Beach-Nationalteams: Holtwick/Semmler wollen Platz in London sichern
Die Zeit des Wartens hat ein Ende. Für die Beach-Volleyball-Nationalspielerinnen Katrin Holtwick und Ilka Semmler geht es in den zweiten und letzten Teil des Qualifikations-Marathons zu den Olympischen Sommerspielen in London. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase rund um den Globus via Berlin, Athen, Fuerteventura und Los Angeles beginnt am 15. April in Brasilia die World Tour 2012. Nach den ersten sechs Stationen (Brasilia, Sanya, Shanghai, Myslowice, Peking und Rom) der World Tour sowie der EM in Den Haag (30. Mai bis 3. Juni) wird das Qualifikationsranking Mitte Juni geschlossen. Dann steht das Teilnehmerfeld für London fest. Katrin Holtwick und Ilka Semmler hätten nach aktuellem Stand als 14. des „Olympic Qualification Ranking” und zweitbestes deutsches Team hinter Sara Goller und Laura Ludwig einen Auftritt in der britischen Metropole sicher. Im „Interview der Woche“ sprechen Katrin Holtwick und Ilka Semmler über die Winterphase, ihre Ziele und über das, was sie bis zu den Spielen in London auf keinen Fall tun werden.
Gibt es das Wort „Winterschlaf” überhaupt in Ihrem Sprachschatz?
Holtwick: „Eigentlich nicht, vielleicht eher Wintersmüdigkeit. Allerdings nicht in Sachen Trainingsumfang, sondern eher in Bezug auf die kalte Jahreszeit und das graue Wetter. Aber das betrifft uns ja eher in den Monaten Dezember, Januar. Seit Februar sind wir den kalten Temperaturen entflohen und wenn man dem Wetterbericht glauben schenken kann, ist ja auch in Deutschland wieder Frühling.“
Semmler: „Winterschlaf vielleicht, definitiv aber nicht Winterpause. Die paar Wochen im Jahr, in denen wir dann mal frei haben, genieße ich durchaus. Schade ist es nur, dass es zu der Zeit immer kalt ist in Deutschland. Für ein Sommerkind sehr ungünstig.“
War es eine andere Winterphase als in den Jahren, wo es nicht den Blick auf Olympia gibt?
Holtwick: „Natürlich geht es jetzt nochmal um die Wurst und der Fokus liegt darauf, die Qualifikation fix zu machen. Also stehen die ersten Turniere im Vordergrund, aber wirklich anders hat es sich nicht angefühlt. Wir hatten ja schon einmal einen solchen Winter, den im letzten Jahr, als die Phase der Olympia-Qualifikation begann und da war es ja noch mehr neu.“
Semmler: „Nein. Wir haben genauso geschwitzt und geackert wie in den Jahren zuvor. Auch die Trainingslager waren in dieser Vorbereitung in etwa wie im Jahr zuvor. Wir haben also nicht viel anders gemacht, was ich auch gut finde.“
Was waren die wichtigsten sportlichen Stationen seit dem Saisonende 2011?
Holtwick: „Für mich war es sicherlich die, körperlich wieder fit zu werden. Ich hatte am Ende wirklich Schulterprobleme. In der volleyballfreien Zeit habe ich viel Rehatraining gemacht. Das war wichtig, denn nichts ist schlimmer als mit einer lädierten Schulter wieder in die Vorbereitung einzusteigen. Ansonsten waren alle Kurz-und Langtrainingslager für uns wichtig. Athen, Fuerteventura und besonders natürlich L.A., weil wir hier die Chance hatten, viel und intensiv an bestimmten Sachen zu arbeiten. Aber es war auch schön mal Trainingsgäste in Berlin zu haben wie die Niederländerinnen Mooren/van der Vlist und die Griechinnen Tsiartsiani/Arvaniti.“
Gab es in der Trainingsplanung und Saisonvorbereitung andere Inhalte?
Holtwick: „Großartig andere sicher nicht. Ich weiß auch nicht, ob es vor einer solchen Saison richtig gewesen wäre. Es geht einfach darum alles zu festigen und nochmal nachzulegen.“
Semmler: „Ich glaube, für uns war es vor allen Dingen wichtig, nicht groß etwas Neues ausprobieren zu müssen. Bei unseren Zielen wissen wir, was uns erwartet, und wir haben uns bewusst für bestimmte Trainingspartner entschieden und auch im Krafttraining auf das Altbewährte aus der letzten Saison zurückgegriffen.“
Wer waren und sind die wichtigsten Trainingspartnerinnen?
