DVV-Frauen: Mit Abschlusssieg ein ‚Ausrufezeichen’ gesetzt
Mit einer ganz starken Vorstellung haben die DVV-Frauen auch das letzte WM-Qualifikationsspiel für sich entschieden. Mit 3:0 (25-23, 25-20, 25-18) besiegten sie die Niederländerinnen in deren ‚Heimspiel’ vor 1500 ‚Oranje-Fans’. Mit diesem Sieg beendete das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti nicht nur eine lange Niederlagenserie gegen die Holländerinnen, sondern setzte auch ein klares Ausrufezeichen hinter ein insgesamt starkes Qualifikationsturnier.
Startformation Deutschland: Kathleen Weiss, Maren Brinker, Christiane Fürst, Corina Ssuschke, Margareta Kozuch, Heike Beier und Libera Kerstin Tzscherlich
Startformation Niederlande: Kim Staelens, Francien Huurmann, Chaine Staelens, Caroline Wensink, Manon Flier, Ingrid Visser und Libera Janneke van Tienen
Die 1500 Zuschauer im gut besetzen Topsportcentrum in Alemere sehen einen ausgeglichenen Spielbeginn in einem Match, dass alles andere als ein ‚Freundschaftsspiel’ ist. Schnell wird klar, dass kein Team das eigentlich ‚unbedeutend’ gewordene Spiel nicht ernst nimmt. Beide Teams wollen dieses Turnier dieses Turnier ungeschlagen beenden. Zwar kann der holländische Block in der Anfangsphase einige deutsche Angriffe abfangen, dafür können die DVV-Frauen deutlich mehr Druck im Aufschlag entwickeln. In kleinen Schritten erarbeitet sich das deutsche Team so eine Führung. In die erste Technische Auszeit (TA) geht das deutsche Team mit 2 Punkten Vorsprung. Auch wenn Hollands Coach Avital Selinger kurze Zeit später eine Auszeit nimmt gelingt es den Niederländerinnen nicht den Rückstand zu verkleinern. Zur zweiten TA führen die deutschen Frauen mit 16-13. Nach der Pause kann das niederländische Team aber bis auf einen Punkt verkürzen, so dass Guidetti gezwungen ist eine Auszeit zu nehmen. Danach spielt das deutsche Team wieder stabiler und zieht erneut davon- 20-17. Jetzt nimmt Avital Selinger wieder ein Time Out um sein Team für die Satzschlussphase neue Anweisungen zu geben. Es folgen einige längere Ballwechsel in denen beide Teams einige Punktechancen nicht nutzen können. Zwar kann Visser mit einem starken Aufschlag den zwischenzeitlichen Ausgleich herstellen – 21-21 – doch das DVV-Team lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und geht wenig später mit 23-21 in Führung. Wieder können die Niederländerinnen ausgleichen, aber ein Fehlaufschlag der Holländerinnen beschert den deutschen Frauen dann doch den ersten Satzball. Den darauf folgenden starken Aufschlag kann die holländische Annahme nicht kontrollieren, der Ball fliegt sofort ans Netz zurück, wo Ssuschke aufpasst und ‚zuschlägt’. Einen ausgeglichenen Satz können die deutschen Frauen so mit 25-23 für sich entscheiden.
Das Match bleibt unverändert eng. Zwar führt das deutsche Team – wieder aufgrund der besseren Aufschläge – zur ersten TA mit 8-6 und wenig später sogar mit 11-8, dann finden die Holländerinnen aber über ihr sehr gutes Blockspiel erneut den Anschluss zum 12-11. Doch im Gegensatz zum Spiel gegen Slowenien erlaubt das deutsche Team dem Gegner nicht eine Serie zu starten. Mit viel Einsatz und Kampf halten die DVV-Frauen dagegen und schaffen es erneut den Vorsprung auszubauen. Zur zweiten TA führt das deutsch Team wieder mit 3 Punkten. Doch wie schon im ersten Satz können die Niederländerinnen, lautstark angefeuert von den heimischen Fans, den Rückstand verkürzen – 17-18. Guidetti nimmt eine Auszeit. Und wieder kehrt das deutsche Team stabil aufs Feld zurück und übernimmt erneut die Kontrolle. Mit dieser wiederkehrenden Stärke des deutschen Teams haben die Holländerinnen scheinbar nicht gerechnet. Das ‚Oranje-Team’ wackelt jetzt in Annahme und Angriff und beschert dem deutschen Team mit einem Fehler mehrere Satzbälle. Zu dieser ‚Einladung’ sagt Brinker mit einem harten Diagonalangriff ‚Dankeschön’ und verwandelt zum 25-20 für die DVV-Frauen. Diesen Satz hat das deutsche Team auch mit seinem sehr starken Annahmeriegel gewonnen, der Wert von 70% guter Annahme bei den DVV-Frauen, trotz mächtiger Aufschläge von Flier, Staelens & Co, spricht für sich.

