Interview der Woche: Wiedersehen mit Faure/Müsch in Berlin

Interview der Woche: Wiedersehen mit Faure/Müsch in Berlin Wiedersehen in Berlin. Danja Müsch und Beate Faure (geb. Bühler), Beach-Europameisterinnen von 1994 und Olympia-7. 1996, waren in Berlin dabei.

1994 gewannen Beate Faure (geb. Bühler)/Danja Müsch die für Frauen erstmals ausgetragenen Europameisterschaften im Beach-Volleyball. Zwei Jahre später folgte als weiterer großer Höhepunkt Platz sieben bei der Olympia-Premiere Beach-Volleyballs in Atlanta/USA. 15 Jahre nach ihrem EM-Titel trafen sich die beiden ehemaligen Kolleginnen und immer noch gut befreundeten Frauen in Berlin beim German Masters 2009 Berlin powered by smart und äußerten sich im Interview.

Warum seid ihr in Berlin? Hat das einen Hintergrund?
Faure: „Ich hatte mit Kerri Pottharst (Australierinnen) Kontakt aufgenommen, und sie hatte gesagt, dass sie nach Berlin kommt. Ich hatte an dem Wochenende frei, und habe Danja gefragt, ob sie auch kommt - das passte. Zudem hoffe ich, dass ich hier ein paar alte Bekannte treffe.“

Was machen Beate Faure und Danja Müsch 2009 beruflich?
Faure: „Ich bin Rechts- und Konsulatssekretärin beim Deutschen Generalkonsulat in Bordeaux.“
Müsch: „Ich bin Redakteurin bei Sportdigital, welches u.a. die Volleyball-Bundesliga überträgt.“

Wo und wie lebt ihr, wie oft seht ihr euch im Jahr?
Faure: „Ich lebe in Bordeaux, arbeite überwiegend vormittags, bin verheiratet und habe zwei Kinder.“
Müsch: „Das letzte Mal haben wir uns vor drei Jahren gesehen, ich glaube, in Stuttgart. Ich lebe in Köln.“

Wie fing eure Beach-Karriere an?
Faure: „Der USC Münster hatte uns dazu verpflichtet, einen Tag in Marl ein Beach-Turnier zu spielen, an einem Feiertag. Das haben wir gewonnen. Unser erstes Weltserienturnier war in Hermosa Beach (mit wild card als Europameister), und es war relativ ernüchternd. Gegen McPeack/Reno, die waren damals USA 13, hatten wir keine Chance. Dann kam Australien 2 – one, two barbecue.“
Müsch: „Wir hatten aufgehört, in der Halle Nationalmannschaft zu spielen, und hatten Zeit. Wir dachten uns, im Sommer einige Turniere spielen zu können.“

Vor 15 Jahren habt ihr den erstmals ausgespielten EM-Titel bei den Frauen gewonnen. Könnt ihr euch noch erinnern?
Faure: „Natürlich, da habe ich meinen zukünftigen Mann kennen gelernt. Es war sehr kalt in Espinho, nebelig. Wir kamen direkt aus der Halle an den Sand.“
Müsch: „Ja, das Turnier fand parallel zur Deutschen Meisterschaft statt. Es gab Aufruhr, weil wir als Nationalteam zur EM fuhren und nicht Borger/Paetow bzw. Kern/Lohse.“

15 Jahre sind im Leistungssport eine lange Zeit. Wie hat sich das Spiel aus eurer Sicht entwickelt?
Faure: „Erst einmal ist das Feld viel kleiner geworden, und wir haben auch nicht im Tiebreak gespielt. Allerdings haben wir damals schon kombiniert.
Müsch: „Es wurde damals vielmehr geshotet. Heute gibt es auch mehr große Blockspielerinnen.“

