DVV-Frauen: Knappe Niederlage zum Abschluss
Zum Abschluss der drei Testspiele gegen den Olympia-Fünften Japan verlor die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mit 2:3 (16-25, 25-21, 19-25, 25-20, 11-15) in Dessau den letzten Vergleich gegen die Gäste aus Asien. Trotz der Gesamtbilanz von zwei Niederlagen und ‚nur’ einem Sieg, kann für die Länderspielserie gegen den Sechsten der Weltrangliste aber in Teilen ein positives Resümee aus DVV-Sicht gezogen werden. Vor allem der überlegende 3:0-Sieg der deutschen Frauen am Vortag in Angermünde zeigte erneut auf, dass das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti an guten Tagen in der Lage ist eines der besten Teams der Welt zu schlagen, phasenweise sogar zu dominieren.
Startformation Deutschland: Kathleen Weiß, Anja Brandt, Maren Brinker, Esther Stahl, Corina Ssuschke, Heike Beier und Libera Lenka Dürr
Startformation Japan: Megumi Kurihara, Yoshe Takeshita, Kaori Inoue, Yuki Ishikawa, Mizuho Ishida, Saori Kimura und Libera Yuko Sano
Beide Teams treten in Dessau erneut mit einer neuen ‚Ersten Sechs’ an. Auf deutscher Seite dürfen, im Vergleich zu gestern, nur wieder Beier und Ssuschke beginnen, ansonsten stehen Weiß, Stahl, Brinker und Brandt auf dem Feld. Japans Coach Masayoshi Manabe scheint nicht noch einmal 0:3 gegen das deutsche Team verlieren zu wollen und hat ebenfalls personell umgestellt. Von Anfang an steht nun das stärkste japanische Team auf dem Court, angeführt von der besten Zuspielerin der letzten WM - Yoshe Takeshita. Dies wirkt sich auch gleich auf den Spielverlauf aus. Vom ersten Ballwechsel an bestimmen die Gäste mit ihrem schnellen Spie die Partie. Beim Stande von 5-11 aus deutscher Sicht reagiert Guidetti und nimmt eine Auszeit. Als sich aber auch nach dieser Unterbrechung das deutsche Spiel nicht verbessert wechselt Guidetti kurz vor der zweiten Technischen Auszeit (TA) Hanke für Weiß im Zuspiel und Kozuch für Stahl. Doch auch dies bringt nicht die erwünschte Verbesserung im deutschen Spiel und so muss Guidetti seine zweite Auszeit nehmen. Die Japanerinnen bleiben aber weiterhin in allen Bereichen klar überlegen. Das deutsche Team macht es den Gästen im ersten Durchgang aber auch einfach. Kaum Druck und Präzision im Aufschlag, kein gutes Blockspiel und auch die meisten deutschen Angriffen landen im Aus oder im japanischen Block. Ohne große Schwierigkeiten erspielen sich die Gäste somit zahlreiche Satzbälle. Beier kann zwar noch dreimal in Folge punkten, aber am Ende holen sich die Japanerinnen den ersten Durchgang ungefährdet mit 25-16.
Die Ansprache von Bundestrainer Guidetti muss in der Satzpause deutlich gewesen sein, das deutsche Team spielt Anfang des zweiten Satzes wie ausgewechselt. In Aufschlag, Block und Angriff agiert das DVV-Team jetzt voll konzentriert und effektiv und hat sich zur ersten TA einen 8-3 Vorsprung herausgespielt. Obwohl die gleichen Sechs auf dem Feld stehen, die im ersten Satz kein Mittel gegen das japanische Spiel fanden, ist es jetzt ein ganz anderer Spielverlauf. Das deutsche Team kann seinen Vorsprung sogar auf 16-10 ausbauen, doch dann schlägt Japan zurück. Vier Punkte in Folge für Gäste zwingen Guidetti zu einer Auszeit und zu Wechseln. Für Weiß, Stahl und Brinker kommen Hanke, Kozuch und Roll – in ihrem ersten Länderspiel nach einer jahrelangen Pause. Diese Maßnahmen bringen die Stabilität zurück ins deutsche Spiel und das DVV-Team kann seinen Vorsprung wieder etwas ausbauen und marschiert Richtung Satzausgleich. Zwar können die Japanerinnen noch einmal verkürzen, aber als Kurihara einen Angriff meterweit ins Aus drischt hat das Guidetti-Team den Satzausgleich geschafft.

Foto Alessandro Contadin: Voller Einsatz – von Libera Lenka Dürr und dem gesamten DVV-Team im Spiel gegen Japan. Nach fünf Sätzen wurde der große Einsatz des Teams aber nicht mit einem Sieg belohnt.
