Männer-EM: DVV-Männer starten mit Niederlage – 1:3 gegen Titelverteidiger Polen

Männer-EM: DVV-Männer starten mit Niederlage – 1:3 gegen Titelverteidiger Polen Enttäuscht am Boden nach der Auftaktniederlage: Ferdinand Tille.

Die DVV-Männer sind mit einer Niederlage in die EM-Endrunde 2011 in Prag/CZE gestartet: Gegen Titelverteidiger Polen kassierte die Mannschaft von Bundestrainer Raúl Lozano ein 1:3 (19-25, 20-25, 25-22, 22-25) und steht damit vor dem zweiten Spiel gegen die Slowakei (11.9. um 15.00 Uhr, live bei Sport1) bereits unter Zugzwang. Punktbeste Spieler gegen den Weltranglisten-8. waren Robert Kromm (17), Georg Grozer und Stefan Hübner (je 15), nicht im Kader standen Sebastian Schwarz und Markus Steuerwald. Im Auftaktspiel der Gruppe D hatte zuvor die Slowakei Bulgarien überraschend 3:2 bezwungen.

Startformationen
Deutschland: Patrick Steuerwald, Jochen Schöps, Marcus Böhme, Stefan Hübner, Robert Kromm, Denis Kaliberda, Ferdinand Tille
Polen: Lukasz Zygadlo, Piotr Gruszka, Marcin Mozdonek, Piotr Nowakowski, Bartosz Kurek, Michal Kubiak, Krzystof Ignaczak

Mit viel Selbstbewusstsein nach einer langen und guten Vorbereitung gingen die DVV-Männer in die Auftaktpartie gegen Titelverteidiger Polen. Doch das spiegelte sich leider gar nicht auf dem Feld wider: Völlig gehemmt begann das deutsche Team, vor allem im Aufschlag war „tote Hose“. Im ersten Satz verschlug das Team acht (!) Aufschläge bei keinem Ass. Und da auf der anderen Seite die Polen wie entfesselt aufschlugen – allen voran Kurek – verlief der erste Satz sehr einseitig. Auch in Durchgang zwei setzte sich das ängstliche Spiel zunächst fort, ehe der eingewechselte Georg Grozer für Aufbruchstimmung sorgte: Mit druckvollem Aufschlagspiel wurde aus einem 13-22 ein 18-22, doch viel wichtiger war, „dass wir nun merkten, dass auch die Polen Probleme bekommen, wenn wir gut aufschlagen“, so Jochen Schöps. Das Aufschlagspiel der DVV-Männer stabilisierte sich im dritten Satz, zudem auch die Annahme. Und prompt lief es besser, stieg die Stimmung und die Angriffsquote (auf 59% im dritten Satz). Die Polen zeigten Wirkung, aber schlugen im vierten Satz zurück. Vor allem Kurek sorgte mit seinen Aufschlägen für mächtig Alarm im Annahmeriegel um Tille, aus einem 11-12 wurde ein 11-17. Diese wiederholte Schwächephase bedeutete letztlich die Entscheidung, auch wenn in der Folge Hübner mit fünf Blockpunkten nochmals für Hoffnung sorgte. Letztlich unterlag das deutsche Team zu Recht und ist bereits am zweiten Spieltag gegen die Slowakei unter Siegzwang. „Morgen sollten wir besser starten, die Slowaken werden „heiß“ sein“, warnt Schöps seine Kollegen.

Ausführlicher Spielbericht

1. Satz
Lozano musste seine Wunschformation umstellen, da sich Schwarz beim ersten Training den Rücken gestaucht hatte, für ihn kam Kaliberda ins Team. Der Start missglückte etwas, weil die Angriffe von Schöps zweimal einarmig (mit Können und Glück) von den Polen abgewehrt wurden (2-5). Als Kaliberda zum zweiten Mal in der Annahme der Ball durch die Finger rutschte, war der Fehlstart perfekt (3-8). Nachdem das deutsche Team durch gute Aktionen von Kaliberda und Kromm besser ins Spiel zu kommen schien (6-9), knallte ihnen Kurek zwei Aufschlag-Geschosse um die Ohren – Auszeit Deutschland (6-12). Team Deutschland versuchte, in einen Rhythmus zu kommen und die Hektik ein wenig abzulegen, doch dies gelang nur mäßig. Aufschlagfehler von Böhme, Steuerwald und Kromm unterstrichen dies (11-16). Beim 13-17 führte Lozano den Doppelwechsel mit Lukas Kampa/Georg Grozer (für Steuerwald/Schöps) durch, aber weiterhin gelang es nicht, den polnischen Annahmeriegel entscheidend unter Druck zu setzen. Zu viele Bälle trafen auch Libero Ignaczak. Kapitän Björn Andrae kam für Kaliberda, doch da betrug der Rückstand schon sieben Zähler (14-21). Auch Marcus Popp kam noch zum ersten EM-Einsatz, doch den Satzverlust konnten alle Maßnahmen nicht stoppen. Ein Fehlaufschlag von Hübner beendete den ersten Durchgang.