Foto FIVB: Margareta Kozuch war mit insgesamt 14 Punkten ‚punkbeste’ deutsche Spielerin und hatte somit einen großen Anteil am Erfolg gegen die Niederlande
Das deutsche Team wird mit jedem Satzgewinn stabiler und stärker. Die Niederländerinnen wirken dagegen jetzt stark verunsichert. Auf Grundlage der starken Aufschläge von Weiß legt das deutsche Team eine ‚Blitzstart’ hin – 5-1. Flier kann mit ihrem druckvollen Service den Rückstand zwar wieder verkürzen, dennoch bleibt ‚Team Deutschland’ zur ersten TA mit 8-6 vorn. Der Spielverlauf ähnlich wieder den ersten beiden Durchgängen. Nach der Unterbrechung legt das deutsche Team einen ‚Zwischenspurt’ ein, dem die Gastgeberinnen nicht folgen können. Bei der deutschen 12-7-Führung muss Avital Selinger das Spiel mit einer Auszeit unterbrechen um das Team wieder auf Kurs zu bringen. Das Vorhaben gelingt, die Niederländerinnen kommen stark zurück. Mit der größten Stärke am heutigen Tag – dem Block – wandeln die Niederländerinnen den Rückstand jetzt sogar in einen Vorsprung um. Guidetti muss nun ebenfalls reagieren. Erst mit einer Auszeit, als das keine Verbesserung im deutschen Spiel bringt wechselt der deutsche Coach Roll, Roß und Hanke für Weiß, Kozuch und Beier ein. Genau die richtige Entscheidung des Trainers. Vor allem die erfahrene Außenangreiferin aus Schwerinerin zeigt ab der ersten Sekunde auf dem Feld eine überragende Leistung. Guter Aufschlag, stabile Annahme und mit jedem Angriff erfolgreich, bringt Roll das deutsche Team wieder voll auf Kurs. 4 Punkte in Folge können die DVV-Frauen erzielen und sich somit die Führung zurückholen. Genau zur richtigen Zeit ist jetzt der deutsche Block auch wieder zur Stelle und lässt kaum noch einen niederländischen Angriff durch. Nach einem langen Ballwechsel bekommt wieder Roll den Ball, die mit einem erfolgreichen Hinterfeldangriff mehrere Matchbälle für das deutsche Team herausholt. Gleich den ersten können die DVV-Frauen nutzen. Wieder ist es Roll, die den Ball unerreichbar für die Niederländerinnen ins Feld schlägt und damit den Satz – 25-18 – und den Gesamterfolg für das deutsche Team klar macht.
„Spielfilm“
1. Satz: 3-2 (Fürst mit Aufsteiger), 8-6 (Starker Aufschlag von Brinker), 11-8 (Beier überlobt den holländischen Block), 16-13 (Brinker gegen den Zweierblock erfolgreich), 20-17 (Kozuch diagonal), 22-21 (Brinker drischt den Ball in holländische Feld), 25-23 (Ssuschke passt am Netz auf)
2. Satz: 5-2 (Ssuschke blockt Huurmann), 8-6 (Beier schlägt den niederländischen Block an), 11-8 (Zuspielertrick von Weiß), 16-12 (Ssuschke verwandelt direkt), 20-17 (Kozuch gegen Zweierblock erfolgreich), 22-18 (Beier blockt Flier), 25-20 (Brinker überwindet den holländischen Block),
3. Satz: 2-1 (Fürst packt im Block zu), 4-1 (Weiß mit Ass), 8-6 (Technischer Fehler von Huurmann), 11-7 (Ssuschke passt erneut am Netz auf), 14-16 (Brinker verschlägt den Aufschlag), 20-18 (Kozuch haut den Ball ins Feld), 25-18 (Roll verwandelt den ersten Matchball für das deutsche Team)

Foto FIVB: Der Mannschaftskapitän hat allen Grund vor Freude die Faust zu ballen – mit der Leistung des deutschen Teams im gesamten Turnier konnte Christiane Fürst sehr zufrieden sein
Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Giovanni Guidetti: „Wir haben heute wirklich Volleyball auf einem hochklassigen Level gezeigt. Das Team wollte unbedingt gewinnen und hat dieses Ziel eindrucksvoll umgesetzt, obwohl uns Holland nichts geschenkt hat, ganz im Gegenteil. Man hat gemerkt, dass sie zu Hause gegen uns auf keinen Fall verlieren wollten, aber mein Team war heute stärker. Wir haben ein neues Team geschaffen wo alles passt, die Spielerinnen und der Staff bilden eine tolle Einheit. Und ich glaube, dass wir heute angefangen haben eine neue Geschichte zu schrieben. Mit diesem Team, mit dieser Leistung können wir noch viel erreichen.“
