DVV-Männer: Trotz Leistungssteigerung erneut verloren
Auch in der zweiten Partie gegen den Weltranglisten-Zweiten Russland musste sich die deutsche Mannschaft geschlagen geben: Einen Tag nach dem deftigen 0:3 in Nordhausen, verlor die Mannschaft von Bundestrainer Raùl Lozano vor 2.355 Zuschauern in Dessau zwar 1:3 (25-18, 20-25, 22-25, 14-25), zeigte aber eine wesentlich bessere Partie. Punktbeste Spieler waren Georg Grozer (25) und Robert Kromm (11) für Deutschland sowie Dmitriy Muserskiy (15) und Maxim Mikhaylov (11) für Russland. Die ARD-Sportschau (ab 18.10 Uhr) zeigt einen längeren Bericht von der Partie in Dessau. Als weitere WM-Vorbereitung absolviert die deutsche Mannschaft noch Spiele in Italien (10./12. September) und gegen Weltmeister Brasilien (17./19./21. September).
Startformation Deutschland: Simon Tischer, Georg Grozer, Marcus Böhme, Max Günthör, Robert Kromm, Sebastian Schwarz, Ferdinand Tille
Startformation Russland: Sergey Grankin, Maxim Mikhaylov, Evgeny Sivozhelez, Taras Khtey, Dmitriy Muserskiy, Anton Astahenkov, Alexey Verbov
Beide Teams hatten im Vergleich zum Vortag zwei Veränderungen in der Startformation: Im deutschen Team standen mit Robert Kromm (für Björn Andrae) und Simon Tischer (für Manuel Rieke) ein Außenangreifer und Zuspieler neu im Team, bei den Russen gab es Wechsel im Außen- und Mittelangriff. Für Tischer war es nach seiner Daumenverletzung und einer Rückenblockade der erste Einsatz im National-Dress in diesem Jahr. Und der deutsche Zuspieler zeigte sich in guter Verfassung, fand vor allem mit seinen Außenangreifern Grozer, Kromm und Schwarz eine gute Abstimmung. Die Folge: Die russische Block- und Feldabwehr kam längst nicht so gut zur Geltung wie am Vortag, erst im zweiten Satz gelang den russischen „Riesen“ der erste Blockpunkt.
Die Russen zeigten nach dem Satzverlust jedoch ihre Klasse und Breite ihres Kaders, denn Gäste-Trainer Daniele Bagnoli gab nahezu all seinen Akteuren Spielanteile. Herausragend abermals: Der erst 21-jährige 2,17 Meter große Muserskiy brilliert in Aufschlag (4 Asse kein Fehler), Angriff (7 Punkte und 100%) und Block (4) und war mit 15 Punkten erfolgreichster russischer Akteur. Auf deutscher Seite war es Grozer, der zu überzeugen wusste: Der Diagonalangreifer war Hauptanspielstation von Tischer/Steuerwald und wuchtete 58% seiner Bälle in das gegnerische Feld.
Im Vergleich zum Nordhausen-Spiel war eine deutliche Leistungssteigerung im Spiel der DVV-Auswahl zu konstatieren. Drei Sätze lang agierte die Mannschaft von Lozano auf Augenhöhe mit dem Gegner. Darauf lässt sich aufbauen, und die nächsten Partien in Italien und gegen Brasilien werden weitere Aufschlüsse geben.

Foto Conny Kurth: Der deutsche Annahmeriegel agierte weitaus stabiler als am Vortag, auch ein Verdienst von Libero Ferdinand Tille (rechts) und Denis Kaliberda.
Ausführlicher Spielbericht
Es war früh zu sehen: Die deutsche Auswahl wollte vor allem mit dem Aufschlag Druck auf den russischen Annahmeriegel ausüben. Dass dabei einige Bälle fehlschlugen, wurde in Kauf genommen. Aus perfekter Annahme – so die Lehre aus dem gestrigen Spiel – war gegen die russischen Angreifer nichts zu machen. Und so entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, bei dem Tischer vor allem seine Außenleute Grozer und Kromm suchte – und fand. Als Grozer nach eigenem starken Aufschlag die Punktchance nutzte, und anschließend per Flatteraufschlag punktete, hatte sich der Gastgeber etwas abgesetzt (18-15). Ein Block von Böhme brachte einen weiteren Zähler und Auszeit durch den russischen Trainer Daniele Bagnoli. Angriffe von Grozer und Schwarz sowie ein Ass von Böhme (bereits sein zweites) führten zum 23-17 und zur Vorentscheidung. Als der eingewechselte Poltavskiy seinen Angriff verzog, feierte die Halle die 1:0-Satzführung.
