Interview der Woche: Raimund Wenning: "Wir hoffen, uns über das Olympia-Ranking direkt zu qualifizieren“
Der Volleyball-Weltverband FIVB hat ein neues Qualifikationssystem im Beach-Volleyball für die Olympischen Spiele entwickelt. Demnach ist nicht nur die Weltrangliste ausschlaggebend, sondern auch ein neu eingeführtes Qualifikationssystem, welches über drei Jahre (2010 bis 2012) läuft. Neu ist auch, dass sich die Teams nicht direkt für London 2012 qualifizieren können, sie sichern dem nationalen Verband den Startplatz. DVV-Beach-Koordinator Raimund Wenning äußert sich zu den Veränderungen, Auswirkungen und Reaktionen.
Hand aufs Herz! Haben Sie, als Beach-Volleyball Koordinator, beim ersten Studieren die neuen Qualifikationskriterien verstanden?
Wenning: „Auf den ersten Blick ist dieses System schwer zu verstehen, da braucht es schon ein wenig mehr Hingabe. Es ist ein völlig neuer Qualifikations-Modus mit einem mehrschichtigen Turnier-System auf kontinentaler und einem finalen Endturnier auf Weltebene, welcher immer wieder neue Fragen aufwirft, die dann nach und nach geklärt werden können.“
Können Sie in wenigen Worten die neue Qualifikation zusammenfassen?
Wenning: „16 Startplätze über Olympia Ranking (modifizierte Weltrangliste), 1 Platz für die ausrichtende Nation, 5 Plätze über einen Ländervergleich beim CEV Continental Beach Cup 2012 (mit den vorgeschalteten Qualifikationsturnieren „Sub Zonal Phase“ 2010 und „Zonal Phase“ 2011), 2 Plätze über einen Ländervergleich bei der FIVB World Cup Qualifikation 2012 = 24 Startplätze bei den Olympischen Spielen London 2012.
Vergeben werden die Startplätze neuerdings über die nationalen Verbände, nach wie vor begrenzt auf maximal 2 Teams pro Geschlecht.“
Kennen Sie die Gründe, warum das Qualifikationssystem – bislang war die Weltrangliste entscheidend – überhaupt geändert wurde?
Wenning: „Der Modus gibt zum einen allen Nationen die Möglichkeit, an der Qualifikation zu den Olympischen Spielen teilzunehmen und sich über die kontinentalen Meisterschaften zu qualifizieren, zum anderen schafft er zusätzliche Highlights: 5 kontinentale Meisterschaften, eine World Cup Qualifikation und ein World Cup Finale (für die Gewinner der kontinentalen Meisterschaften). Der sportliche Aspekt, sofern wir nicht bereits mit je zwei Teams über das Olympia Ranking qualifiziert sind, steht natürlich im Vordergrund, aber darüber hinaus geht es natürlich auch um zusätzliche Titel und Preisgelder.“
Wie war die Reaktion der Teams und Spieler, die es ja vor allem betrifft?
Wenning: „Für unsere Athleten ist eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen natürlich das oberste Ziel, daher haben sich die meisten Athleten dem Studium des neuen Modus bereits hingegeben. Wir haben bereits erste Rückmeldungen der Nationalteams und sind auch im Leitungsstab Beach-Volleyball schon in der Diskussion. Grundsätzlich sind wir sehr gespannt auf die Umsetzung und hoffen natürlich alle, dass wir uns bereits über das Olympia Ranking unsere Tickets für London sichern können, die Bestätigung haben wir allerdings erst am 17. Juni 2012. Daher müssen wir vorab insbesondere die Fragen klären, wer für welche Phasen des Turnier-Systems nominiert wird und wie wir die Vergabe der Startplätze für die Olympischen Spiele unter Berücksichtigung aller Eventualitäten (z.B. kurzfristigen Verletzungen) sinnvoll gestalten und möglichst früh und transparent kommunizieren können.“

Foto SAE: Seit 2008 ist Raimund Wenning Beach-Koordinator des DVV.
Wie wird der DVV die Qualifikation auf europäischer Ebene bestreiten? Ist schon klar, welche Teams Deutschland vertreten werden?
Wenning: „Seit der Auslosung am 12. Juni wissen wir, dass wir uns in der „Sub Zonal Phase“ 2010 mit Norwegen, Slovenien (Ausrichter) und Portugal messen werden.
Hier kommt es dann also erstmals zu diesem so genannten Ländervergleich, bei dem wir in der 1. Runde (Halbfinale) vermutlich gegen Portugal mit jeweils 2 Teams pro Geschlecht antreten werden. Da jeder gegen jeden spielt, kommt es bei einem 2:2 Unentschieden nach derzeitiger Info zu einem Entscheidungssatz (ggf. Entscheidungsspiel); Damen und Herren spielen unabhängig voneinander. Die Gewinner spielen noch das Finale gegeneinander, sind aber bereits für die nächste „Zonal Phase“ 2011 qualifiziert.
Der Termin für diese erste "Sub Zonal Phase" 2010 (verm. Anfang September) und ob in der ersten Phase schon unsere Nationalteams antreten werden, steht derzeit noch nicht fest.“