WM 2010 (F): Kluge Regie im DVV-Team – „So stabil noch nie gesehen“

WM 2010 (F): Kluge Regie im DVV-Team – „So stabil noch nie gesehen“ Hoch konzentriert bei der Arbeit: Kathleen Weiß (links) und Christiane Fürst im Spiel gegen Kasachstan.

Sie ist nach der WM-Vorrunde die Nummer 60 im Block (bereits 6 Blockpunkte), die Nummer 14 im Aufschlag (bereits fünf Asse) und – das wichtigste – die Nummer drei im Zuspiel: Keine Frage, Kathleen Weiß hat in der WM-Vorrunde nicht nur überzeugt, sondern ihr mittlerweile hohes Niveau konstant abgerufen und teilweise brilliert.

Die deutsche Nummer eins auf der Zuspielposition absolviert vielleicht ihr bislang bestes Jahr in ihrer Karriere: Beim italienischen Klub Perugia erkämpfte sie sich in der vergangenen Saison einen Stammplatz und wurde somit auch interessant für andere ausländische Klubs. 2010/11 wird sie die erste deutsche Spielerin sein, die in Aserbaidschan Volleyball spielt: „Ich wäre sehr gerne in Italien geblieben, aber nur zu guten Bedingungen. Ich wollte nicht gegen den Abstieg spielen, und ich muss auch auf das Finanzielle achten, da ich nicht ewig Volleyball spielen kann. Da kam das Angebot aus Baku. Anfänglich war ich sehr skeptisch, dann habe ich gehört, dass auch andere ausländische Spielerinnen dahin gehen (u.a. Blom/NED, Lehtonen/FIN, die schon in Perugia ihre Mitspielerin war, Haneef/USA), insgesamt stehen zehn Ausländerinnen im Kader, d.h. es ist in meinen Augen ein nicht so großes Risiko, zumal die Saison nur fünf Monate dauert“, äußert sich Weiß zu ihrer Entscheidung pro Igtisadchi Baku. Dass sie weiter im Ausland die Bälle verteilt, war für sie klar: „Dass ich erfahrener als früher bin und weiß, wann ich wo die Bälle hinspielen muss, das hat definitiv auch mit den Auslands-Aufenthalten zu tun. Ganz besonders das letzte Jahr in Italien, wo man an jedem Wochenende ein Spiel auf hohem Niveau hat. Man ist immer gefordert, sonst verliert man oder steht nicht auf dem Feld.“

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Foto FIVB: "Herzstück" der DVV-Auswahl - Kathleen Weiß (2).

Ähnlich sieht das Bundestrainer Giovanni Guidetti, der die Entwicklung von Weiß kennt und lobt: „Kathleen hat ja schon vor vier Jahren die WM hier mitgemacht. Damals war auch Tanja Hart im Kader, aber Kathleen hat damals schon die meisten Spielanteile bekommen. In der Zeit danach, hat sie sich bemerkenswert entwickelt. Ich denke, dafür gibt es ein paar Gründe. Zum einen ist sie zu einigen Vereinen ins Ausland gewechselt und hat in Holland (Amstelveen) und Italien (Perugia) wertvolle Erfahrung gesammelt. Der andere Grund für Kathleens tolle Entwicklung ist aber auch, dass sie jeden Sommer in der Nationalmannschaft sehr viel und hart weiter an sich gearbeitet hat. So hat sie sich insgesamt Schritt für Schritt verbessert.“

So, wie das deutsche Team bei der WM, das wohl gegen die USA (trotz Niederlage) und Thailand seine besten Partien in der Vorrunde bot. „Wir haben bislang sehr gut gespielt. Schade, dass wir die ersten zwei Sätze gegen die Amerikanerinnen verloren haben. Wenn wir einen davon gewinnen, hätten wir auch das Spiel gewinnen können. Gegen Thailand haben wir alles perfekt umgesetzt“, meint Weiß. Wie immer im Volleyball lastet dabei eine enorme Verantwortung auf den Schultern der Ballverteilerin, die in der Regel an jedem Spielzug beteiligt ist und diesen initiiert. Die Schultern sind bei Weiß bei einer Körpergröße von 1,71 Meter nicht sehr breit, dafür sind ihre „Werkzeuge“, die Finger, in den Jahren umso besser geworden. Schnellangreiferin Corina Ssuschke weiß die Pässe ihrer Mitspielerin zu schätzen: „Kathleen spielt bisher sehr gut, so stabil hab ich sie bisher noch nie gesehen. Sie hält sich gut an die Taktik von Giovanni, sie überblickt das Spiel und spielt oft auf einen Einerblock, was uns Angreifer natürlich sehr glücklich macht.“

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Foto FIVB: Bislang hatte Kathleen Weiß bei der WM allen Grund zum Jubeln.

Glücklich ist bislang auch Guidetti, der die Leistungen seiner Zuspielerin in den höchsten Tönen preist: „Für mich ist sie bislang eine der drei, vier besten Zuspielerinnen bei dieser WM. Ihre Stärken sind die klare Taktikplanung während des Matches, dass sie genau weiß, welche Spielerin sie wann und wie einsetzen muss, und zudem führt sie das Team insgesamt sehr effektiv auf dem Court. Sie hat das Gefühl entwickelt Situationen blitzschnell zu erfassen und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen. Natürlich kommt dann auch das steigende Selbstbewusstsein hinzu, was die gute Leistung noch mal verstärkt. All diesen Faktoren machen sie und damit uns bis jetzt so stark.“ Doch Guidetti wäre nicht ein guter Trainer, wenn er nicht noch Potenzial und Verbesserungsmöglichkeiten sähe: „Natürlich gibt es, wie bei jeder anderen Spielerin auch, noch Dinge, die man verbessern kann. Kathleen könnte noch etwas präziser im Blockspiel sein. Aber das hat sie in den letzten Jahren auch schon sehr verbessert und wir arbeiten weiter daran, diesen Bereich weiter zu optimieren.“

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Foto FIVB: Auch im Block (hier mit Corina Ssuschke) hat Weiß Fortschritte gemacht.

Die Erfolgsgeschichte soll natürlich auch in der zweiten Runde (und hoffentlich darüber hinaus) fortgeschrieben werden. Bei den kommenden Gegnern - Italien, Tschechische Republik, Brasilien und die Niederlande - hält es Weiß wie einst Sepp Herberger: „Wir werden von Spiel zu Spiel denken und müssen da weiter machen, wo wir in Matsumoto aufgehört haben.“ Dass die Erfolge bei der Grand Prix Qualifikation in Cagliari/ITA, u.a. Siege gegen Italien und die Niederlande, unmittelbar vor der WM sowie die starke WM-Vorrunde gut für das Selbstvertrauen waren, daran gibt es keinen Zweifel, wie die Aussagen der 26-jährigen Weiß verdeutlichen: „Mit unserer Leistung können wir gegen jeden Gegner gewinnen. Und am Ende schauen wir, was dabei rauskommt.“

Kathleen Weiß im Portrait

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