U20-Auswahl (w): DVV-Juniorinnen im WM-Finale
Deutschland steht nach einer Demonstration der Stärke im Finale um die Weltmeisterschaft der Juniorinnen. Über weite Strecken blieb der Halbfinalgegner Bulgarien chancenlos gegen ein deutsches Team, das wiederum die bekannten spielerischen Stärken abrufen konnte, aber auch mental auf die Sekunde eine imponierende Qualität zeigte und am Ende mit 3:0 (25-21, 25-12, 27-25) siegte. Das DVV Team hat nun „Silber“ sicher, will aber morgen im Finale gegen die Dominikanische Republik, die Brasilien im anderen Halbfinale mit 3:1 besiegt hatte, um Gold kämpfen.
Startaufstellung Deutschland: Lena Möllers (Z), Laura Weidenmaier (D), Sarah Petrausch, Janine Völker (A/A), Anja Brandt, Berit Kauffeldt (MB), Lenka Dürr (L), Trainer: Han Abbing
Startaufstellung Bulgarien: Tsvetelina Nikolova (Z), Gabriela Tsvetanova (D), Dobriana Rabatzhieva, Elitsa Vasileva (A/A), Victoria Grigorova, Elitsa Vasileva (MB), Kristin Kolchagova, Trainer: Stoyan Gunchev
Spielverlauf
1.Satz: Möllers Aufschlag zeigt Wirkung, Bulgarien mit schwachem Angriff und der deutsche Konter durch Petrausch führt zum 1-0. Über 3-3 und 6-6 ausgeglichenes Spiel - allerdings zwischendurch nach Völker „in den Block“ und Kauffeldt „aus“ 3-5 Rückstand. Ein „Über Kopf“ Zuspiel realisiert Kauffeldt und Petrausch sorgt mit einem weiteren Punkt für die 8-6 Führung zur 1. techn. Auszeit. Das deutsche Team kann den 2-Punkte-Vorsprung bis 12-10 halten und dann auf 14-10 erweitern. Auszeit Bulgarien. Die beiden Außenangreiferinnen kommen nicht so recht zum Zuge – häufige Schwierigkeiten in der Annahme führen zu transparenten Angriffen mit Abwehrmöglichkeit. Nach der Auszeit allerdings plötzlich Einstand bei 15. Angriffsfehler Völker, Annahme nicht optimal. Ein weiterer direkter Annahmefehler führt sogar zum 15-16 Rückstand. Kauffeldt egalisiert bei 16, Völker bringt das deutsche Team mit einem effektvollen Aufschlag zum 17-16 und Petrausch sorgt gefühlvoll von der Pos. 4 für die 18-16 Führung. Ein weiterer extrem „cross“ geschlagener Ball von Petrausch bringt Punkt 19 und nachdem Brandt eine schlechte Annahme am Netz „abstaubt“ (nach Aufschlag von Kauffeldt), beantragt der bulgarische Trainer bei 20-17 für das DVV-Team die 2. Auszeit. Kauffeldt danach mit einem Ass, Bulgarien schlägt ins Aus und nach einem weiteren bulgarischen Aufschlagfehler ist der Satz beendet. Petrausch hatte auch noch einmal zugelangt (Punkt 24).
2. Satz: Über 5:5 und 7:7 zunächst ausgeglichenes Spiel, Völker sorgt mit einem gezielten Lob für die 8-7 Führung. Dann sorgen in schneller Folge Kauffeldt mit einem schnellen „Einbeiner“ nach „Über Kopf“ Zuspiel, Petrausch mit zwei Angriffserfolgen und einem Block sowie ein bulgarischer Fehlversuch für eine 14-9 Führung. Auszeit von Bulgarien. Die Demonstration der Stärke geht weiter. Weihenmaier schlägt geschickt halbfest in die Zone 5 und Petrausch „luscht“ den Block an: 16:9 Führung. Bei 18-10 die zweite Auszeit von Bulgarien. Die starken Angreiferinnen des bulgarischen Teams finden einfach nicht ins Spiel. Nach einem Völker/Brandt/Weihenmaier-Block und einem effektvollen Aufschlag von Petrausch steht es 21-10. Deutschland hält den Druck aufrecht: Völker markiert Punkt 22, es folgt ein technischer Fehler bei Bulgarien, Brandt mit Aufschlag zum 24-10 und Weihenmaier markiert das schnelle Satzende.

