Interview der Woche: Dieter Bauer: „Es muss eine Ehre sein, Trikotpartner der DVV-Auswahl zu sein“
Dieter Bauer ist seit wenigen Tagen Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Volleyball Sport GmbH. Bauer, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer von Asics Deutschland (1995 ibs 2007) kann auf eine sehr erfolgreiche berufliche Vita (u.a. „Manager des Jahres“ 2004 und 2005) mit Vorstandspositionen bei Asics Europa, Asics Österreich und Asics Polen zurück blicken. Zuvor war er bei NIKE Deutschland und bei Hertie. Der 66-Jährige ist als freiberuflicher Berater weiter tätig, wenn er nicht seinen Hobbys Sport, Musik (auch aktiv am Schlagzeug) frönt bzw. sich seiner elfjährigen Tochter widmet. Im „Interview der Woche“ stellt sich Bauer den Fragen.
Seit kurzer Zeit sind Sie Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Volleyball Sport GmbH. Warum haben Sie das Amt übernommen?
Bauer: „Aus mehreren Gründen. Zum einen bin ich beruflich so weit, dass ich mich einem Ehrenamt widmen kann. Volleyball deshalb, weil sich eine besondere Bindung zu Volleyball herausgestellt hat, zu den handelnden Personen, den Sportlern und weil es eine der Hauptsportarten von Asics ist. Und – Volleyball ist einfach eine wunderschöne Sportart.“
Was sind Ihre Aufgaben, was ihre Ziele?
Bauer: „Die Aufgaben sind klar umrissen. Der Aufsichtsrat hat in erster Linie eine überwachende, aber auch eine beratende Funktion. Ich bin verpflichtet, eng mit dem Geschäftsführer zusammen zu arbeiten. Ich glaube, dass ich mit meiner Erfahrung im Wirtschafts- und Marketingbereich dazu beitragen kann, die Ziele der DVS zu erreichen. Mit der Wahl meiner Person ist auch klar, dass der DVS eine noch aktivere Rolle bei der Suche nach Sponsoren zukommen soll.“
Sie hatten auch viel mit anderen Sportarten zu tun. Warum ausgerechnet Volleyball?
Bauer: „Volleyball hat mich schon vorher als Sport fasziniert, das war schon vor meiner Tätigkeit bei Asics so. Die enge Verbindung hat sich durch die Personen ergeben, zudem stand ich dem Sport im Allgemeinen sehr nahe. D.h. nicht, dass ich das Laufen nicht auch mag, aber Volleyball hat sich für mich persönlich als begeisternde Sportart und als besonders erfolgreiche Plattform in der Zusammenarbeit herausgestellt.“
Sie waren und sind jahrelang in der Wirtschaft gewesen und kennen Abläufe, Mechanismen und Vorgehensweisen. Wie können Sie der DVS und dem Volleyball allgemein helfen?
Bauer: „Ich bin ja noch ganz frisch im Amt. Aber in den ersten Sitzungen konnte ich wohl schon den ein oder anderen Anstoß geben. Man muss meiner Meinung nach noch mehr die jeweiligen Stärken von Halle und Beach herausarbeiten und sich nicht im Abarbeiten von Schwächen verlieren. Ziel sollte es sein, mit klarem Profil medial sichtbarer zu werden. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.“
Der Deutsche Volleyball-Verband hat sich eine neue Struktur verpasst, die auf mehr Eigenverantwortlichkeit aller setzt, schlankere Strukturen hat und dem Hauptamt mehr Verantwortung überträgt. Ein Schritt in die richtige Richtung?
Bauer: „Ja. Das entspricht auch meiner Denkweise.“
Aktuell sind die beiden deutschen Nationalteams ohne Trikotsponsor. Ihre Meinung dazu?
Bauer: „Das trifft ja nicht nur die Volleyballer, die Handballer haben beispielsweise das gleiche Problem. Natürlich spielt die Wirtschafts- und Finanzkrise eine große Rolle, da suchen auch die Unternehmen nach Einsparpotenzialen. Grundsätzlich ist das vom Image her sicherlich zu verkraften, es stört keinen Zuschauer. Aber es ist natürlich für die Weiterentwicklung wichtig, jemanden zu haben, der eine entsprechende Gegenleistung bietet. Hier wird es Aufgabe sein, das heraus zu arbeiten, was Volleyball für potenzielle Sponsoren leisten kann. Und da sehe ich eine Menge, alleine schon die Tatsache, eine erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft auszurüsten oder als deren Partner in Erscheinung zu treten. Es muss eine Ehre sein, Trikotpartner der Volleyball-Nationalmannschaft zu sein.“
Wie kann Abhilfe geschaffen werden?
Bauer: „Indem wir Begeisterung für unseren Sport wecken und ein klares Profil anbieten. Es wird ja schon konkret daran gearbeitet, u.a. mit einer Agentur. Wir befinden uns in einer wichtigen Phase der Weichenstellung. Man muss das Wichtige herausarbeiten, sich auf das Erfolgsversprechende konzentrieren und aktiv werden - da werde ich unterstützen.“
Muss denn nur im Spitzensportbereich der Hebel angesetzt werden?
Bauer: „Nein. Ein großes Anliegen von mir ist es, speziell in Schulen Werbung für Volleyball zu machen und die Jugend für Volleyball zu begeistern. Da sehe ich viel Potenzial.“
Sie haben durch ihre Tätigkeit auch die Sportstruktur im Ausland kennen gelernt. U.a. waren Sie auch für den Bereich Polen zuständig. Warum herrscht in Polen eine solche Volleyball-Begeisterung?
Bauer: „Erstaunlicherweise beschränkt sich die Begeisterung mehr auf den Männer-Volleyball, das ist viel extremer als in Deutschland. Vielleicht liegt es daran, dass Volleyball in Polen die Teamsportart Nummer zwei ist - das ist historisch gewachsen. Der amerikanische Einfluss der letzten 40 Jahre hat dort nicht stattgefunden, wie beispielsweise die Joggingwelle, Aerobic usw. Zudem begünstigen die klimatischen Verhältnisse im Nordosten Europas die Hallensportarten. Und im ehemaligen Ostblock wurden die olympischen Sportarten besonders gefördert, da ist Einiges erhalten geblieben.“
Haben Sie durch die großartigen Erfolge der deutschen Volleyballer in diesem Jahr die Hoffnung, dass es ähnliche Zustände in Deutschland gibt?
Bauer: „Das glaube ich nicht, das würde ich wegen der unterschiedlichen Historie und den Strukturen so auch nicht anstreben. Auch wird es im Osten weitere Veränderungen hin zu anderen Sportarten geben. Volleyball sollte bei uns die Erfolge nutzen, um einen höheren Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung zu erreichen, zumal es eine der dynamischsten Teamsportarten mit besonders sympathischen Leistungssportlern ist, die auch in der immer aktuellen Dopingdiskussion sehr gut dasteht.“
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich als neuer Aufsichtsrat-Vorsitzender wünschen?
Bauer: „Ich wünsche mir, dass ich die Position rein fachlich gut ausfülle. Und dann, dass ich dazu beitragen kann, dass Volleyball in Deutschland zu einem noch höheren Ansehen und zu wesentlich mehr positiver Aufmerksamkeit gelangt.“