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Foto CEV: Kam nicht so zum Zug wie gewollt: Marcus Böhme.

2. Satz
Mit Andrae für Kaliberda und ansonsten der Aufstellung vom ersten Satz begann die DVV-Auswahl den zweiten Satz. Per Ass eröffnete Kromm den zweiten Satz, doch nach einem Block gegen Andrae hatten die Polen sich die Führung zurück geholt (4-6). Der Aufschlag blieb das entscheidende Element in dieser Partie: Während die Polen mit dem ersten Ball enormen Druck ausübten, produzierten die deutschen Spieler bis dahin zu viele Fehler. Zwei Blockpunkte gegen Kromm ließen den EM-Titelverteidiger wieder davon ziehen (6-10). Lozano nahm eine Auszeit und redete auf seine Männer ein. Doch es half nicht. Als Hübner zwei Schnellangriffe verzog, kam erneut der Doppelwechsel vom ersten Satz zum Tragen. Doch die Polen ließen sich nicht stoppen: Zuspieler Zygadlo verteilte variabel die Bälle, seine Angreifer dankten es ihm mit hohen Quoten (9-16). Erst beim 13-22 kamen erstmals konstant starke Aufschläge und prompt Punkte: Grozer servierte dreimal in Serie knallhart, die Block- und Feldabwehr griff sogleich erfolgreich zu (16-22). Nach zwei weiteren Punkten in Block (Hübner) und Abwehr (Tille) wachten die deutschen Zuschauer auf, die bis dato – wen wundert´s – nicht zu hören waren. Grozers Ass verkürzte gar auf 19-22, ehe den Polen wieder ein Zähler gelang. Die Punktchance zum weiteren Verkürzen, ließ Grozer aus, der Ball war einfach zu flach - Satzbälle Polen (20-24). Gleich den ersten verwandelte der Weltranglisten-8., Grozer trat bei seinem Hinterfeldangriff über die Linie.

3. Satz
Die Formation blieb auf dem Feld, vielleicht war ein Aufbäumen wie im Spiel zuvor bei den Bulgaren auch jetzt möglich. Erneut misslang der Start (2-5), aber Angriffe aus der Abwehr von Andrae und Grozer führten zum Ausgleich. Als Böhme ein Ass hinterher schob, gab es seit langem Mal wieder die erste Führung (6-5). Die Partie blieb nun eng, endlich schien die deutsche Mannschaft den Kampf angenommen zu haben und im Spiel angekommen zu sein. Nach einem Böhme-Block hieß es 13-11 für die DVV-Auswahl, nach einem gefühlvollen Lob des 2,11 Meter Hünen 15-12. Als Kromm von der Aufschlaglinie draufdrückte und Kampa per aggressiver Zuspielfinte erfolgreich war, sah es schon bedeutend besser aus (16-12). Anastasi versuchte den Lauf der deutschen Mannschaft zu stoppen und seinem Team neue Impulse zu geben und wechselte frische Akteure (Jarosz und Ruciak) ein. Das gelang, auch weil Kurek wieder seine Aufschläge traf (zwei Asse, 18-17). Zwei phantastische Abwehraktionen auf deutscher Seite (Andrae und Tille) sowie ein Grozer, der beim Angriff eine Etage höher ist als der polnische Block, führten zum 21-19. Nach Jarosz-Fehler heißt es gar 22-19, doch Böhme verzieht aus aussichtsreicher Position, und es steht nur noch 22-21. Dann Satzbälle Deutschland, weil Grozer aus dem Rückraum mit Gefühl den Punkt macht (24-22). Und Kurek tut Team Deutschland den Gefallen und verzieht seinen Angriff.

4. Satz
Erneut sorgten Kureks „Raktenaufschläge“ für große Unruhe auf deutscher Seite, die deutschen Annahmespieler schüttelten teilweise nur den Kopf ob der „Flatter-Geschosse“ (3-7). Doch entmutigen ließ sich die DVV-Auswahl davon nicht, nach einem guten Grozer-Aufschlag hieß es nur noch Ein-Punkt-Rückstand (8-9). Es ging hin und her: Die Polen legten mit drei Punkten vor, die Deutschen zogen nach und verkürzten bis auf einen Zähler (11-12). Dann drei deutsche Aktionen ohne erfolgreichen Abschluss – sofort war der Rückstand angewachsen (11-16). Die Phase des deutschen Teams erinnerte an den ersten Satz, nichts klappte mehr. Lozano wechselte Steuerwald für Kampa ein (11-18). Das fruchtete gleich, weil Steuerwald gut servierte und der Block mit Hübner mehrfach (4x) zupackte (16-18). Nach einem abermaligen Kurek-Wirkungstreffer betrug der Rückstand wieder vier Zähler, doch Andrae verkürzte per Netzkanten-Ass abermals (18-20). Ein weiterer Hübner-Block brachte den Anschlusspunkt (19-20), Grozer hielt den Minimal-Rückstand (21-22). Ein Missverständnis zwischen Steuerwald und dem eingewechselten Günthör führt zu Matchbällen für die Polen (21-24). Grozer wehrt den ersten ab, beim zweiten serviert Kromm zu lang.

