WM 2010 (M): DVV-Männer verlieren 1:3 gegen Italien
Die DVV-Männer haben bei der WM in Italien den zweiten Sieg im zweiten Zweitrundenspiel verpasst, den Sprung in die dritte Runde aber fast sicher: In Catania unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Raúl Lozano vor 6.000 Zuschauern, darunter FIVB-Präsident Jizhong Wei, Gastgeber Italien 1:3 (25-21, 18-25, 21-25, 18-25). Der deutschen Mannschaft fehlt genau ein Ballpunkt, um das Drittrunden-Ticket für Rom sicher in den Händen zu haben. Gewinnt Puerto Rico mit 13 Zählern Unterschied gegen Italien, wäre die DVV-Auswahl ausgeschieden. Punktbeste Spieler gegen Italien waren Robert Kromm (16), Björn Andrae und Georg Grozer (11) für Deutschland sowie Simone Parodi (20) und Cristian Savani (15) für Italien. Am 3. Oktober geht es für die deutsche Mannschaft in den Drittrundenort Rom. Als Gruppensieger würden voraussichtlich die USA und Frankreich als Gegner warten, als Gruppenzweiter von Catania die Tschechische Republik und der Verlierer der Begegnung Brasilien-Bulgarien.
Stammformation Deutschland: Patrick Steuerwald, Georg Grozer, Marcus Böhme, Max Günthör, Björn Andrae, Robert Kromm, Ferdinand Tille
Startformation Italien: Valerio Vermiglio, Alessandro Fei, Luigi Mastrangelo, Emanuele Birarelli, Simone Parodi, Cristian Savani, Davide Marra
Es herrschte prächtige Stimmung im PalaCatania, denn 6.000 (vielleicht auch etwas mehr) heißblütige Sizilianer waren gekommen. Die Nationalhymne, die nach 45 Sekunden ausgeblendet wird, wurde aus ebenso vielen Kehlen bis zum Ende geschmettert...
Das deutsche Team zeigte zunächst seine Abwehr- und Angriffsstärke. Viele Bälle wurden vom Boden gekratzt, die der Betrachter eigentlich schon als "abgehakt" eingestuft hatte. Zudem präsentierten sich die langjährigen Italien-Profis Kromm und Andrae in starker Verfassung und versenkten nahezu jeden Ball im gegnerischen Feld. Dies setzte sich bis Anfang/Mitte des zweiten Satzes fort, dann erfolgte ein kleiner "Einbruch". Die Angriffsquote verschlechterte sich, die Sicherheit aus dem eigenen Angriffsaufbau ging verloren.
Im dritten Satz fing sich die deutsche Mannschaft wieder und spielte bis zur Mitte wieder stark. Dann sorgten zwei Savani-Kracher von der Grundlinie für die Wende, Grozer hatte zudem immer größere Probleme, sich gegen den italienischen Block zu behaupten. Auch Durchgang vier verlief aus deutscher Sicht ähnlich: Guter Beginn, dann aber ein (etwas größerer) Einbruch, der mehr auf eigene Unzulänglichkeiten als auf italienische Stärke zurückzuführen war. Fazit: Ein sehr starker Beginn der deutschen Mannschaft, die das Spiel selbst aus der Hand gab und am Ende völlig unnötig und viel zu hoch verlor.
Ausführlicher Spielbericht
Nervöser Spielbeginn der deutschen Mannschaft: Von den ersten vier Aufschlägen sind drei fehlerhaft. Italiens Fei macht es besser, sein druckvoller Service verursacht Probleme im deutschen Annahmeriegel - Auszeit Lozano (3-6). Kurze Zeit später gelingt dem DVV-Team der Anschluss, weil nach mehrfacher Ballrettung Andrae mit dem italienischen Block "spielt" (6-7). Dann die erste Führung: Kromm setzt einen gefühlvollen "Roller" (11-10). Team Deutschland ist nun deutlich besser in der Partie und punktet stabil aus der Annahme. Auch die Aufschläge, die stets Libero Marra anvisieren, sind nun sicherer. Nachdem der eingewechselte Dünnes seinen Aufschlag vergibt, punktet Italien zweimal in Serie, darunter ein erster Block gegen Grozer (14-16). Der Konter kommt prompt, dabei profitiert die DVV-Auswahl von zwei Angriffsfehlern der Italiener. Italiens Diagonalspieler Fei ist überhaupt noch nicht in der Partie. Die Punkte vier und fünf in Serie resultieren aus einer deutschen "Gummiwand", die alles zurück bringt, bis den Italienern ein abermaliger Fehler unterläuft. Als Kromm abermals aus der Abwehr punktet, ist der Vorsprung angewachsen (21-17). Eine sensationelle Feldabwehr von Böhme/Andrae/Steuerwald wird mit einem "Monsterblock" von Kromm gegen Fei beendet. Der wird danach gegen Lasko ausgewechselt (23-18). Kromm holt Satzbälle en masse (24-20) und versenkt höchstpersönlich den zweiten.

Foto FIVB: Robert Kromm spielte vor allem zu Beginn des Spiels sehr stark, baute dann aber wie seine Kollegen ab.
