U20-Auswahl (w): 2. Sieg im 2. WM-Spiel
Nach dem starken Auftakt mit einem 3:0 Sieg gegen China Taipeh gelang der deutschen Mannschaft auch am 2. Turniertag ein 3:0 Sieg gegen das Team der Tschechischen Republik. Die Spielerinnen um Sarah Petrausch zeigten erneut eine stabile Leistung und ließen sich nicht aus der Spur bringen – erneut war der Aufschlag das stärkste Element im deutschen Team. Mit dem 2. Sieg haben die Spielerinnen von Trainer Han Abbing nun das Ticket für den Wechsel nach Mexicali zur Zwischenrunde gelöst.
Startaufstellung Deutschland: Lena Möllers (Z), Laura Weihenmaier (D), Sarah Petrausch, Janine Völker (A/A), Anja Brandt, Berit Kauffeldt (MB), Lenka Dürr (L), Trainer: Han Abbing
Startaufstellung Tschechische Republik: Blanka Preslova (Z), Tereza Vanzurova (D), Michala Kvapilova, Sarka Melicharkova (A/A), Ivona Svobodnikova, Lucie Vesela (MB), Krystina Zoulova (L), Trainer: Mitac Stanislav
Spielverlauf
1. Satz: Lena Möllers eröffnet die Partie mit einem Aufschlag, der unmittelbar zum Punktgewinn führt. Ein tschechischer Aufschlagfehler, zwei gute deutsche Angriffe sowie ein weiteres deutsches Ass bringen die 5-2 Führung. Dann führen zwei deutsche Angriffsfehler und ein technischer Fehler auf deutscher Seite zum Ausgleich. Ein druckloser deutscher Angriff, ein harter Angriff der tschechischen Diagonalspielerin sowie ein ins „Aus“ gelegter deutscher Lob führen zum 5-8 Rückstand in der 1. techn. Auszeit. Ein weiterer deutscher Angriffsfehler bringt einen Vier-Punkte-Rückstand. Mit einem harten Angriff von Völker beginnt die Aufholjagd: Völker legt mit einem weiteren erfolgreichen Angriff von der Pos. 4 nach, ein Möllers/Kauffeldt-Block, ein erneuter Block mit Kauffeldt und noch ein erfolgreicher Angriff von Völker – und Einstand bei 10-10. Ausgeglichenes Spiel bis 13-13. Ein Möllers-Aufschlag bringt die 14-13 Führung und eine Auszeit vom tschechischen Trainer. Ein Brandt-Block bringt Punkt 15 und ein kurioser Angriff derselben Spielerin das 16-13: Brandt „verspringt“ sich bei einem Angriff über die Mitte und kann nach der Landung den Ball noch so eben mit einem Bagger auf die andere Seite bringen – wo er zu Boden fällt. Bis 19-16 kann Deutschland den 3-Punkte-Abstand halten, ein nicht voll getroffener Ball von Weihenmaier trudelt zum 20-16 ins tschechische Feld. Zwei Aufschläge von Völker führen zum 22-17 und zu 2. Auszeit von Trainer Stanislav. In der Schlussphase produziert Kauffeldt einen Netzroller und einen präzisen Longline-Angriff. Punkt 25 liefert das Team der Tschechischen Republik mit einem technischen Fehler.
2. Satz: Ausgeglichener Start mit Ein-Punkt-Abständen bis 4-4. Dann bringen zwei Möllers/Kauffeldt-Blocks sowie ein langer im Bogen geschlagener Angriffsball von Völker die 8-4 Führung für das deutsche Team. Die tschechische Diagonalspielerin – gestern gegen China „Best Scorer“- ist mehrfach vom deutschen Block gebremst worden und wird ausgewechselt. Im zweiten Drittel häufen sich die Fehler auf tschechischer Seite; Trainer Stanislav versucht bei 8-13 Rückstand für sein Team durch eine Auszeit Luft zu schaffen – die deutsche Mannschaft kann jedoch auf 16-10 erweitern. Im letzten Abschnitt weiterhin hohe Fehlerquote im tschechischen Team: die Annahme stimmt nicht, die Angriffsfehler nehmen zu. Bei 20-12 noch einmal Auszeit für das tschechische Team. Zwei weitere Fehler in der tschechischen Annahme, ein schöner „Über-Kopf-Angriff- von Kauffeldt, ein präziser Angriff von Petrausch sowie ein weiterer Kauffeldt/Möllers-Block bringen das Satzende.
3. Satz: Das deutsche Team startet nach einem Angriffs- und einem Annahmefehler mit 0-2, kann bei 3 egalisieren und geht nach einem Ass von Brandt, einem Weihenmaier/Kauffeldt-Block, einem Hinterfeld-Angriff von Weihenmaier und von Petrausch mit 8-4 in Führung. Nach Weihenmaier-Angriffsfehler, einem verlorenen Duell über der Netzkannte (von Möllers) und einem deutschen Aufschlagfehler plötzlich nur noch 9-8, nach längerer Rallye hämmert Petrausch zum Einstand in einen Dreierblock. Die Partie wird knapp: das Team der tschechischen Republik nun kämpferisch stark und mit hohem Risiko. Bei der 2. techn. Auszeit nur knappe 16-15 Führung nach erfolgreichem Angriff von Völker. Nach der Auszeit schickt Trainer Abbing Natalia Cukseeva (für Weihenmaier) auf´s Spielfeld. Das letzte Drittel sehr hart umkämpft: die tschechische Republik weiter mit Risiko und Druck, das deutsche Team nimmt den Kampf an. Von 16 bis 21 enge Partie, immer nur Ein-Punkt-Abstände – bei 18, 19 und 20 die tschechische Mannschaft jeweils mit einem Punkt vorn. Als Kauffeldt zum 21-20 blockt folgt eine Auszeit von Trainer Stanislav und als Völker (für ihre gute Leistung als „Best Scorer“ bewertet) mit einem mutigen Angriff gegen einen Doppelblock erfolgreich ist, ballt Trainer Abbing die Faust – Mini-Break zum 23-21. Kauffeldt noch einmal mit eiem schönen „Über-Kopf-Angriff“ zum 24. Punkt – der letzte Angriff der tschechischen Mannschaft geht ins Aus.

