Interview der Woche: Dieter Theis: „Die Trainerausbildung im DVV hat Qualität“

Interview der Woche: Dieter Theis: „Die Trainerausbildung im DVV hat Qualität“ Auch Männer-Bundestrainer Raúl Lozano hielt im Rahmen der diesjährigen A-Trainer Fortbildung bereits einen Vortrag.

Dieter Theis ist seit 2008 Lehrwart des Deutschen Volleyball-Verbandes. Der 60-jährige Münsteraner ist somit „oberster Herr“ für u.a. die Ausbildung und Prüfung von Trainern aller Lizenzen, die Zusammenarbeit mit der Trainerakademie in Köln sowie Publikationen für die Aus- und Fortbildung. Im „Interview der Woche“ zeigt sich Theis zufrieden mit der Qualität der jungen deutschen Trainergilde, mahnt aber auch Verbesserungen an.

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Foto: Dieter Theis

Herr Theis, wenn allgemein von der Trainerausbildung in Deutschland gesprochen wird, hat dies immer einen negativen Beigeschmack. Viele Äußerungen gehen in die Richtung, „die Ausbildung ist antiquiert“, „die Qualität nicht hoch“. Was sagen Sie dazu?
Theis: „Das akzeptiere ich so als Äußerung schon lange nicht mehr. Hier wird eine Einzelmeinung wiedergegeben, die in keinster Weise die professionelle Ausbildungsstruktur und Arbeit des DVV-Lehrausschusses wiedergibt. Unsere Referenten haben nachweisbar hohes Niveau. Wo wir besser werden müssen, ist im Bereich der Organisation. Dahin gehen die angesprochenen Kritiken.“

Wie kommt es, dass es diese Stimmen gibt?
Theis: „Sie können es beispielsweise im Bereich der Fortbildung nicht jedem Trainer mit dem ausgewählten Thema bei den unterschiedlichen aktuellen Themenschwerpunkten, mit denen die einzelnen Trainer zur Fortbildung anreisen, recht machen.“ Unsere Ausbildung und die der Landesverbände lehnt sich an die Vorgaben des DOSB an, und ich verwehre mich entschieden gegen negative Darstellungen. Ich bin für jede Anregung offen. Bei mir sind, von Trainerseite, keine Verbesserungsvorschläge im Inhaltlichen eingegangen, an der Verbesserung der Organisation werden wir arbeiten.“

Könnte man auch mit dem Argument dagegen halten, jetzt konkret auf den Volleyball bezogen, dass u.a. mit Michael Warm (Rumänien), Felix Koslowski (Italien) oder Dirk Groß (Schweiz) junge deutsche Trainer im Ausland durchaus gefragt sind?
Theis: „Wir müssen nicht dagegen halten. Die von Ihnen benannten Trainerkollegen haben zuallererst einmal eine Ausbildung durch Referenten des DVV erfahren. Sie haben dann in einem Bundesligaverein gearbeitet, waren bei der Nationalmannschaft im Einsatz und sind dann ins Ausland gegangen. Ein eindeutiges Indiz für die Qualität der Ausbildung im DVV. Im Übrigen ist der Trainerstab der aktuellen Beach-Weltmeister Brink/Reckermann mit deutschen Trainern besetzt, die auch teilweise dem Referentenstab des Lehrausschusses angehören.“

Würden Sie jungen Trainern raten, auch ins Ausland zu gehen, wenn sich die Chance bietet?
Theis: „Nicht zwingend. Ich bin überzeugt, dass der oben aufgezeigte Weg der wohl richtige ist, eine schlaue Weiterbildung als Trainer in Deutschland zu starten. So weit ich weiß, wird der Dresdener SC von einem von uns ausgebildeten Trainer betreut. Die momentanen Erfolge der Dresdener sprechen für diesen Weg.“

Dennoch ist stets etwas zu verbessern! Was unternimmt der Lehrausschuss des DVV, um die Ausbildung weiter voran zu bringen?
Theis: „Wir müssen im Bereich der Referentensuche unseren Stab erweitern. Jüngere Trainerkollegen in die Ausbildung mit einbeziehen und so behutsam - mit der Erfahrung der anderen, etwas älteren Lehrausschuss-Mitglieder - uns einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess stellen.“