Foto
Foto CEV: Sorgte mit seinen Aufschlägen und Angriffen für Druck ab Mitte des zweiten Satzes: Georg Grozer.

Spielfilm
1. Satz: 1-3, 2-5, 3-8, 6-9, 6-12, 9-13, 11-15, 13-17 (Grozer und Kampa für Steuerwald und Schöps), 14-20, 14-21 (Andrae für Kaliberda), 18-23, 18-24 (Popp für Kromm)
2. Satz: 4-4, 6-8, 6-10, 6-12 (Kampa/Grozer für Steuerwald/Schöps), 8-15, 11-18, 13-22, 16-22, 18-22, 20-24
3. Satz: 2-4, 6-5, 8-6, 9-9, 13-11, 15-12, 17-12, 18-16 (Popp für Kromm), 20-18 (Kromm zurück), 22-19, 22-21, 24-22
4. Satz: 3-4, 3-7, 6-9, 8-11, 11-12, 11-15 (Popp für Kromm), 11-17, 14-18, 16-18, 16-20, 17-20 (Kromm zurück), 19-20, 20-21 (Günthör für Böhme), 21-23, 22-24 (Kampa zurück),


Statistik
GER: 6 Asse, 23 Fehler / 10 Blockpunkte / 49% Angriffsquote
POL: 8 Asse, 13 Fehler / 8 Blockpunkte / 49% Angriffsquote

Stimmen zum Spiel

Raúl Lozano: „Polen hat den Sieg verdient, weil sie besser gespielt haben. Wir haben nicht auf dem Level gespielt, was wir können, natürlich lag das auch an der Stärke des Gegners, der eine gute Taktik hatte. Aber wir hatten technische Fehler auf unserer Seite und meine Spieler haben mental zunächst nicht in das Spiel gefunden. Ab Satz drei war es ein anderes Spiel, weil wir besser wurden.“

Björn Andrae: „.Wir waren viel zu nervös, haben Eigenfehler gemacht und keinen Rhythmus gefunden. Es war sicherlich nicht das beste erste Spiel einer deutschen Mannschaft. Jetzt müssen wir nach vorne schauen und die nächsten beiden Spiele gewinnen. Wir können darauf aufbauen, dass wir uns gesteigert haben, aber soche Schwächephasen können wir uns bei so einem Turnier nicht erlauben.“

Piotr Gruszka (Kapitän POL): „Es war ein hartes Spiel, und ich bin glücklich über den Sieg. Wir haben lange auf das Spiel hingearbeitet, jetzt ist das Spiel Geschichte und wir gucken voraus.“

Andrea Anastasi (Trainer POL): „Wir haben das gesamte Spiel über unsere Fehlerzahl unter Kontrolle gehalten. Vor allem im vierten Satz, als Deutschland sehr hart und konstant aufschlug, war das entscheidend.“

Jochen Schöps: „Wir sind sehr schwer ins Spiel gekommen. Speziell in der Annahme sind wir unter Druck geraten. Zudem ist es uns nicht gelungen, Druck im Aufschlag aufzubauen bzw. war der viel zu fehlerhaft. Es hat ewig gedauert, bis dann Georg im Aufschlag Gas gegeben hat und wir gesehen haben, dass auch die Polen Probleme haben. Ich bin enttäuscht über die Niederlage, das müssen wir jetzt erst verdauen. Morgen sollten wir besser starten, die Slowaken werden „heiß“ sein.“

Patrick Steuerwald: „Wir sind schwach gestartet, der Komplex Aufschlag-Annahme war nicht gut. Das wurde dann zwar besser, aber nicht gut genug. Zudem hatten wir viele unglückliche Aktionen und Abstimmungsprobleme. Am Ende gaben diese Kleinigkeiten den Ausschlag. Durch Kampf sind wir besser in das Spiel gekommen, das müssen wir morgen vom ersten Ball an schaffen. Das hatten wir uns auch heute vorgenommen, es hat aber zwei Sätze gedauert.“

Die aktuelle Tabelle der Gruppe D*
1. POL – 3 Punkte – 3:1-Sätze – 1 Spiel
2. SVK – 2 Punkte – 3:2-Sätze – 1 Spiel
3. BUL – 1 Punkt – 2:3-Sätze – 1 Spiel
4. GER – 0 Punkte – 1:3-Sätze – 1 Spiel

*für ein 3:0 oder 3:1 gibt es 3 Punkte, bei einem 3:2-Sieg gibt es 2 Punkte für den Sieger und 1 Punkt für den Verlierer

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