DVV-Männer: WM-Qualifikation in Reichweite

DVV-Männer: WM-Qualifikation in Reichweite Nach dem ‚Kraftakt’ – dem 3:1-Sieg gegen Finnland – können die deutschen Männer jubeln. Am letzten Spieltag haben die DVV-Männer somit gute Chancen die WM-Quali zu schaffen



In einem engen, spannenden Spiel haben sich die DVV-Männer gegen den Gastgeber der WM-Qualifikation, Finnland, mit 3:1 (25-21, 27-25, 23-25, 25-23) durchgesetzt. Das deutsche Team zeigte sich gegenüber der Partie gestern gegen Russland vor allem im Angriff und in der Feldabwehr verbessert und bewies über die gesamte Partie Moral und Kampfgeist. Gegen die Finnen, die von knapp 7100 Zuschauern – neuer Zuschauerrekord bei finnischen Heimspielen - lautstark unterstützt wurden, musste sich die deutsche Mannschaft in einige schwierige Situationen behaupten, was eindrucksvoll gelang. Nun steht morgen, am letzten Spieltag der Qualifikation, das Match des deutschen Teams gegen Belgien an. Sollte den DVV-Männern hierbei erneut ein Erfolg gelingen, hat die deutsche Mannschaft gute Chancen sich für die WM 2010 in Italien zu qualifizieren. Abhängig wird dies aber auch vom Ausgang der letzten Partie des Turniers sein – Finnland gegen Russland.


Startformation Deutschland: Patrick Steuerwald, Sebastian Schwarz, Marcus Böhme, Björn Andrae, Max Günthör, Jochen Schöps und Libero Ferdinand Tille

Startformation Finnland: Mikko Esko, Antti Siltala, Olli Kunnari, Mikko Oivanen, Konstantin Shumov, Matti Oivanen und Libero Pasi Hyvärinen


Von Anfang an herrscht in der ‘Eissporthalle’ in Tampere eine echte ‘Endspielstimmung’. Das finnische Team gibt mit den insgesamt 7100 Zuschauern – neuer Zuschauerrekord bei finnischen Heimspielen - mächtig Gas, aber das DVV-Team hält dagegen. Auf deutscher Seite gibt es eine personelle Veränderung in der Start-Sechs, für Kapitän Kromm beginnt Andrae. Im deutschen Spiel ist der Block und das Angriffsspiel über die Mitte deutlich effektiver als gestern gegen Russland. Die Finnen halten mit einer guten Feldabwehr und einem variantenreichen Angriffsspiel dagegen. Ab Mitte des Satzes kann sich das DVV-Team aber einen knappen Vorsprung herausspielen und lässt die Finnen auch nicht mehr zum Ausgleich kommen. Das haben sich die Gastgeber, zumindest in Teilen, selbst zuzuschreiben. 11 Eigenfehler im ersten Satz sind deutlich zuviel. Das deutsche Team spielt dagegen mit einer geringen Fehlerquote und das macht den entscheidenden Unterschied. Mit 25-21 holt sich das DVV-Team den ersten Durchgang.

Die Gastgeber sind jetzt gefordert und versuchen den Druck weiter zu erhöhen. Aber das deutsche Team läst sich nicht verunsichern oder überrumpeln. Zur ersten Technischen Auszeit (TA) liegen die DVV-Männer mit einem Punkt vorne. Doch nach zwei Missverständnissen im deutschen Spiel, haben sich die Gastgerber wieder die Führung gesichert und können diese mit in die zweite TA nehmen. In dieser Phase wechselt Bundestrainer Raul Lozano Bakumovski für Schwarz, was der deutsche Annahme wieder mehr Stabilität gibt. Es folgen ein erfolgreicher Angriff von Andrae und ein Ass von Grozer und das DVV-Team hat den Ausgleich wieder hergestellt. Doch durch zwei höchst umstrittene Entscheidungen des ersten Schiedsrichters gerät das deutsche Team erneut ins Hintertreffen. Doch die DVV-Männer zeigen Moral und Kampfgeist. Auch in dieser Drucksituation, die 7100 finnischen Fans erzeugen eine enorme Geräuschkulisse, hält das DVV-Team weiter dagegen und kann in dieser Phase die ‚Big Points’ für sich verbuchen. Ein Ass von Grozer bringt dem deutschen Team den ersten Satzball. Diesen und einen Weitern können die Finnen noch abwehren, doch dann packt Günthör im Block zu und holt damit den zweiten Satz für ‚Team Deutschland’. Mit 27-25 geht der Durchgang, trotz 14 Eigenfehler – allein 9 im Aufschlag – an die DVV-Männer.