Erst beim Stand von 3-2 im zweiten Durchgang gelang den russischen „Riesen“ der erste Blockpunkt. Ein Indiz für das bis dahin gute Zusammenspiel von Zuspiel und Angriff auf deutscher Seite. Als 2,17 Meter Mittelblocker Muserskiy zweimal von der Aufschlaglinie punktete, nahm Lozano früh eine Auszeit (4-6). Die Russen waren aber nun besser „im Spiel“, waren in der Defensive erfolgreicher und punkteten sicher aus der Annahme. Überragend dabei: Der erst 21-Jährige Muserskiy, der in Aufschlag, Angriff und Block seine Weltklasse zeigte. Der Favorit vergrößerte den Abstand, Lozano versuchte es mit dem Doppelwechsel Patrick Steuerwald/Jochen Schöps (für Tischer/Grozer, 15-21). Doch alle Maßnahmen halfen nicht: Ein Angriff von Biryukov bedeutete Satzausgleich.
Während die deutsche Mannschaft wieder mit der Anfangsformation begann, standen beim Gast mit Außenangreifer Yury Berezhko und Diagonalspieler Semen Poltavskiy zwei neue Akteure auf dem Parkett. Es entwickelten sich gleich zu Beginn sehenswerte Ballwechsel mit herausragenden Abwehraktionen, eine davon verwertete Grozer per gefühlvollem „Roller“ (6-5). Als der deutsche Diagonalspieler nach starker Abwehr von Tille abermals zuschlug, hieß es 11-9. Doch der Konter kam prompt: ein Block gegen Böhme sowie ein Ass von Poltavskiy bedeuteten die russische Führung (11-12). Nach zwei fehlenden Angriffssicherungen sowie einem Block gegen Schwarz war der Rückstand angewachsen, Andrae kam für Schwarz (14-18) und – etwas später - Denis Kaliberda für Kromm. Ein Tischer-Ass sowie eine gelungene Kombination Tischer/Günthör ließen das deutsche Team bis auf einen Zähler heran kommen, doch dann machte Muserskiy per Block alles klar.

Foto Conny Kurth: Insgesamt packte der deutsche Block zehnmal gegen die Russen zu.
Fehlstart im vierten Satz, der mit einem Aufschlagfehler des eingewechselten Hübners beginnt. Auch die nächsten drei Zähler gehen an die Russen, Lozano nimmt sofort eine Auszeit (0-4). Das zeigt Wirkung gegen die völlig neu formierten Russen, der deutsche Block packt zweimal zu und schafft den Anschluss (3-4). Dann ist es aber wieder der Olympia-Dritte, der starke Szenen hat und auch von dem einen oder anderen Fehler der deutschen Mannschaft profitiert. Als der eingewechselte Kaliberda verzieht, beträgt der Rückstand bereits sechs Punkte (9-15). In der Folge geht nicht mehr viel beim DVV-Team, die Russen machen bereits mit dem ersten Ball enormen Druck und ziehen davon (9-20). Zwei Blockzähler durch Hübner bedeuten „Ergebniskosmetik“, mehr ist nicht mehr drin. Andraes Fehlaufschlag beendet den vierten Satz und das Spiel.
Spielfilm
1. Satz: 4-4, 7-7, 11-11, 14-14, 19-15, 21-17 (Andrae für Kromm), 24-18
2. Satz: 3-3, 6-8, 9-11, 10-15, 12-18, 15-20 (Schöps für Tischer, Steuerwald für Grozer), 16-22 (Andrae für Kromm), 17-24
3. Satz: 3-3, 6-6, 11-9, 14-15 (Steuerwald für Tischer), 14-18 (Andrae für Schwarz), 17-21, 18-22 (Kaliberda für Kromm), 21-23, 22-24
4. Satz: 0-3, 3-6, 7-9, 7-12 (Kaliberda für Kromm), 9-15, 9-18 (Steuerwald/Schöps für Grozer/Tischer), 13-23
Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Raúl Lozano: „Die ersten drei Sätze haben wir gut gespielt, da haben wir Spannung und Konzentration gehalten. Einige Dinge waren anders als gestern, vor allem die Präzision. Angefangen in der Annahme, das hat sich auf die anderen Elemente übertragen. Es war das erste Spiel von Simon, ihm fehlt natürlich Spielpraxis, aber er hat seine Sache gut gemacht. Nach Italien werde ich mit 14 Spielern reisen, d.h. ich entscheide mich am Montag, welche Spieler dann nicht mehr dabei sind.“
Georg Grozer: „Am Anfang war es gut, am Ende etwas enttäuschend. Wir haben zu Beginn gezeigt, wie man gegen die Russen spielen müssen. Es ist über 100% Leistung und volle Konzentration gefragt. Am Ende haben wir in der Konzentration nachgelassen. Wenn wir die blöden Fehler weglassen, dann sind wir auch in der Lage, solche Mannschaften zu schlagen.“
Max Günthör: „Wir sind besser reingekommen als gestern. Die ersten drei Sätze haben wir guten Volleyball gespielt. Leider haben wir uns im vierten Satz etwas hängen lassen, das darf eigentlich nicht passieren.“