Foto Jürgen Sabarz: Laura Weihenmaier mit einem erfolgreichen Angriff gegen den tschechischen Zweierblock
Resumée: Das deutsche Team hat wiederum mit einem klaren Sieg überzeugen können. Das klare Ergebnis täuscht jedoch ein wenig darüber hinweg, dass der Sieg hart erarbeitet war: die tschechische Mannschaft hatte gestern in einem 5-Satz-Spiel gegen China eine hervorragende Leistung geboten und hatte – bis auf den 2. Durchgang – durchaus Chancen auf ein deutlich besseres Ergebnis. Nachdem der deutsche Block jedoch die gestern überragende tschechische Diagonalspielerin „aus dem Spiel“ genommen hatte, fehlte die wichtigste Angreiferin im tschechischen Team. Erneut war der „Sprungfloater“ des deutschen Teams sehr wirksam und man fragt sich langsam, wann die deutsche Mannschaft auf einen Gegner treffen wird, der sich von dieser Aufschlagvariante nicht beeindrucken lässt. Auffällig bei der deutschen Mannschaft auch die gute Angriffssicherung – oft gelangen dadurch Punkterfolge im „2. Anlauf“. Auch der diszipliniert auftretende deutsche Block trug erheblich zum Sieg bei – nicht nur durch direkte Blockpunkte sondern auch durch fehlerhafte Angriffe des Gegners – bei dem Bemühen, am Block vorbei zu kommen. Das überschwängliche Lob des tschechischen Trainers in der Pressekonferenz, wonach „das deutsche Team zu den Besten der Welt zählt und sicher auf einen der ersten drei Plätze landen wird“ quittierte Trainer Abbing mit einem freundlichen, aber abwehrenden Lächeln. Abbing hernach: „Der tschechische Kollege wollte wohl die Niederlage seines Teams ein wenig abfedern. Wir wollen natürlich nach vorne, aber das ist ein langer, schwerer Weg, der noch vor uns liegt.“ Immerhin: zur Belohnung durfte die Mannschaft nach dem Spiel für 10 Minuten in den Swimmingpool des Hotels, zum „Ausschwimmen“, wie es Co-Trainer Matthes formulierte.
Stimmen zum Spiel
Trainer Han Abbing: „Ich bin sehr froh, dass wir auch das zweite Spiel gewinnen konnten. Die Mannschaft hat einen guten Job gemacht, hat sich Punkt für Punkt erarbeitet. Wichtig war, dass wir die tschechische Diagonalspielerin, die gestern excellent agiert hat, früh aus der Partie nehmen konnten. Ich freue mich auch darüber, dass wir bei Rückständen oder bei großem Druck „weiter“ spielen und die Nerven behalten. Ich meine jedoch auch, dass wir immer noch nicht ganz frei aufspielen – die Konzentration und die Anspannung ist immer noch zu spüren. Jetzt sind wir aber sicher weiter – und vielleicht, das wünsche ich mir, können wir morgen gegen China befreit aufspielen.“
Mannschaftsführerin Sarah Petrausch: „Das war alles in allem wieder sehr gut. Im Bereich Aufschläge hat es heute stellenweise gehakt – aber überwiegend war das doch in Ordnung. Wir haben wieder viele Bälle aus der Sicherung gerettet und konnten oft weiterspielen. Außerdem haben wir gezeigt, dass wir mit viel Kampfgeist spielen können, wenn es pari steht oder wenn wir mal zurückliegen. Ich bin richtig happy über den Sieg – morgen wollen wir versuchen, Erster in der Gruppe zu werden.“
Janine Völker: „Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir uns rausgekämpft und dann lief es doch ganz gut. Wenn unser Aufschlag kam, waren die Vorteile nicht zu übersehen. Unsere Annahme war weitgehend stabil, Lena hat das Spiel am Netz schön „auseinander gezogen“. Wir hatten schon Respekt vor der Mannschaft der Tschechischen Republik – die haben gestern ein sehr gutes Spiel gegen China gezeigt.“
Laura Weihenmaier: „Wir haben mit viel Aufregung angefangen und dann glücklicherweise den Sieg nach Hause gefahren. Ich glaube nicht, dass der relativ leicht gewonnene zweite Satz eine negative Wirkung gehabt hat. Unser Gegner hat im 3. Satz dann „alles oder nichts“ gespielt und ist dafür oft belohnt worden. Gut war, dass wir wieder viel Druck über den Aufschlag machen konnten. Und dass unser Trainer in Brasilien noch mal mit uns an der Angriffssicherung gearbeitet hat, hat sich offensichtlich auch gelohnt."
(Jürgen Sabarz)