Vor 15 Jahren standen eher Technik und ein „gutes Auge“ im Vordergrund. Das war auch euer beiden Markenzeichen und Stärke. Hätten Faure/Müsch 15 Jahre später noch Chancen im internationalen Circuit?
Faure (lacht): „Das haben sie in Roland Garros Agassi auch gefragt, und der hat das verneint. Ich habe ja nur kurze Zeit Beach gespielt, und nach den Deutschen Meisterschaften 1996 schon aufgehört.“
Müsch: „Heute sind die Teams konstanter, außerdem ist so etwas immer schwer zu beurteilen, eine hypothetische Frage.“

Ihr wart und seid heute noch gute Freundinnen. Wäre es für euch vorstellbar gewesen, nur als Zweckgemeinschaft solche Erfolge zu feiern, oder ist das aus eurer Sicht nur möglich gewesen, weil ihr euch auch außerhalb des Platzes gut verstanden habt?
Faure: „Für mich war es kein Risiko, ich stand am Ende meiner Hallen-Karriere. Eigentlich haben wir uns erst in Münster näher kennen gelernt, da wurden wir in eine WG gesteckt.“
Müsch: „Für mich wäre eine Zweckgemeinschaft keine Alternative gewesen, dafür wäre mir die Zeit zu schade gewesen. Damals war das eher ein Abenteuer, man wusste nicht, wo das hingeht mit Beach-Volleyball. Es war für uns ein Risiko, weil wir das gut dotierte Hallen-Volleyball verlassen haben. Natürlich auch mit dem Hintergrund, dass Atlanta 1996 ein Ziel war und dies im Beach-Volleyball eher zu erreichen war als in der Halle.“

Wie beurteilt ihr die Entwicklung des deutschen Beach-Volleyballs sowohl national als auch international?
Faure: „Ich verfolge es aus der Ferne und sehe, dass die Deutschen vorne mitspielen. Es gibt viele gute Teams beispielsweise im Vergleich zu den Franzosen. Heute gibt es ganz andere Möglichkeiten, wir hatten im Winter Probleme eine Halle zu finden. Wir haben in Warendorf im Winter in der Leichtathletik-Halle trainiert, sie haben aus der Weitsprunggrube ein Beach-Volleyball Feld gebaut.“
Müsch: „Man merkt schon, dass die Nachwuchsarbeit im Verband Früchte trägt. Teams wie Goller/Ludwig oder Holtwick/Semmler sind sehr erfolgreich und arbeiten sehr professionell - alleine wenn man sieht, wie viele Betreuer dabei sind. Zudem spielen sie sehr konstant uf einem guten Niveau. Heute ist es so, dass bei so einem Europa-Turnier auf jeden Fall ein, zwei deutsche Teams im Halbfinale stehen, das war früher nicht der Fall.“

In Europa absolut dominierend, in der Welt vorne mit dabei: Was traut ihr den deutschen Teams bei der WM in Stavanger/Norwegen zu?
Faure: „Da kann ich nichts zu sagen, weil ich die internationale Szene zu wenig kenne.“
Müsch: „Ich erwarte schon, dass Goller/Ludwig und Brink/Reckermann ins Halbfinale kommen. Aber es ist schwierig, bei dem Modus mit Gruppenphase und folgendem Einfach-Ko Prognosen zu stellen. Aber bei neun deutschen Teams am Start sollte schon etwas herausspringen.“

Spielen die Olympia-Teilnehmer Faure und Müsch auch 2009 Beach-Volleyball, beispielsweise im Urlaub, oder wird der Ball nicht mehr angefasst?
Faure: „Ich bin im Sommer stets in Montalivet im Urlaub, da wo auch die Deutschen immer sind und Beach-Volleyball spielen. Meine Kinder (9 und 11) fangen jetzt auch an, und da bin ich zwangsläufig gefordert.“
Müsch: „Ich habe drei Jahre gar nichts gemacht, in Riccione war ich jetzt dabei und habe als Trainerin fungiert. Aktuell spiele ich ein, zwei Mal im Monat mit Maike (Dieckmann, geb. Friedrichsen) Beach-Volleyball in Köln.“