Männer-EM: Hart umkämpfter Sieg für DVV-Männer

Männer-EM: Hart umkämpfter Sieg für DVV-Männer Der deutsche Block hatte gegen die Türken Schwerstarbeit zu verrichten. Am Ende reichte es zum knappen 3:2-Sieg.

Die DVV-Männer sind erfolgreich in die EM-Endrunde in Izmir/TUR gestartet und beschenkten Bundestrainer Raúl Lozano an dessen 53. Geburtstag mit einem knappen 3:2-Sieg (26-24, 23-25, 25-22, 30-32, 15-13) über Gastgeber Türkei. Mit dem Sieg machten die DVV-Männer einen ersten Schritt in Richtung Zwischenrunde. Punktbeste Spieler waren Jochen Schöps (23), Sebastian Schwarz (19) und Björn Andrae (18), Dirk Westphal und Markus Steuerwald standen nicht im Kader. Zuvor hatte Polen das zweite Spiel der Vorrundengruppe A mit 3:1 gegen Frankreich gewonnen. Polen ist am 4. September (16.30 Uhr), Frankreich am 5. September (14.00 Uhr) Gegner der DVV-Männer – ein deutscher Sieg aus diesen beiden Begegnungen würde die sichere Teilnahme an der Zwischenrunde bedeuten.

Startaufstellungen
Deutschland: Patrick Steuerwald, Jochen Schöps, Björn Andrae, Sebastian Schwarz, Georg Wiebel, Max Günthör, Ferdinand Tille

Türkei: Emre Batur, Gökhan Öner, Ahmet Pezük, Arslan Eksi, Erhan Dünge, Ai Cayir, Hasan Yesilbudak

Etwa 6.000 türkische Zuschauer sorgten von Beginn an für eine prächtige, farbenfrohe Kulisse, nahezu jeder Zuschauer schwenkte die rote türkische Landesfahne. Die deutschen Aufschläger wurden gnadenlos ausgepfiffen, ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Bereits nach wenigen Bällen nahm Türken-Trainer Polidori eine Auszeit (4-1), um seine übernervösen Spieler zu beruhigen. Es half zunächst nicht, die deutsche Mannschaft punktete weiter und wirkte total ruhig (8-2). Dann kam der Gastgeber besser ins Spiel, auch weil die deutschen Aktionen nicht mehr so entschlossen und präzise wirkten, u.a. unterliefen Schwarz zwei Annahmeungenauigkeiten (11-10). Doch die deutsche Mannschaft blieb vorne, baute die Führung wieder auf drei Punkte aus (15-12), weil sie konzentrierter im Angriffsaufbau agierte. Als die Türken abermals auf einen Punkt heran waren, schlug die Stunde von Wiebel: Der vertragslose Mittelblocker punktete dreimal in Serie per Block und sorgte somit scheinbar für die Vorentscheidung (22-17). Doch Nachlässigkeiten in der deutschen Mannschaft sorgten ausgerechnet beim 24-24 für den erstmaligen Ausgleich im Satz. Gut, dass Schöps die Führung hielt und die Türken beim dritten Satzball weit verzogen.

Zwar nicht so komfortabel wie im ersten Satz, aber gut kamen die deutschen Männer in den zweiten Satz (4-2). In der Folge setzte sich schwarz-rot-gold kontinuierlich ab: Schwarz punktete im Angriff von vorne und aus dem Rückraum, Andrae stand in der Annahme wie ein Fels und vor allem der Block mit Wiebel und Schöps funktionierte prächtig (12-6). Die Türken wechselte fast die komplette Sechs und bekamen die Order, volles Risiko im Aufschlag zu gehen. Nach zwei starken Aufschlägen und Punkten in Folge nahm Lozano eine Auszeit (15-13). Nach Block Steuerwald schien das deutsche Team wieder eine beruhigende Führung inne zu haben (17-13), doch wenige Augenblick später und zwei Schöps-Angriffen in den Block war dies Makulatur (18-17). Grozer kam aufs Feld, die Türken gingen nach einem weiteren Aufschlagpunkt erstmals in Front (21-22). Lozano brachte Bakumovski und Tischer, Andrae wehrte den ersten Satzball ab, beim zweiten sah der Schiedsrichter und 6.000 Türken eine Blockberührung des deutschen Teams – Satzausgleich.