Holtwick: „Wichtig ist vermutlich das falsche Wort, aber es ist immer gut mit vielen verschiedenen Teams auf ähnlichem oder besserem Niveau zu trainieren. Damit meine ich die Teams aus Griechenland, der Schweiz, Österreich und den USA. Zu Trainingseinheiten mit Sara Goller und Laura Ludwig ist es diesen Winter wirklich kaum gekommen.“
Im letzten Jahr gab es vom Trainingslager in L.A. nur tolle Meldungen über den Leistungsstand zu lesen. In den ersten drei FIVB-Turnieren war davon nicht so viel zu sehen: 13., 25., 25. Sieht es für 2012 anders aus?
Holtwick: „Wir sind mit der Leistung in L.A. auch dieses Jahr zufrieden, hoffen aber, die Saison besser zu beginnen.“
Semmler: „Training ist immer das eine, der Wettkampf das andere. Das hat man letztes Jahr gesehen. Sicherlich ist die Ausgangssituation zu wissen, dass man gut sein kann, die bessere, als wenn man auch schlecht trainieren würde. Wir wissen auf welchem guten Niveau wir momentan trainieren, und wir werden alles geben. das auch bei den ersten Turnieren abzurufen.“
Im Team rund ums Team gibt es mit Florian Karl einen neuen Namen. Welche Aufgaben übernimmt er?
Holtwick: „Florian ist vor allem für die Trainingsphasen in Berlin zuständig. Das hat natürlich vor allem die Zeit zwischen Dezember bis Mitte Februar betroffen. Für uns war es wichtig, vor Ort einen Trainer zu haben, der genau auf unsere Bedürfnisse eingehen kann. in den letzten Jahren konnten wir viel mit den OSP-Trainern trainieren, wofür wir sehr dankbar waren. Aber es war nicht speziell auf uns abgestimmt. Diesen Winter wollten wir das anders regeln.“
Natürlich redet alle Welt nur von London. Wie haben Sie Ihre Ziele definiert?
Holtwick: „Natürlich step by step! Alles andere wäre wohl nicht richtig. Wir sind noch nicht qualifiziert, dies wollen wir über die Rangliste schaffen. Also haben die ersten Turniere volle Priorität. Danach gilt es erst, den Schalter umzulegen. Denn wenn man dabei ist, ist unser Motto nicht nur „Dabeisein ist alles".“
Die Unterkünfte in London sind bereits geplant?
Holtwick: „Ja, teilweise sicherlich. Da muss man einfach schon vorher investieren, zum einen um es preisgünstiger zu haben, zum anderen, um sich später nicht mehr damit beschäftigen zu müssen. Dann gibt es wichtigeres. Unser Trainer und Manager waren frühzeitig in London und haben die Unterkünfte und Wegstrecken gecheckt.“
Wie sieht es mit der nationalen Konkurrenz aus? Haben Sie noch große Sorgen?
Holtwick: „Wir wissen, dass wir es weitgehend in eigener Hand haben. Da wir noch einige schlechte Turniere unter den Top 12 haben, ist die Chance groß, sich noch zu verbessern. Ganz ohne nach links und rechts zu gucken, geht es sicher nicht, aber das ist auch normal. Die Konkurrenz wird sicher auch alles Erdenkliche versuchen, nochmal einen drauf zu setzen.“
Semmler: „Man sollte sich nie zu sicher sein und sich auf seinem Punktevorsprung ausruhen. Das wissen wir und das werden wir auch nicht tun. Ich persönlich werde erst dann Aufatmen und mir sicher sein wenn der Grand Slam in Rom vorbei ist. Bis dahin sollte man sich nicht zu sehr auf die Konkurrenz konzentrieren, sondern einfach sehen, dass man sein Bestes gibt.“
Sind die Europameisterschaft in Den Haag und der Grand Slam in Berlin zwei Highlights auf dem Weg nach London?
