Beach World Tour: Katrin Holtwick: „Stolz auf das, was wir erreicht haben“

Beach World Tour: Katrin Holtwick: „Stolz auf das, was wir erreicht haben“ Dicker Scheck, Goldmedaille und dickes Grinsen: Katrin Holtwick (links) und Ilka Semmler in Aland/FIN."

Einen echten Überraschungs-Coup landeten Katrin Holtwick/Ilka Semmler am 2. September im Norden Europas. Die Olympia-Neunten von London siegten erstmals in ihrer Karriere bei einem Turnier der World Tour. Es war überhaupt erst der zweite Sieg eines deutschen Frauen-Duos auf der wichtigsten und besten Serie der Welt. Einen Tag danach äußern sich Holtwick/Semmler im „Interview der Woche“ zum Sieg von Aland und den zurück liegenden sensationellen drei Wochen.

Herzlichen Glückwunsch! Hand aufs Herz: Habt ihr so ein Szenario nach London mit Platz drei beim Grand Slam in Polen, DM-Titel und nun Sieg in Aland für möglich gehalten?
Holtwick: „In dem Ausmaß und mit der Konstanz natürlich nicht, dass kann man ja auch nicht! Aber wir haben von Anfang an mit all diesen Turnieren nach London geplant und sind deswegen vielleicht nicht in ein "Loch" gefallen, sondern haben bewusst die Spannung oben gehalten.“
Semmler: „Wenn ich vielleicht länger darüber nachgedacht hätte?! Hm nein, wahrscheinlich auch dann nicht! Natürlich waren wir durch unsere gute Setzung an Position 2 zunächst eher bevorteilt, doch mit Timmendorf in den Knochen war es neben der mentalen Herausforderung auch definitiv eine körperliche! Ich wusste, wenn wir das spielen, was wir können, kann's auch wieder fürs Halbfinale reichen! Aber dann hat man natürlich noch längst nicht gewonnen!;)“

Wie kommt das? Andere Teams wie z.B. Goller/Ludwig sind völlig platt nach London, ihr holt richtig die Keule raus…
Holtwick: „Wir haben die ganze Saison über eine konstante Leistung gebracht und die konnten wir auch nach dem eigentlichen Highlight in London halten! Für uns war einfach klar, dass wir die World Tour bis zum Ende weiterspielen! Manchmal fügt sich auch einfach eins dem anderen.“
Semmler: „Wüsste ich auch gerne, das ist nämlich - wenn man sich unsere letzen Saisons anguckt - auch eher untypisch für uns! Die Formkurve am Ende der Saison zeigte meist nach unten! Aber dieses Jahr ist vielleicht alles in allem ein ganz besonderes Jahr.“

Oder habt ihr euch von Brink/Reckermann und Olympia-Gold inspirieren lassen?
Holtwick: „Klar war das für uns unglaublich schön, diesen Moment mit erleben zu dürfen! Und die Erinnerungen sind sicher etwas für die Ewigkeit. Das haben wir ja auch schon oft erwähnt, aber ich glaube nicht unbedingt, dass es großen Einfluss auf unser Spiel nach Olympia genommen hat ;)“
Semmler: „Vielleicht...;) Gold glänzt definitiv schöner als Silber und auch als Bronze.“

Wann habt ihr gemerkt, dass in Aland das ganz große Ding möglich ist?
Holtwick: „Als wir den Samstag mit den drei wirklich kräftezerrenden Spielen überstanden hatten und im Finale waren, wussten wir sicherlich, dass es eine sehr gute Chance ist, den Sack zuzumachen.“
Semmler: „Nach dem Halbfinalsieg! Bis dahin war es wirklich ein Auf und ab, mit körperlichen ups and downs, aber auch mit fast verlorenen Spielen und dann doch wieder souveränen Siegen! So viele Spiele hatte man auch schon lange nicht mehr gemacht, da rennt man irgendwann einfach weiter, bis man realisiert, dass man im Finale angekommen ist! Dann hab ich noch mal durch geschnauft und mir innerlich gesagt, das ist unsere Chance! Die will ich nutzen!“