Foto FIVB: Bundestrainer Han Abbing in der Sekunde des Sieges. Mit dem Sieg gegen Bulgarien hat der deutsche Coach mit seinem Team die Chance die ‚deutsche Erfolgsgeschichte’ bei der U20-WM noch weiterzuschreiben und sogar mit dem Titel zu krönen
3. Satz: Der dritte Durchgang beginnt mit einem 0-3 Rückstand des deutschen Teams, der aber bei 4-4 „behoben“ ist. Nach einem weiteren Angriffsfehler des bulgarischen Teams, einem erfolgreichen Völker-Angriff sowie einem Ass von Brandt nun drei Punkte Vorsprung für das deutsche Team. Ein Aufschlagfehler von Bulgarien führt zur 8-5 Führung für das deutsche Team bei der 1. techn. Auszeit. Nach einem weiteren bulgarischen Angriffsfehler und einem schönen Möllers Soloblock steht es 10-5: der Soloblock bildete den erfolgreichen Abschluss einen langen Rallye, in der Dürr zweimal knallharte Angriffsbälle abwehren konnte. Deutschland nun – anscheinend – vollends auf der Siegerstraße: nach einem Möllers/Kauffeldt-Block sogar 12-6. Dann schleichen sich im deutschen Spiel Fehler ein: einmal patzt die Annahme direkt, es folgen zwei harmlose Angriffe mit bulgarischen Kontern und zwei Fehlangriffe des deutschen Teams (Brandt und Petrausch in den Block). Bei 13-12 Auszeit von Trainer Abbing. Ein bulgarischer Aufschlagfehler folgt, ein schöner deutscher Dreierblock in der Netzmitte erzwingt einen Angriffsfehler und ein erneuter bulgarischer Aufschlagfehler sorgt bei 16 für einen 4-Punkte-Vorsprung. Die Situation scheint bereinigt. Im letzten Drittel wird es jedoch noch einmal dramatisch. Zunächst punktet Völker mit einem schönen Slice, extrem „cross“ in die bulgarische Angriffszone geschlagen zum 18-15. Nach schwacher Annahme und schwachem Angriff dann jedoch 18-18 und 20-20. Ein Kauffeldt-Angriff in den Block führt zum ersten Rückstand in diesem Satz, Bulgarien punktet weiter zur 22-20 Führung. 2. Auszeit von Trainer Abbing. Ein harmloser Lob von Kauffeldt bringt den bulgarischen Konter mit 23-10 Führung für die Bulgarinnen. Dann aber Angriffsfehler Bulgarien, Petrausch-Punkt und nur noch Ein-Punkt-Rückstand bei 22-23. Auszeit Bulgarien. Ein schöner Brandt/Möllers-Block führt zum 23-23, ein bulgarischer Angriffsfehler zum 1. Satz- und Spielball für Deutschland. Einstand bei 24 und dann ein harter Angriffschlag von Petrausch, der vom bulgarischen Block zurück ins deutsche Hinterfeld springt: Satzball bei 25-24 für Bulgarien. Die Minute der Sarah Petrausch naht: nach einer Riesen-Rally mit drei abgewehrten Angriffen von der Pos. 4 fordert Zuspielerin Möllers Petrausch zum 4. Male: die Mannschaftsführerin noch einmal mit der Brechstange und Einstand bei 25. Nach einer weiteren Rallye kann Petrausch erneut punkten und Weihenmaier sorgt mit einem aufmerksamen Block für den Einzug ins Finale.

Foto FIVB: Das deutsche Team mit dem Siegerfoto nach dem Halbfinal-Triumph. Ein Sieg noch - im Finale gegen die Dominikanische Republik - und die DVV-Juniorinnen können auch über den WM-Titel jubeln
Resumée: In neun Tagen sieben Spiele zu absolvieren, diese siegreich zu gestalten und dann im 7. Spiel einen starken Gegner so in die Knie zu zwingen – das gibt´s nicht alle Tage. Bis auf den „Hänger“ im 3. Satz, als man sich wohl nach der 6-Punkte-Führung schon am Ziel wähnte, gab es eine durchgängig konzentrierte Leistung, welche die starken bulgarischen Angreiferinnen schier zur Verzweiflung trieb. Ursache einmal mehr der deutsche Sprungfloater (eine ideale Mischung aus Risiko und Effiziens), der den bulgarischen Angriffsaufbau erheblich störte und die bulgarischen Angreiferinnen häufig zu Angriffen aus der Mitte des Angriffsraumes zwang – vom Netz weg und damit überschaubar für die deutsche Block/Feldabwehr. In der Mitte Brandt und Kauffeldt mit vielen erfolgreichen Aktionen – und auch als psychologische Barriere wichtig: viele Angriffsfehler der Bulgarinnen bei dem Versuch, diesen beiden „aus dem Wege“ zu gehen – was dann aber öfters in „Aus“ führte. Die deutsche Annahme ordentlich, etwas weiter nach hinten postiert als in den letzten Spielen. Eine Reihe von bulgarischen Aufschlägen deshalb bei dem Versuch, hinter den deutschen Annahmeriegel zu servieren, ins „Aus“.
