DVV-Männer: Im EL-Finale gegen Europameister Spanien
Die deutsche Männer-Nationalmannschaft hat mit 3:0-Erfolg (26:24, 25:20, 25:23) gegen Portugal das Finale der European League erreicht. In knapp 80 Minuten Spielzeit gewann das Team von Bundestrainer Raul Lozano gegen den Gastgeber und wird damit am Sonntag um 20:30 Uhr (CET) gegen Spanien um den Titel spielen. Die Spanier setzten sich im zweiten Halbfinale gegen die Slowakei mit 3:1 (12-25, 27-25, 30-28, 25-29) durch.
Portimao. Die verjüngte Männer-Nationalmannschaft des DVV landete am Samstag im sommerlichen Spiel-Dauermarathon einen weiteren Achtungserfolg. Bei der dritten Finalteilnahme nach 2004 und 2008 in der European League an der portugiesischen Algarve schaffte die Formation mit Kapitän Robert Kromm erstmals den Einzug in das Endspiel. Gegen Gastgeber Portugal (30. der Weltrangliste, aber vor zwei Jahren an gleicher Stelle erst im Finale Spanien unterlegen) gab es für Deutschland (momentan 13. der FIVB-Weltrangliste) den erhofften 3:0 (26:24, 25:20, 25:23)-Erfolg. Ohne die Peking-Fahrer Björn Andrae, Simon Tischer, Christian Pampel und Marcus Popp, die pausierten, aber für die weiteren Höhepunkte des Sommers wie abschließende WM-Qualifikation in Finnland (7. bis 9. August) und EM-Endrunde in der Türkei (7. bis 13. September) Bundestrainer Raul Lozano prinzipiell ihr Mitwirken angeboten haben.
In der modernen und bei Außentemperaturen um die 30 Grad angenehm klimatisierten Mehrzweckhalle in Portimao (etwas über 50 000 Einwohner) am westlichen Rand der Algarve schienen die Portugiesen der Prognose des Italo-Argentiniers im deutschen Dress trotzen zu wollen. "Ich sehe Spanien, die Slowakei und unsere Mannschaft etwa auf einem Leistungsniveau und meine, dass Portugal da nicht mithalten kann", hatte Lozano vor dem ersten Ballwechsel prognostiziert. Doch die Einheimischen mit dem Spielführer und Leistungsträger beim VfB Friedrichshafen, Jose Joao, hielten, angetrieben von rund 1000 Zuschauern in der für 4000 Besucher ausgelegten Arena, unverdrossen dagegen. Führten 16:14, 19:17. Da reagierte der deutsche Bankchef. Er hatte mit Robert Kromm, Max Günthör, Ferdinand Tille, Patrick Steuerwald, Georg Grozer, Sebastian Schwarz und Georg Wiebel beginnen lassen. Bis auf den Mittelblocker Wiebel (32) durchweg Akteure 25 Jahre und jünger. Doch nun machte Lozano den Doppelwechsel Jochen Schöps für Grozer und Manuel Rieke auf Zuspiel für Steuerwald sowie wenig später noch Eugen Bakumovski für Kromm in der Annahme. Das zahlte sich aus. Bei 24:23 hatten die Gäste den ersten Satzball, den sie kurz danach zum 26:24 verwandeln konnten.

Foto CEV: Georg Grozer mit einem wuchtigen Angriff. Insgesamt steuerte der VFB-Spieler 9 Punkte zum deutschen Sieg bei
Im zweiten Durchgang blieben Schöps, Rieke, Kromm in der Startformation. Die agierte nun selbstbewusster, sicherer und effektiver. Bei 16:11 war eine Vorentscheidung gefallen. Auf der Gegenseite tauschte Headcoach Juan Diaz die Zuspieler - Tiago für Carlos. Was am Geschehen nichts änderte. Weil auch der deutsche Block (insgesamt 9:3 Punkte) den erfolgreichsten Punktesammler (17 bei 41 Angriffen) der Begegnung, den in Italien engagierten Valdir, immer besser kontrollierten. Lozano setzte sein Wechselspiel (wieder Steuerwald bzw. Grozer, später Marcus Böhme) auch im dritten Durchgang (14:10, 20:18) erfolgreich ein. Insgesamt erhielten außer Dirk Westphal innerhalb der 82 Spielminuten die restlichen elf Akteure Einsatzzeiten.
Zuvor war Turnierfavorit Spanien seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Der Europameister (Nr. 10 der Weltrangliste) besiegte den Titelverteidiger Slowakei mit 3:1 (12:25, 27:25, 30:28, 25:19) nach anfänglichen Schwächen. Die Iberer, in der Vorrunde in zwölf Partien ungeschlagen, spielen am Sonntag (Ortszeit 19.30 Uhr/MEZ 20.30 Uhr) um den Turniersieg. Die Slowaken (im Ranking vom Januar nur 46.) treten um 17 Uhr (MEZ 18 Uhr) zum Match um Rang drei an.

Foto CEV: Jubel bei ‚Team Deuschland’. Obwohl es phasenweise eine enge Partie war, setzen sich die DVV-Männer am Ende klar mit 3:0 durch
Stimmen zum Spiel
Raul Lozano: "Ich denke, der erste Finaleinzug in der Euroliga ist ein wichtiger und wertvoller Erfolg für den deutschen Volleyball...anfangs war unser Spiel nicht präzise und Portugal sehr gut. Dann lief es sehr gut in Angriff und Feldabwehr, ehe wir dort wieder nachließen. Nun ist im Erfolgsbuch eine Seite abgehakt und wir schlagen die nächste gegen Spanien auf. Da wünsche ich mir gegen einen jungen und aggressiven Gegner eine Steigerung vor allem in Angriff und Block."
Joao Jose, Kapitän Portugiesen: "Die Mannschaft mit dem besseren Spiel und mit eindeutig mehr Optionen von der Bank hat verdient gewonnen. Als der gegnerische Block sich eingestellt hatte, lief das Geschehen gegen uns."
Robert Kromm (zuletzt Padua, nun Verona), zum dritten Mal Kapitän: "Dass wir den ersten Satz am Ende drehen konnten, war der Knackpunkt."
Zuspieler Manuel Rieke (Netzhoppers KönigsWusterhausen), der mit einem Einerblock das 26:24 im ersten Satz perfekt machte: "Wir haben nicht schlecht, aber auch nicht optimal gespielt. Die Wechsel haben gezeigt, dass jeder zum Erfolg beitragen kann. Das ist die besondere Qualität dieser Mannschaft. Wir werden auch gegen die Spanier alles geben und versuchen sie zu schlagen."
Mittelblocker Max Günthör (Generali Haching): "Klar, richtungweisend war der erste Abschnitt...wir hatten immer mal in den Durchgängen ein paar up und downs. Die müssen wir gegen Spanien möglichst vermeiden."
Teammanager Tom Schwenk: "Alle, die reinkommen, bringen Leistung und helfen der Mannschaft. Das war in der gesamten Euroliga so. Hut ab auch vor dem Auftritt von Max Günthör. Nach drei Wochen Pause und sechs verpassten Wettspielen war er sofort wieder eine wichtige Stütze der Mannschaft."
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(epo)