Ihr seid nach Stephanie Pohl/Okka Rau (2008) erst das zweite deutsche Frauen-Team, dem es gelungen ist, ein Turnier der World Tour zu gewinnen. Wie ist die Gefühlslage?
Holtwick: „In erster Linie wirklich erschöpft und müde, aber das schmälert natürlich die Freude gar nicht. Ich bin wirklich stolz auf das, was wir erreicht haben und freue mich, das demnächst nochmals richtig mit Freunden, Familie und dem Team zu feiern. Gestern Abend hab ich dann aber schon gemerkt, dass es jetzt endgültig Zeit ist, eine Pause zu machen.“
Semmler: „Wow, im ersten Moment hat es sich nicht so "historisch" angefühlt, aber mit ein bisschen Abstand zu sehen, was wir geschafft haben, das ist schon überwältigend! Gefühlslage ist demnach sehr stolz, glücklich und irgendwie - entspannt!“

Fragt ihr euch jetzt im Nachhinein: Diese Form in London, was wäre möglich gewesen?
Holtwick: „Das ist natürlich sehr spekulativ und kann ich gar nicht so beantworten. Ich denke, es ist auch schwer, die Spiele mit den anderen Events zu vergleichen! Das war einfach was ganz anderes!“
Semmler: „Ich würde behaupten, dass wir nicht ganz so weit von der London-Form entfernt waren in den letzten drei Wochen. Aber es ist natürlich ein ganz anderes Turnier, bei dem ganz andere Faktoren auch eine Rolle spielen. Deswegen stelle ich mir die Frage nicht.“

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Foto FIVB: Bereits beim TV-Interview unmittelbar nach dem Finale ist das Siegerlächeln bei Katrin Holtwick (rechts) und Ilka Semmler zu sehen.

Wie habt ihr den Überraschungs-Coup gefeiert?
Holtwick: „Ehrlich gesagt relativ ruhig...auf Aland ist alles etwas ruhiger! Wir waren schon froh, ein Restaurant zu finden, was Sonntagabend noch geöffnet hatte. Ich war dann mit den Schweizerinnen und den Spanierinnen gemütlich essen, etwas trinken und dann ziemlich früh schlafen! Das war aber auch völlig in Ordnung, ich habe dann schon recht schnell gespürt, dass die Spannung abfällt und man sich auch irgendwie nach Ruhe sehnt.“
Semmler: „Pressekonferenz geschwänzt und ab in den Flieger! Da habe ich mir dann einen Schokoriegel gegönnt, vier Stunden geschlafen und am nächsten Morgen den Flieger nach Berlin bestiegen! Holen wir also noch nach!“

Was steht jetzt an?
Holtwick: „Im Moment sitze ich noch in Helsinki am Flughafen, in zwei Stunden geht's weiter nach Berlin. Heut Abend dann Richtung Frankfurt und morgen in den Urlaub! Ilka ist schon fast im Urlaubsflieger! Wir werden zwei Wochen weg sein, dann stehen ein paar PR-Sachen an und ab dem 1. Oktober geht's wieder an den Ball, wir planen noch mit Thailand und dem World Cup Final.“
Semmler: „Urlaub! Deswegen auch die Eile mit den Flügen. Kann ja keiner ahnen, dass wir ein Turnier gewinnen und es knapp werden könnte mit dem Losfliegen in den Urlaub!“

Und wie geht es mit Holtwick/Semmler dann weiter? Wann beginnt die Vorbereitung auf 2013?
Holtwick: „Das ist noch weit weg. Zuerst einmal planen wir die Saison mit noch zwei weiteren Turnieren zu beenden! Dann wird es Gespräche geben und erst danach ist absehbar, was, wann und wie 2013 passiert.“
Semmler: „Wir planen jetzt noch mal das Turnier in Thailand und das World Cup Finale, davor werden wir wohl auch noch mal ein Kurztrainingslager einschieben, um den bis dahin wohl tiefenentspannten Körper wieder in Schuss zu bringen! Was dann wann wieder losgeht im Hinblick auf 2013 - die Planungen haben noch Zeit!“