Weltmeister-Block(g): Wenn´s nicht läuft...

Weltmeister-Block(g): Wenn´s nicht läuft... Immer viel trinken, Jonas Reckermann, damit es auch ordentlich läuft...

Hallo, liebe Freunde des sauberen Sports!

7 Grad, nass-kaltes Wetter und in Köln führt man Grundsatzdiskussionen über den FC - richtig, es ist November! Ebenfalls nicht untypisch für diese Jahreszeit: Erkältung! Auch mich hat es leider erwischt, nachdem ich beim letzten Stadionbesuch gegen Gladbach nicht nur bereits vor dem Anstoß wegen falsch gewähltem Verkehrsmittel klatschnass eintraf und dann auch noch nach wenig erwärmenden 90 Minuten als begossener Pudel nach Hause kam.

Das beste Mittel gegen grippale Infekte heißt immer noch "Ausschlafen", und das wollte ich in der letzten Nacht mal so richtig! Blöd nur, wenn es dann um 6 Uhr morgens an der Tür klingelt, der Puls innerhalb von zwei Zehntelsekunden von 40 auf 160 hochschnellt, und man hektisch den Wecker kontrolliert, ob man etwa verschlafen hat. Nachdem Letzteres ausgeschlossen werden konnte, senkt sich der Puls auf bescheidene 150 Schläge in der Minute, und es kommt die Frage auf, wer um alles in der Welt am Wochenende (!) um diese Uhrzeit einen unbedingt sehen möchte!? Im Prinzip kommen für solche Dinge nur zwei Personengruppen in Frage: Betrunkene Ex-Freunde (Frauen machen so etwas ja nicht, oder...?) und Doping-Kontrolleure. Nun passt der erste Vorschlag nicht unbedingt zu meiner sexuellen Orientierung, während der zweite zwar für 99 % der Gesamtbevölkerung kaum in Frage kommt, bei mir jedoch durchaus möglich ist. Noch während ich mir überlege, ob auch noch eine dritte Variante denkbar sei (Neue GEZ-Masche? Zeugen Jehovas auf Speed?), meldet sich schon eine freundliche, aber verbindliche Stimme aus dem Hörer: "Guten Morgen, Dopingkontrolleur XY von der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur)!" Ich drücke den Türöffner und hoffe noch, dass die Sprechverbindung meinen gepressten Fluch nicht mehr übermittelt hat.

Die folgende Situation ist zumindest für einige Nicht-Sportler vielleicht doch nicht ganz unbekannt und mit einem Frühstück nach einem feucht-fröhlichen Abend vergleichbar: Man sitzt morgens auf einmal einer wildfremden Person gegenüber, und eigentlich hat kein Beteiligter gerade so richtig Lust auf dieses Treffen. Für den einen ist es eine Pflichtaufgabe, und der andere würde am liebsten gerade weiterhin im Bett liegen und sich fit schlafen. Stattdessen versucht man sich mit der Situation zu arrangieren, stellt Höflichkeitsfragen und hofft, dass es schnell vorbei ist.

In meinem Falle hat der Kontrolleur gleich nach dem Hinsetzen mit einem Seufzer den Satz von sich gegeben "Zumindest ist um diese Uhrzeit gesichert, dass die Leute immer direkt Wasserlassen können!". Ich kann mir daraufhin nur schwer ein gequältes Grinsen verkneifen aber woher soll der gute Mann auch wissen, dass er einen potenziellen Granufink-Patienten gähnend vor sich sitzen hat, der so ziemlich jede Nacht pünktlich gegen 5 Uhr aufs Örtchen geht und sich erleichtern muss!?

Wider besseren Wissens gebe ich der Situation die Chance, nur eine 15-Minuten-Einlage zu sein und gehe mit dem Kontrolleur auf die Toilette, nachdem in den Kontrollbogen alle erforderliche Daten (unter anderem ca. 10 Erkältungsmittel aus der Hausapotheke...) eingetragen wurden. Das einzig Gute an der frühen Stunde ist die Tatsache, dass es einem etwas weniger ausmacht, wenn man von fremden Personen bei in der Kniekehle schlackernden Hosen beim Pinkelversuch ganz genau (!) beobachtet wird. Aber auch das leicht narkotische Gefühl am frühen Morgen hilft nicht über die Tatsache hinweg, dass aus leerer Blase nichts herauskommt und man die leicht unwürdige Situation nach 2 Minuten Pressen und 4 Stoßgebeten unverrichteter Dinge wieder abbrechen muss. Also geht es wieder zurück an den Küchentisch, mit wehmütigem Blick an der Schlafzimmertür vorbei hinter der die Freundin hoffentlich zumindest ihren Puls wieder aufs Schlafen ermöglichende Werte senken konnte. Weiter geht es also mit der etwas kargen Kommunikation, immer auf der Suche nach dem Mittelweg zwar nicht unhöflich zu sein, aber andererseits das Sprach- und jedes weitere Zentrum nur soviel zu aktivieren, dass noch mal an Weiterschlafen zu denken ist.

Ein Liter Mineralwasser später wage ich den nächsten Versuch und endlich: kurz nach dem Öffnen des Wasserhahns und intensivem Vorstellen von Yosemite-Wasserfällen sind die benötigten Milliliter im Behältnis und alle Beteiligten froh, dass das Schwierigste vollbracht ist. Der Rest ist Routine, ich wünsche dem Kontrolleur noch eine gute Nacht - äh - Tag und trolle mich dann schnell zurück ins Bett. Bereits nach wenigen Minuten merke ich jedoch, dass die Hoffnung auf weiteren Schlaf ungefähr die gleichen Erfolgsaussichten besitzt wie die Aussicht auf weiße Weihnachten in Köln. Somit beschließe ich, meine Zeit sinnvoller zu nutzen als im waagerechten Wachzustand, setze mich statt dessen lieber wieder an den Küchentisch und verarbeite die Geschehnisse des noch jungen Tages in einem neuen Blogbeitrag...

Euer Jonas