Lozano setzte im dritten Satz wieder auf seine Startformation, die sich von dem unnötigen Satzverlust nicht geschockt zeigte und 10-7 in Führung ging. Beim 11-8 dann eine Schrecksekunde, als Schwarz auf den Fuß des übergetretenen Türken trat und umknickte, glücklicherweise aber weiterspielen konnte. Das Spiel blieb eng, weil die Türken nach jedem Ball sprangen und durch Zuspieler Selcuk Keskin an Variabilität gewonnen hatten (13-11). Eine starke Aufschlagserie von Andrae brachte der DVV-Auswahl den entscheidenden Vorteil. Der Italien-Profi begann beim 17-15 und hörte beim 21-16 auf. Schwarz machte den letzten Punkt per Rückraumangriff (25-22).

Ein 1:3-Rückstand wurde prompt korrigiert: Andrae aus dem Rückraum, Schöps per Aufschlag und Schwarz mit Block machten vier Zähler in Folge. Danach aber erneut das packende, enge Spiel wie in drei Sätzen zuvor (8-8, 12-12, 17-17, 21-21), weil die Türken um jeden Ball, um ihre EM-Chance kämpften und das deutsche Team es in dieser Phase nicht verstand, mit dem oftmals gut postierten Zweierblock zu punkten. Ein Aufschlagpunkt von Steuerwald ließ die DVV-Auswahl nach langer Zeit wieder in Führung gehen, die jedoch prompt wieder verloren ging, als Böhme seinen Aufsteiger verzog (22-23). Das Ende war nichts für schwache Nerven. Die Türken hatten zunächst drei Satzbälle, dann die deutsche Mannschaft insgesamt vier Matchbälle. Einen gar als Punktball zum Sieg, doch Schöps scheiterte mit seinem Angriff am Doppelblock. Den Satzgewinn und damit den Satzausgleich schafften jedoch die Türken (30-32).

Foto
Foto CEV: Doppelt hält manchmal besser: Sebastian Schwarz droht aus dem Rückraum, Georg Wiebel am Netz.

Lozano vertraute seiner Stammformation mit einer Ausnahme, Böhme war für Wiebel auf dem Feld. Ein Block Andraes ließ die Mannschaft gut in den finalen Satz starten (2-0), Günthör hielt den Vorsprung per Einerblock gegen den Rückraumangriff (7-5). Absetzen konnte sich das deutsche Team zwar nicht, da der Block überhaupt nicht zur Geltung kam, doch zumindest klappte das Punkten aus der Annahme (11-9). Dann doch der Ausgleich, ein Aufschlag der Türken wird trotz deutscher Proteste gut gegeben – Auszeit Lozano (11-11). Die DVV-Auswahl bleibt aber vorne, ein Flatter-Ass von Schwarz bringt Matchbälle (14-12). Den ersten wehren die Gastgeber ab, dann erlöst Andrae sein Team. Lozano ballt die Faust.

„Spielfilm“
1. Satz: 2-0 (Ass Andrae), 4-1 (Schöps Angriff, Auszeit Türkei), 6-1 (2x Block Günthör), 8-2, 8-5 (Annahme Schwarz), 10-7, 11-10, 15-12, 17-15 (Schwarz Rückraum), 18-17 (Schöps in Block, Auszeit GER), 20-17 (Wiebel Block, Auszeit TUR), 21-17 (Wiebel Block), 23-19, 23-21 (Abschuss Tille, Auszeit GER), 24-21 (Schöps Angriff, Georg Grozer für Steuerwald), 24-22 (Simon Tischer für Jochen Schöps), 24-24 (Doppelwechsel zurück), 25-24 (Schöps Angriff), 26-24

2. Satz: 2-2, 4-2 (Auszeit TUR), 7-4, 9-5 (Wiebel Block), 10-5 (Schöps Block), 12-6 (Dreierblock GER, Auszeit TUR), 14-10 (Marcus Böhme für Günthör), 15-13 (Auszeit GER), 17-13 (Block Steuerwald), 18-16 (Schöps in Block), 18-17 (Grozer für Schöps), 18-18 (Auszeit GER), 20-20, 21-22 (Eugen Bakumovski für Schwarz), 21-23 (Tischer für Steuerwald), 22-24, 23-25

