World League: DVV-Männer mit Kampf zum Sieg gegen Japan - 0:2-Rückstand umgedreht

World League: DVV-Männer mit Kampf zum Sieg gegen Japan - 0:2-Rückstand umgedreht Zuspieler Patrick Steuerwald führte am Ende klug Regie und das Team zum hart umkämpften 3:2 gegen Japan.

Die DVV-Männer haben mit enorm viel Einsatz ein gelungenes Heimdebüt in der World League 2011 gefeiert: Gegen Japan setzte sich der Weltranglisten-Neunte vor 2.000 Zuschauern in der ZF Arena Friedrichshafen nach Zweisatzrückstand und der Abwehr eines Matchballes mit 3:2 (20-25, 23-25, 25-23, 25-11, 18-16) durch und feierte somit den zweiten Sieg im fünfen Spiel. Durch den Erfolg und die gleichzeitigen zwei 0:3-Niederlagen Bulgariens in Russland, ist Deutschland bis auf vier Punkte an Bulgarien herangekommen. Punktbeste Spieler gegen Japan waren Robert Kromm (21) und Stefan Hübner (12).

Die Devise war klar: Mit einem Sieg gegen Japan sollte der Rückstand auf den Tabellenzweiten Bulgarien verkürzt werden, „doch uns war klar, dass nach zwei Auswärtsspielen der Druck zu Hause höher ist“, meinte Lozano nachher bei der Pressekonferenz. Und so ging der Plan zunächst überhaupt nicht auf, und das aus zwei Gründen: Zum einen war der deutsche Angriff zu fehlerhaft, zum anderen übten die Asiaten mit ihren Sprungaufschlägen enorm viel Druck auf und brachten auf deutscher Seite vieles durcheinander. Im ersten Satz hatten die Japaner zudem eine sensationelle Angriffsquote (62%) „und wir kamen mit der völlig anderen Spielweise der Japaner nicht zurecht. So haben wir beispielsweise viele Blocks und Touchierungen kassiert, weil sie so klein sind und schwer zu sehen“, meinte Jochen Schöps. Nachdem der zweite Satz ausgeglichener verlief, aber mit dem besseren Ende für Japan abschloss, drohte beim 1:6 im dritten Satz ein ganz bitterer Abend. Doch die deutschen Spieler rissen sich zusammen, kämpften um jeden Ball und zeigten endlich auch Emotionen. Der Block erwies sich zunehmend als besser, am Ende hieß es 20:5-Blockpunkte für die DVV-Auswahl, die sich aber auch im Angriff deutlich steigerte.

Startformationen
Deutschland: Simon Tischer, Jochen Schöps, Robert Kromm, Denis Kaliberda, Marcus Böhme, Stefan Hübner, Markus Steuerwald

Japan: Daisuke Usami, Takaaki Tomimatsu, Kota Yamamura, Kunihiro Shimizu, Yusuke Ishijima, Yu Koshikawa, Daisuke Sakai

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Foto Günter Kram: Der deutsche Block hatte im Spielverlauf immer mehr Erfolg.

Ausführlicher Spielbericht
1. Satz: Die deutsche Mannschaft schien eine klare Devise bekommen zu haben: Mit mehr Druck und Risiko aufzuschlagen als zuletzt in Russland. Zwar resultierten aus dieser Maßnahme auch Aufschlagfehler, aber der japanische Annahmeriegel stand so permanent unter Dauerstress. Dass daraus zu Beginn kein Kapital in Form einer Führung geschlagen wurde, lag an der zu hohen Fehlerquote im Angriff (Angriffsfehler von Kromm und Schöps) und an starken japanischen Aufschlägen von Kapitän Usami (8-12). Schwarz kam für den unglücklich agierenden Kromm und nach zwei deutschen Blockpunkten war der Rückstand nicht mehr so groß (12-14). Die Japaner blieben jedoch vorne, da sie konsequent aus der Annahme punkteten (17-19) und die deutsche Mannschaft die Punktchancen nicht nutzte (17-21). Diesen Vorsprung ließen sich die Gäste nicht nehmen, die im ersten Satz eine deutlich niedrigere Fehlerquote aufwiesen als das deutsche Team.