Holtwick: „Die EM wird sicherlich ein Highlight. Ein Turnier, auf dem nur die Europäer punkten können. Mit dem 9. Platz aus 2011 haben wir auch hier nochmal die Chance, uns zu verbessern. Aber man weiß ja auch: In Den Haag ist Dank des Windes alles möglich. Berlin wird sicher aufregend, ich freue mich auf ein Heimturnier. So richtig konnte ich noch nie in Berlin spielen. 2008 war ich verletzt und durfte nur zu sehen.“
Semmler: „Ich persönlich freue mich am meisten auf Berlin. Ich hoffe, dass die Location ankommen wird und das sich das Publikum dort hin ziehen und begeistern lässt. In Bezug auf Olympia hat Berlin ja keine Bedeutung mehr. Deswegen wird es sicherlich cool, da einfach ganz befreit aufzuspielen. Und wie ich hörte, gibt es auch ein tolles Rahmenprogramm mit Konzert und Modelcontest.“
Sind andere Turnierteilnahmen in Deutschland geplant?
Holtwick: „Wir werden sehr wahrscheinlich bei der Smart Beach Tour auf Norderney spielen, auch zur Vorbereitung auf die EM. Dort ist es ja auch meist windig. Und natürlich bei der Deutschen Meisterschaft am Timmendorfer Strand.“
Mal weg vom rein sportlichen: Der Weltverband hat jüngst die Kleiderordnung für Beach-Volleyball geändert. Ab sofort sind Langarm-Tops und längere Hosen bis drei Zentimeter über dem Knie erlaubt. Ändert sich bei Euch auch etwas?
Semmler: „Wir fühlen uns wohl in unseren Bikinis und sehen keinen Grund, etwas zu ändern. Gerade bei warmem Wetter sind Bikinis absolut von Vorteil. Außerdem haben wir freiwillig eh schon immer die vorgeschriebene Maximalgröße der Hosen unterschritten.“

Foto © Mey GmbH & Co. KG, 2012: Geben auch in Unterwäsche eine sehr gute Figur ab: Ilka Semmler (links) und Katrin Holtwick.
Ins neue Jahr sind Sie als Testimonials der Mey-Kampagne gestartet. Wie war die Resonanz aus Ihrer Sicht?
Holtwick: „Ich finde die Fotos nach wie vor sehr schön und freue mich wahnsinnig, dass Mey uns dafür ausgewählt hat. Auch aus meinem engeren und weiteren Umfeld habe ich nur Positives gehört. Das ist natürlich sehr schön.“
Semmler: „Ich denke, dass die Kampagne sehr gut angekommen ist, denn ich bekomme nach wie vor positives Feedback und darüber freue ich mich natürlich sehr. Auch Mey scheint sehr zufrieden zu sein. Mitte des Jahres folgen noch weitere Motive der Kampagne, die ebenfalls sehr schön sind. Unser persönliches Lieblingsmotiv ist dann auch dabei.“
Neue Shootings z.B. mit dem Magazin „Für Sie” sind geplant und auch schon im Kasten?
Holtwick: „Ja, aber leider war ich bei dem „Für Sie”-Shooting krank, dann ist es natürlich immer ein bisschen anstrengender. Aber ich glaube trotzdem, dass am Ende schöne Fotos rausgekommen sind.“
Semmler: „Weitere Shootings sind erst mal noch nicht konkret, aber man weiß ja nie, was unser Manager Marc Stöckel noch aus dem Hut zaubert.“
Oder lenken die PR-Aktionen zu sehr von der sportlichen Vorbereitung ab?
Holtwick: „Dieses Jahr wird es etwas ruhiger sein. Die Regeneration und die Zeit zwischen den Turnieren zuhause steht noch mehr im Vordergrund als zuvor.“
Semmler: „Solche Termine sind immer lustig und cool, sie kosten aber auch Kraft. Das ist dann oft das Hauptproblem. Ablenkung an sich ist manchmal gar nicht so schlecht und uns machen solche Shootings und Aktionen auch riesigen Spaß. Aber neben unserem normalen Reisestress noch zusätzlich zu reisen ist gerade in einer Olympiavorbereitung eher nicht von Vorteil. Daher gilt die volle Konzentration jetzt zunächst einmal dem Projekt „London 2012“. Es wird aber bestimmt nicht das letzte Shooting gewesen sein. Uns liegen attraktive Angebote vor, von denen wir sicherlich das eine oder andere auch umsetzen werden.“
Machen Sie bis zum Sommer überhaupt etwas anderes als Beachen? Studieren beispielsweise?
Holtwick: „Nein, definitiv nicht.“
Semmler: „Ich wüsste, ehrlich gesagt, nicht wann.“
Die Beach World Tour 2012 im Überblick
Die Olympia-Qualifikation im Überblick
(Medienservice Holtwick/Semmler)