Kathy Radzuweit: „Wir haben heute wirklich eine tolle Leistung gezeigt und damit wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Holland wollte heute unbedingt gegen uns gewinnen, aber wir waren stärker. Insgesamt haben wir ein tolles Turnier gespielt und uns nicht nur für die WM qualifiziert, was sehr wichtig ist, sondern uns als Team noch mal weiterentwickelt. Ich habe ja gesagt, dass ich dem Team bis zum Ende dieses Turniers helfen werden, was ich sehr gerne getan habe, weil wir das gesamte Team sehr am Herzen liegt. Jetzt konzentriere ich mich erst mal auf den Beginn den neuen Bundesligasaison und ob noch mal ins Nationalteam zurückkehren werde, ist noch völlig offen.“
Sabrina Roß: „Der Sieg heute war einfach nur genial. Obwohl beide Teams ja schon qualifiziert waren, wollten beide unbedingt gewinnen. Man hat den Holländerinnen klar angemerkt, dass sie gerade zu Hause gegen uns nicht verlieren wollten und wir hatten uns vor genommen endlich die Niederlagenserie gegen Holland zu beenden. Das ist uns eindrucksvoll gelungen. Heute haben wir begonnen eine neue Geschichte zu den Spielen gegen Holland zu schreiben und das passt sehr gut zum Gesamteindruck des Turniers. Wir haben hier als Team wirklich eine klasse Leistung gezeigt und sind dafür auch mit diesem Gesamterfolg belohnt worden.“
Statistik
GER: Aufschlag (10 Fehler und 10 Asse), Block (8 Punkte), Angriffsquote (44 %)
NED: Aufschlag (7 Fehler und 6 Asse), Block (4 Punkte), Angriffsquote (34 %)
Gesamtresümee
Die Vorzeichen für das WM-Qualifikationsturnier in Alemere waren klar. Die Niederlande, gerade auch wegen dem Heimvorteil, wurden als leichter Favorit auf den Turniersieg gehandelt. Dem deutschen Team wurden ebenfalls gute Chancen zugeschrieben, die Qualifikation zu schaffen. Auch für die Zukunft des Teams eine ‚Pflicht’, die dem deutschen Team gehörigen Druck auflastete. Der Druck wurde noch viel stärker, als im ersten Spiel – als ‚Endspiel zu Beginn des Turniers’ eingeschätzt – Aserbaidschan vor allem ab dem dritten Satz eine unglaubliche Leistung zeigte und das deutsche Team an den Rand einer Niederlage brachte. Allein die Tatsache nach einer 2:0-Sätzeführung noch zwei Sätze abzugeben und im Entscheidungssatz dann mit 1-5 zurückzuliegen, hätte viele andere Teams resignieren und somit wohl auch das Spiel verlieren lassen. Nicht aber die DVV-Frauen in diesem wichtigen Turnier. Das deutsche Team entwickelte – gerade dort wo es darauf ankam – eine ‚kämpferische Siegermentalität’, die nicht nur am Ende den Erfolg gegen Aserbaidschan bescherte, sondern wodurch die deutschen Spielerinnen auch alle entscheidenden Situation in den Partien gegen Slowenien und die Niederlande für sich entschieden. Eine ‚neue’ Qualität des deutschen Teams, die das unterstreicht, was Bundestrainer Guidetti am Ende es Turniers feststellte: „Wir wollten nicht nur diese wichtige WM-Qualifikation schaffen, sondern auch als Team weiter zusammenwachsen und wieder einen Schritt nach vorne machen. Das ist uns eindrucksvoll gelungen und ich glaube sehr stark, dass dieses Team noch weitere Schritte nach vorne machen kann und so noch weitere Erfolge erzielen wird.“ Als Ziel, neben der WM-Qualifikation, hatten sich DVV-Frauen in Alemere fest vorgenommen anzufangen eine neue ‚Team-Geschichte’ zu schreiben – dies ist ihnen eindrucksvoll gelungen!

Foto FIVB: Der ungeschlagenen Turniersieger beim WM-Qualifikationsturnier in Alemere – ‚Team Deutschland’
Der WM-Quali Kader der deutschen Frauen: Denise Hanke, Sylvia Roll (Schweriner SC), Kerstin Tzscherlich (Dresdner SC), Lisa Thomsen (USC Münster), Sabrina Roß (Allianz Volley Stuttgart), Maren Brinker (TSV Bayer 04 Leverkusen), Kathy Radzuweit (VT Aurubis Hamburg), Corina Ssuschke (Cesena/ITA), Margareta Kozuch (Novara/ITA), Heike Beier (Piacenza/ITA), Kathleen Weiß (Amstelveen/NED), Christiane Fürst (Bergamo/ITA)
Alle Informationen zur WM-Qualifikation der deutschen Frauen