2. Satz: Die deutsche Mannschaft begann mit der Startformation des ersten Durchgangs, Team Japan blieb (natürlich) unverändert. Ein harter Diagonalangriff von Schöps sowie ein erster Fehler von Japans Super-Star Shimizu ließen die deutsche Mannschaft 5:3 in Führung gehen. Doch ein Block gegen Schöps sowie ein Angriffsfehler von Kaliberda machten daraus ein 7:8. Starke Aufschläge von Shimizu brachten weitere Punkte und ließen die Japaner jubeln (10-13). Die deutsche Auszeit hinterließ Wirkung: Angriffe von Kromm und Kaliberda sowie ein Einerblock von Tischer führten zum Anschluss (13-14), ein Einerblock Kaliberdas gegen Shimizu bedeutete Ausgleich. Die Führung blieb jedoch vorerst aus, Team Deutschland musste stets einem Rückstand hinterherlaufen, konnte aber egalisieren (22-22). Eine phantastische Abwehrreaktion von Ishijima sorgte für den Vorteil der Gäste (22-24), die sich auch den zweiten Satz sicherten.

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Foto Günter Kram: Lieferte ein starkes Comeback: Libero Markus Steuerwald.

3. Satz: Lozano beorderte Patrick Steuerwald auf die Zuspielposition, doch bereits beim 0:2 (Auszeit) und 1:4 (Spielerwechsel) zeigte der Bundestrainer seine Unzufriedenheit. Schwarz kam noch für Kaliberda (1:6), doch die Verunsicherung war der deutschen Mannschaft anzumerken. Zwei Blockpunkte von Hübner und Schwarz machten das Ergebnis erträglicher (5-7). Nach einem Angriffsfehler der Japaner sowie einem weiteren Block von Schwarz (er vereitelte die Zuspielfinte) hatte Team Deutschland den Ausgleich geschafft (9-9). Dann endlich die erste Führung: Steuerwald entschärfte per Block einen Angriff und bediente anschließend Hübner per Schnellangriff. Überhaupt hielten die deutschen Spieler nun auch emotional voll dagegen (16-15). Vor allem Kromm war nun voll da und wurde von seinem Zuspieler gesucht, absetzen konnte sich die deutsche Mannschaft jedoch nicht, weil beide Teams aus der Annahme punkteten (21-20). Dann Satzbälle Deutschland, weil Schwarz die Punktchance verwertete (24-22). Hübner verwandelte den zweiten unter dem Jubel der Fans.

4. Satz: 3:0-Blitzstart für das deutsche Team, das nun endgültig in der Partie war. Mit starker Abwehrarbeit wurden zwei Angriffe der Japaner entschärft und anschließend konsequent verwertet. Die DVV-Auswahl blieb am „Drücker“, ein Ass von Steuerwald sowie eine starke Abwehraktion des Zuspielers führten zum 11:5. Die Japaner wechselten durch, ohne jedoch etwas zu bewirken, die deutsche Mannschaft war nun in allen Belangen überlegen und steuerte dem klaren Satzgewinn und –ausgleich entgegen (16-6). Den ersten Satzball wehrten die Gäste noch ab, den zweiten vollstreckte Dünnes zum Satzausgleich.

5. Satz: Japans Trainer Tatsuya Ueta beorderte wieder seine Stammformation aufs Feld, sie sollte den ersten Sieg in der diesjährigen World League einfahren. Zunächst gelang es keinem Team, ein Break zu erzwingen, sowohl Deutschland als auch Japan punkteten aus der Annahme oder profitierten von Aufschlagfehlern. Nach einem erfolgreichen Kromm-Angriff wurden mit einer 8:7-Führung für Deutschland die Seiten ein letztes Mal gewechselt. Den Japanern gelang das erste Break, Shimizu vollendete aus dem Rückram (8-9). Es blieb „eng“, weil weiterhin beide Mannschaften sehr konzentriert agierten. Beim Stand von 11-12 nahm Lozano eine Auszeit, um die Marschroute für die letzten Punkte vorzugeben. Dünnes glich aus einer extrem schwierigen Situation aus, ein Aufschlagfehler von Böhme bedeutete den ersten Matchball für Japan (13-14). Dann ein taktischer Meistertrick: Hübner wechselte auf die Außenposition und blockte prompt alleine (15-14). Dünnes vergab den ersten Matchball per Fehlaufschlag, Hübner holte den zweiten per Monsterblock. In einer Notsituation musste Zuspieler Steuerwald angreifen und vollzog (sehr umstritten, da eine Berührung gewesen sein soll). Hübner machte per Aufsteiger den dritten Matchball klar, der deutsche Doppelblock beendete die Partie.