Den Schwung des zweiten Durchgangs können die deutschen Spielerinnen nicht mit in den dritten Satz nehmen. Japan erspielt sich schnell einen Vorsprung und baut diesen Schritt für Schritt aus. Kurz nach der ersten TA wechselt Guidetti somit erneut im Zuspiel, Hanke für Weiß, und nimmt wenig später auch eine Auszeit. Den deutschen Spielerinnen gelingen jetzt wieder einige Aktion im Angriff und Blockspiel, aber insgesamt hat das DVV-Team dem wieder sehr schnellen Spiel der Japanerinnen kein effektives Mittel entgegenzustellen. Der dritte Satz scheint an die Japanerinnen zu gehen, auch weil die deutsche Annahme zu viele leichte Fehler macht oder den ‚berühmten Schritt’ zu spät kommt. Ende des Durchgangs hat sich das deutsche Spiel zwar wieder etwas stabilisiert, den phasenweise großen Rückstand kann das DVV-Team aber nicht mehr aufholen. Satz Drei geht also wieder an die Gäste – mit 25-19.
Im vierten Satz hat das deutsche Team sein Tief wieder überwunden und ist vom ersten Punkt voll auf der Höhe. In die ersten TA nimmt das deutsche Team einen Punkt Vorsprung mit. Als anschließend Ssuschke und Matthes im Block zupacken und zudem Kozuch mehrfach den Ball ins japanische Feld drischt, ist der Vorsprung zur zweiten TA auf vier Punkte angewachsen. Das japanische Team zeigt aber sofort eine Reaktion, eine Aufschlagserie von Kimura bringt den Ausgleich für die Gäste – 18-18. Doch das DVV-Team hält dagegen. Matthes zunächst mit einem erfolgreichen Angriff und anschließend starken Aufschlägen holt die Führung für das deutsche Team zurück. Als Ssuschke, einer der besten Deutschen am heutigen Tage, wieder im Block zur Stelle ist, kann das DVV-Team erneut über einen Satzausgleich jubeln – 25-20.
Die knapp 2000 Zuschauer in der Anhalt Arena Dessau bekommen also das ‚Maximum’ geboten – fünf Sätze. Im Tiebreak erwischen die Japanerinnen den besseren Start und gehen mit 4-1 in Führung. Guidetti reagiert, nimmt eine Auszeit. Genau das richtige Mittel. Das deutsche Team schafft den Ausgleich. Vor allem mit dem sehr guten Blockspiel halten die deutschen Spielerinnen das Match jetzt offen. Mit einer 8-7-Fhrung für die Gäste werden die Seiten gewechselt. Zwei leichte Fehler im deutschen Angriff lassen Japan dann aber auf 11-8 davonziehen und Guidetti muss erneut mit einer Auszeit reagieren. Danach startet das deutsche Team seine Aufholjagd, kann aber nicht den Ausgleich erzwingen, weil Japan in dieser Phase mit der Feldabwehr klasse verteidigt und Kimura im Angriff zur Höchstform aufläuft. Am Ende sichert sich der Olympia-Fünfte den fünften Satz mit 15-11 und damit einen knappen Sieg gegen ein deutsches Team, das trotz der Niederlage insgesamt eine wirklich gute Leistung zeigt.