Trainer Abbing bemerkenswert ruhig – sowohl während des Spiels als auch in der Pressekonferenz. Nur einmal explodierte der Holländer, als nach der Mörder-Abwehr von Lenka Dürr (3. Satz) nach einer langen Rallye Möllers mit einem Block abschloss – da sprang Abbing hoch in die Luft und knallte seine linke Faust in die rechte Handfläche. Abbing wusste – nach einer solchen Aktionskette ist ein Punkt nicht nur ein Punkt. Ein Signal, dass mit der Moral und der Motivation beim deutschen Team alles stimmte – sicher ein Verdienst von Abbing und Assistent Matthes – aber auch der deutschen Staff.
Stimmen
Bundestrainer Han Abbing: „Ich bin sehr, sehr glücklich, dass meine Mannschaft dieses Spiel gewonnen hat – und auch gut gespielt hat. Es hat sich gezeigt, dass unsere gute physische Vorbereitung uns diese Leistung ermöglicht hat; aber auch die mentalen Prüfungen, die dieses Team absolviert hat, haben diesen Sieg ermöglicht. Viele der Spielerinnen sind im Programm des VCO groß geworden – ein elementarer Vorteil. Nach dem 6. Sieg in Folge hatten wir zusätzlich Selbstvertrauen und das hat uns dann geholfen, als wir uns im 3. Satz in eine brenzlige Lage manövriert hatten. Mein Wunschgegner im Finale? Mit den Mannschaften aus Brasilien und der Dom. Rep. Stehen zwei exzellente Teams im anderen Halbfinale. Mir ist es gleich, die Mädchen wollen Brasilien.“
Mannschaftsführerin Sarah Petrausch: „Wir hatten vor dem Spiel eine sehr positive Grundstimmung und waren richtig optimistisch: wir schaffen das. Im 3. Satz haben wir etwas nachgelassen, das war nicht konstant, aber zum Schluss hat uns der Kampfgeist gerettet. Ich hatte von Bulgarien etwas mehr erwartet, aber wir haben wohl zuviel Druck gemacht und sie konnten ihre Nervösität nicht ablegen.“
Anja Brandt: „Im 1. und 2. Satz waren wir sehr gut. Da war wenig Gegenwehr, irgendwie kam das Spiel bei Bulgarien nicht in die Gänge. Wir haben vor allem besser geblockt. Im 3. Satz hat uns unser Teamgeist geholfen, jeder hat für jeden gekämpft. Schön, dass alle so fit bei uns sind. Als es zum Schluss so eng wurde, habe ich doch ein Kribbeln im Bauch bekommen, das war nicht so angenehm.“
Janine Hinderlich: „Wir haben von außen total mitgefiebert. Man sieht ja doch ein wenig mehr und es nimmt einen total mit. Wir wollten einfach gewinnen, weil wir uns doch dieses hohe Ziel gesteckt hatten. Ich glaube, dass wir verdient gewonnen haben weil wir doch besser waren. Überall war ein Detail stärker bei uns – der Block war heute mal wieder ganz wichtig.“
Laura Weihenmaier: „Ich bin sicher, dass heute die bessere Mannschaft gewonnen hat. Wir haben konstanter gespielt, konnten in einigen Situationen so richtig Gas geben. Im 2. Satz war unser Aufschlag noch stärker als im 1. Satz. Ich hatte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Zum Schluss konnte ich die Tränen nicht zurückhalten – es waren Freudentränen.“
Lena Möllers: „Super, dass wir gewonnen haben – unsere harte Arbeit wird schon jetzt mit einer Medaille belohnt. Morgen das Spiel können wir so richtig genießen – das hoffe ich zumindest. Wir wollten gewinnen und wir waren uns bewusst, dass wir die bessere Mannschaft sind. So eine Meinung kann natürlich gefährlich werden, das haben wir im 3. Satz gesehen. Unsere Mitte hatte es heute etwas schwerer, weil die Bulgarinnen versucht haben sich darauf einzustellen. Aber unser Aufschlag kam wieder und – wir wollten einfach gewinnen heute.“
Lorne Sawula, ehem. Coach der kanadischen Nationalmannschaft und jetzt FIVB Instruktor: „Deutschland ist ganz offensichtlich gut vorbereitet gekommen: die taktische Komposition ist stärker als bei den meisten anderen Teams. Bemerkenswert ist bis jetzt auch die konditionelle Situation des Teams: viele Juniorenmannschaften leiden ja unter den üblichen Ups und Downs – aber diese Mannschaft spielt jetzt 7 Spiele lang fast auf einem Level. Richtig gut ist die Nr. 13 (Petrausch) im Team: sie übernimmt Verantwortung und zieht alle mit. Aber eine Schlüsselrolle spielt eure Lena. Eine große Zuspielerin, die schnell überall ist, einen sauberen Ball auch über große Distanzen spielen kann und gut blockt. Dieses Mädchen hat heute einen „heck of a job“ geliefert.“
(Jürgen Sabarz)