WM 2010 (F): Japan - Gastgeber und Geheimfavorit
Das die WM im eigenen Land für die Japaner etwas ganz besonderes ist, wird sehr schnell deutlich, wenn man im Land der aufgehenden Sonne angekommen ist. Gerade in Tokio wird man überall auf das Volleyball-Highlight hingewiesen. Im Fernsehen laufen zudem WM-Trailer, in einem Programm sogar in einer Endlosschleife, nur unterbrochen von unterschiedlichen Interviews und Spielszenen der japanischen Frauen-Nationalmannschaft. Zudem gibt es lange TV-Berichte wo Spielerinnen und Trainer intensiv portraitiert werden. Volleyball hat in Japan eben einen sehr hohen Stellenwert und die Aktiven sind in ihrer Heimat wahre Stars.
Japan ist im WM-Fieber und die Hoffnungen sind groß, auch wenn sie nicht so direkt formuliert werden, dass das heimische Team am Ende eine Medaille gewinnen kann. Dieses Ziel, ein Mix aus Wunsch und Erwartung, ist auch nicht ganz unbegründet. Seit Jahren wird von der japanischen Regierung, die den Spitzensport generell sehr stark unterstützt, und dem japanischen Volleyball-Verband eine optimale Grundlage geschaffen, damit das eigene Team Erfolge erzielen kann. Zum einen werden jedes Jahr Spitzen-Events nach Japan geholt, bei denen sich die japanischen Frauen mit den weltbesten Teams messen können. 2006 fand die WM schon mal in Japan statt, dazu wurden jedes Jahr Grand Prix-Vorrundenturniere oder sogar das Finale in Japan ausgetragen.
Aber auch im Trainingsbetrieb fehlt es dem japanischen Team an nichts. Nahezu das ganze Jahr trainiert das Team von Chef-Coach Masayoshi Manabe in seiner eigenen Halle im ‚National Trainings Center’ des Japanischen Olympischen Komitee. In dieser Halle ist alles vorhanden, was man für ein Training auf höchstem Niveau benötigt. Zwei Volleyballfelder mit jeweils einer großen Freizone, Taraflex-Böden, drei Ballmaschinen, unzählige Bälle und Ballwagen, zwei angeschlossenen Lagern voll mit allem erdenklichen Trainings- und Volleyballequipment sowie einer technischen Ausstattung, die seinesgleichen sucht. In der Halle sind neun hochauflösende Kameras installiert, die jede Szene im Training aus den unterschiedlichsten Perspektiven aufzeichnen können. Dazu gibt es drei Beamer und Videowände, so dass man im Training Szenen sofort zeigen und analysieren kann. Neben dem Büro, was sich ebenfalls an die Halle anschließt, ist ein großer Serverraum, auf dem alles Trainingsbilder und -Daten gespeichert werden. Auch der Betreuerstab der japanischen Frauen lässt keine Wünsche offen. Bei den Übungseinheiten sind nicht selten weniger als 15 Trainer und Betreuer vor Ort und unterstützen das Team im gesamten Trainingsbetrieb.
Aber nicht nur wegen der großen finanziellen Mittel, die rund um das japanische Frauen-Team investiert werden sind die Erwartungen auf eine WM-Medaille im eigenen Land hoch. Auch sportlich hat das Team in diesem Jahr einige Ergebnisse erzielt, welche die Erwartungen auf einen großen Erfolg weiter steigen lassen. So erreichte das Team von Coach Masayoshi Manabe beim Grand Prix in diesem Jahr zwar ‚nur’ den fünften Platz im Endklassement, aber während des gesamten Wettbewerbs gelangen den Japanerinnen unter anderem Siege gegen Olympiasieger Brasilien, Europameister Italien, Polen und auch das deutsche Team. Die Japanerinnen bewiesen damit eindrucksvoll, dass sie in Bestform jedes Team schlagen können und damit zumindest eine Geheimfavoritenrolle bei der anstehenden WM einnehmen werden.