„Spielfilm“
1. Satz: 1-4 (Kimura punktet), 4-7 (Weiß mit Zuspielertrick), 5-11 (Brinker scheitert am Block), 8-16 (Kimura erneut erfolgreich), 8-20 (Kozuch in Aus), 11-22 (Punkt von Kozuch), 16-24 (Beier wehrt drei Satzbälle ab), 16-25 (Ishida macht den Satz zu)
2. Satz: 2-1 (Stahl mit Angriff und Block erfolgreich), 8-3 (Ssuschke verwandelt), 12-5 (Inoue punktet), 14-8 (Brandt mit Block), 16-10 (Ssuschke mit Schnellangriff erfolgreich), 19-15 (Kozuch am Zweierblock vorbei ins Feld), 22-17 (Inoue mit einem Fehler), 23-18 (Hanke verwandelt den zweiten Ball direkt), 25-21 (Kurihara haut den Ball meterweit ins Aus – Satzausgleich)
3. Satz: 2-4 (Beier scheitert am Block), 4-8 (Kimura am deutschen Block vorbei ins Feld), 5-11 (Kozuch schlägt erfolgreich den Block an), 8-16 (Annahmefehler Brandt), 11-18 (Matthes gegen Dreierblock erfolgreich), 16-22 (Brinker schlägt erfolgreich den Block an), 19-25 (Brinker mit Aufschlag ins Aus)
4. Satz: 3-5 (Unstimmigkeiten in der deutschen Feldabwehr), 8-8 (Ishida durch den deutschen Block), 14-10 (Ssuschke am Block vorbei ins Feld), 16-12 (Kozuch mit einem Kracher aus dem Hinterfeld), 18-18 (Kimura mit einigen starken Flatteraufschlägen), 22-19 (Service-Winner von Matthes), 25-20 (Ssuschke macht mit Block den Satz zu)
5. Satz: 1-3 (Kimura durch den deutschen Block), 5-5 (Kozuch bezwingt den Block), 7-7 (Kozuch mit Hinterfeldangriff), 8-11 (Brinker zweimal in Aus), 10-11 (Kozuch mit Block), 10-14 (Kimura holt Matchbälle für Japan), 11-15 (Wieder Kimura erfolgreich und damit der Sieg für Japan)
Stimmen zum Spiel
Bundestrainer Giovanni Guidetti: „Trotz der Niederlage bin ich zufrieden mit unserer Leistung. Wir haben heute wieder unseren neuen Spielerinnen die Chance gegeben Spielpraxis gegen eine der besten Mannschaften der Welt zu sammeln und Japan hat hingegen mit seinem besten Team gespielt. Allein wenn man sieht, dass Anja Brandt gegen Yoshe Takeshita agieren musste, ist das schon ein ungleiches Duell. Das ist ja so, als ob ich gegen Luca Toni Fußball spielen muss. Und in der Hinsicht haben Anja und das ganze Team eine gute Leistung gezeigt. Wir haben heute erneut einen Schritt nach vorne gemacht.“
Masayoshi Manabe (Trainer JPN): „Nach der klaren Niederlage gestern bin ich zufrieden, dass wir heute wieder viel besser gespielt und am Ende auch gewonnen haben. Wir haben mit unserer besten Zuspielerin agiert und das hat unserem Spiel sehr gut getan. Wir waren viel schwerer auszurechnen das hat insgesamt auch den Ausschlag für unseren Erfolg gegeben.“
Heike Beier: „Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel, weil beide Teams heute Höhen und Tiefen hatten. Auch wenn wir verloren haben so gab es doch viele gute Ansätze bei uns. Wir haben und heute zum Beispiel nie entmutigen lassen und immer wieder versucht unser Spiel durchzuziehen. Wenn wir jetzt noch sicherer im Aufschlag und in der Annahme werden, dann werden wir diese Saison noch weit kommen.“
Maren Brinker: „Wir haben eigentlich den gesamten ersten Satz gebraucht um uns an das schnelle Spiel der Japanerinnen, gesteuert von ihrer starken Zuspielerin, zu gewöhnen. Aber wir wollten vor heimischem Publikum nicht verlieren und so haben wir alles gegeben. Das am Ende nicht ganz gereicht hat ist schade, aber insgesamt kann man bei uns wirklich eine fortlaufende positive Entwicklung erkennen.“
Esther Stahl: „Japan spielt einfach sehr flexibel und schnell, was es sehr schwierig macht gegen sie gut zu agieren. Wir haben aber mit unseren Mittel heute gut dagegen gehalten und am Ende hat das Match entschieden, dass die Japanerinnen – gerade in der entscheidenden Phase - weniger Fehler gemacht haben. Für mich persönlich war es heute, wie insgesamt bei meinen ersten Länderspielen, eine sehr große Ehre für Deutschland zu spielen und ich freue mich riesig zu diesem Team zu gehören.“
Statistik
GER: Aufschlag (10 Fehler und 8 Asse), Block (12 Punkte), Angriffsquote (49 %)
JPN: Aufschlag (10 Fehler und 4 Asse), Block (12 Punkte), Angriffsquote ( 48%)
Der deutsche Kader gegen Japan in Dessau: Denise Hanke (Schweriner SC), Anja Brandt (Zurich Team VC Olympia Berlin), Lenka Dürr (Rote Raben Vilsbiburg), Anne Matthes (Dresdner SC), Lisa Thomsen (USC Münster), Nadja Schaus, Maren Brinker (beide TSV Bayer 04 Leverkusen), Esther Stahl (Alemannia Aachen), Corina Ssuschke (Cesena/ITA), Margareta Kozuch (Novara/ITA), Heike Beier (Piacenza/ITA), Kathleen Weiss (Amstelveen/NED)