Der Anfang des dritten Durchgangs ist erneut umkämpft und knapp. Die 1-Punkte-Führung wechselt ständig, bis zum 11-11. Dann kann das deutsche Team mit zwei gelungenen Aktionen, Hinterfeldangriff von Andrae und Block von Günthör, auf 13-11 davonziehen und Finnlands Coach, Mauro Berruto, ist gezwungen eine Auszeit zu nehmen. Doch die Finnen wackeln weiter. Zwei Aufschlag- und ein Angriffsfehler bringen dem deutschen Team eine 3-Punkte-Führung zur zweiten TA. Die Gastgeber wehren sich jetzt mit vollstem Einsatz gegen die drohende Niederlage und können zum 17-17 ausgleichen. Jetzt sind auch wieder die 7100 Zuschauer mit voller Lautstärke und Unterstützung dabei, die ‚Eissporthalle’ bebt. Als Lehtonen mit 19-18 die Führung für die Finnen zurückholt, muss Lozano eine Auszeit nehmen. Als die Finnen kurz danach die Führung auf 21-19 ausbauen, nimmt der deutsche Coach gleich Timeout Nr. 2. Das DVV-Team kann zwar noch mal verkürzen, doch als Sammelvuo den deutschen Block anschlägt, haben die Gastgeber zwei Satzbälle. Den Zweiten verwandelt Mikko Oivanen mit einem überlegten Diagonalschlag. 25-23 geht der dritte Satz an Finnland.

Die deutsche Mannschaft erarbeitet sich den besseren Start in den vierten Durchgang. Mit großem Einsatz im Block und in der Feldabwehr holt sich das DVV-Team immer wieder die Chance zum Punktgewinn – mit anschließendem Erfolg. In die erste TA geht das deutsche Team mit 4 Punkten Vorsprung. Diesen Vorsprung hält das deutsche Team auch bis Mitte des Satzes. Dann wackelt die DVV-Annahme kurz, Finnland verkürzt auf 13-10 und Lozano nimmt eine Auszeit. In die zweite TA nimmt das deutsche Team zwar den 3-Punkte-Vorsprung noch mit, danach wiederholt sich die Geschichte des dritten Satzes – aber nur kurz. Die Finnen gleichen zum 17-17 aus und sofort sind die lautstarken Fans wieder voll da. Doch anderes als in Durchgang Drei halten die DVV-Männer dagegen und verhindern, dass die Finnen in Führung gehen können. Andrae und Wiebel lassen mit ihren Punkten das deutsche Team wieder davonziehen. Neben ein paar Fehlern auf finnischer Seite sorgt vor allem ein Akteur für deutsche Matchbälle. Jochen Schöps zeigt insgesamt eine starke Partie, mit einem überragenden vierten Satz. Der ‚sanfte Killer’ macht allein in diesem Durchgang 10 Punkte und beendet selbst schwierige Situationen erfolgreich. Zwar können die Finnen noch zwei deutsche Matchbälle abwehren, aber dann kann Schwarz die Annahme sicher zu Steuerwald bringen, der setzt Schöps ein und der macht die Partie für das deutsche Team zu. Mit 25-23 geht der letzte Durchgang und damit auch das Match ans DVV-Team.


„Spielfilm“

1. Satz: 1-1 (Schöps im zweiten Versuch), 3-3 (Block von Steuerwald), 7-8 (Mikko Oivanen schlägt den deutschen Block an), 10-8 (die Finnen machen zwei Angriffsfehler in Folge), 12-11 (Günthör mit Schnellangriff), 16-14 (Shumov setzt seinen Aufschlag ins Netz), 20-18 (Günthör per Aufsteiger), 22-20 (Wiebel versenkt den Ball im finnischen Drei-Mettet-Raum), 25-21 (Shumov schläft Angriff ins Aus)

2. Satz: 3-2 (Schöps holt die Führung fürs DVV-Team), 8-7 (Mikko Oivannen setzt Angriff ins Aus), 8-10 (zwei Unstimmigkeiten im deutschen Spiel bringen den Finnen die Führung zurück), 12-12 (Grozer gerade für Steuerwald gekommen, schlägt den finnischen Block an), 14-16 (Shumov überwindet den deutschen Zweierblock), 16-16 (Grozer mit Ass), 20-21 (Grozer schlägt den Block an), 24-23 (Grozer mit Ass), 26-25 (Wiebel mit Aufsteiger), 27-25 (Günthör mit dem Block zum Satzgewinn)

3. Satz: 4-4 (Steuerwald mit Punktgewinn per Einerblock), 7-6 (Wiebel mit Block), 7-8 (Sammelvuo passt am Netz auf), 10-9 (Günthör mit Aufsteiger erfolgreich), 13-11 (Günthör Block), 16-13 (Esko mit Aufschlagfehler), 19-19 (Schöps mit Diagonalangriff erfolgreich), 20-22 (Bakumovski schlägt den finnischen Dreierblock an), 23-25 (Mikko Oivanen holt mit dem zweiten Satzball den Durchgang für die Gastgeber)