Beide Startformationen stehen auch zu Beginn des zweiten Satzes auf dem Feld, das deutsche Team führt 3-1 und macht den vierten Punkt, doch der chinesische Schiedsrichter überstimmt den italienischen Linienrichter... Als Fei abermals im Angriff patzt, wird er ausgewechselt. Die Deutschen kümmert es nicht, bis dahin zeigen sie eine bravouröse Leistung, insbesondere in der Abwehr (8-6). Nach drei italienischen Punkten in Folge nimmt Lozano eine Auszeit, Günthör egalisiert per Ass (12-12). Tischer kommt für Steuerwald, kurze Zeit später sind es erstmals drei Zähler Rückstand: Nach einem direkten Annahmefehler von Andrae folgt ein erfolgreicher Block des Gastgebers gegen Kromm (13-16). Die schmeißen sich nun erfolgreicher in die deutschen Angriffe, und nach dreifacher Ballrettung stoppt der italienische Block Grozer bei seinem dritten Angriffsversuch (15-19). Grozer ist nun etwas von der Rolle, auch wenn die Bälle, die er bekommt, nicht einfach sind (16-21). Italien profitiert von der nun deutlich höher gewordenen Fehlerquote des deutschen Teams und gleicht nach einem Aufschlagfehler von Günthör aus.
Lozano beginnt abermals mit der Anfangsformation, die nach einem ersten Block von Böhme in Führung geht (4-2). Die deutsche Mannschaft ist nun wieder präsenter, als am Ende des zweiten Satzes, dieses ist allein an der guten Abwehrarbeit zu sehen (9-7). Aus der Annahme agieren die Spieler um Kapitän Andrae sehr sicher, nur die letzte Konsequenz bei den Punktbällen verhindert, dass sich die deutsche Mannschaft weiter absetzt (15-13). Zwei Asse von Savani sorgen zur zweiten technischen Auszeit für die überraschende Führung des Gastgebers (15-16). Den DVV-Männern gelingt der Ausgleich, und Lozano wechselt wiederholt die Zuspieler, doch nach einem Doppelblock gegen Grozer ist Italien vorne (19-21). Steuerwald kehrt kurze Zeit später zurück, doch nach abermaligem Block gegen den deutschen Diagonalangreifer ist der Rückstand angewachsen (19-23). Der Satz ist "futsch", abermals völlig unnötig, denn nicht aufgrund italienischer Stärke, sondern Eigenfehler auf deutscher Seite.

Foto FIVB: Der deutsche Block war am Ende nicht gut genug, um die italienischen Angreifer zu stoppen.
Abermals beginnt die Startformation, die abermals zu Beginn gut spielt. Auch wenn es bisweilen etwas hektisch zugeht. Steuerwald setzt nun deutliche mehr die Mitte ein, vor allem Böhme vollendet sicher (7-7). Steuerwald glich den zwischenzeitlichen Rückstand mit einem Netzkanten-Ass aus (10-10), dann war wieder Italien am "Drücker" und sorgte für eine 1:6-Serie und den hohen Rückstand (11-16). Tischer/Schöps kommen aufs Feld, um den hohen Rückstand zu verkürzen und auch "Schadensbegrenzung" zu betreiben, denn wenn das DVV-Team 19 Zähler macht, ist der Einzug in die nächste Runde sicher. Aber das Team spielt schwach in dieser Phase und macht Fehler um Fehler. Die Italiener müssen nur den Ball über das Netz spielen, den Fehler macht das das deutsche Team ohne Not. Symptomatisch, Schöps vergibt per Aufschlag, und es sind nur 18 Punkte. Mit ganz viel Pech und Rechenschieberei kann die deutsche Mannschaft noch die dritte Runde verpassen.
Spielfilm
1. Satz: 3-3, 3-6, 6-7, 8-8, 10-10, 14-13 (Dünnes für Böhme), 14-16, 17-16, 19-16, 21-17, 23-18, 24-20 (Tischer für Steuerwald)
2. Satz: 3-3, 7-5, 8-9, 9-11, 12-12 (Ass Günthör), 13-14 (Tischer für Steuerwald), 13-16, 14-17 (Kaliberda für Kromm), 15-17 (Dünnes für Böhme), 15-19, 16-21 (Schwarz für Andrae), 17-23 (Kromm zurück)
3. Satz: 4-2 (Block Böhme), 5-5, 9-7, 12-10, 14-12, 15-16, 18-18 (Tischer für Schöps), 19-20 (Kaliberda für Kromm), 19-21, 20-23,
4. Satz: 2-4, 5-5, 8-10, 10-10 (Ass Steuerwald), 11-12 (Schwarz für Andrae), 11-15, 13-17 (Schöps für Grozer, Tischer für Steuerwald), 15-19, 15-20 (Kaliberda für Kromm), 15-22, 17-24
Stimmen zum Spiel
Raúl Lozano: "Zu Beginn haben wir gut gespielt, wir standen kompakt. Als Italien gewechselt hat, drehte sich das Spiel Mitte des zweiten Satzes. Zudem machten wir dann zu viele Fehler."
Björn Andrae: "Wir hatten es in der Hand. Wir haben gut aufgeschlagen und druckvoll gespielt. Ich bin enttäuscht, weil wir aus unerklärlichen Gründen das Spiel aus der Hand gegeben haben. So darf man sich nicht abfertigen lassen."
Patrick Steuerwald: "Wir haben sie aufgebaut. Wir hatten sie im ersten Satz im Griff und auch im zweiten Satz."
Max Günthör: "Wir haben einen guten ersten Satz gespielt, genauso wie wir ihn uns vorgenommen hatten. Bis zum 16-16 im zweiten Satz spielen wir guten Volleyball, dann kriegen wir zwei, drei Punkte und fallen in ein Loch. In den Sätzen drei und vier war es ein déja vu."
Valerio Vermiglio (Kapitän ITA): “Das Spiel war stressig. Wir begannen nervös und uns unterliefen viele Fehler. Danach waren wir konzentrierter und haben besser als Team gespielt."
Andrea Anastasi (Trainer ITA): “Wir haben zunächst zu viele Fehler gemacht, doch im Spielverlauf haben wir das abgestellt und unsere Konzentration gefunden. Danach waren wir im Spiel und bekamen es unter Kontrolle."