3. Satz: 2-2, 5-3, 8-5, 10-7 (Block Schöps), 13-11, 16-14, 18-15 (Andrae Rückraum), 19-15 (Schöps Angriff), 21-16 (Aufschläge Andrae), 23-19, 24-20 (Grozer für Steuerwald), 24-22 (Auszeit GER),

4. Satz: 1-3, 4-3 (Ass Schöps), 5-3 (Block Schwarz), 7-5, 8-8, 12-12, 14-14, 14-15 (Böhme für Wiebel), 17-17, 20-20 (Grozer für Steuerwald), 22-21 (Ass Steuerwald), 22-23 (Böhme aus), 23-24 (Auszeit GER), 25-24 (Schöps Angriff), 25-26, 27-26 (Schöps Angriff), 27-27 (Schöps Punktchance in Block), 27-28, 29-28 (Block Günthör), 30-29 (Andrae Angriff), 30-31 (Böhme aus), 30-32

5. Satz: 2-0 (Block Andrae), 4-2, 6-4, 8-6, 10-8, 11-11, 12-11 (Grozer für Steuerwald), 12-12 (Steuerwald zurück), 13-12 (Auszeit TUR), 14-12 (Ass Schwarz),

Statistik
GER: Aufschlag: 4 Asse, 16 Fehler / Block: 16 Punkte / Angriff: 47%
TUR: Aufschlag: 6 Asse, 23 Fehler / Block: 8 Punkte / Angriff: 47%

Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Raúl Lozano: „Das wichtigste war, den ersten Schritt zu machen - den haben wir gemacht. Mit dem Auftritt war ich nicht zufrieden, die Konstanz hat gefehlt. Wir hatten ein starkes auf und ab sowohl taktisch als auch technisch. Nach einem Hoch kam ein tiefes Tal. Das hat verhindert, dass wir in einen Rhythmus kommen. Zwar haben wir die wichtigen Punkte gut gespielt, aber immer wenn wir drei bis fünf Punkte vorne lagen, haben wir durch Dummheiten diesen Vorsprung wieder eingebüßt. Wir haben einfach Pausen eingelegt, das müssen wir lösen. Wenn wir wirklich ins Halbfinale wollen, dann können wir uns solche Pausen nicht leisten.“

Kapitän Robert Kromm: „Das war ein schwieriges Spiel für uns mit den vielen Zuschauern, die hinter den Türken standen. Die Türken haben gut aufgeschlagen, dadurch hatten wir etwas Probleme. Der Sieg ist sicherlich auch etwas glücklich, aber das gehört dazu. Wir können besser spielen, und das werden wir morgen zeigen.“

Max Günthör: „Wir haben es verpasst, im zweiten Satz den Sack zuzumachen. Dann wäre es ganz anders gelaufen. Die Türken haben dann gut gespielt, das Publikum tat ein Übriges. Wir hatten – wie immer – Hoch und Tiefs, leider haben wir den Vorsprung nicht halten können. Der Sieg ist wichtig für die Psyche, bei eine Niederlage hätte es schlimm ausgesehen.“

Georg Wiebel: „Wir haben gewonnen, weil wir einfach besser sind. Dennoch haben wir uns schwer getan, weil wir phasenweise im Aufschlag zu harmlos waren. Den Diagonalspieler haben wir nicht in den Griff bekommen, und auch in unserer Mitte lief es nicht so wie sonst. Ein typisches Auftaktspiel würde ich sagen.“

Der deutsche EM-Kader: Patrick Steuerwald, Ferdinand Tille, Eugen Bakumovski, Max Günthör, Sebastian Schwarz (alle Generali Haching), Georg Grozer, Marcus Böhme, Markus Steuerwald (alle VfB Friedrichshafen), Robert Kromm (Verona/ITA), Georg Wiebel (z.Zt. ohne Verein), Jochen Schöps (Odintsovo/RUS), Simon Tischer (Piräus/GRE), Björn Andrae (Valentia/ITA), Dirk Westphal (Taranto/ITA)

Bundestrainer Raúl Lozano
Co-Trainer: Juan Manuel Serramalera
Delegationsleiter: Tom Schwenk
Teamarzt: Dr. Dieter Heinold
Physiotherapeut: Oliver Klenk
Spielbeobachter: Nicola Vettori, Dr. Bernd Zimmermann

Alle Infos zur EM-Endrunde