4. Satz: 5-2 (Schöps mit zwei Punkten in Folge), 8-4 (Bakumovski diagonal erfolgreich), 10-6 (Günthör mit Schnellangriff), 16-13 (Günthör setzt den Ball ins Eck), 19-17 (Andrae am finnischen Block vorbei ins Feld), 21-18 (Wiebel drischt den Ball ins finnische Feld), 23-20 (genialer Überkopfpass von Steuerwald auf Schöps, der wieder mal klug abschließt),


Stimmen zum Spiel

Raul Lozano, Cheftrainer Deutschland: „Wir waren heute besser im Angriff und in der Verteidigung als gestern, was eine wichtige Grundlage für den Sieg heute war. Eigentlich ist das Match in einigen wichtigen Ballwechseln entschieden worden und wir haben es öfters geschafft die ‚Big Points’ zu machen. Aber dieser Sieg hat auch viel Kraft gekostet – körperlich und mental. Unser Ziel muss es jetzt sein, ganz schnell die Akkus wieder voll zu bekommen, denn in nicht mal 16 Stunde steht ja schon wieder die Partie gegen Belgien an.“

Mauro Berruto, Cheftrainer Finnland: „So ist Volleyball – ein paar Punkte entscheiden manchmal über Sieg oder Niederlage. Das macht diesen Sport so interessant, aber phasenweise auch grausam – wie heute für uns. Im ersten Satz haben wir viel zu viele Fehler gemacht, damit bin ich nicht einverstanden, ansonsten kann ich meiner Mannschaft keine Vorwurf machen, sie hat heuet alles gegeben. Vielleicht hat im Spiel zweier gleich starker Mannschaften heute auch Jochen Schöps den Unterschied gemacht, der gerade im entscheidenden Satz überragend gespielt hat. Aber auch wenn diese Niederlage für uns sehr bitter ist, so haben wir weiterhin alle Möglichkeiten uns für die WM zu qualifizieren.“

Robert Kromm, Kapitän Deutschland: „Es war ein sehr schwieriges Spiel für uns, weil die Finnen sehr aggressiv gespielt haben und die ganze Zeit von den vielen Fans gepuscht worden sind. Aber wir haben sehr gut dagegen gehalten und uns so schlussendlich diesen Sieg auch verdient, der ohne Frage sehr knapp war.“

Tuomas Sammelvuo, Kapitän Finnland: „Wir wussten natürlich um die enorme Bedeutung dieses Spiel und sind jetzt sehr enttäuscht, dass wir nicht gewinnen konnten. Ich denke es war insgesamt ein ausgeglichenes Spiel, indem das deutsche Team nur wenige Punkte besser war, aber das hat ausgereicht. Aber noch ist diese WM-Qualifikation nicht entschieden, wir haben mit einem Sieg gegen Russland morgen immer noch die Chance unser Ziel zu erreichen.“

Eugen Bakumovski: „Wir haben uns im Vergleich zu gestern spielerisch sicherlich gesteigert, aber wichtig war heute auch die emotionale Ebene. Wir haben alles mental gegeben um dieses Spiel für uns zu entscheiden und sind für diesen Einsatz belohnt worden. Jetzt müssen wir morgen gegen die Belgier gewinnen und dann abwarten, wie das Spiel zwischen Finnland und Russland ausgeht.“


Statistik
GER: Aufschlag (17 Fehler und 2 Asse), Block (8 Punkte), Angriffsquote (50 %)
FIN: Aufschlag (16 Fehler und 1 Ass), Block (7 Punkte), Angriffsquote (46 %)


Wegen des Modus, bei Gleichstand der Spielpunkte entscheiden die Satzpunkte, ist das deutsche Team selbst bei einem morgigen Sieg gegen Belgien noch nicht sicher für die WM qualifiziert. Sollte Finnland nämlich gegen Russland gewinnen können, wären Deutschland und der Gastgeber in den Spielpunkten gleichauf und die Satzpunkte müssten entscheiden. Da liegt Finnland momentan noch vor dem deutschen Team. Somit bekommt die ‚alte Sportregel’ morgen für die DVV-Auswahl eine ganz aktuelle Bedeutung: Jeder Punkt zählt!“

Der deutsche Kader bei der WM-Qualifikation in Tampere/Finnland: Patrick Steuerwald, Ferdinand Tille, Eugen Bakumovski, Max Günthör, Sebastian Schwarz (alle Generali Haching), Georg Grozer, Marcus Böhme (alle VfB Friedrichshafen), Robert Kromm (Verona/ITA), Georg Wiebel (Maaseik/BEL), Jochen Schöps (Odintsovo/RUS), Simon Tischer (Piräus/GRE), Björn Andrae (Athen/GRE)

Alle Infos zur WM-Qualifikation in Tampere/Finnland