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Foto Günter Kram: Die Erleichterung und der Jubel nach dem Spiel waren bei der DVV-Auswahl groß.

"Spielfilm"
1. Satz: 5-3, 6-6, 8-8, 8-10, 8-12 (Schwarz für Kromm), 12-14 (2x Block GER), 14-15 (Ass Hübner), 14-17, 17-19, 18-21 (P. Steuerwald für Schöps, Dünnes für Tischer), 20-24,
2. Satz: 3-3, 5-3, 7-8, 10-10, 10-13, 12-13 (Block Tischer), 14-14, 16-16, 17-19, 20-20 (Steuerwald/Dünnes für Schöps/Tischer), 22-22 (Popp für Kromm), 22-24, 23-24 (Tischer/Schöps zurück),
3. Satz: 0:2 (Auszeit GER), 1-4 (Dünnes für Schöps), 1-6 (Schwarz für Kaliberda), 4-7 (Block Hübner), 5-7 (Block Schwarz), 6-9, 9-9, 12-12, 14-14, 16-15, 19-18, 23-22 (Tischer für Steuerwald), 24-22
4. Satz: 3-0, 5-2, 7-3, 11-5 (Ass Steuerwald), 13-5, 16-6, 20-8, 24-10,
5. Satz: 2-2, 4-4, 6-6, 8-8, 9-9 (Tischer für Steuerwald), 9-10 (Steuerwald zurück, Popp für Kromm), 11-12, 13-14, 15-14, 16-15, 17-16

Statistik
GER: Angriff: 53%, Block: 20 Punkte, Aufschlag: 3 Asse, 20 Fehler
JPN: Angriff: 47%, Block: 5 Punkte, Aufschlag: 6 Asse, 15 Fehler

Stimmen zum Spiel
Raúl Lozano: „Gratulation an Japan. Die Mannschaft hat gut gespielt und hätte den Sieg auch verdient gehabt. Wir haben sehr schwer ins Spiel gefunden und waren in den ersten beiden Sätzen sehr verkrampft. Zudem hat Japan sehr gut angegriffen. Im dritten Satz haben wir schlecht angefangen, danach hatten wir nichts mehr zu verlieren. Es war sehr wichtig, dass wir noch gewonnen haben. Wir müssen das Spiel abhaken, das nächste Spiel kommt sofort.“

Marcus Böhme: „Es war eine neue Erfahrung, die World League zu Hause zu spielen. Wir hatten uns auf ein heißes Match eingestellt – und wurden nicht enttäuscht… Wir haben schlecht ausgesehen in den ersten zwei Sätzen, dann haben wir uns zusammen gerissen und sind dafür belohnt worden. Es ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, es musste auch etwas Gravierendes her. Am Ende haben wir unser Spiel gespielt.“

Jochen Schöps: „Wir hatten im Angriff, Block und Feldabwehr Startprobleme. Das ist natürlich eine schlechte Mischung. Aber Japan hat eine ganz andere Spielweise als die Bulgaren und Russen, darauf mussten wir uns erst einstellen. Wir haben z.B. Blocks kassiert, weil sie klein sind und schwer zu sehen. Wir haben immer die Hoffnung aufrecht gehalten, weil wir wussten, auf unserem besten Level ist Japan schlagbar. Und zu Hause will natürlich keiner verlieren.“

Robert Kromm: „Wir haben lange gebraucht, um in das Spiel zu finden. Am Anfang hat kein Element funktioniert, wir hatten keinen Rhythmus. Den haben wir erst nach einigen guten Aktionen im dritten Satz gefunden.“

Daisuke Usami (Kapitän JPN): „Es war von beiden Teams ein tolles Spiel. Leider sind wir im dritten und vierten Satz eingebrochen.“

Tatsuya Ueta (Trainer JPN): „Die ersten beiden Sätze waren sehr gut und auch im dritten Satz ging es eng zu. Danach sind wir ein wenig eingebrochen. Wir haben heute besser gespielt als in Bulgarien und Russland, zum einen, weil wir uns akklimatisiert haben, zum anderen, weil wir jetzt mehr im Training sind.“


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