Einer, der den Sprung aus der Praxis in den Trainerbereich geschafft hat, ist Jörg Ahmann. Der Beach-Nationaltrainer schloss jetzt die Diplom-Trainerausbildung als Lehrgangsbester mit der Note 1,1 ab. Ist da auch der Lehrwart etwas stolz?
Theis: „Grundsätzlich ist dies erst einmal die Leistung von Jörg Ahmann. Ich war bei der Verleihung dabei und konnte ihm sofort im Nahmen des DVV gratulieren. Jörg ist aber schon lange A-Trainer des DVV, Mitglied im Lehrausschuss des DVV und dort verantwortlich für die Trainer-Ausbildung im Bereich Beach. Er ist zudem seit letztem Jahr der erste A.-Trainer des DVV im Bereich Beach und der Lehrausschuss gratuliert ihm zu seinem Diplom.“

Was zeichnet einen Trainer wie Ahmann aus?
Theis: „Selbst erarbeitetes Basiswissen, hohe sportliche und soziale Kompetenz und Akzeptanz bei den Athleten sowie seine sportlichen Erfolge als Spieler aber auch als Trainer.“

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Foto Tom Schulte: Der Dresdner Trainer Alexander Waibl ist laut Theis ein Paradebeispiel dafür, dass es um die Ausbildung nicht so schlecht stehen kann.

Auf dem Hauptausschuss in Trier hatte der ehemalige Team-Psychologe der DVV-Männer, Wolfgang Klöckner, einen interessanten Beitrag über die Aus- und Fortbildung der Trainer gehalten. Ein Hauptpunkt: Man muss von den Besten, namentlich wurden Stelian Moculescu oder Raúl Lozano genannt, lernen. Wie sehen Sie das?
Theis: „Wir haben immer versucht, das Wissen der Besten in unsere Ausbildung mit einzubeziehen. Unabhängig davon hat der Lehrausschuss des DVV eine eigene Vorstellung davon, wie Aus- und Fortbildung gelehrt und vermittelt werden soll. Was machen Sie, wenn die oben zitierten Besten nicht mehr da sind? Gibt es dann neue Beste? Stellen wir dann alles wieder in Frage? Lehre ist ein dynamisches Geschäft. Ich glaube, es verdient auch eine dementsprechende Berücksichtigung im hauptamtlichen Bereich. Die Landesverbände sind hier schon weiter als der DVV. Leider hatte ich bis dato nicht die Möglichkeit, mit Herrn Klöckner ein Gespräch zu führen.“

Gibt es Chancen, diese Weltklassetrainer in die Aus- oder/und Fortbildung einzubeziehen?
Theis: „Wir haben es in Halle beim Pokalfinale mit Raúl Lozano bereits durchgeführt. Er hat sich den durchaus kritischen Trainern in der Diskussion gestellt. Dies ist einer der Wege, auf dem wir uns weiterentwickeln müssen.“

Alle zwei Jahre müssen A-Trainer Fortbildungen machen. Diese wurden und werden stets an sportliche Höhepunkte wie Pokalfinale, World League oder Beach-DM/-EM gekoppelt. Ein bewährtes Rezept?
Theis: „Wir müssen zwar Fortbildungen machen, es ist aber kein Zwang für uns. Der Austausch unter den Trainerkollegen bei diesen Fortbildungen hat einen hohen Stellenwert und die A-Trainer des DVV sind eine starke, nicht zu unterschätzende Gemeinschaft. Events zur Ausbildung zu benutzen, ist eine eindeutige Forderung aus dem Trainerbereich, der wir - soweit möglich - auch nachkommen wollen.“

Der DVV-Lehrausschuss hat gemeinsam mit dem Philippka-Sportverlag eine neue Broschürenreihe „volleyballtraining kompakt“ heraus gegeben. Was und wen wollen Sie damit erreichen?
Theis: „Wir wollen praxisorientierte und im Trainingsbetrieb gut einsetzbares Material den interessierten Trainern an die Hand geben. Gleichzeitig versuchen wir, auch im theoretischen Bereich das nötige Wissen für die komplexen Zusammenhänge des Trainings darzustellen. Michael Warm ist einer unserer Referenten, den wir in diesem Bereich unterstützen wollen. “

Und wie sieht es mit elektronischem Lehrmaterial aus?
Theis: „Hier stößt der Lehrausschuss des DVV zur Zeit noch an Grenzen. Wir sind im Ehrenamt tätig. Wer hier Projekte starten will, sollte dies tunlichst berücksichtigen. Die Erledigung des Tagesgeschäftes lässt wenig Zeit für die Diskussion konzeptioneller Prozesse. Die Forderungen des DOSB für einheitliche Strukturen in der Lehre fordern uns zudem stark im verwaltungstechnischen Bereich. Wer einhundert Prozent an Qualität fordert, sollte auch einhundert Prozent einsetzen. Nicht weniger. Ein Appell an das Hauptamt in der Lehre.“

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