nach der Pokalniederlage gegen uns war das nicht mehr so überzeugend. Das geht an einer Mannschaft nicht spurlos vorbei. Dennoch wird das kein leichtes Spiel für uns am Samstag. Die Raben haben im Viertelfinale gegen Wiesbaden gezeigt, dass sie mit einer Hinspielniederlage umgehen können. Doch wenn wir es schaffen, unsere Leistung annähernd abzurufen und gut ins Spiel zu starten, ist das eine machbare Aufgabe für uns.

Beim Schweriner SC verlief die Saison genau andersherum: Anfangs hatten Sie Probleme, jetzt läuft es.
Julia Retzlaff: Wir hatten Startschwierigkeiten, das stimmt. Das liegt auch daran, dass unsere Nationalspielerinnen viel unterwegs waren und wir nur ein einziges richtiges Testspiel absolvieren konnten. Aber ich bin sehr froh drum, dass wir jetzt in der wichtigen Saisonphase topfit sind. Alle sind gesund, die Abstimmung ist da und das Selbstvertrauen. Jetzt, da es um die Preise geht, stimmt alles!

Wie erleben Sie Ihren Trainer Teun Buijs, was macht er anders als sein Vorgänger Tore Alexandersen?
Julia Retzlaff: Der größte Unterschied zwischen beiden ist, dass Teun eher ruhig ist, nicht so extrovertiert. Auch während der Spiele versucht er, stets ruhig und sachlich auf die Mannschaft einzuwirken. Gerade bei Spielen wie gegen Suhl tut es gut, wenn einem in den Auszeiten nicht 30 Sekunden nonstop Infos an den Kopf geknallt werden, sondern man ein bisschen runterkommen kann.

Welche Rolle spielt Christof Schwarz, der das Team psychologisch betreut?
Julia Retzlaff: Er arbeitet sehr individuell mit uns. So hilft das den einzelnen Spielerinnen in ihrer persönlichen Entwicklung weiter. Sicherlich muss man in engen Situationen als Team zusammenhalten, aber an jeder einzelnen Spielerin hängt ja auch unglaublich viel. Wenn sich eine Spielerin ihrer selbst sicher ist, zum Beispiel beim Aufschlag, strahlt das natürlich auch auf die Mannschaft aus. In dieser Hinsicht hilft uns das schon sehr.

Sie selbst beenden zum Saisonende Ihre Karriere. Sind Sie wehmütig, wenn Sie realisieren, dass Sie gerade Ihre letzten Spiele auf höchstem Niveau bestreiten?
Julia Retzlaff: Ein wenig schon, ja. Als wir in der vergangenen Woche 0:2 nach Sätzen gegen Suhl hinten lagen, da habe ich mir gedacht: Das wäre echt bitter, wenn wir jetzt mit 0:3 im Viertelfinale rausfliegen. So ein Ende hätte ich mir auf keinen Fall gewünscht. Jetzt sind wir im Halbfinale und ich will das Ende noch so lange wie möglich hinauszögern. Aber ich bin jetzt bereit für den Abschied. Egal wie es weitergeht, kann ich mit dem Abgang zufrieden sein.

Sie haben in Ihrer ersten Saison für den Schweriner SC 2006 das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg geholt. Den Pokalsieg 2012 haben Sie schon gefeiert - ein erneutes Double würde Ihrer Karriere einen wunderbaren Rahmen geben.
Julia Retzlaff: Für die Statistik wäre es nicht schlecht. Das ist jetzt meine siebte Saison in Schwerin, wenn wir Deutscher Meister werden würden, wäre das auch der siebte Titel. Das würde also ganz gut passen. Schauen wir mal.


Die Ergebnisse vom 4. März 2012, Play-off-Halbfinale Frauen (Hinspiele)
Schweriner SC - Rote Raben Vilsbiburg 3:0 (25:11, 26:24, 25:21)
USC Münster - Dresdner SC 2:3 (23:25, 25:22, 18:25, 25:19, 18:20)

Die nächsten Termine, Play-off-Halbfinale Frauen (Rückspiele, Entsch. ggf. im Golden Set)
07.04.2012 18:00 Rote Raben Vilsbiburg - Schweriner SC (Ballsporthalle Vilsbiburg)
07.04.2012 17:30 Dresdner SC - USC Münster (Margon Arena)


Der Link zu den Play-offs

(DVL)