Grand Prix: Schlechte Generalprobe – gute Europameisterschaft? - Halbfinale das erklärte Ziel der DVV-Frauen
Hongkong – Der Auftritt der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen im World Grand Prix 2011 war mit nur zwei Siegen in neun Spielen nicht sehr erfolgreich. Allerdings muss man die Niederlagen relativieren, denn die WM-Siebten mussten in ihren drei Gruppen gegen die derzeit besten sechs Nationen in der Weltrangliste antreten: Brasilien (1:3), USA (0:3), Japan (0:3), Italien (0:3), Russland (0:3) und China (2:3). Dazu kam die Niederlage gegen Gastgeber Korea (1:3) gleich im Auftaktspiel in Pusan. Die beiden 3:0- und 3:1-Erfolge über den Weltranglisten-15. Peru waren „Pflichtsiege“, wie es Corina Ssuschke-Voigt (TREFL Sopot) ausdrückte. Keine andere Mannschaft hatte so viele Weltklasse-Gegner in ihren drei Vorrunden-Turnieren in Pusan/Korea, Quanzhou/China und Hongkong wie die deutsche.
Die Erkenntnis, die Bundestrainer Giovanni Guidetti vom Grand Prix mitnimmt: „Wir müssen konstanter werden, vor allem im Angriff. Die Mädchen müssen begreifen, dass sie nicht nur 80 sondern immer 100 Prozent bringen müssen, um solche hochklassigen Gegner wie Brasilien, Russland oder auch Italien zu schlagen.“
In drei Wochen steht die Europameisterschaft in Serbien/Belgrad und Italien/Monza (23. September bis 2. Oktober) an. Das erklärte Ziel der Mannschaft ist mindestens das Halbfinale wie vor zwei Jahren in Polen. Corina Ssuschke Voigt: „Wir spielen in Belgrad gegen Serbien, die Ukraine und Frankreich. Das wird extrem hart. Aber wir haben ja noch drei Wochen Vorbereitung vor uns, vielleicht können wir noch ein bisschen mehr aus uns herauskitzeln.“ Libero Kerstin Tzscherlich (Dresden) fügt hinzu: „Siege gegen die Ukraine und Frankreich sind Pflicht, und wenn wir gegen Serbien verlieren, kommen wir immer noch weiter. Wir können erst im Halbfinale auf Russland oder Italien treffen. Ich vermute aber, dass Italien und auch Polen bei der EM mit einer anderen Mannschaft auflaufen.“
Auch der 39-jährige Italiener in Diensten des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) gibt das Semifinale als Ziel an: „Und dann vielleicht sogar eine Medaille. Vor zwei Jahren in Polen hätten wir es fast geschafft, haben dann aber das Spiel um Platz drei gegen den Gastgeber verloren.“ Guidetti sieht einen großen Unterschied zwischen EM und Grand Prix: „Im Grand Prix ist das Niveau noch höher mit Brasilien, den USA, Japan, China. Favoriten bei der EM sind Russland, Titelverteidiger Italien, Serbien und mit Abstrichen Polen. Alle anderen Nationen sind schlechter als wir. Und meine Mannschaft kann eigentlich auch die ganz Großen schlagen, wenn wirklich alles funktioniert und zusammenpasst.“
Der Bundestrainer wird 17 Spielerinnen zum dreiwöchigen Lehrgang nach Kienbaum einladen, möchte aber schon nach einer Woche seinen Stamm von 14, maximal 15 Spielerinnen für die EM bestimmen: „Ich hoffe, dass ich schnell eine gute Entscheidung treffe.“ Und einen Trost nach dem verpatzten Grand Prix hat Giovanni Guidetti auch: „Immer, wenn wir im Grand Prix schlecht waren, haben wir danach eine gute EM oder WM gespielt...“
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(Ingeborg Kollbach)